Freitag, 29. Mai 2015

Nachtrag zum Gute-Laune-Igel




Er hängt jetzt nicht IN meinem Amtszimmer, sondern AUSSEN an der Tür - damit jeder, der zu mir will, gleich gute Laune hat. Hoffentlich klappt's. 

Ich selber hab' dann auch gleich gute Laune, auch wenn ich Bürokram erledigen muss.

Gute-Laune-Igel



Dies ist eins von den Bildern, bei denen die Leute unversehens in Entzücken ausbrechen und laut rufen: Oh wie süüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüß!!!

Auch in unserem Kindergarten erschallte heute Morgen dieser Ruf. Aus meinem Mund. Ich war mal wieder zum Morgenkreis da, hatte vorher aber noch ein bisschen Zeit, durch die Gruppen zu gehen. Nachdem ich schon die künstlerischen Begabungen der Kinder bewundert hatte und mit unsichtbaren Handschellen gefesselt worden war, entdeckte ich dann in einem Gruppenraum das Igelbild. Natürlich brachte ich mein Entzücken lautstark zum Ausdruck und fühlte mich gleich so, als könnte ich die ganze Welt umarmen. Mir wurde dann von den Erzieherinnen erklärt: Das ist unser Gute-Laune-Igel! Na klar. Was sollte das auch sonst sein. Netterweise bekam ich gleich mein eigenes Igelbild ausgedruckt.

Das wird in einen hübschen Rahmen gesteckt und in meinem Amtszimmer gut sichtbar aufgehängt. So muss ich nur einen kurzen Blick auf das Bild werfen, wenn ich mal wieder mit den eher nervigen Angelegenheiten des Pastorendaseins zu tun habe, und werde dann bestimmt den Rest des Tages in guter Laune verleben. Am besten ich mache gleich einen Haufen Kopien und pflastere alle Räume im Pastorat mit Gute-Laune-Igeln. Oder, noch besser: Ich pflastere gleich die ganze Insel mit Gute-Laune-Igeln! Dann gibt es auf Helgoland nur noch gut gelaunte Menschen. Wäre doch schön :-)

Dienstag, 26. Mai 2015

Glaubensperlen und Kerzenklau

Und wieder mal bin ich mir nicht sicher, was ich tun soll. Auf die Ehrlichkeit der Menschen vertrauen oder auf Nummer Sicher gehen? In diesem Fall geht es um die "Perlen des Glaubens". Dabei handelt es sich um ein Perlenarmband, das als Gebetshilfe dienen soll, ähnlich wie ein Rosenkranz. Wer mehr dazu wissen möchte, kann hier nachschauen: http://www.perlen-des-glaubens.de/

Ich habe mir jedenfalls gedacht, dass es schön wäre, wenn Besucherinnen und Besucher unsere Kirche nicht nur als eine Art Museum betrachten, sondern sie als spirituellen Raum wahrnehmen. Dazu habe ich ein paar Perlengebete und einen meditativen Rundgang durch die Kirche verfasst und in der Kirche ausgelegt. Am schönsten ist es natürlich, wenn man zum Beten oder auf dem Rundgang eines dieser Perlenarmbänder in der Hand hat. Die müssten dann natürlich auch in der Kirche ausgelegt werden. Und bezahlt, wenn jemand so ein Armband mitnehmen möchte. 



Leider reißt es immer mehr ein, dass Dinge "einfach mitgenommen werden". Das Bezahlen wird dann gerne "vergessen". Haben wir gerade erst mit den Kerzen erlebt, die eine freundliche Spenderin uns für unsere Taizé Andachten überlassen hatte. Ursprünglich waren es acht Stumpenkerzen in schönen schlichten Kerzenhaltern aus Glas. Jetzt sind es nur noch sechs. Ich hatte sie in einer Ecke unserer Kirche hinter einem Paravent deponiert. Offen stehenlassen mochte ich sie nicht, denn wir wollen ja die Leute nicht unnötig in Versuchung führen. Trotzdem waren vor ein paar Wochen zwei der Kerzen verschwunden. Naiv wie ich bin, habe ich zunächst angenommen, dass jemand sie sich nur ausgeliehen hätte. Denn wer kommt außer uns, die mit Küstertätigkeiten, Aufräumarbeiten oder Müllentsorgung zu tun haben, schon auf die Idee, hinter besagten Paravent zu schauen? Jedenfalls sind die Kerzen bis heute nicht wieder aufgetaucht, was mich zu der Annahme verleitet, dass sie schlichtweg geklaut wurden. Selbst unsere Altarkerzen sind vor den Kerzenjunkies nicht sicher, wie mir neulich berichtet wurde. Auch die sind in der Vergangenheit schon auf wundersame Weise verschwunden. 

Es muss wohl Leute geben, die so süchtig nach Kerzen sind, dass sie es nicht aushalten können, so lange zu warten, bis eines der Geschäfte öffnet, in denen Kerzen käuflich zu erwerben sind. Oder vielleicht hat ihre Sucht sie schon in den finanziellen Ruin getrieben, so dass sie sich keine Kerzen mehr leisten können. (Wenn also jemand in unserer Kirche Kerzen klaut, fällt das dann unter Beschaffungskriminalität?)

Jedenfalls hat mich die Erfahrung mit den Kerzen dazu gebracht, mir das Hirn darüber zu zermartern, wie mit den Perlenarmbändern verfahren werden soll. In der Kirche auslegen und einfach ein Preisschild dranmachen wollte ich nicht, denn sie könnten ja geklaut werden. Andererseits wollte ich die Leute schon dazu animieren, so ein Perlenarmband auch zu benutzen. Was also tun? 

Ich dachte, ich hätte die Idee des Jahrhunderts gehabt, als mir einfiel, dass ich ja einfach ein Ansichtsexemplar in der Kirche auslegen könnte (es stand sogar "Ansichtsexemplar" drauf!) mit dem Vermerk, dass die Armbänder im Kirchenbüro käuflich zu erwerben sind. Gesagt, getan. Und am nächsten Tag war das Ansichtsexemplar weg! Ja, ich gebe zu, dass das Kirchenbüro nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet ist, und es somit Zeiten gibt, in denen sich der Erwerb von Perlenarmbändern schwierig gestaltet. Und es könnte ja auch sein, dass das Ansichtsexemplar bezahlt wurde. Es gibt da nämlich einen kleinen Spendenkasten neben den käuflich zu erwerbenden Dingen wie Büchern oder Postkarten. Allerdings ergab selbst die ausgiebige Inspektion dieses Spendenkastens keinen endgültigen Aufschluss darüber, ob das Perlenarmband nun einem Kauf oder einem Diebstahl zum Opfer gefallen ist.

Ich könnte nun anfangen, jeden Abend eine Inventur der Kerzen, Bücher, Postkarten und Perlenarmbänder durchzuführen, um rauszufinden, wieviel tatsächlich in der Kirche geklaut wird. Aber wer hat dafür schon Zeit?! Ich nur in dem Fall, in dem die Gemeinde bereit wäre, sich sonntags mit einer Ultra-Kurzpredigt zufrieden zu geben. Vielleicht sind meine Schäfchen ja ganz froh, wenn ich die Predigt von 15-20 auf 3 Minuten reduziere ;-)

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So, und hier musste ich gerade eine Pause mit dem Blogschreiben einlegen, da meinem Vierbeiner sonst die Blase geplatzt wäre. Aber dafür habe ich großartige Neuigkeiten! Auf dem Rückweg von unserem Spaziergang habe ich nämlich in der Kirche vorbeigeschaut, um das Foto für diesen Blogeintrag zu machen. Und: Es fehlte wieder ein Perlenarmband! Ich natürlich gleich rüber ins Kirchenbüro und Schlüssel für den Spendenkasten geholt. Ich wollte doch unbedingt wissen, ob daran gedacht wurde, uns das Geld, das wir für das Armband ausgelegt haben, auch zu erstatten. In diesem Fall war das gut nachvollziehbar, da ich den Kasten gestern erst geleert hatte. Und ja: Das Geld für das Armband war drin!!! Yes, yes, yessssss!!! Es besteht noch Hoffnung für die Menschheit! 

Das bringt mich nun endgültig zu dem Schluss, dass es mir wichtiger ist, die Leute auf Gebet und Meditation lecker zu machen, als unsere Kirchengemeinde zu 150 % vor Diebstahl zu schützen.

Ich kann ja vorsichtshalber noch ein Schild aufhängen mit dem Spruch: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Perlenarmband, Buch, Kerze, Postkarte, oder alles, was sein ist!"

Samstag, 23. Mai 2015

Faszinierend!



Wäre ich Mr. Spock, dann würde ich jetzt eine ohnehin schon vulkanisch angeschrägte Augenbraue hochziehen und sagen: Faszinierend!

Was ich so faszinierend finde?
Die Tatsache, dass es ganz unterschiedliche Auffassungen zu geben scheint, wie wir denn unsere Veranstaltung am Pfingstmontag gestalten. Naja, nicht die Tatsache an sich, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt, fasziniert mich. Die gibt es ja öfter. Was mich fasziniert, ist der Mismut darüber, dass biblische Texte gelesen werden sollen! Von einer Pastorin. Und christliche Lieder gesungen! In einer Kirche. Am Pfingstmontag. Und dass das Ganze dann auch noch schwer nach Gottesdienst riecht ... Sowas! Obwohl ich zugeben muss: Es haben sich tatsächlich ein Eingangsgebet, ein Vaterunser und ein Segen in den Ablauf eingeschlichen. 

Pfingsten ist ja nicht nur Nordseewoche und Regattawochenende, sondern ein christliches Fest. Auch auf Helgoland. Pfingsten geht sogar noch weiter zurück, denn es war ursprünglich ein jüdisches Fest, an dem die Übergabe der Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten an die Israeliten gefeiert wurde. Immer 50 Tage nach dem Passahfest. Als sich dann vor um und bei 2000 Jahren der Heilige Geist eingemischt hat, wurde es zur Geburtstagsparty der Kirche. 

Mal ganz abgesehen davon, dass ich finde, "Lieder und Texte zur Sommerzeit" an Pfingsten in einer Kirche dürfen sehr wohl einen christlichen Prägestempel aufgedrückt bekommen, finde ich auch, dass zum Beispiel die Psalmen mit das Schönste sind, was wir an Dichtung auf der Welt haben. Also wenn Schöpfungspsalmen, die doch Gottes Lebensatem hervorheben, nicht mehr Teil einer Pfingstveranstaltung sein sollen, dann zuckt mir schonmal eine Augenbraue nach oben - auch wenn sie nicht so schön vulkanisch angeschrägt ist wie die von Mr. Spock. (So schöne spitze Ohren habe ich leider auch nicht.)

Ich hoffe nur, dass jetzt nicht alles, was sich über Pfingsten auf der Insel herumtreibt, total abgeschreckt ist von der Vorstellung, dass es in unserer Kirche unter anderem Lieder aus dem Evangelischen Gesangbuch und biblische Lesungen geben wird. 

Kommt trotzdem! Es tut auch überhaupt nicht weh! (Es sei denn, ihr müsst Regatta segeln, dann seid ihr natürlich entschuldigt.)

Ihr könnt mir ruhig glauben, dass das nicht wehtut, denn ich spreche schließlich aus Erfahrung. Seit frühester Kindheit hat man mir schon christliche Lieder und Bibeltexte um die Ohren gehauen und ich habe es nicht nur überlebt, sondern erfreue mich zudem bester Gesundheit. Und wer weiß: vielleicht hat es ja für euch einen ähnlichen Effekt wie für mich. Ich fühle mich nämlich immer sauwohl, nachdem ich ein paar Lieder gesungen oder Texte gehört habe, die Mut machen, trösten, von Gottes Liebe erzählen, zum Nachdenken anregen oder einfach nur das Leben feiern.

Mittwoch, 20. Mai 2015

Einer meiner Favoriten

Ist mir so egal, ob das nun pädagogisch wertvoll ist oder nicht, aber für mich ist es ein Favorit im Konfirmandenunterricht: Tee trinken und Jesusfilm gucken! Und wenn dann noch eine Konfirmandenmutter selbstgemachten Butterkuchen beisteuert: Erste Sahne! Und es kann noch nichtmal jemand behaupten, ich hätte nur keine Lust (oder Zeit) gehabt, eine "vernünftige" Stunde vorzubereiten. Weil: Technisch unbegabt, wie ich bin, habe ich genauso lange gebraucht, um Fernseher und DVD-Player zum Laufen zu kriegen, wie es dauert, eine methodisch-didaktisch ausgeklügelte Unterrichtseinheit zusammenzubasteln. Ich bin ja nunmal Pastorin und kein Elektriker.

Wenigstens spare ich jetzt den Zeitaufwand fürs Abendessen machen. Ich hab' nämlich den Bauch noch voll Butterkuchen. Abendessen fällt heute, glaube ich, aus.


Samstag, 16. Mai 2015

Übersetzungsschwierigkeiten

Ich bin am Verzweifeln! Ich komme einfach nicht dahinter, was mit einem Absatz des Partnerschaftsvertrages gemeint sein kann, den ich aus dem Englischen ins Deutsche übersetzen soll.

Zum besseren Verständis:
Unsere Partnerschaftsgruppe will mit den Partnern in der Kirche auf Zanzibar auch so einen Vertrag erstellen, in dem festgehalten wird, wie die Partnerschaftsarbeit aussehen soll. Damit wir es damit nicht so schwer haben, haben wir uns einen Mustervertrag besorgt. Dieser Vertrag wurde mal zwischen einer deutschen und einer afrikanischen Kirchengemeinde geschlossen. Allerdings ist der auf Englisch abgefasst. Da aus unserer Gruppe alle glauben, dass sie mit der englischen Sprache nicht so gut zurechtkommen wie ich, bekam ich den Auftrag, das Dokument ins Deutsche zu übersetzen. Welch Vertrauen in meine Übersetzungstalente!



Und an der Orgel bin ich dann gescheitert. Jawohl: an der Orgel! Es könnte natürlich auch sein, dass es sich bei dem erwähnten Dingsbums nicht um ein Musikinstrument sondern um ein menschliches Organ handelt. So genau weiß ich das nicht. Weil ich nichtmal aus dem Zusammenhang erkennen kann, worum es da geht. Jedenfalls nicht um tierische Organe. Von Tieren war in dem Vertrag nicht ein einziges Mal die Rede. Das fällt also schonmal flach.

Neben Unterstützung von Jugendprojekten, Gestaltung von Partnerschaftsgottesdiensten und Klärung von Gleichberechtigungsfragen steht da als weiteres Ziel für die gemeinsame Partnerschaftsarbeit:
Extending the Organ

Hä???
Die Orgel ausdehnen? 
Das Organ ausweiten?
Oder was?

Da es sich hier um Kirchenangelegenheiten handelt, ist es wohl wahrscheinlicher, dass hier das Musikinstrument gemeint ist und nicht eine Erweiterung der Herzkranzgefäße oder eine geschwollene Leber. Glaube ich zumindest.
Aber wie zum Geier dehnt man eine Orgel aus? Oder erweitert sie? Oder verlängert sie?
Vielleicht soll ja versucht werden, sie so laut zu spielen, dass ihre Musik auch im fernen Afrika zu hören ist. Oder man züchtet einen Ableger dieser Orgel, um den dann den afrikanischen Partnern zu übergeben. Damit die auch so eine tolle Orgel haben.

"Orgel ausbauen" würde noch am meisten Sinn ergeben, aber kann man eine Orgel überhaupt  ausbauen? Ich dachte immer: Wenn eine Orgel fertig gebaut ist, dann ist sie fertig gebaut. Da kann man doch nicht einfach anbauen wie bei einem Haus, oder? Muss dazu unbedingt mal Herrn K. befragen. Der weiß das bestimmt. 

Und bis dahin werde ich mal wieder meine Englischkenntnisse auf Vorderfrau bringen!




Sonntag, 3. Mai 2015

Modetrends



Manchmal frage ich mich ernsthaft, ob ich nicht einen Sockenschuss habe. Besonders, wenn es es ums Aussehen geht. Nicht mein Aussehen, sondern das Aussehen meiner Bibel.

Ich muss morgen auf Fortbildung. Zur Fortbildung soll ich eine Bibel mitnehmen. Und irgendwie war ich der Meinung, dass ich es meiner armen Bibel auf gar keinen Fall zumuten kann, in ihrer "Shabby-Chic" Aufmachung mit auf Fortbildung zu fahren. Sie sieht schon ziemlich ramponiert aus, meine Bibel. Okay, so sieht man wenigstens, dass sie auch benutzt wird, aber trotzdem könnte sie sich etwas adretter zurechtmachen, von wegen der Außenwirkung und so. Schließlich steht da Gottes Wort drin! Und da ich gerade irgendwo etwas darüber gelesen hatte, wie einfach es ist, Bücherhüllen selber zu nähen, bekam meine Bibel tatsächlich ein neues Outfit. Nur für die Fortbildung!

Das alleine würde mich noch nicht für einen Sockenschuss qualifizieren (oder doch?). Aber es gab ja noch ein ramponiertes Gesangbuch, das auch unbedingt ein neues Outfit benötigte. Huch, von Gesangbuch mitnehmen stand ja gar nichts in den Fortbildungsunterlagen! Aber egal. Das Gesangbuch bekam trotzdem was neues zum Anziehen.

Ach so ja: Und dann muss unbedingt das Kuschelkissen noch eingepackt werden, das farblich so schön zur Bibelhülle passt. Kuschelkissen und Bibel gehen im Partnerlook zur Fortbildung, wie cool! Jetzt müsste ich eigentlich nur noch den Fährmann (meinen Teddy) von seinem Winterschal befreien und ihm ein zu Kissen und Bibel passendes Tuch umbinden.

Da fragt man sich doch zu Recht: Ist mit dieser Pastorin eigentlich noch alles im Lot? Sollte die nicht lieber Predigten schreiben, Sitzungen vorbereiten, Besuche machen oder Papierkram erledigen?

Aber eines ist mal sicher: Ich werde auf dieser Fortbildung die bestangezogendste Bibel im ganzen Pastoralkolleg haben! Und vielleicht sollte ich mein Gesangbuch doch mitnehmen, schon alleine um damit anzugeben, wie modebewusst wir hier auf Helgoland sind - sogar die Bücher!