Samstag, 28. Februar 2015

Zeit totschlagen


Um 23:15 Uhr!!!

Ich bin ja nur froh, dass wir pro Jahr bloß drei Mitternachtsgottesdienste feiern. Die Mitternachtsgottesdienste heißen nicht Mitternachtsgottesdienste, weil sie um Mitternacht anfangen. Die Mitternachtsgottesdienste heißen Mitternachtsgottesdienste, weil sie bis Mitternacht gehen (mindestens, je nachdem, was Frau Pastorin so alles von der Kanzel aus zu erzählen hat). Die Bezeichnung "Mitternachtsgottesdienst" finde ich richtig gut, denn das klingt nach "sehr, sehr spät", auch wenn der Mitternachtsgottesdienst nicht erst um Mitternacht anfängt. Eine Stunde vor Mitternacht ist schon spät genug. Weshalb ich so froh bin, dass so ein Mitternachtsgottesdienst bei uns nur dreimal im Jahr vorkommt: An Weihnachten, an Ostern und zum Jahrestag der Wiederfreigabe Helgolands. 

Der Wiederfreigabe-Gottesdienst ist richtig heftig, denn der fängt sogar erst um 23.15 Uhr an! (Christnacht und Osternacht sind dagegen voll früh: schon um 23.00 Uhr!) Ich stehe dann immer vor der schweren Aufgabe, mich solange noch wachzuhalten. Ich habe es in der Vergangenheit damit versucht, mich vorher nochmal ein Stündchen aufs Ohr zu hauen und etwas vorzuschlafen. Aber das klappt nicht. Das mit dem aufs Ohr hauen schon, aber das mit dem Schlafen nicht. Bin immer viel zu aufgeregt. Und: Mein Hirn ist auch viel zu aufgeregt. Anstatt abzuschalten, nudelt es die ganze Zeit den Gottesdienstablauf und die Predigt durch. Also könnte ich auch einfach wach bleiben. Wenn ich nur nicht so müde wäre! Ich hab' ja meistens schon einen ganzen, ganz normalen Arbeitstag hinter mir. Das bedeutet, dass mir mein Biorythmus irgendwann lautstark verkündet: Jetzt ist Kleine-Pastoren-Bettgeh-Zeit!!! Also bleibt nur eins: Mit Kaffee zuschütten, bis der Arzt kommt (bzw. bis die vor-mitternächtliche Stunde kommt). 

Wogegen der Kafffe allerdings nicht hilft, sind die akute Lustlosigkeit und die fast schmerzhaften Ich-hab'-da-jetzt-echt-keinen-Bock-drauf-Anfälle. Diese Anfälle verstärken sich drastisch, wenn mir zwischendurch einfällt, dass ich ja auch am nächsten Morgen noch wieder einen Gottesdienst habe. Was wenigstens ein bisschen hilft, ist das Wissen, dass ich damit nicht alleine dastehe. Allen im Gottesdienst aktiven Musikern, Lektoren, Küstern usw. geht es ja genauso.  Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen: AMGF - Anonyme Mitternachtsgottesdienstfeierer. Oder so. Dann könnten wir uns wenigstens gemeinsam bis zum Gottesdienstbeginn mit Kaffee zuschütten und Strategien entwickeln, wie man am besten die Zeit totschlägt. In einer meiner Gemeinden in den USA haben wir das tatsächlich mal so gemacht. Wir haben die Zeit zwischen den fünf Gottesdiensten am Heiligabend mit viel gutem Essen, vielen guten Gesprächen und noch viel mehr (nicht so gutem) Kaffee verbracht, weil es sich einfach nicht lohnte, zwischendurch nach Hause zu fahren. War richtig nett!

Aber bis sich hier sowas etwabliert, muss ich wohl oder übel alleine zusehen, wie ich es schaffe, die Zeit bis zum Mitternachstgottesdienst durchzustehen.

Was mich allerdings immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass ich solche Mitternachtsgottesdienste richtig klasse finde, wenn ich erstmal dabei bin. Ganz oft habe ich hinterher schon gedacht: Das ganze Zeittotschlagen hat sich doch gelohnt! Es war mal wieder wunderschön! (Wenn ich überhaupt irgendwas gedacht habe. Genauso oft habe ich einfach nur das warme Gefühl der Dankbarkeit genossen, das so ein Gottesdienst in meinem Inneren gerne hinterlässt.)
Und ich bin mir sicher, dass es mir heute nicht anders gehen wird, wenn ich nach dem Gottesdienst der großen Helgolandglocke zuhöre, wie sie den 1. März und damit den 63. Jahrestag der Wiederfreigabe Helgolands einläutet. Ein bisschen Gänsehaut wird auch mit dabei sein - nicht nur weil die große Glocke mit dabei ist, sondern auch, nein, eigentlich ganz besonders (!), weil Gott zu einem solchen Ereignis mit dabei ist. Und darauf freue ich mich schon! 


Freitag, 27. Februar 2015

Der Frühling ist da!

Für mich ist heute Frühlingsanfang! Die Winterkirche ist nämlich vorbei. Nach Winter kommt ja bekanntlich Frühling. Und wenn die Winterkirche vorbei ist, dann fängt danach logischerweise die Frühlingskirche an. Also ist jetzt Frühling! Was der Kalender sagt, ist mir egal. Was die Meteorologen sagen, ist mir auch egal. 

Vielleicht sollte ich noch erklärend hinzufügen, was Winterkirche bedeutet: Wir haben im Winter die Gottesdienste ins Gemeindehaus verlegt, um Heizkosten zu sparen. Wir waren der Meinung, dass es weniger kostet, den kleinen, schlecht isolierten Gemeindesaal zu heizen als die große, noch schlechter isolierte Kirche.

Ab jetzt, also eigentlich ab morgen, werden die Gottesdienste wieder in der Kirche gefeiert. (Früüüüüüüühliiiiiiiiiing!!!) Und da freue ich mich schon drauf. Auch wenn ich immer wieder gerne betone, dass nicht das Gebäude die Kirche ausmacht, sondern die Menschen. Wir haben aber ein sehr schönes Gebäude. Ich finde sogar, dass wir die schönste Kirche der Welt haben! (Das sagt vermutlich jeder Pastor über seine Kirche, aber egal. Meine ist trotzdem die schönste!)

Im Gemeindehaus war es zwar ganz gemütlich, aber die Kirche ist eben doch die Kirche. Außerdem bekommen wir keine 100 Leute ins Gemeindehaus gestopft. So viele erwarten wir nämlich morgen für den Gottesdienst im Gedenken an die Wiederfreigabe Helgolands. Letztes Jahr waren es sogar 120! Die kriegen wir auf keinen Fall alle ins Gemeindehaus. Nicht ohne Stapeln jedenfalls. Und wer will schon  gestapelt Gottesdienst feiern?

Und so ist heute Umzugzugstag. Der ganze provisorische Altar-, Kanzel-, Kerzen-, Blumen-, und Gesangskrims muss ja wieder rüber in die Kirche. Frau R. stellte bei der Packerei fest, dass man ja für Kirche eigentlich gar nicht viel braucht. Nur zwei Handkarren voll. Die waren auch schnell zusammengepackt und rüber in die Kirche gefahren. 


Herr K. wird ganz enttäuscht sein, dass er keine Handkarrenfuhre abbekommen hat. Er wollte doch so gerne helfen! Ich finde es sowieso klasse, dass er sich als Kirchenmusiker immer die Küsterarbeiten aufdrücken lässt, wie Liedertafeln bestücken oder den Jerusalemleuchter hoch oben unter dem Kirchendach anzünden (Von uns will das keiner machen. Ich befürchte immer, dass ich beim Anmachen des Leuchters nicht nur die Kerzen anzünde sondern meine liturgischen Gewänder gleich mit, und die anderen haben alle Höhenangst und wollen nicht auf die Leiter.) Aber nicht den Kopf hängen lassen, Herr K.! Wir müssen die Sachen nachher ja auch noch wieder auspacken. Es sei denn, Frau H. und Frau R. untergraben mal wieder meine planerische Autorität und packen jetzt schon aus, während ich hier sitze und schreibe (und mein ausgefallenes Frühstück nachhole). Aber auch in diesem Fall habe ich noch eine Aufgabe für dich: Du kannst morgen vor dem Gottesdienst den Leuchter anzünden ;-)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Wie soll ich das bloß durchhalten?

Ich will dieses Buch haben! Unbedingt! Aber ich kann nicht. Jedenfalls nicht bis Ostern. Keine Amazonbestellungen bis Ostern, das war ja der Fastenplan. Aber ich will doch unbedingt dieses Buch  haben!



Bisher hat ja alles ganz gut geklappt. Ich hatte in der letzten Woche schon mehrere Anfälle von "Das will ich jetzt haben", habe aber immer noch im letzten Moment die Kurve gekriegt. Man kann bei Amazon ja alles auf einen Wunschzettel schreiben ;-) 

Habe ich allerdings noch nicht gemacht, weil ich Angst habe, dass ich an Ostern nur noch mit zitterndem Finger auf den "bestellen" Button drücke, ohne vorher nachzusehen, was da eigentlich auf der Liste ist. Und vor allem: Wie viel! Und irgendwie wäre das ja auch Selbstbetrug. Außerdem fühle ich mich richtig gut dabei, wenn ich zu mir selber sagen kann: "Nein, das brauchst du jetzt nicht. Vielleicht brauchst du das auch überhaupt nicht. Du hast schon eine Woche durchgehalten. Weiter so!" Ich habe es inzwischen sogar geschafft, mit einem gewissen Gleichmut die vielen Pakete von Herrn K. zur Kenntnis zu nehmen, die da immer im Pastoratsflur rumliegen. (Heute hat er gleich zwei vor meiner Nase ausgepackt, hat mich überhaupt nicht gestört!!! Oder waren es sogar drei?)

Wenn es allerdings um Bücher geht, dann kann die Fasterei schon zum Problem werden. Ich bin keine Leseratte, ich bin ein Lesewal, der alles in sich reinsaugt, was es an Bücherplankton so gibt. Ich hatte mir natürlich schon Gedanken darüber gemacht, dass unter den Verzicht auf Amazonbestellungen auch Bücher fallen. Fällt das Runterladen der Bücher auf den Kindle auch unter Bestellungen? Ich bekomme dann ja kein Paket geschickt. Wie war das noch? Wollte ich auf Amazon-Bestellungen verzichten oder auf die Pakete oder auf Bestellungen überhaupt? Wo ist eigentlich der Fastenvertrag? Gibt es nicht? Schade. Aber dann breche ich ja auch keinen Vertrag, wenn ich Bücher auf den Kindle lade. Verklagt mich doch! Jedenfalls habe ich schon ausgerechnet, dass ich mit den Büchern, die ich noch habe, bis Ostern hinkommen könnte. Und wenn nicht, dann hole ich mir einfach mal wieder einen Harry Potter aus dem Regal, oder was anderes. Da steht jedenfalls genug an Büchern rum.

Dann bin ich allerdings über eine Buchvorstellung gestolpert und habe sofort angebissen. Klingt ganz nach meinem Geschmack. Ich könnte ja einfach nur mal gucken, ob Amazon das überhaupt hat. Und Rezensionen lesen, und so. Nein, noch nicht auf den Wunschzettel. In den virtuellen Einkaufswagen schon gar nicht. Ist ja noch Passionszeit. Aber gucken kann man ja mal. Obwohl: wenn ich es auf den Kindle runterlade, dann zählt das doch eigentlich gar nicht.

Das Problem mit diesem Buch ist, dass ich es als "Buch-Buch" haben will und nicht in digitalem Format, denn da sind spannende alte Bilder drin. Das würde dann auf Bestellung UND Paketlieferung rauslaufen, und das habe ich mir nun wirklich bis Ostern verboten. Ihr seht: Ich leide Höllenqualen!

Ha, ich glaube, ich habe gerade das Hintertürchen entdeckt, das mir aus der Klemme hilft: Ich könnte einfach in einen Buchladen gehen und es da kaufen. Kein Amazon! Und wenn sie es nicht da haben, dann müssen die es bestellen und nicht ich. Die kriegen auch das Paket geliefert, nicht ich. 

Andererseits macht das Lesen dieses Buches bestimmt nochmal soviel Spaß, wenn man sich schon ein paar Wochen im Voraus drauf freuen kann. Ich glaube ich werde doch ganz artig warten, bis Ostern ist. 

Amazon Bilanz Tag 9: Bisher 0 Bestellungen

Mittwoch, 25. Februar 2015

Verzettelt aber nicht verirrt

Also, ich verzettel mich ja gerne mal. Ziemlich oft sogar. Ich kann da irgendwie nicht aus meiner Haut. Eigentlich will ich nur die Betten frisch beziehen, aber dann fällt mir auf, dass der Nachttisch ziemlich staubig ist. Schwups, habe ich das Staubtuch in der Hand. Und wo ich sowieso schon dabei bin, kann ich auch gleich noch staubsaugen. Frische Blumen könnten auch mal wieder in die Vase. Aber dazu muss ich vorher noch bei Edeka vorbei. Und wenn ich schon bei Edeka bin, kann ich auch gleich den Wocheneinkauf erledigen. Auf der Einkaufsliste steht Waschmittel. Wo ich jetzt wieder Waschmittel habe, kann ich gleich noch die Waschmaschine anschmeißen. Die kann ja waschen, während ich meine Büroarbeit mache. Und das alles am Besten morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Ist natürlich nicht zu schaffen, logisch. Und ich bin schon völlig fertig, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat. 

Außerdem habe ich ja auch noch Arbeit. Da kann ich das mit dem Verzetteln auch sehr gut. Erstmal Post erledigen. Aber auf dem Schreibtisch ist kein Platz, also erstmal Schreibtisch aufräumen. Das Büro sieht sowieso saumäßig aus, also gleich das ganze Büro aufräumen. Die alten Bücher kann ich ja eben mal entsorgen. Und die verbliebenen alphabetisch sortieren. Und mir aufschreiben, in welche ich zur Predigtvorbereitung nochmal reingucken muss. Ich habe keine Kugelschreiber mehr. Wo verschwinden die eigentlich immer hin? Als nächstes neue Kugelschreiber bestellen. Und wenn schon bestellt wird, dann können auch noch Scheren und Kleber mit auf die Liste. So, jetzt Sekretärin anrufen und Bestelliste weitergeben. "Hast du schon deine Emails gelesen? Ist die Einladung zur Sitzung angekommen? Ich brauche dringend die Konfirmationssprüche." Einladung ist da. Konfirmationssprüche?  Die hatte ich doch gestern schon rausgeschickt. Eigentlich wollte ich mich damit heute gar nicht befassen. Sind nicht angekommen. Also ausdrucken und per Fax schicken. Haben wir noch genügend Kopierpapier? Papier! Da war doch was?! Ach ja, die Post!!!

Bis dahin hätte ich nicht nur die Post erledigt haben sondern schon lange an der Predigt für Sonntag sitzen wollen. Hat natürlich nicht geklappt, weil ich mich mit dem anderen Kram total verzettelt habe. Aber solange alles irgendwie irgendwann und einigermaßen rechtzeitig erledigt wird ist es ja gut. Frei nach dem Motto:



Nicht alle, die umherirren, haben sich verlaufen!

Obwohl: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mit diesem Spruch etwas ganz Anderes gemeint ist ...

Dienstag, 24. Februar 2015

Ein Engel stoppt den Film



Heute kam ich mir vor wie in einem Film, der auf Vorspulen gestellt ist. Alles viel zu viel und viel zu schnell. 
Das Telefon klingelt Sturm, so dass ich kaum in der Lage bin, meine eigenen Anrufe zu tätigen.
Die Leute geben sich die Klinke in die Hand.
Nebenbei Emails beantworten.
Plakate ausdrucken.
Lieder aussuchen.
Gottesdienstabläufe ausdrucken.
Konfirmandenunterricht muss vorbereitet werden.
Schnell ein Stück Toast zwischen die Zähne.
Einen Anrufer abwürgen, weil die nächste Besprechung ansteht.
Mist, der Hund muss noch raus.
Jetzt aber schnell zum nächsten Termin.

Und dann plötzlich alles auf Stopp: "Mit dem Engel haben Sie mir eine richtige Freude gemacht!"
Einfach so, ganz nebenbei, fliegt mir dieser Satz um die Ohren. Und bringt alles zum Stehen.
Termine heute? Egal!
Stressige Woche? Egal!

Ich habe jemandem mit einer kleinen Geste eine Freude gemacht. Und dieser Jemand hat es geschafft, mit seiner Freude für mich die Zeit anzuhalten. Wenn auch nur für einen Moment.
Danke!

Montag, 23. Februar 2015

Ich kann den Braten riechen!

Immer noch! Kann ich den Braten riechen! Gestern fand ich es noch ganz lecker, aber heute nicht mehr. Irgendwann muss man den Braten auch nicht mehr riechen können, finde ich.

Es geht um den Braten aus dem Seenotretter-Kochbuch. Die letzten Tage standen ganz im Zeichen der Seenotretter, weil ich mich ja auf den Gedenkgottesdienst für die Besatzung des Seenotkreuzers Adolph Bermpohl vorbereitet habe. Es war übrigens ein sehr schöner Gottesdienst heute mit reger Beteiligung! 

Jedenfalls fand ich es angemessen, dass es am Vorabend des Gedenkens ein Gericht aus dem Seenotretter-Kochbuch gibt: Huhn auf Dose. Den Vogel dazu hatte ich beim Mau-Mau Turnier der Feuerwehr gewonnen. Naja, eigentlich getauscht mit jemandem, der genug eigene Hühner hat. Aber egal. Eine Dose Cola stand auch schon bereit. Leergetrunken natürlich, denn die sollte mit einer Tasse Rotwein, Knoblauchzehenstückchen, Pfeffer und Salz gefüllt werden. Das Huhn wurde von außen noch gewürzt und dann über die Dose gestülpt. Leider hatte ich meinen Fehler zu spät gemerkt. Im Rezept steht aussrücklich, dass es eine Halbliterdose sein muss! Eine ordinäre Coladose hat aber nur 0,33 Liter. So verschwand dann auch die Dose im Huhn, was so gar nicht geplant war. Wenigstens durfte das arme malträtierte Huhn dann im Sitzen garen. Mit einer Halbliterdose im Hintern muss es bei 170 Grad eine Stunde lang im Stehen schwitzen. Obwohl: Dem Huhn ist das vermutlich egal, ob es im Backofen sitzen oder stehen darf, denn es ist ja eh schon im Hähnchenhimmel.

Trotz der Widrigkeiten ist das Huhn sehr gut gelungen und hat total lecker geschmeckt. Und ich war bestens vorbereitet auf den Seenotrettergottesdienst heute! Nur den Geruch werde ich einfach nicht los. Ich habe mir inzwischen schon einen Wolf gelüftet, aber das ganze Pastorat riecht immer noch ganz penetrant nach "Huhn auf Dose".



Sonntag, 22. Februar 2015

Das "H"-Wort


Ich bin ja so stolz auf uns. Auf Herrn K., auf die GottesdienstbesucherInnen und auf mich selbst. Wir haben es tatsächlich alle geschaft, einen ganzen Gottesdienst durchzufeiern, ohne dass das "H"-Wort auftauchte. Na gut, zu Beginn musste ich es leider doch in den Mund nehmen. Um zu erklären, warum es im Gottesdienst nicht vorkommt, nämlich.

Das "H"-Wort kommt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt soviel wie "Lobt Gott!" Da aber Passionszeit ist, leidet Gott und wird nicht gelobt. (Passion = Leiden; in der Passionszeit denken wir an das Leiden Christi vor seinem Tod; da will auch wirklich keiner in überschwengliche "H"-Wort-Rufe ausbrechen)

Welches Wort das ist, wollt ihr wissen?
Ich gebe euch einen Tipp: Es ist ein Wort, dass mit "H" anfängt und mit "alleluja" aufhört ;-)
Dieses Wort wird ab Aschermittwoch weggesprerrt und darf erst an Ostern wieder raus. Damit man auch wirklich merkt, dass Passionszeit ist.

Aber es ist ein ziemlich hinterlistiges kleines Wort, das kann ich euch sagen. Immer wieder schleicht es sich heimlich, still und leise in einen Gottesdienst hinein. Obwohl es das während der Passionszeit gar nicht darf. Selbst das liturgische Wachpersonal (KirchenmusikerInnen und PastorInnen) bekommt nicht immer mit, wenn das "H"-Wort irgendwo zwischenschlüpft. Mir ist es früher schon öfter passiert (eigentlich jedes Jahr), dass ich zu Beginn der Passionszeit nicht aufmerksam genug war. Wenn man zu faul ist, die ausgesuchten Lieder für den Gottesdienst Strophe für Stophe akribisch durchzugehen, dann mogelt sich da schonmal ein Vers mit dem "H"-Wort rein. Einmal musste mich sogar der Kirchenmusiker darauf aufmerksam machen, dass das "H"-Wort während der Passionszeit ja entfällt. Das hatte ich total vergessen: Mein mühselig zusammengebastelter Gottesdienstablauf war voll mit  "H"-Worten! Und das obwohl ich ja selbst zum liturgischen Wachpersonal gehöre.

Und dann sind wir ja alle auch noch Gewohnheitstiere. Es kann ganz schnell passieren, dass ein Kirchenmusiker / eine Kirchenmusikerin gar nicht groß darüber nachdenkt, was er oder sie da gerade tut, und voller Inbrunst das "H"-Wort-Stück nach der Lesung spielt. Und wenn er oder sie doch an die Passionszeit denkt, und das "H"-Wort-Stück nach der Lesung wie vorgesehen weglässt, dann haut es garantiert eine(r) von den GottesdienstbesucherInnnen raus (oder die Pastorin). 

Was euch das jetzt bringt, dass ihr wisst, dass das "H"-Wort während der Passionszeit im Gottesdienst nicht vorkommen soll? Weiß ich nicht. Aber wenigstens könnt ihr nach einem Passionsgottesdienst ganz klug und gebildet tun, wenn sich das "H"-Wort mal wieder reingemogelt hat, und dem Pastor / der Pastorin sagen: Ich dachte, das Halleluja entfällt während der Passionszeit!? (Huch! Jetzt ist es mir doch rausgerutscht. Ich sag doch: ein ganz hinterlistiges kleines Wort!)

----------
P.S.: Ich glaube, ich muss demnächst mal meinen Frust über politische Korrektheit, Integratives "I" und das ganze Gender-Dings beim Schreiben rauslassen!