Donnerstag, 1. Dezember 2016

Im Adventskalenderstress

Ich liebe ja Adventskalender! Tue ich wirklich! Aber vier davon in der Wohnung zu haben plus die ganzen digitalen Türchen, die man im Advent aufmachen kann, grenzt an Overkill. Für mich jedenfalls.

Ich weiß ja gar nicht, wann ich den vier Kalendern meine Aufmerksamkeit schenken soll. Meine tägliche Routine ist so dermaßen auf die Minute durchgetimed, dass mich ein unangemeldetes Gespräch schon völlig aus der Bahn wirft. Und dann soll ich auch noch vier Türchen / Säckchen / Blättchen aufmachen??? Vier???!!!

Anmerkung: Eigentlich sind es sogar fünf, denn ich habe heute noch einen per Email geschickt bekommen. Da ich aber schon den ganzen Text durchgelesen habe mit allen 24 Abschnitten, gilt dieser Adventskalender bereits als komplett geöffnet und steht nicht mehr zur Debatte.

Und mal ganz ehrlich: Es ist ja bei einer Pastorin nicht so, als würde es ihr endlos lange vorkommen, bis endlich Weihnachten ist. Da besteht doch nun wirklich kein Grund, mir eine Wartezeit zu versüßen, die es sowieso nicht gibt. Ich jedenfalls verbringe den Advent nicht damit, auf Weihnachten zu warten. Ich verbringe den Advent damit, mir zu wünschen, ich hätte zusätzliche 24 Tage, um in Ruhe richtig geile Weihnachtspredigten schreiben zu können! 
Und nun stehlen mir die Adventskalender noch mehr von meiner kostbaren Zeit!

Heute morgen war ich auch gleich so richtig bedient, als ich den Kalender-Kalender aufhängen wollte: Das ist ein Adventskalender in echter Kalenderform, also nicht mit Türchen oder Säckchen, sondern mit Blättchen. Auf diesen Blättchen stehen Texte. Laaaaaaaaaaange Texte. Bis ich die morgens durchgelesen habe, ist mein Tee kalt! Heute morgen stellte ich fest, dass ich nicht nur den laaaaaaaaangen Text für heute hätte lesen müssen. Der Adventskalender ging nämlich schon am 1. Advent los.  Der erste Advent war am 27.11., was bedeutet, dass ich eigentlich noch vier Tage Text nachholen muss, bevor ich mich an den Text für heute machen kann. Bei euch piept's wohl!



Versteht mich jetzt nicht falsch: Alle meine Adventskalender sind wunderschöne Adventskalender, die von mir zutiefst wertgeschätzt werden,  aber ich vermisse die Zeiten, als ich mir nur ein Stück Schokolade in den Mund schieben musste und fertig.

Da ich allerdings auf keinen meiner Adventskalender verzichten möchte, muss ich wohl einen Weg finden, diese bis Weihnachten in meinen Tagesablauf zu integrieren. Deshalb habe ich auch schon beschlossen, den Kalender mit den vielen Texten einfach nur umzublättern und mich am hübschen Aussehen der Texte zu freuen. Das hat damit zu tun, dass ich meinen Tee morgens lieber heiß trinke als kalt und wirklich nicht bereit bin, an dieser Stelle Kompromisse zu machen!

Ich finde, dass das schonmal ein vielversprechender, zeitsparender Anfang ist.

Samstag, 19. November 2016

Snapchat und andere Gespenster



Seit ein paar Tagen ziert eine weitere App mein Handy - in Form eines Gespenstes. Ich habe nämlich endlich meiner Neugier nachgegeben und mich auf "Snapchat" eingelassen.

Nun wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis ich heillos überfordert bin mit den ganzen sozialen Netzwerkhochzeiten, auf denen ich inzwischen tanze: Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram Messenger und Blogger. Ich weiß jetzt gar nicht: Zählt die gute alte SMS noch dazu, oder nicht?

Ich denke weder, dass Kirche das unbedingt unterlassen sollte, noch denke ich, dass Kirche das unbedingt mitmachen muss. Aber es sind schon schöne Hilfsmittel, wenn es um Verkündigung geht. Für mich auf meiner kleinen Insel mitten in der Nordsee sowieso! Jesus hat schließlich gesagt: "Geht nun hin zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen." (Matthäus 28, 19). Jesus hat NICHT gesagt: "Geht nur zu den Helgoländern", oder: "Geht aufs Unterland" 

(Ich bin ja Oberländerin, will damit aber nicht sagen, dass die Unterländer missionierungsbedürftiger sind als die Oberländer. Also: kein Streit jetzt!)

In anderen Bibelübersetzungen steht sogar: "Geht hinaus in die ganze Welt." Und die Welt ist von Helgoland aus ganz prima über Facebook, Twitter, Instagram und WhatsApp zu erreichen. Naja, und mit Schiff und Flugzeug auch, aber um die geht es nunmal gerade nicht.

Und da ich, wie gesagt, neugierig war, dachte ich, ich probiere doch noch ein weiteres Verkündigungswerkzeug aus. Zu dumm, dass ich nichtmal behaupten kann, ich würde was ganz neues austesten, denn Snapchat ist ja schon seit 5 Jahren auf dem Markt bzw. auf den Handys. Trotzdem heißt es, es würde Facebook, Twitter und sogar Instagram den Rang ablaufen.

Ich bin mir allerdings nicht so sicher, wie ich damit umgehen soll, dass die meisten meiner Konfis Snapchat ausprobiert, aber nicht für gut befunden haben. Ist es etwa doch nicht so cool, wie manche behaupten? Oder bin ich ausnahmweise einmal cooler als meine Konfies?

Egal, es macht jedenfalls ziemlich viel Spaß, via Snapchat "Zeugnis abzulegen" über meinen Glauben. Auf Deutsch heißt das: Es macht ziemlich viel Spaß, die Snapchat-Welt wissen zu lassen, wie das Leben einer Frau aussieht, die beruflich an Gott glaubt. Okay, ich glaube auch privat an Gott, aber das dürfte ich der Welt dann ja nicht während meiner Arbeitszeit mitteilen. Allerdings habe ich ja gar keine geregelten Arbeitszeiten, sondern bin rund um die Uhr Profischaf.

Hab' ich euch jetzt verwirrt? Gut! Ich hab' mich nämlich selber gerade verwirrt!

Das liegt vermutlich daran, das mein Hirn zur Zeit ziemlich viel verarbeiten muss. Ich stecke nämlich gerade mitten in einem Testlauf, um herauszufinden, was mir besser gefällt: Snapchat oder Instagram. Was Snapchat tut, kann Instagram inzwischen auch. Ich musste mich allerdings erstmal intensivst mit Snapchat auseinandersetzen, um herauszufinden, wie das mit der "Story" auf Instagram funktioniert. 

Fazit: Ich mag beides total gerne. Snapchat mag ich noch ein bisschen lieber, weil man da so lustige Comic-Avatare von sich selbst in die Bilder und Videos einfügen kann! Das Blöde bei Snapchat ist allerdings, dass mich da nur vier Leute "ge-addet" haben, zwei davon sind Konfis. Interessiert die das wirklich, was ihre Pastorin den ganzen Tag so treibt??? Ich bezweifle das! Auf Instagram bekommen immerhin 80 Leute mit, was sie schon immer mal über eine Pastorin / Feuerwehrfrau / menschliches Wesen auf Helgoland mit ihren Vorlieben und Leidenschaften wissen wollten. Oder auch nicht wissen wollten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Eltern, wenn sie den Artikel hier lesen, spätestens an dieser Stelle geneigt sind aufzugeben. Liebe Mama, lieber Papa: Ich kann euch total verstehen! Ich weiß ja selber nicht genau, was ich hier eigentlich schreibe. Hab' doch im Grunde von Tuten und Blasen genauso wenig Ahnung wie ihr, und tu' nur so als wäre ich total versiert in diesen Dingen.

Im Grunde will ich wohl nur etwas Applaus dafür, dass ich mich als 45jährige, die auch noch einem total weltfremden Beruf nachgeht, mit den neuesten Software-Spielereien auseinandersetze. Mein schlechtes Gewissen beruhigt es zusätzlich noch, denn wir haben schon länger keinen Gemeindebrief mehr. Aber dafür jetzt eine weitere App, um die ganze Welt wissen zu lassen, was in der Helgoländer Kirche, im Helgoländer Pastorat und auf der Helgoländer Insel so abgeht.

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P.S.: Ihr findet mich auf Snapchat unter dem Benutzernamen revphansen 

Sonntag, 13. November 2016

Das pastorale Erscheinungsbild

Warum machen sich die Leute bloß so viele Gedanken darüber, wie wir Pastorinnen und Pastoren aussehen? Wie ich darauf komme, dass die Leute sich über sowas Gedanken machen? Kann ich euch sagen:

Vor der Andacht zum Martinsumzug wurde mir mitgeteilt: "Wir haben uns schon gefragt, was Sie heute wohl anhaben." (Aha.)

Eigentlich hätte das doch heißen müssen: "Wir haben uns schon gefragt, was für tolle Laternen die Kinder in diesem Jahr wieder gebastelt haben" - oder so. 
Also, ich für meinen Teil bin noch nie in eine Kirche geschneit, um dem Pastor oder der Pastorin als allererstes zu sagen: "Ich habe mich schon gefragt, was Sie heute wohl anhaben." Ist ja auch irgendwie ein bisschen distanzlos. Ich meine, was kommt als nächstes? Die "Schotten und Kilt" - Frage???

Jedenfalls war die Gruppe, die sich Gedanken über mein Martinstag-Outfit gemacht hatte, äußerst zufrieden mit meiner Kombination aus Einsatzschutzkleidung und Kollarhemd (Ich wollte ja nicht nur ganz andächtig aussehen in der Andacht sondern beim Umzug auch noch eine Fackel tragen - und dabei garantiert nicht mein sauteures schwedisches Kollarhemd mit Wachs vollkleckern!). 



Als ich noch Vikarin auf Föhr war, habe ich mal die halbe Insel in Aufruhr versetzt, weil ich es gewagt hatte, statt des sonst üblichen Zopfes mit Haarband in passender liturgischer Farbe, die Haare einfach hochzustecken. Alle waren voll aus dem Häuschen, weil sie dachten, ich hätte die Haare ab. Und natürlich hat keiner mehr mitgekriegt, worüber ich gepredigt habe.

Woher also dieses große Interesse am pastoralen Erscheinungsbild?
Ich hege ja die Vermutung, dass das bei uns Evangelen mit dem Bildersturm zu tun hat. Einige Leute hatten im Zuge der Reformation angefangen, den ganzen Prunk aus den Kirchen zu entfernen, nach dem Motto: Gott braucht keine überdimensionale Deko, aber die Menschen brauchen was zu essen. "Gebt das Geld lieber für die Armen aus", war die Devise.

Seit dem Bildersturm sehen unsere Kirchen also etwas dezenter aus in Sachen Inneneinrichtung. Die Ansichten sind heute zwar nicht mehr so radikal wie im 16. Jahrhundert, aber eine Ausschmückung unserer Kirchen ist immer noch kostenintensiv, keiner hat wirklich die Kohle dafür und dann ist da auch noch der Denkmalschutz, der uns nicht genehmigtes Ausschmücken untersagt. Aber Pastoren unterliegen nicht dem Denkmalschutz. Vielleicht ist es deshalb so mancher Gottesdienstbesucherin ein Bedürfnis, sich darüber Gedanken zu machen, welche Lippenstiftfarbe Frau Pastorin wohl heute trägt, oder ob der Herr Pfarrer neue Schuhe hat.

(Das ist, neben diversen anderen, übrigens ein weiterer Grund, warum ich lieber Albe als Talar trage: Die Albe hat kein Beffchen, dass einem auf dem Weg zur Kirche bei 6-8 Windstärken immer(!) ins Gesicht flattert und immer(!) Lippenstiftflecken abbekommt.)

Das Gottesdienst feiernde Volk ist aber dummerweise nicht immer am Erscheinungsbild ihres klerikalen Profischafes interessiert.  Als ich einmal mit voller Absicht in hellblauen Plüschpantoffeln in den Gottesdienst marschierte, ist das keiner Sau aufgefallen. Der Plan war, mit dieser und ein paar weiteren Aktionen (klingelndes Handy, Verspieler der Organistin), zu zeigen, wie leicht wir uns durch Äußerlichkeiten von Gottes Wort ablenken lassen. Meine hellblauen Plüschpantoffeln haben es aber nicht geschafft, die Gemeinde von Gottes Wort abzulenken. Dafür immerhin die Albe, deren Saum ich mir hinten in den Hosenbund gesteckt hatte. Die Gemeinde war völlig fertig, weil sie dachte, ich hätte mir bei meinem vorgottesdienstlichen Klo-Gang das Ding versehentlich in der Hose eingeklemmt.

Lange Rede, kurzer Sinn - was ich eigentlich sagen wollte, ist folgendes: Richtet doch bitte beim nächsten Martinsumzug euer Augenmerk auf die Kinder und nicht das Outfit der Pastorin! Denn die Kids haben ganz viel von Gottes Wort für uns parat, wie wir am Martinstag zu hören bekommen haben: Dass man zum Beispiel ein Sofa abgeben kann, wenn man eins zu viel hat. Oder dass man einfach zur Seite rücken kann, wenn man kein Sofa zu viel hat. Besser kann man die Botschaft der Martinsgeschichte kaum  wiedergeben, finde ich. Die Frage ist jetzt: Haben wir die Botschaft auch gehört? Oder waren wir etwa abgelenkt?

Mittwoch, 9. November 2016

Noch nicht ganz drin im Weltgeschehen


Jetzt bin ich zum Glück endlich im Weltgeschehen angekommen. Das war aber nicht den ganzen Morgen so. Als ich vorhin (noch halb im Tiefschlaf!) auf dem Weg zur Kirche war, um diese aufzuschließen, lief mir eines meiner Schäfchen über den Weg und fragte, was ich denn von dem Wahlergebnis halten würde. Ich antwortete: "Ach, das hat mich nicht wirklich überrascht."

Ich muss jetzt an dieser Stelle anmerken, dass ich mit meinen noch nicht ganz aufgewachten Gedanken beim "Ofenstreit" unserer Insel war. Wir hatten am Sonntag nämlich einen Bürgerentscheid darüber, ob das Befeuern von Öfen verboten bleiben soll oder nicht. Das Ergebnis war knapp, mit nur 54% für die Öfen. Das war es, was mich nicht wirklich überrascht hatte. (Das war jetzt die Kurzfassung einer etwas komplizierteren Angelegenheit auf dieser unserer Insel.)

So, nun wieder zurück zu meinem "Ach, das hat mich nicht wirklich überrascht." Daraufhin war nämlich mein Schäfchen ziemlich überrascht und sagte: "Nicht? Also ich hätte gedacht, dass Clinton deutlich vorne liegt."

Daraufhin blockierten erstmal sämtliche Rädchen in meinem Hirn, die sowieso noch nicht richtig angelaufen waren. Dafür rotierte die Frage in meinem Kopf: Was zum Geier hat Clinton mit unseren Öfen zu tun???

Ich war wohl zu sehr im Helgolandgeschehen gefangen und hatte den Schritt ins Weltgeschehen noch nicht geschafft. Ist ja auch kein Wunder, wo ich doch am Sonntag vor dem Gottesdienst diverse Male ein Ofenstreit-Wahlplakat vom Gemeindehaus wegbugsieren musste, weil es einen Notausgang versperrte. Auf magische Weise wanderte es aber immer wieder an seinen alten Platz zurück, wenn ich nicht in der Nähe war. Ich schwöre, wir haben hier Gremlins! Jedenfalls war ich eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst schon dermaßen gestresst, dass ich am liebsten gleich wieder ins Bett gegangen wäre - für den Rest der Woche. Und: Solche traumatischen Erfahrungen hinterlassen offensichtlich Spuren auf den Rädchen meines Denkapparates.

Zumindest waren besagte Rädchen dann doch irgendwann auf der erforderlichen Betriebstemperatur und der sprichwörtliche Groschen (Cent?) konnte fallen: Die Öfen waren gar nicht gemeint sondern die Präsidentschaftswahl in den USA!!!

Und jetzt, wo das Ergebnis feststeht, drohen die Rädchen in meinem Denkapparat heißzulaufen, weil sie einfach nicht verarbeiten können,was da passiert ist. Ich glaub', ich geh' wieder ins Bett - für den Rest der Woche!

Dienstag, 8. November 2016

Carcassonne vs Kettensäge



Um einen Ausgleich zu meiner arbeitsreichen und ziemlich pastoralen Woche zu schaffen, pelle ich mich derzeit mit Vorliebe in eine kuschelige Samtjacke plus Jogginghose ("homewear" heißt das heute) und stricke Socken, koche Birnen ein, backe Reformationsbrötchen, kritzel in meiner Bibel rum, höre klassische Musik, nähe Kissenbezüge aus alten Hemden, häkele Schals und drehe Hunderunden. 

Am Abend vor meinem Pastorensonntag ziehe ich nicht mehr um die Häuser, durch die Kneipen oder in die Disco, um mich dort tänzerisch sowie alkoholkonsumtechnisch völlig zu verausgaben. Sowas habe ich früher mal gemacht (so vor drei Jahren etwa). 

Der freie Tag ging dann so: 
erste Hälfte - Rausch ausschlafen,
zweite Hälfte - Kater loswerden. 
Ich steh' nämlich nicht so auf Katzen, und auf die, die den Magen umdrehen und Kopfschmerzen machen schon gar nicht!

Heute ist alles anders: Ich brüte als Ausgleich zum Pastorendasein über einer Partie "Carcassonne" (Wenigstens ist es kein Schach!) und verausgabe mich nur noch, wenn ich versuche, meine Stadt größer zu bauen als die meines Gegners. So ist es dann auch kein Wunder, wenn ich danach spätestens um 22:00 Uhr vor dem Fernseher eingeschlafen bin.

Muss ich mir Sorgen um mich machen???

Oder muss ich einfach damit leben, dass sowohl der "Pastorendasein"-Teil meines Lebens als auch der "auf Helgoland"-Teil seinen Tribut in Sachen "Obercoole Freizeitgestaltung" fordert?

Oder noch schlimmer: Muss ich wirklich endlich akzeptieren, dass ich keine 20 mehr bin? Und auch keine 30 mehr? Und auch keine ..., egal! Lassen wir das!

Das Einzige, was mich noch davon abhält, komplett in die Unterwelt der absoluten Uncoolheit abzurutschen, ist die Feuerwehr. Ich weiß: Pastorinnen und Pastoren, die gleichzeitig aktive Feuerwehrleute sind, gibt's schon lange. Das wurde nicht erst mit mir erfunden. Aber Pastorinnen, die eine Kettensäge schwingen, gibt's nicht so viele. Wir sind eine sehr seltene Spezies. Und obercool noch dazu!

Irgendwie hat mich das heute schon aus meiner depressiven "Oh Gott, ich bin der Inbegriff des Spießertums" - Laune rausgerissen, als ich jemandem ins Gesicht sagen konnte: Selbstverständlich habe ich einen Kettensägenschein!

Da werde ich es dann auch überleben, wenn ich heute Abend wieder vor dem Fernseher einschlafe - auch ohne vorher meine Carcassonne-Schafe gegen den bösen Wolf verteidigt zu haben.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Bitte nicht stören - vielleicht



Nach drei Beerdigungsgesprächen und genauso vielen unschönen Zusammenstößen, mein Schild an der Amtszimmertür betreffend, weiß ich echt nicht mehr, was ich noch tun soll, um den Leuten folgendes beizubringen:

Wenn da steht "Bitte nicht stören", dann heißt das: Bitte nicht stören!
Und nicht: Vielleicht nicht stören
Oder: Nur donnerstags nicht stören
Oder: Bitte nicht stören - gilt nur an Sonn-und Feiertagen
Oder: Wenn es für dich okay ist, bitte nicht stören

Vielleicht hätte ich ein Ausrufezeichen setzen sollen. Oder am besten gleich drei. Ohne Ausrufezeichen kann man ja nicht genau wissen, ob die Aussage auch wirklich ernst gemeint ist. Bei drei Ausrufezeichen ist das schon deutlicher.

Manche sind ja doch noch so höflich und klopfen an, wenn sie das Schild an meiner Tür sehen. Was aber rein gar nichts bringt, wenn sie gleichzeitig schon die Tür aufreißen. Irgendwie hätte ich schon gerne die Gelegenheit, "Herein" zu sagen. Oder eben auch nicht.

Im Ernst jetzt: Ich kann doch nicht jedes Mal die Tür abschließen, nur um sicherzugehen, dass ich und meine zu beseelsorgenden Schäfchen nicht gestört werden. Und wer weiß, was dann passiert. Vielleicht rücken sie dann mit Axt und Kettensäge an, um sich Zugang zum Amtzimmer der Pastorin zu verschaffen. Die Leute können ja richtig kreativ werden, wenn sie etwas unbedingt wollen.

Ich habe mir jedenfalls überlegt, dass meine Bitte-nicht-stören-Mandala-Schildkröte nicht überzeugend genug aussieht. Ich werde es mal mit einem einfachen Text versuchen, der sagt:

Bitte nicht stören!
Nur nach Aufforderung eintreten!

Da sind immerhin schon zwei Ausrufezeichen drin. Und wenn das nicht hilft, dann gibt es als nächstes dieses hier:

NICHT STÖREN, SONST ...


Ich könnte natürlich auch gleich Security vor meinem Amtszimmer postieren 😎


Samstag, 8. Oktober 2016

P.S.

Ich habe heute Morgen noch in Werner Tiki Küstenmachers 3-Minuten-Bibel gelesen: "Liebe macht immer Spaß. Was wir lieben, tun wir gern." 



Ich stimme ihm da voll zu. Und da ich Gott liebe und auch sein Haus, und die Menschen, die da Gottesdienst feiern, lasse ich mich gerne auf einen morgendlichen Kampf mit betrunkenen Sonnenblumen ein!

Das wollte ich nochmal loswerden.