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Aufstehen!

Der ist zwar geklaut und etwas abgewandelt, aber er passt heute einfach zu gut, um ihn nicht zu bringen: „Aufstehen, mein Mädchen!“, weckt die Mutter ihre Tochter, „du musst zur Kirche!“ Die zieht sich die Decke über den Kopf: „Ich mag dort nicht hin!“ „Aber warum denn nicht?“ „Der Gottesdienst dauert immer ewig lange, die Predigt langweilt alle und die anderen da meckern entweder mit mir rum oder ignorieren mich total!“ „Trotzdem“, meint die Mutter streng, „musst du zum Gottesdienst gehen!“ „Aber warum muss ich unbedingt, wenn ich doch nicht mag?“ „Weil du die Pastorin bist!“

Zeit totschlagen

Um 23:15 Uhr!!! Ich bin ja nur froh, dass wir pro Jahr bloß drei Mitternachtsgottesdienste feiern. Die Mitternachtsgottesdienste heißen nicht Mitternachtsgottesdienste, weil sie um Mitternacht anfangen. Die Mitternachtsgottesdienste heißen Mitternachtsgottesdienste, weil sie bis Mitternacht gehen ( mindestens, je nachdem, was Frau Pastorin so alles von der Kanzel aus zu erzählen hat ). Die Bezeichnung "Mitternachtsgottesdienst" finde ich richtig gut, denn das klingt nach "sehr, sehr spät", auch wenn der Mitternachtsgottesdienst nicht erst um Mitternacht anfängt. Eine Stunde vor Mitternacht ist schon spät genug. Weshalb ich so froh bin, dass so ein Mitternachtsgottesdienst bei uns nur dreimal im Jahr vorkommt: An Weihnachten, an Ostern und zum Jahrestag der Wiederfreigabe Helgolands.  Der Wiederfreigabe-Gottesdienst ist richtig heftig, denn der fängt sogar erst um 23.15 Uhr an! ( Christnacht und Osternacht sind dagegen voll früh: schon um 23.00 Uhr! ) Ich stehe dann ...

Der Frühling ist da!

Für mich ist heute Frühlingsanfang! Die Winterkirche ist nämlich vorbei. Nach Winter kommt ja bekanntlich Frühling. Und wenn die Winterkirche vorbei ist, dann fängt danach logischerweise die Frühlingskirche an. Also ist jetzt Frühling! Was der Kalender sagt, ist mir egal. Was die Meteorologen sagen, ist mir auch egal.  Vielleicht sollte ich noch erklärend hinzufügen, was Winterkirche bedeutet: Wir haben im Winter die Gottesdienste ins Gemeindehaus verlegt, um Heizkosten zu sparen. Wir waren der Meinung, dass es weniger kostet, den kleinen, schlecht isolierten Gemeindesaal zu heizen als die große, noch schlechter isolierte Kirche. Ab jetzt, also eigentlich ab morgen, werden die Gottesdienste wieder in der Kirche gefeiert. ( Früüüüüüüühliiiiiiiiiing!!! ) Und da freue ich mich schon drauf. Auch wenn ich immer wieder gerne betone, dass nicht das Gebäude die Kirche ausmacht, sondern die Menschen. Wir haben aber ein sehr schönes Gebäude. Ich finde sogar, dass wir die schönste Kirche...

Wie soll ich das bloß durchhalten?

Ich will dieses Buch haben! Unbedingt! Aber ich kann nicht. Jedenfalls nicht bis Ostern. Keine Amazonbestellungen bis Ostern, das war ja der Fastenplan. Aber ich will doch unbedingt dieses Buch  haben! Bisher hat ja alles ganz gut geklappt. Ich hatte in der letzten Woche schon mehrere Anfälle von "Das will ich jetzt haben", habe aber immer noch im letzten Moment die Kurve gekriegt. Man kann bei Amazon ja alles auf einen Wunschzettel schreiben ;-)  Habe ich allerdings noch nicht gemacht, weil ich Angst habe, dass ich an Ostern nur noch mit zitterndem Finger auf den "bestellen" Button drücke, ohne vorher nachzusehen, was da eigentlich auf der Liste ist. Und vor allem: Wie viel! Und irgendwie wäre das ja auch Selbstbetrug. Außerdem fühle ich mich richtig gut dabei, wenn ich zu mir selber sagen kann: "Nein, das brauchst du jetzt nicht. Vielleicht brauchst du das auch überhaupt nicht. Du hast schon eine Woche durchgehalten. Weiter so!" Ich habe es inzwischen so...

Verzettelt aber nicht verirrt

Also, ich verzettel mich ja gerne mal. Ziemlich oft sogar. Ich kann da irgendwie nicht aus meiner Haut. Eigentlich will ich nur die Betten frisch beziehen, aber dann fällt mir auf, dass der Nachttisch ziemlich staubig ist. Schwups, habe ich das Staubtuch in der Hand. Und wo ich sowieso schon dabei bin, kann ich auch gleich noch staubsaugen. Frische Blumen könnten auch mal wieder in die Vase. Aber dazu muss ich vorher noch bei Edeka vorbei. Und wenn ich schon bei Edeka bin, kann ich auch gleich den Wocheneinkauf erledigen. Auf der Einkaufsliste steht Waschmittel. Wo ich jetzt wieder Waschmittel habe, kann ich gleich noch die Waschmaschine anschmeißen. Die kann ja waschen, während ich meine Büroarbeit mache. Und das alles am Besten morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Ist natürlich nicht zu schaffen, logisch. Und ich bin schon völlig fertig, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat.  Außerdem habe ich ja auch noch Arbeit. Da kann ich das mit dem Verzetteln auch sehr gut. Erstmal Post ...

Ein Engel stoppt den Film

Heute kam ich mir vor wie in einem Film, der auf Vorspulen gestellt ist. Alles viel zu viel und viel zu schnell.  Das Telefon klingelt Sturm, so dass ich kaum in der Lage bin, meine eigenen Anrufe zu tätigen. Die Leute geben sich die Klinke in die Hand. Nebenbei Emails beantworten. Plakate ausdrucken. Lieder aussuchen. Gottesdienstabläufe ausdrucken. Konfirmandenunterricht muss vorbereitet werden. Schnell ein Stück Toast zwischen die Zähne. Einen Anrufer abwürgen, weil die nächste Besprechung ansteht. Mist, der Hund muss noch raus. Jetzt aber schnell zum nächsten Termin. Und dann plötzlich alles auf Stopp: "Mit dem Engel haben Sie mir eine richtige Freude gemacht!" Einfach so, ganz nebenbei, fliegt mir dieser Satz um die Ohren. Und bringt alles zum Stehen. Termine heute? Egal! Stressige Woche? Egal! Ich habe jemandem mit einer kleinen Geste eine Freude gemacht. Und dieser Jemand hat es geschafft, mit seiner Freude für mich die Zeit anzuhalten. Wenn auch nur für einen Moment. ...

Ich kann den Braten riechen!

Immer noch! Kann ich den Braten riechen! Gestern fand ich es noch ganz lecker, aber heute nicht mehr. Irgendwann muss man den Braten auch nicht mehr riechen können, finde ich. Es geht um den Braten aus dem Seenotretter-Kochbuch. Die letzten Tage standen ganz im Zeichen der Seenotretter, weil ich mich ja auf den Gedenkgottesdienst für die Besatzung des Seenotkreuzers Adolph Bermpohl vorbereitet habe. Es war übrigens ein sehr schöner Gottesdienst heute mit reger Beteiligung!  Jedenfalls fand ich es angemessen, dass es am Vorabend des Gedenkens ein Gericht aus dem Seenotretter-Kochbuch gibt: Huhn auf Dose. Den Vogel dazu hatte ich beim Mau-Mau Turnier der Feuerwehr gewonnen. Naja, eigentlich getauscht mit jemandem, der genug eigene Hühner hat. Aber egal. Eine Dose Cola stand auch schon bereit. Leergetrunken natürlich, denn die sollte mit einer Tasse Rotwein, Knoblauchzehenstückchen, Pfeffer und Salz gefüllt werden. Das Huhn wurde von außen noch gewürzt und dann über die Dose gestülpt....