Mittwoch, 1. Februar 2017

Logistik

Ich soll am Samstag an einer Klausurtagung zum Thema "Kirche am Urlaubsort" in Büsum teilnehmen. Und danach in den Urlaub fahren. Mit Wanderhemdbügler und Pelzgesicht natürlich! Dass das alles auch in der vorgesehenen Reihenfolge, mit den vorgesehenen Personen und zu den vorgesehenen Terminen klappt, ist nicht selbstverständlich.

Plan A ist folgender: Eine Kirchengemeinderätin und ich fliegen am Freitagnachmittag aufs Festland, ünernachten im Hotel bzw. in einer Ferienwohnung der dortigen Kirchengemeinde, und sind dann Samstagmorgen pünktlich zu Klausurtagung anwesend. Wanderhemdbügler und Pelzgesicht kommen am Samstag mit dem ganzen Urlaubsgepäck nach und holen mich am frühen Abend ab, damit wir alle drei dann gemütlich in den Urlaub fahren können.

Es gibt auch einen Plan A+ und der ist mein persönlicher Favorit: Wir alle fliegen am Freitag samt Urlaubsgepäck rüber aufs Festland und freuen uns, dass wir so gut weggekommen sind!


Die Kartenapp will uns hier übrigens mit dem Schiff nach Büsum schicken. Geht nicht, denn von und nach Büsum fahren im Winter keine Schiffe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Plan A ausgeführt werden kann, sinkt dummerweise gerade drastisch: Durch die schlechten Wetterprognosen. Die Chancen stehen seeeeeehr schlecht, dass es am Freitagnachmittag mit dem Fliegen klappt. Also wird es wohl auch mit Plan A+ nichts werden.

Nun tüfteln wir gerade an einem Plan B: Alle vier (mit Pelzgesicht) am Freitagnachmittag aufs Schiff und dann über Cuxhaven nach Büsum. Oder: Wanderhemdbügler, Pelzgesicht und Urlaubsgepäck irgendwie mit irgendeinem Flug egal wohin aber Hauptsache aufs Festland, und dann die beiden zweibeinigen Mädels, die das Schiff nehmen, in Cuxhaven abholen. (Das klingt irgendwie nach 'ner völlig beknackten Idee, aber ohne Hund und Gepäck wird das mit der Schiffsreise leichter. Ich kann mich dann voll und ganz auf meine Kotztüte konzentrieren, anstatt mich auch noch um alles andere kümmern zu müssen.)

Da es schwer nach einem der beiden B-Pläne aussieht, muss natürlich eine Unterbringungsmöglichkeit für Wanderhemdbügler und Pelzgesicht her. Ich hatte für mich nur ein Einzelzimmer gebucht. Aber die Umbuchung ist bereits erledigt und es hat alles reibungslos geklappt: Für Wanderhemdbügler, Pelzgesicht und kirchliches Bodenpersonal steht ein schnuckeliges Doppelzimmer mit Hundegenehmigung zur Verfügung. Ich hoffe aber trotzdem ganz stark, dass ich nicht mit dem Schiff fahren muss!!!  Ihr wisst ja: Mir wird doch schon bei 2 Bft und 30 cm See schlecht. Ihr dürft also alles drücken, was ihr habt: Daumen, Zehen, Pfoten, ... Damit uns Petrus mal richtig lieb hat und für gutes Flugwetter sorgt. (ICH WILL A+!!!)

Ach ja: Und dann hatte ich mir zu allem Überfluss noch überlegt, dass ich unsere Arbeit während der Klausurtagung auch auf Instagram oder Snapchat festhalten könnte (zumindest für 24 Stunden). Aber vermutlich wird mich o2 schon nach dem dem dritten Bild darauf hinweisen, dass ich bereits 80% meines  Datenvolumens verbraucht habe und nach dem vierten Bild meine Surfgeschwindigkeit auf Schneckentempo reduzieren. Was irgendwie aber auch wieder egal ist, denn das Handy wollte ich im Urlaub sowieso ausschalten. Deshalb schenke ich mir hier die logistisch ausgeklügelte Planung.

P.S: Nein, ich habe keine Flat! Brauchte ich auch nie. Jedenfalls solange nicht, bis ich das Netz meiner sozialen Netzwerke erweitert habe. 😝

Mittwoch, 18. Januar 2017

Packender Unterricht geht wie?

Ich habe meine Konfis rausgeschmissen. Ich habe wirklich, wirklich, ehrlich meine Konfis rausgeschmissen! Das macht mich völlig fertig! Das kommt nämlich superselten vor! Eigentlich fast nie. Und dass es jetzt doch passiert ist, sollte euch sagen, dass Helgoland echt in Not ist!!!

Ich wollte eigentlich in das Thema "Bibel" einsteigen und bin gerade mal bis dahin kommen, dass die Bibel ein Buch ist, das im Grunde aus zwei Büchern besteht: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Und dann musste ich sie rauswerfen, weil nix mehr ging.

Ich gräme mich gerade furchtbar, weil ich die ganze Sache mit dem Bibelthema wohl anders hätte aufziehen sollen: Die Konfis "da abholen, wo sie gerade sind", wie es im theologisch - pädagogischen Fachjargon so schön heißt. 



Ich hätte ja die Tatsache, dass es sich bei der Bibel um ein Buch handelt, weglassen können, weil Bücher ja sowieso toootaaal langweilig sind. Stattdessen hätte ich meinen Konfis erzählen können, dass die Bibel sowas wie ein iPhone ist. IPhone haben sie erst zu Weihnachten gekriegt. Da können sie was mit anfangen.

Naja, eigentlich wäre das dann aber ein gottPhone, denn ich glaube nicht, dass der Apple Konzern damals schon seine Finger überall mit drin hatte. Beim Licht machen, Erde trockenlegen und so. Vom gottPhone gibt's dann ein gottPhone 6 und ein gottPhone 7. (Fragt mich jetzt nicht, was mit den gottPhones 1 bis 5 passiert ist. Ich hab' nämlich keine Ahnung. Vielleicht sind das die, die nicht in den Kanon aufgenommen wurden, aber das muss ich meinen Konfis jetzt nicht schon um die Ohren hauen.) 

Das gottPhone 6 und das gottPhone 7 haben jedenfalls beide eine Menge Apps drauf. Das gottPhone 6 hat eine Genesis App (Erstebuchmose App war mir jetzt zu lang!), Exodus App, Richter App, Psalm App (... undsoweiterundsoweiter ...) und die ganzen Propheten Apps natürlich auch wie Jesaja, Jeremia, Amos, Obadja, Micha, Nahum (... und hast du nicht gesehen ...). Auf dem gottPhone 7 sind dann die vier Evangelium Apps (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes), Apostelgeschichte App, Brief Apps (Römer, Epheser, Kolosser, Hebräer und so) und natürlich die Offenbarungsapp drauf.

Die Apokryphen kriegt der iPod - Verzeihung: gottPod. Weil man irgendwann mal beschlossen hat, dass sowas nicht aufs gottPhone gehört. 

Also ist die Bibel im Grunde keine ganze Bibliothek sondern ein gottPhone mit 66 Apps- jedenfalls bei "uns". Die Katholiken haben noch ein paar Apps mehr drauf, aber dafür kein gottPod. Alles klar?

Aber irgendwas sagt mir, dass ich mir damit auch nicht die Aufmerksamkeit meiner Konfis gesichert hätte. Ich hatte nämlich ganz stark den Eindruck, dass bei fast allen die Konzentrationsapp länger kein Update mehr bekommen hat und deshalb nicht funktionierte. Also bis zum nächsten Mal bitte Update, Reboot - und weiter geht's.

Sonntag, 25. Dezember 2016

Krippenspiel und "Wir sind Kirche"

Ich muss da nochmal ein paar weihnachtliche Gedanken zu unserem ausgefallenen Krippenspiel loswerden. Es gibt ziemlich viele Leute, die es ziemlich schade finden, dass es in diesem Jahr auf Helgoland kein Krippenspiel für die Kinder gab. Ich gehöre dazu! Warum das so war, ist schnell erklärt: Ich kann alleine kein ganzes Krippenspiel besetzen so nach dem Motto:

Starring in alphabettical order
Engel 1: Pamela Hansen
Engel 2: Pamela Hansen
Engel 3: Pamela Hansen
Engel 4: Pamela Hansen
Engel 5: Pamela Hansen
Engel 6: Pamela Hansen
(Wieviele Engel braucht man eigentlich für die ganzen himmlischen Heerscharen???)
Esel: Pamela Hansen
Hirte 1: Pamela Hansen
Hirte 2: Pamela Hansen
Hirte 3: Pamela Hansen
Herbergswirt 1: Pamela Hansen
Herbergswirt 2: Pamela Hansen
Josef: Pamela Hansen
König 1: Pamela Hansen
König 2: Pamela Hansen
König 3: Pamela Hansen
Maria: Pamela Hansen
Ochse: Pamela Hansen
Schaf 1: Pamela Hansen
Schaf 2: Pamela Hansen
Schaf 3: Pamela Hansen

Mein schauspielerisches Talent kann sich zwar sehen lassen, aber dafür reicht es dann doch nicht. Den Esel hätte ich noch gut hinbekommen, aber den Rest nicht ;-)



Ich hatte vor Jahren noch den Ehrgeiz, selber mit ein paar Kindern hier ein Krippenspiel einzustudieren. Das ließ sich nicht machen, weil die Kinder sowieso schon mit allen möglichen Dingen beschäftigt waren und keine Zeit / Lust für Proben da war, und weil viele Familien gar nicht absehen konnten, ob sie an Weihnachten überhaupt auf der Insel sein würden oder vielleicht doch lieber Oma und Opa auf dem Festland besuchen. 

Also würde es wohl eine spontane Besetzung der Rollen während des Gottesdienstes tun müssen. Eigentlich kein Problem. Sowas kannte ich schon aus meiner Kinderzeit. Da wurde das immer so gemacht mit dem Krippenspiel. Blöd war damals nur, dass immer schon alle Rollen ratzfatz vergeben waren und es nichts mehr zu besetzen gab, als ich mich endlich traute, mich zu melden. Viel Zeit, um den nötigen Mut aufzubringen, hatte ich auch wirklich nicht, denn alles stürzte sich sofort auf die zu vergebenden Rollen und Kostüme.

Hier scheint niemand so heiß aufs Krippenspiel spielen zu sein. Vor zwei Jahren bin ich tatsächlich 15 Minuten als Krippenspiel-Motivator durch die Kirche getigert, bis ich zumindest die allernötigsten Rollen besetzt hatte. Es müssen ja nicht gleich 20 Hirten sein und wenn die himmlischen Heerscharen aus nur einem Engel bestehen, ist das für mich auch voll okay. Aber schon doof, wenn es eine ganze Viertelstunde dauert, bis der Gottesdienst überhaupt losgehen kann. Und den Stressfaktor nicht zu vergessen! Also: MEINEN Stressfaktor. Die Gottesdienstbesucher hatten natürlich auch Stress, das konnte ich ihnen ansehen: Oh Gott, hoffentlich fragt sie mich jetzt nicht, ob ich den Herbergswirt übernehmen kann!!! Wie gesagt, MEIN Stressfaktor: Nach drei Minuten wurde mir mulmig. Nach sieben Minuten hatte ich Schweißperlen auf der Stirn. Nach neun Minuten war mir richtig schlecht und nach zwölf Minuten war ich einer Ohnmacht nahe. Mein Musiker hat mir später anvertraut, dass er so nach zehn Minuten drauf und dran war, mir vorzuschlagen, das mit dem Krippenspiel doch einfach zu lassen. Ich glaube, dann wäre ich tatsächlich in Ohnmacht gefallen.

Um diesen Stress zu vermeiden, nervte ich im letzten Jahr sehr rechtzeitig meinen Kirchengemeinderat mit dem Thema Krippenspiel und konnte wenigstens eine Maria und einen Josef finden, die gemeinsam und verkleidet und auf einem Strohballen hockend die Weihnachtsgeschichte erzählen würden. Das fand ich zwar klasse, weil wir so unseren Kleinen an Heiligabend wieder etwas bieten konnten, aber die Besetzung war doch schon sehr mager.

In diesem Jahr hätten "KGR Maria und Josef" auch wieder zur Verfügung gestanden - vielleicht. Denn Maria wusste zunächst nicht, ob sie Weihnachten überhaupt auf der Insel ist und Josef war für eine Weile gesundheitlich außer Gefecht gesetzt. Da war er wieder: der Stressfaktor! Irgendwann musste natürlich von den gottesdienstlich Hauptverantwortlichen eine Entscheidung getroffen werden und da uns kreative Alternativen nicht einfielen, lautete die Entscheidung: kein Krippenspiel. So!

Diese ganze Krippenspiel-Aktion ließ mich an ein Gespräch denken, das ich letzte Woche mit jemandem über das Thema Kirche geführt habe. Da fiel wieder der Satz: "Ich kann auch alleine an Gott glauben, dazu brauche ich die Kirche nicht." 

Das Problem dabei ist: Du brauchst vielleicht die Kirche nicht. Aber die Kirche braucht dich! 

Kirche funktioniert nur in Gemeinschaft, wie wir an dem wunderbaren Thema "Krippenspiel" sehen. Es funktioniert NICHT, wenn alle an Heiligabend ein Krippenspiel sehen wollen, aber keiner beim Krippenspiel mitmachen will. 

Und das betrifft auch alle anderen Bereiche, die kirchliches Leben ausmachen. Wenn ich als Profischaf keine Gemeinschaft hätte, die mir in vielen Bereichen den Rücken freihält, könnte ich diverse pastorale Aufgaben gar nicht erfüllen. Es ist wirklich so: Ohne Gemeinschaft keine Gottesdienste, keine Seelsorge, keine Notfallseelsorge nach Terroranschlägen, keine Selbsthilfegruppe, keine Musik, keine Feste und Feiern, kein Seniorenkreis, kein Konfirmandenunterricht, keine Hospizarbeit, keine Geburtstagsbesuche, keine Bahnhofsmission, keine Seemannsmission, keine Krabbelgruppe, kein Weltgebetstag, kein Friedenslicht, keine Taufen, keine Trauungen, keine Beerdigungen, keine Jugendgruppe, keine Kindergärten, keine Pflegeheime, und: keine Krippenspiele. Und diese Liste ist noch nichtmal vollständig. Kirche funktioniert nicht, wenn alle was von Kirche wollen aber keiner bei Kirche mitmachen will.

Wie gesagt: Viele mögen denken, dass sie Kirche nicht brauchen. Aber betrachtet es wirklich mal von der anderen Seite: Kirche braucht euch! Denn Kirche ist die GEMEINSCHAFT der Glaubenden. Kirche, das sind die Menschen. Kirche ist nicht "ich". Kirche, das sind WIR.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Adventliche Dienstbesprechung

Ich wollte nur mal kurz zum Besten geben, wie klasse es ist, wenn sich der Advent plötzlich selbst entschleunigt. Eigentlich schon heftig, dass eine ihrer Bestimmung nach besinnliche Zeit entschleunigt werden muss, denn im Grunde sollte das gar nicht nötig sein. Ist aber nötig. Und das leider nicht nur bei denjenigen, die im adventlich / weihnachtlich professionellen Bereich tätig sind. Umso schöner, wenn der Advent es dann sogar schafft, sich selbst zu entschleunigen.


So geschehen bei unserer Dienstbesprechung heute morgen, die leider in ganz kleinem Rahmen stattfinden musste: Der Friedhofswart hat gerade Urlaub, die Reinigungskraft hat früher Feierabend gemacht, der Organist ist noch nicht eingeflogen und die Sekretärin ist sowieso auf dem Festland. Blieben also nur unsere Küsterin und ich. 

Wir hatten gestern schon beschlossen, es uns ein wenig gemütlich zu machen, weil für die meisten von uns der Advent in diesem Jahr ein richtig verkackter Advent ist. Frau H. wollte wieder diese leckeren Weihnachtskekse mitbringen, von denen sie steif und fest behauptet, sie seien misslungen. (Was meine Geschmacksnerven ja gar nicht finden. Meine Geschmacksnerven finden diese Weihnachtskekse sehr, sehr, sehr (!) gelungen.)

Und ich wollte den Tee dazu kochen. Hat auch alles so hingehauen. Und Kerzen haben wir auch angemacht. Und dann stand da die "Talk-Box" auf dem Tisch. Die Box mit Fragekarten zum Thema Weihnachten hatte ich neulich bestellt, weil ich dachte, ich könnte sie vor Weihnachten noch bei den Konfis oder im Seniorenkreis einsetzen. Eingesetzt wurde sie dann bei der Zwei-Frau-Dienstbesprechung heute Morgen. 



Wir haben ein so ausgiebiges, intensives und schönes Gespräch über unsere weihnachtlichen Erfahrungen und Ansichten geführt, wie ich es nie vermutet hätte. Die frustrierend verkackte Seite des Advents hatte sich versehentlich aus meinem Amtszimmer ausgesperrt. Die gemütliche und stimmungsvolle Seite war geblieben und hat uns dieses Dienstbesprechungsstündchen richtig schön gemacht. Ich glaube, ganz so blöd finde ich den Advent gerade gar nicht mehr.

Vielen Dank dafür, Frau H.!

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Im Adventskalenderstress

Ich liebe ja Adventskalender! Tue ich wirklich! Aber vier davon in der Wohnung zu haben plus die ganzen digitalen Türchen, die man im Advent aufmachen kann, grenzt an Overkill. Für mich jedenfalls.

Ich weiß ja gar nicht, wann ich den vier Kalendern meine Aufmerksamkeit schenken soll. Meine tägliche Routine ist so dermaßen auf die Minute durchgetimed, dass mich ein unangemeldetes Gespräch schon völlig aus der Bahn wirft. Und dann soll ich auch noch vier Türchen / Säckchen / Blättchen aufmachen??? Vier???!!!

Anmerkung: Eigentlich sind es sogar fünf, denn ich habe heute noch einen per Email geschickt bekommen. Da ich aber schon den ganzen Text durchgelesen habe mit allen 24 Abschnitten, gilt dieser Adventskalender bereits als komplett geöffnet und steht nicht mehr zur Debatte.

Und mal ganz ehrlich: Es ist ja bei einer Pastorin nicht so, als würde es ihr endlos lange vorkommen, bis endlich Weihnachten ist. Da besteht doch nun wirklich kein Grund, mir eine Wartezeit zu versüßen, die es sowieso nicht gibt. Ich jedenfalls verbringe den Advent nicht damit, auf Weihnachten zu warten. Ich verbringe den Advent damit, mir zu wünschen, ich hätte zusätzliche 24 Tage, um in Ruhe richtig geile Weihnachtspredigten schreiben zu können! 
Und nun stehlen mir die Adventskalender noch mehr von meiner kostbaren Zeit!

Heute morgen war ich auch gleich so richtig bedient, als ich den Kalender-Kalender aufhängen wollte: Das ist ein Adventskalender in echter Kalenderform, also nicht mit Türchen oder Säckchen, sondern mit Blättchen. Auf diesen Blättchen stehen Texte. Laaaaaaaaaaange Texte. Bis ich die morgens durchgelesen habe, ist mein Tee kalt! Heute morgen stellte ich fest, dass ich nicht nur den laaaaaaaaangen Text für heute hätte lesen müssen. Der Adventskalender ging nämlich schon am 1. Advent los.  Der erste Advent war am 27.11., was bedeutet, dass ich eigentlich noch vier Tage Text nachholen muss, bevor ich mich an den Text für heute machen kann. Bei euch piept's wohl!



Versteht mich jetzt nicht falsch: Alle meine Adventskalender sind wunderschöne Adventskalender, die von mir zutiefst wertgeschätzt werden,  aber ich vermisse die Zeiten, als ich mir nur ein Stück Schokolade in den Mund schieben musste und fertig.

Da ich allerdings auf keinen meiner Adventskalender verzichten möchte, muss ich wohl einen Weg finden, diese bis Weihnachten in meinen Tagesablauf zu integrieren. Deshalb habe ich auch schon beschlossen, den Kalender mit den vielen Texten einfach nur umzublättern und mich am hübschen Aussehen der Texte zu freuen. Das hat damit zu tun, dass ich meinen Tee morgens lieber heiß trinke als kalt und wirklich nicht bereit bin, an dieser Stelle Kompromisse zu machen!

Ich finde, dass das schonmal ein vielversprechender, zeitsparender Anfang ist.

Samstag, 19. November 2016

Snapchat und andere Gespenster



Seit ein paar Tagen ziert eine weitere App mein Handy - in Form eines Gespenstes. Ich habe nämlich endlich meiner Neugier nachgegeben und mich auf "Snapchat" eingelassen.

Nun wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis ich heillos überfordert bin mit den ganzen sozialen Netzwerkhochzeiten, auf denen ich inzwischen tanze: Facebook, Twitter, Instagram, WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram Messenger und Blogger. Ich weiß jetzt gar nicht: Zählt die gute alte SMS noch dazu, oder nicht?

Ich denke weder, dass Kirche das unbedingt unterlassen sollte, noch denke ich, dass Kirche das unbedingt mitmachen muss. Aber es sind schon schöne Hilfsmittel, wenn es um Verkündigung geht. Für mich auf meiner kleinen Insel mitten in der Nordsee sowieso! Jesus hat schließlich gesagt: "Geht nun hin zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern und Jüngerinnen." (Matthäus 28, 19). Jesus hat NICHT gesagt: "Geht nur zu den Helgoländern", oder: "Geht aufs Unterland" 

(Ich bin ja Oberländerin, will damit aber nicht sagen, dass die Unterländer missionierungsbedürftiger sind als die Oberländer. Also: kein Streit jetzt!)

In anderen Bibelübersetzungen steht sogar: "Geht hinaus in die ganze Welt." Und die Welt ist von Helgoland aus ganz prima über Facebook, Twitter, Instagram und WhatsApp zu erreichen. Naja, und mit Schiff und Flugzeug auch, aber um die geht es nunmal gerade nicht.

Und da ich, wie gesagt, neugierig war, dachte ich, ich probiere doch noch ein weiteres Verkündigungswerkzeug aus. Zu dumm, dass ich nichtmal behaupten kann, ich würde was ganz neues austesten, denn Snapchat ist ja schon seit 5 Jahren auf dem Markt bzw. auf den Handys. Trotzdem heißt es, es würde Facebook, Twitter und sogar Instagram den Rang ablaufen.

Ich bin mir allerdings nicht so sicher, wie ich damit umgehen soll, dass die meisten meiner Konfis Snapchat ausprobiert, aber nicht für gut befunden haben. Ist es etwa doch nicht so cool, wie manche behaupten? Oder bin ich ausnahmweise einmal cooler als meine Konfies?

Egal, es macht jedenfalls ziemlich viel Spaß, via Snapchat "Zeugnis abzulegen" über meinen Glauben. Auf Deutsch heißt das: Es macht ziemlich viel Spaß, die Snapchat-Welt wissen zu lassen, wie das Leben einer Frau aussieht, die beruflich an Gott glaubt. Okay, ich glaube auch privat an Gott, aber das dürfte ich der Welt dann ja nicht während meiner Arbeitszeit mitteilen. Allerdings habe ich ja gar keine geregelten Arbeitszeiten, sondern bin rund um die Uhr Profischaf.

Hab' ich euch jetzt verwirrt? Gut! Ich hab' mich nämlich selber gerade verwirrt!

Das liegt vermutlich daran, das mein Hirn zur Zeit ziemlich viel verarbeiten muss. Ich stecke nämlich gerade mitten in einem Testlauf, um herauszufinden, was mir besser gefällt: Snapchat oder Instagram. Was Snapchat tut, kann Instagram inzwischen auch. Ich musste mich allerdings erstmal intensivst mit Snapchat auseinandersetzen, um herauszufinden, wie das mit der "Story" auf Instagram funktioniert. 

Fazit: Ich mag beides total gerne. Snapchat mag ich noch ein bisschen lieber, weil man da so lustige Comic-Avatare von sich selbst in die Bilder und Videos einfügen kann! Das Blöde bei Snapchat ist allerdings, dass mich da nur vier Leute "ge-addet" haben, zwei davon sind Konfis. Interessiert die das wirklich, was ihre Pastorin den ganzen Tag so treibt??? Ich bezweifle das! Auf Instagram bekommen immerhin 80 Leute mit, was sie schon immer mal über eine Pastorin / Feuerwehrfrau / menschliches Wesen auf Helgoland mit ihren Vorlieben und Leidenschaften wissen wollten. Oder auch nicht wissen wollten.

Ich kann mir gut vorstellen, dass meine Eltern, wenn sie den Artikel hier lesen, spätestens an dieser Stelle geneigt sind aufzugeben. Liebe Mama, lieber Papa: Ich kann euch total verstehen! Ich weiß ja selber nicht genau, was ich hier eigentlich schreibe. Hab' doch im Grunde von Tuten und Blasen genauso wenig Ahnung wie ihr, und tu' nur so als wäre ich total versiert in diesen Dingen.

Im Grunde will ich wohl nur etwas Applaus dafür, dass ich mich als 45jährige, die auch noch einem total weltfremden Beruf nachgeht, mit den neuesten Software-Spielereien auseinandersetze. Mein schlechtes Gewissen beruhigt es zusätzlich noch, denn wir haben schon länger keinen Gemeindebrief mehr. Aber dafür jetzt eine weitere App, um die ganze Welt wissen zu lassen, was in der Helgoländer Kirche, im Helgoländer Pastorat und auf der Helgoländer Insel so abgeht.

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P.S.: Ihr findet mich auf Snapchat unter dem Benutzernamen revphansen 

Sonntag, 13. November 2016

Das pastorale Erscheinungsbild

Warum machen sich die Leute bloß so viele Gedanken darüber, wie wir Pastorinnen und Pastoren aussehen? Wie ich darauf komme, dass die Leute sich über sowas Gedanken machen? Kann ich euch sagen:

Vor der Andacht zum Martinsumzug wurde mir mitgeteilt: "Wir haben uns schon gefragt, was Sie heute wohl anhaben." (Aha.)

Eigentlich hätte das doch heißen müssen: "Wir haben uns schon gefragt, was für tolle Laternen die Kinder in diesem Jahr wieder gebastelt haben" - oder so. 
Also, ich für meinen Teil bin noch nie in eine Kirche geschneit, um dem Pastor oder der Pastorin als allererstes zu sagen: "Ich habe mich schon gefragt, was Sie heute wohl anhaben." Ist ja auch irgendwie ein bisschen distanzlos. Ich meine, was kommt als nächstes? Die "Schotten und Kilt" - Frage???

Jedenfalls war die Gruppe, die sich Gedanken über mein Martinstag-Outfit gemacht hatte, äußerst zufrieden mit meiner Kombination aus Einsatzschutzkleidung und Kollarhemd (Ich wollte ja nicht nur ganz andächtig aussehen in der Andacht sondern beim Umzug auch noch eine Fackel tragen - und dabei garantiert nicht mein sauteures schwedisches Kollarhemd mit Wachs vollkleckern!). 



Als ich noch Vikarin auf Föhr war, habe ich mal die halbe Insel in Aufruhr versetzt, weil ich es gewagt hatte, statt des sonst üblichen Zopfes mit Haarband in passender liturgischer Farbe, die Haare einfach hochzustecken. Alle waren voll aus dem Häuschen, weil sie dachten, ich hätte die Haare ab. Und natürlich hat keiner mehr mitgekriegt, worüber ich gepredigt habe.

Woher also dieses große Interesse am pastoralen Erscheinungsbild?
Ich hege ja die Vermutung, dass das bei uns Evangelen mit dem Bildersturm zu tun hat. Einige Leute hatten im Zuge der Reformation angefangen, den ganzen Prunk aus den Kirchen zu entfernen, nach dem Motto: Gott braucht keine überdimensionale Deko, aber die Menschen brauchen was zu essen. "Gebt das Geld lieber für die Armen aus", war die Devise.

Seit dem Bildersturm sehen unsere Kirchen also etwas dezenter aus in Sachen Inneneinrichtung. Die Ansichten sind heute zwar nicht mehr so radikal wie im 16. Jahrhundert, aber eine Ausschmückung unserer Kirchen ist immer noch kostenintensiv, keiner hat wirklich die Kohle dafür und dann ist da auch noch der Denkmalschutz, der uns nicht genehmigtes Ausschmücken untersagt. Aber Pastoren unterliegen nicht dem Denkmalschutz. Vielleicht ist es deshalb so mancher Gottesdienstbesucherin ein Bedürfnis, sich darüber Gedanken zu machen, welche Lippenstiftfarbe Frau Pastorin wohl heute trägt, oder ob der Herr Pfarrer neue Schuhe hat.

(Das ist, neben diversen anderen, übrigens ein weiterer Grund, warum ich lieber Albe als Talar trage: Die Albe hat kein Beffchen, dass einem auf dem Weg zur Kirche bei 6-8 Windstärken immer(!) ins Gesicht flattert und immer(!) Lippenstiftflecken abbekommt.)

Das Gottesdienst feiernde Volk ist aber dummerweise nicht immer am Erscheinungsbild ihres klerikalen Profischafes interessiert.  Als ich einmal mit voller Absicht in hellblauen Plüschpantoffeln in den Gottesdienst marschierte, ist das keiner Sau aufgefallen. Der Plan war, mit dieser und ein paar weiteren Aktionen (klingelndes Handy, Verspieler der Organistin), zu zeigen, wie leicht wir uns durch Äußerlichkeiten von Gottes Wort ablenken lassen. Meine hellblauen Plüschpantoffeln haben es aber nicht geschafft, die Gemeinde von Gottes Wort abzulenken. Dafür immerhin die Albe, deren Saum ich mir hinten in den Hosenbund gesteckt hatte. Die Gemeinde war völlig fertig, weil sie dachte, ich hätte mir bei meinem vorgottesdienstlichen Klo-Gang das Ding versehentlich in der Hose eingeklemmt.

Lange Rede, kurzer Sinn - was ich eigentlich sagen wollte, ist folgendes: Richtet doch bitte beim nächsten Martinsumzug euer Augenmerk auf die Kinder und nicht das Outfit der Pastorin! Denn die Kids haben ganz viel von Gottes Wort für uns parat, wie wir am Martinstag zu hören bekommen haben: Dass man zum Beispiel ein Sofa abgeben kann, wenn man eins zu viel hat. Oder dass man einfach zur Seite rücken kann, wenn man kein Sofa zu viel hat. Besser kann man die Botschaft der Martinsgeschichte kaum  wiedergeben, finde ich. Die Frage ist jetzt: Haben wir die Botschaft auch gehört? Oder waren wir etwa abgelenkt?