Montag, 30. März 2015

Zu viel Kuchen



So, meine Konfis sind konfirmiert und sitzen nicht mehr unter meinem Schirm, sondern "nur noch" unter dem Schirm des Höchsten (Psalm 91). Dafür sind sie da richtig gut aufgehoben! 

Es war ein wunberbarer Gottesdienst gestern! Wenn ich meine Konfis, die ich immerhin fast zwei Jahre unter meinem pastoralen Schirm hatte, nicht ziehen lassen müsste, hätte mir die Konfirmation noch mehr Spaß gemacht. Aber so habe ich nicht nur mit einem lachenden sondern auch mit einem weinenden Auge gefeiert. Da bleibt jetzt die Frage, ob der viele Kuchen, den ich gestern bei den Konfirmationsbesuchen gefuttert habe, in die Kategorie "Frustessen" fällt. Jedenfalls hat er mir eine schlaflose Nacht beschert. Ich hatte mich völlig überfressen und auf einer Kugel von Bauch, die die Dimension eines Medizinballs hat, schläft es sich einfach nicht gut. Nächstes Jahr bin ich schlauer! Aber da werden es auch nicht so viele Konfirmandenbesuche nach dem Gottesdienst, denn die Gruppe ist kleiner. Obwohl: Ich habe dann überall mehr Zeit, um mehr Kuchen zu futtern, weil es ja nicht so viele Besuche sind, die ich in einen einzigen Nachmittag reinquetschen muss. Ich glaube, ich muss unbedingt etwas an meinem konfirmatorischen Essverhalten ändern.

Über Ostern habe ich diese Probleme nicht. Da habe ich immer so viel zu tun, dass ich kaum zum Kochen komme und eher Angst haben muss, dass ich über die Feiertage verhungere. Zum Glück gibt es Ostereier! Natürlich die aus Schokolade, nicht die, die man vorher auch noch kochen muss! Mit gekochten Eiern wäre ich total überfordert. Und zum Glück habe ich die Fastenzeit nur mit Bestellfasten verbracht. Sonst hätte ich gestern womöglich noch mehr Kuchen in mich reinstopfen müssen. Und dann wäre ich ganz sicher geplatzt! 

P.S.: Eigentlich hatte ich gehofft, heute schon eine Menge Fotos von der Konfirmation bringen zu können. Dann hätte ich nicht so viel Text schreiben müssen. Aber da ich selten dazu komme, während eines Gottesdienstes Fotos zu machen (eigentlich nie), muss ich mich in Geduld üben und warten, bis mir jemand etwas zukommen lässt. Ich hoffe, ich kann in dieser Woche viele, viele Fotos in meinen Blog stellen (wovon auch immer), damit ich am Besten gar keinenText mehr schreiben muss. Denn über Ostern fehlt mir nicht nur zum Kochen die Zeit. Wir werden sehen ...

Donnerstag, 26. März 2015

Die zeitaufwändigste Konfirmationsurkunde der Welt

Warum muss es eigentlich immer so kurz vor Ultimo noch mittelschwere Katastrophen geben? Ich war schon so gut davor! Und dann passierte die Sache mit der Konfirmationsurkunde.



Ich wollte nur eben mal alles für die Konfirmation am Sonntag zurechtlegen. Beim Durchsehen der Urkunden fällt mir dann auf, dass da nur 8 sind. Sind aber 10 Konfirmanden und Konfirmandinnen. Huch! 

Die neunte Urkunde finde ich ziemlich schnell, denn die ist nur in eine andere gerutscht. Aber wo ist die zehnte? Nicht da. Also: das ganze Kirchenbüro auf den Kopf gestellt. Immer noch nicht da. Mist! Also: Mein ganzes Amtszimmer auf den Kopf gestellt. Da ist sie auch nicht. Ganz großer Mist! Da hatten wir doch tatsächlich vergessen, diese eine Urkunde auszudrucken. Nun ließ sich das Problem leider nicht so einfach beheben. Meine Sekretärin sitzt auf dem Festland und nicht hier auf der Insel. Also: Anruf bei der Sekretärin auf dem Festland mit der Bitte, die Dateien per Email zu schicken, damit ich die Urkunde ausdrucken kann. Sekretärin mit den Nerven zu Fuß: Email geht nicht, das ganze Büro ist auseinandergenommen, Computer abgebaut, alle Geräte auseinandergestöpselt.

Dann kam aber doch irgendwie die heißbegehrte Email. Also nur noch über meinen Drucker ausdrucken. Aber: Schmierstreifen auf der Urkunde. Mist! Also: Drucker reinigen. Immer noch Schmierstreifen. Also: Tintenpatrone auswechseln. Immer noch Schmierstreifen. Also: Einstellungen ändern. Immer noch Schmierstreifen. Anderes Papier einlegen. Keine Schmierstreifen. Aha! Normalpapier geht. Urkundenpapier nicht. Das hilft mir jetzt nicht weiter. Was jetzt? Da ist ja noch ein Drucker im Kirchenbüro. Drucker im Kirchenbüro kaputt. Wirklich ganz, ganz großer Mist!

Wieder Anruf bei Sekretärin: Du must die Urkunde ausdrucken und per Post schicken. Hoffentlich kommt sie noch rechtzeitig an. Antwort: Geht nicht. Hier ist doch alles auseinandergebaut. Kannst du sie nicht woanders ausdrucken? Ja, muss ich versuchen.

Dann die rettende Idee: Mein Laptop hat den Treiber vom Kopierer drauf. Also mit dem Kopierer ausdrucken. Kopierer nimmt Druckauftrag nicht an. Noch viel, viel größerer Mist! Eine weitere rettende Idee: Einfach den Urkundentext auf Normalpapier (ohne Schmierstreifen) ausdrucken und auf den Kopierer legen. Urkundenpapier ins Papierfach. Neiiiiiiin!!! Schmierstreifen!!!!!! Tonerbox durchschütteln. Kopierer durchschütteln. Kopierer treten. Kopierer verhauen. Hilft nix: Immer noch Schmierstreifen. 

Dann fällt mir ein: Die Schmierstreifen des Kopierers verschwinden ungefähr nach der 10ten Kopie. War mir beim Kopieren der 200 Gottesdienstabläufe aufgefallen. Also: Urkundenpapier als 11tes Blatt unter die anderen legen und 11 Kopien machen. Ein Wunder!!!!!!!! Keine Schmierstreifen!!!!! Nach gefühlten 1000 Fehlkopien hatte ich endlich eine erstklassige Konfirmationsurkunde. Und war mit den Nerven noch mehr zu Fuß als meine Sekretärin.

Mittwoch, 25. März 2015

Aufgeregte Konfis



Außer einer kleinen Eisparty hat sich in der letzten Konfirmandenstunde etwa folgendes abgespielt:

Können wir ein Gesangbuch mit nach Hause nehmen?
Klar. Aber wozu braucht ihr zu Hause Gesangbücher?
Wir müssen doch im Gottesdienst Gesangbücher haben.
Die braucht ihr ja aber erst am Sonntag. Und es sind genug Gesangbücher in der Kirche.
Aber wir brauchen doch was zum Reingehen.
Gesangbücher?
Ja, wir müssen doch was in der Hand haben.
Wie gesagt: Es sind genug Gesangbücher da. So um und bei 200. Davon könnt ihr jeder gerne eines in die Hand nehmen beim Reingehen.
Ach so. Dann müssen wir auch keins mit nach Hause nehmen.
Nein. Es sei denn ihr braucht die Gesangbücher noch für etwas anderes.
Nein.
Okay.
Wann treffen wir uns denn am Sonntag?
Um halb zehn.
Das ist doch viel zu spät! Wir müssen doch noch proben, wie wir alles machen.
Nein, müsst ihr nicht. Ich sage euch, was ihr machen müsst.
Was müssen wir denn machen, außer so tun als ob wir singen?
Zum Segen nach vorne kommen und euch hinknien.
Alle zusammen?
Nein, paarweise.
Wann denn?
Nach dem Lied, das nach der Predigt gesungen wird. Aber das sage ich euch dann.
Müssen wir irgendwas auswendig sagen?
Ja.
Oh nein! Was denn?
"Ja, mit Gottes Hilfe"
- Ach so, das ist ja nicht viel. 
- Aber wir müssen auch noch festlegen wie wir reingehen.
Das hatten wir doch schon.
Ja, aber da hatten wir unsere Kleider noch nicht.
Aha.
- Zwei sind doch in Weiß und der Rest in Schwarz. Ich bin dafür, dass die beiden in Weiß vorne gehen.
- Aber dann kommt ja nur noch Schwarz. Das sieht zu dunkel aus.
- Dann gehen die zwei in Weiß eben in der Mitte.
- Dann passt das aber nicht mehr mit den Mädchen und den Jungs.
- Doch! Erst zwei Mädchen in Schwarz, dann zwei Jungs, dann zwei Mädchen in Weiß, dann wieder zwei Jungs und am Schluss zwei Mädchen in Schwarz.
Alle einverstanden?
- Ja.
- Wann treffen wir uns denn jetzt?
Wenn ihr noch mehr absprechen wollt, dann wohl besser um neun.
Aber wir haben doch jetzt alles besprochen. Neun ist viel zu früh.
Halb zehn war euch zu spät.
Nein, halb zehn ist gut.
Gut. Dann also am Sonntag um halb zehn.
- Ich bin schon voll aufgeregt. Ich war letzte Woche schon voll aufgeregt.
- Ich auch.
- Ich auch.
- ...
 
Und sag mir jetzt keiner, dass das pädagogisch nicht wertvoll war und dass ich lieber den Diktator im Taschenformat hätte spielen sollen ;-) Außerdem hat mich die Erfahrung gelehrt, dass sich sowieso alles von alleine regelt. Einige werden schon um neun da sein, weil sie viel zu aufgeregt sind, um noch zu Hause rumzuhocken. Andere werden später als halb zehn da sein, weil die Frisur nicht rechtzeitig fertig war. Und am Ende werden sie doch alle rechtzeitig in der Kirche sitzen - mit Gesangbüchern in der Hand! Ich freu' mich schon :-)

Dienstag, 24. März 2015

Vertretung für die Vertretung

Hach, ist das Leben immer aufregend hier auf der Insel! Allerdings könnte ich manchmal auch ganz gut ohne die viele Aufregung leben, denn die ist nicht gut für mein Nervenkostüm. 

Nachdem wir am Sonntag einen super Vorstellungsgottesdienst gefeiert haben mit großem musikalischem Aufgebot (eine Konfirmandin hat sich sogar an die Ukulele getraut und die Kombination Orgel - E-Gitarre war auch wieder mit dabei) und ich danach schon relativ entspannt in Konfirmations- und Ostervorbereitungen steckte, wurde es dann gestern ganz unentspannt. Unsere Orgelvertretung für den Konfirmationssonntag hat wegen Krankheit abgesagt. 



Ja, Herr S. (Name von der Redaktion geändert), nun tauchst du auch endlich in meinem Blog auf! Auf diesem Wege wünschen wir dir alle gute Besserung!!!

Ganz unentspannt fing mein Hirn dann auch an, Purzelbäume zu schlagen (und das an meinem eigentlich freien Tag): Sollen wir noch versuchen, eine Vertretung für die Vertretung am Sonntag zu bekommen? Das würde viiiiiiel Telefoniererei bedeuten. Und wie realistisch sind die Chancen überhaupt, so kurzfristig noch jemanden zu finden? Sind doch alle bestimmt schon anderweitig verplant. Oder doch lieber versuchen, den Gottesdienst mit dem zu wuppen, was wir haben? Das wären dann ein kleiner aber feiner Posaunenchor und eine - aber feine - Gitarre. Ich habe dann erstmal in meiner Gemeinde ganz laut um Hilfe gerufen und wir haben uns entschieden, es mit der Suche nach einer Vertretungsvertretung für das ganze Wochenende zu versuchen. Denn am Freitag steht ja auch noch eine Beerdigung an, für die ich ebenfalls bisher keine Orgelvertretung hatte. Ein paar Leute haben sich hier richtig ins Zeug gelegt und siehe da: Das Wunder geschah! Wir haben eine Vertretung für die Vertretung! Für Trauerfeier UND Konfirmation! Ganz große Klasse!

Da wir allerdings wie immer nicht wissen, ob das Wetter mitspielt, haben wir trotzdem noch Plan B in der Hinterhand: Musik mit dem kleinen aber feinen Posaunenchor und der einen aber feinen Gitarre. Denn eine willige Orgelvertretung zu finden ist eine Sache, diese auch rechtzeitig auf die Insel zu befördern eine ganz andere. Aber wenn ihr alle da draußen uns in eure Gutenachtgebete mit einschließt, dann sollte nichts schiefgehen!

Sonntag, 22. März 2015

Auszeit



Ich habe heute festgestellt, dass mir ein Strandkorb reicht, um zufrieden zu sein. Eigentlich muss ich sonst immer irgendeine Art von Freizeitgestaltung haben, wenn ich mich denn mal dazu entschließe, eine Auszeit zu nehmen. Auszeit bedeutet dann entweder "Musik-an-Zeit" oder "Buch-auf-Zeit, sonst wird mir langweilig während meiner Auszeit. Weil ich mich ja sehr gut kenne (das sollte ich auch nach diversen Jahrzehnten, die ich mit mir schon zu tun habe) habe ich natürlich gleich ein Buch mit in meine heutige Strandkorb-Auszeit genommen. Aber, oh Wunder, das Buch blieb zu! Irgendwie hatte ich dann doch keine Lust, mich in noch mehr Predigtvorbereitung zu stürzen. Immerhin hatte ich heute nach dem Gottesdienst noch den Nerv, die Predigt für die Osternacht fertig zu schreiben. Das reichte offensichtlich aus, um mein latent schlechtes Gewissen mundtot zu machen. Selbst Herrn K. ist es nicht gelungen, das schlechte Gewissen wieder zum Leben zu erwecken mit dem Spruch: "Ich dachte du schreibst an deinen Predigten."

Und so saß ich da in meinem Strandkorb, völlig mit mir und der Welt zufrieden. Ich stellte überrascht fest, dass ich gar nicht das Bedürfnis hatte, irgendwas zu lesen oder irgendwelche Musik zu hören. Die warme Sonne auf meiner Nase war Freizeitgestaltung genug. Und ein Konzert gab's gratis dazu: Mir war vorher gar nicht aufgefallen, wie viele Vögel hier rumzwitschern. Aber ich habe ja für Helgoländer Verhältnisse auch einen großen Garten, in dem ganz viele Vögel ganz viel rumzwitschern können. Und dann ist da ja noch der ganz große Garten gleich nebenan. Da können noch mehr Vögel noch mehr rumzwitschern. Selbst die Spatzen, die in meiner Dachrinne wohnen, haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Verfolgungsjagt durch den Garten zu unterbrechen, um ihren Beitrag zum Konzert der Helgoländer Vogelwelt zu leisten.

Leider ist jetzt die Sonne weg (naja, eigentlich ist sie nicht weg sondern versteckt sich nur hinterm Gemeindehaus) und es wird zu kalt, um noch länger draußen zu sitzen. Aber drinnen wird mir auch nicht  langweilig. Da wartet schließlich noch die Predigtvorbereitung. 

Samstag, 21. März 2015

Predigtmarathon


(Da ich kein Foto von meinem Predigtmarathon machen konnte, habe ich einfach die Tulpen in meiner Küche fotografiert.)

Der Predigtmarathon hat begonnen. Ich hatte gehofft, dass ich ihn noch ein wenig aufschieben kann, aber wenn die Ideen kommen, dann muss ich loslegen. Mein Hirn speichert diese Ideen nämlich nicht lange. Und es wäre doch schade, wenn die vielen guten Ideen plötzlich im Nirgendwo verschwinden.

Die Predigt für morgen ist fertig, aber da haben den größten Teil der Vorbereitung ja auch unsere Konfis gemacht. Und Herr M., denn es wird eine Dialogpredigt. Zwischen Herrn M. und mir. Mit Dialogen zwischen Konfis und Gottesdienstbesuchern. Wir haben sozusagen die Dialoge unserer Konfis geklaut. Aber: Gut geklaut ist halb gepredigt, sag' ich immer. Außerdem ist das die perfekte Arbeitsteilung: Die Konfis haben vorbereitet, Herr M. hat vorbereitet und ich hab' geklaut.

Die Meditation für Karfreitag ist ebenfalls im Kasten. Die ist auch geklaut. Naja, eigentlich ist sie nicht geklaut, denn das Material dafür habe ich käuflich erworben und bezahlt, wie es sich für artige kleine Pastorinnen gehört. Und die Idee, dieses Material für den Karfreitagsgottesdienst zu benutzen, hatte ich ganz ohne fremde Hilfe. Ich weiß: so viel Eigenleistung traut man mir gar nicht zu.

Die Predigt für Gründonnerstag ist fast fertig. Die ist nicht geklaut. Die Idee nicht und die Predigt auch nicht. Da hab' ich tatsächlich mal meinen eigenen Kopf angestrengt. Noch mehr Eigenleistung! Ich bin ja so gut! 

Für die Konfirmationspredigt habe ich immerhin schon eine Idee. Die Idee ist auch wieder geklaut. Finde ich aber gar nicht weiter schlimm, denn in der Bibel steht nirgends: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Predigtidee." Da ist nur von "Knecht, Weib, Magd, Vieh" und "Haus" die Rede. Obwohl: Da steht schon noch was von "alles, was sein ist" in Zusammenhang mit dem Nicht-begehren-sollen. Ob dazu auch Predigtideen gehören? Um ehrlich zu sein, will ich das jetzt gar nicht so genau wissen. Außerdem erklären wir unseren Konfis immer, dass das eigentlich bedeutet, nicht neidisch zu sein. Ich bin ja auch gar nicht neidisch, dass da jemand eine so gute Predigtidee hat. Im Gegenteil: Ich finde die Predigtidee so klasse, dass ich sie auch noch weiterverbreiten will. Ich will sie ja nicht für mich selber behalten, sondern die ist für die ganze Gemeinde. Ist doch toll, oder?
Wenigstens wird die Predigt nicht geklaut sein. Die denke ich mir selber aus, ganz ohne Hilfe von unseren Konfis oder Herrn M. oder irgendwelchen Gottesdienstmaterialien. Ich weiß auch schon, was ich mir da ausdenke, aber das verrate ich natürlich noch nicht. 

Die Predigt für die Osternacht ist angefangen. Dafür habe ich also auch schon eine Idee. Keine geklaute, sondern eine ganz eigene. Es kann natürlich sein, dass ich das bis zur Osternacht nochmal über den Haufen schmeiße, wenn mir eine bessere Idee kommt. Das passiert schonmal. Und das ist dann irgendwie blöd, weil das doppelte Arbeit bedeutet. Aber es lohnt sich, denn meistens ist die neue Idee besser als die alte. Sonst würde ich ja nicht alles über den Haufen schmeißen.

Jetzt fehlen nur noch die Predigten für Ostersonntag und die Goldene Konfirmation am Ostermontag. (Vielleicht könnte ich für Ostern was über die Tulpen in meiner Küche schreiben ... Huch, ist da gerade eine weitere nicht geklaute Predigtidee aufgetaucht?! Obwohl ich noch nicht so ganz weiß, wie ich die Tulpen in meiner Küche mit dem auferstandenen Christus zusammenbringen soll.) Und eine Trauerrede muss ich auch noch schreiben. Jedenfalls hoffe ich, dass ich bis Ostern nur noch eine Trauerrede schreiben muss. Denn wenn es zu viel wird mit den Predigten und Ansprachen und Gottesdiensten, dann wird es auch irgendwann meinem kleinen Kopf zu viel. Der fängt dann an, Sachen durcheinander zu bringen. Und es ist gar nicht lustig, wenn die Braut während der Trauung lauthals kundtut: "Mein Mann heißt gar nicht Erwin! Der heißt doch Max!"  (Das ist jetzt leider keine geklaute Geschichte und ich kann zu meiner Ehrenrettung nur sagen, dass mir die Sache wirklich, wirklich, wirklich (!!!) peinlich war! Aber Pastoren sind ja auch nur Menschen, oder?)

Im Moment sieht es jedenfalls so aus, als wäre ich ganz gut davor. An Predigten und Gottesdienstabläufen ist schon einiges auf dem Weg und ich hab' noch nix durcheinander gebracht. Und solange ich meine Konfis morgen beim Vorstellungsgottesdienst nicht mit "liebe Hochzeitspaare" anspreche, ist alles in Butter.

Donnerstag, 19. März 2015

Wie der Yak sich die Schulter reibt

Das viele Rumhocken am Schreibtisch bekommt meinem Rücken irgendwie nicht. Schon gar nicht in falscher Haltung. Dass meine Haltung nicht okay ist, war mir schon lange klar (meinem Rücken auch), aber wenn ich so vertieft in die ganzen sinnigen und unsinnigen Emailkonversationen bin, dann merke ich gar nicht, dass meine Haltung falsch ist. Mein Rücken schon, aber der macht sich immer erst dann bemerkbar, wenn ich längst nicht mehr am Schreibtisch sitze. Wenn er nett wäre, der Rücken, dann würde er gleich sagen: "Ey, du sitzt falsch!" Tut er aber nicht, denn er ist kein netter Rücken. Jedenfalls ist er zu mir nicht nett. Ich hab's schon mit einem "Ich bin eigentlich ein Sitzball" - Hocker versucht, aber der sagt mir auch nicht Bescheid, wenn ich falsch sitze. Der Hocker ist auch nicht nett zu mir. Mein Rücken, mein Hocker und ich sollten unbedingt mal an unserer Kommunikation arbeiten!

Jedenfalls habe ich mein Yoga-Programm ausgedehnt, von einmal in der Woche auf mehrmals in der Woche. ICH bin ja gewillt, nett zu sein. Zu meinem Rücken. 

Beim Yogaüben ist mir irgendwann aufgefallen, dass die Übungen immer so komische Namen haben. Da wird die ganze Tier- und Pflanzenwelt durchexerziert. Ist ja eigentlich auch nicht schlecht, denn dann kann man schon am Namen erkennen, wie die Übung aussehen soll. Manchmal jedenfalls. Der geübte Baum sieht mit etwas Fantasie wirklich aus wie ein echter Baum. Der "nach unten schauende Hund" sieht auch ziemlich genau so aus wie mein Hund, wenn er nach unten schaut. Nur dass mein Hintern dabei höher rausragt als der von Jessie. Und ich seh' dabei nicht ganz so niedlich aus wie Jessie, sondern eher angestrengt. Leider hab' ich auch nicht so viel Fell um die Nase, das meine Gesichtsfarbe verbergen könnte, wenn mir beim "nach unten schauenden Hund" das Blut in den Kopf schießt. Aber egal. Ich seh' zwar nicht so gut aus, wie mein nach unten schauender Hund, wenn er denn mal nach unten schaut, dafür tut es meinem Rücken gut.

Beim "Yak, das sich die Schulter reibt" wird es da schon schwieriger mit der Vorstellungskraft. Erstmal muss ich immer ganz genau überlegen, wie denn eigentlich ein Yak aussieht. Hier laufen ja nicht so viele rum. Schaf, das sich die Schulter reibt wäre besser. Ist aber ein Yak. Das liegt wohl daran, dass es sich bei den Übungen um tibetisches Yoga handelt und nicht um helgoländisches Yoga. Na gut. Dann muss ich auch noch überlegen, wie ein Yak sich wohl die Schulter reibt. Vermutlich an einem Baum. Bäume haben wir auf der Insel, also habe ich schonmal eine vage Vorstellung davon, wie ein Yak (oder Schaf) sich die Schulter reiben könnte.
Leider hab' ich keine Bäume in der Wohnung. So ein Baum wäre echt hilfreich, denn dann könnte ich mich anlehnen, wenn ich versuche, wie ein Yak auszusehen, das sich die Schulter reibt, und würde nicht dauern umfallen bei dieser Übung.

Der Hammer ist allerdings die Übung "Wie ein Kamel aufsteht". Da muss man die großen Zehen mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger festahlten und sich mit angezogenen Beinen  nach hinten fallen lassen, um sich dann wie ein abgeschossener Pfeil wieder aufzusetzen. Also wenn so ein Kamel aufsteht, ...???!!! Können Kamele überhaupt mit angezogenen Beinen auf dem Rücken liegen??? Können Kamele ihre Füße festhalten??? Haben Kamele überhaupt Daumen??? Das einzige, was da passt, ist die Tatsache, dass ich mich wie ein Kamel fühle, wenn ich die Übung nicht richtig hinkriege!



Nicht selten endet so eine Yoga-Übungseinheit in einem Lachkrampf (meinerseits, andere können nicht lachen, weil mich zum Glück keiner sieht). Die Vorstellung, sich wie ein Yak zu benehmen, das sich die Schulter reibt, oder wie ein Kamel, das versucht, aufzustehen, erheitert mich jedes Mal aufs Neue. Aber dass wir fröhlich sein sollen, hat Gott ja ohnehin für uns vorgesehen (das Thema hatten wir gestern, wenn ihr euch erinnert). Außerdem ist lachen gesund, sagt die Forschung, oder die Wissenschaft, oder wer auch immer. 

Naja, und ich muss zugeben, dass es meinem Rücken tatsächlich so langsam besser geht, jetzt wo ich mir jeden Morgen wie ein Yak die Schulter reibe oder versuche, wie ein Kamel aufzustehen.