Sonntag, 24. Januar 2016

Keine Sprachschwierigkeiten auf Helgoland



Heute ist zwar mein erster Urlaubstag, da ich aber erstmal abwarten muss, ob die Fliegers heute überhaupt fliegen, kann ich die Wartezeit auch gut mit einem Blogartikel totschlagen. Wir haben nämlich Nebel und wenn Nebel ist, dann fliegen die Fliegers vom und zum Festland nicht. Aber das wissen wir ja schon alle. Jedenfalls ist gestern etwas passiert, über das es sich durchaus zu berichten lohnt. Was nicht immer der Fall ist. Meine Mama weiß das aus langer leidvoller Telefoniererfahrung mit ihrer Tochter. Aber gestern war es anders.

Meine Mama rief gestern abend noch an, um mir einen schönen Urlaub zu wünschen und fragte bei der Gelegenheit, ob es irgendwas Besonderes gäbe. Fragt sie immer. Und ich sage immer: "Nööö, alles beim alten. Insel steht noch - mitten in der Nordsee, Kirche auch, alles gut." Gestern fiel mir dann aber doch noch was ein: Wir haben, seit ich hier bin, unseren ersten zweisprachigen Gottesdienst gefeiert, der nicht im Rahmen unserer Zanzibar-Partnerschaft stattfand. Unseren ersten "stinknormalen" zweisprachigen Gottensdienst also - den Großteil immer noch auf Deutsch aber einige Teile auf Englisch.

Ergeben hatte sich das Ganze eher zufällig. Auf dieser unserer Insel mitten in der Nordsee gibt es eine Biologische Anstalt des Alfred Wegener Instituts. Diese Bilogische Anstalt holt mit schöner Regelmäßigkeit internationale Studentinnen und Studenten her. Zwei dieser Studenten waren letzten Sonntag bei uns im Gottesdienst, einer aus Ghana und einer aus Madagaskar. Sie fragten mich im Anschluss an den Gottesdienst, ob es vielleicht möglich sei, im Gottesdienst die Predigt ganz kurz auf Englisch zusammenzufassen, da sie der deutschen Sprache nicht so mächtig wären. "Klar!" hab ich gesagt und mich später gewundert, worauf ich mich da schon wieder eingelassen hatte.

Jedenfalls hatte ich das ganze Szenario bei der Gottesdienstvorbereitung noch im Hinterkopf und beschloss kurzerhand, ein paar Lieder rauszusuchen, bei denen auch englische Strophen im Gesangbuch stehen. Ja, liebe Leute, sowas haben wir! Englische Strophen im Gesangbuch! Französische auch, falls es euch interessiert. Swahili haben wir auch zu bieten. Spanisch auch, wenn mich nicht alles täuscht. Damit ist der Beweis geliefert: Wir sind eine Eine-Welt-Kirche! 

So war am Ende der Gottesdienst mit diversen englischsprachigen Brocken bestückt und es gab auch eine Zusammenfassung meiner Predigt auf Englisch. Eine seeeeeehr ausführliche Zusammenfassung meiner Predigt. Okay, es war fast schon eine zweite Predigt. Aber meine Gemeinde hat das alles klaglos mitgemacht. Ist auch keiner eingeschlafen, obwohl die Predigt so lang war, Das ist schonmal ein sehr gutes Zeichen. Ich bin so stolz auf euch! 

Und ich selber habe zwischendurch immer wieder gedacht: Das fühlt sich jetzt richtig an wie Familie! 


Freitag, 22. Januar 2016

Extrem erschöpft

Da mir im Moment die Kreativität für irgendwelche geistreichen Blogartikel fehlt (habe alles an Kreativität für die Weihnachtspredigten verbraten und brauche die letzten Reste für die Sonntagspredigt!), habe ich beschlossen, mich schonmal frühzeitig in den Urlaub zu verabschieden. Ich tue das mit dem wohl skurrilsten Aufdruck einer Shampooflasche, den das Helgoländer Unterland zu bieten hat. Oder genauer: die Drogerie auf dem Helgoländer Unterland.


Also, ich habe keine Ahnung, woran ich extrem erschöpftes Haar erkenne, finde es aber bemerkenswert, dass es eine Shampoomarke gibt, die sich dieser Spezies annimmt. Es gibt bestimmt dann bald auch den Welt-Extrem-Erschöpftes-Haar-Tag. Oder wir gründen die Deutsche Gesellschaft zur Rettung extrem erschöpfter Haare: DGzEEH. Nicht zu verwechseln mit der DGzRS!

Ich habe mein Haar jedenfalls nach dem anstrengenden Marsch über 184 Stufen zum Helgoländer Oberland gefragt, ob es sich jetzt extrem erschöpft fühlt. Habe aber keine Antwort bekommen. Mein Haar redet sehr selten mit mir. Eigentlich hat es noch nie mit mir geredet. Wie soll man da rausfinden, ob es extrem erschöpft genug für besagtes Shampoo ist? 

Meine Beine fühlten sich dagegen sehr wohl extrem erschöpft, was sie durch heftiges Zittern auch kundgetan haben. Die sind da kommunikationsfreudiger als meine Haare. Aber für die Beine ist das Shampoo leider nicht gedacht. Obwohl: vielleicht hilft es ja doch, wenn man sie damit einreibt. Beine sind ja irgendwie auch nicht viel anders als Haare: sind beide mit Zellen umwickelt. Der einzige Unterschied: die Beine sind mit lebenden Zellen umwickelt und die Haare mit abgestorbenen. Aber Zellen sind Zellen, oder? Könnte also funktionieren. Allerdings sind meine Beine Gewohnheitstiere und werden mich in zehn kalten Wintern nicht den guten Franzbrantwein gegen Shampoo für extreme Erschöpfung eintauschen lassen. Außerdem hätte ich die 184 Stufen dann wieder runter gemusst - mit meinen Beinen, denn die kann ich ja schlecht oben lassen - um das Shampoo zu kaufen. Und dann wäre nur noch der Fahrstuhl infrage gekommen, um das Oberland erneut zu erreichen, denn die 184 Stufen hätten meine Beine kein zweites Mal mitgemacht.

Was mir gerade einfällt: Beine haben Muskeln. Deshalb können sie bei Überstrapazierung auch extrem erschöpft sein. Haare haben keine Muskeln. Wie zum Geier können Haare dann extrem erschöpft sein???!!! Haare haben doch keine Muskeln, oder ...? Sagt mir, dass Haare keine Muskeln haben, denn sonst hätte ich gerade zugegeben, dass ich in Bio nicht aufgepasst hab'!

Jedenfalls werde ich ab Montag meinen möglicherweise extrem erschöpften Haaren, meinen manchmal extrem erschöpften Beinen und meinem defitnitiv extrem erschöpften Gehirn eine Erholungspause gönnen. Ohne Shampoo für extrem erschöpfte Haare. Dafür aber mit Sauna, Kaminofen und vielen guten Büchern!