Sonntag, 12. März 2017

Best of Telekom



Bevor ich zu den Best-of-Telekom Sprüchen komme, muss ich euch erstmal den Hintergrund schildern.

Die Telekom zwingt ihre Kunden ja gerade zu neuen Verträgen, weil die alte Technik mit den Neuerungen nicht mehr mithalten kann. Glaube ich jedenfalls, denn so wirklich erklären konnte mir das im Telekom-Callcenter niemand. Aber egal. Darüber will ich jetzt auch gar nicht streiten, denn am Ende habe ich ja gar keine Wahl.

Ich rief also pflichtschuldigtst im Dezember letzten Jahres bei der Telekom an, um einen neuen Vertrag abzuschließen. Nachdem mir diverse Modelle genannt wurden, wurde mir mitgeteilt, dass das aber jetzt sowieso nicht ginge, weil auf Helgoland nichts zur Verfügung stünde. Ich sollte mich im neuen Jahr nochmal melden, so im Februar vielleicht. 

"So im Februar vielleicht" war ich dann allerdings im Urlaub. Und "so im Februar vielleicht" kam das Schreiben der Telekom, dass ich mich doch bitte umgehend um einen neuen Vertrag kümmern möge, da man mir sonst zum 01.03.2017 den Anschluss abschalten würde.

Bei mir dauert es leider immer etwas bis ich meine ganze Post, die während eines Urlaubs so eintrudelt, durchgesehen habe. Deshalb wurde mir der Anschluss abgeschaltet, ohne dass ich vorher einen neuen Vertrag hätte abschließen können und damit das Abschalten verhindern. Echt blöd gelaufen. Aber egal. Trotzdem von Handy (Festnetz ging ja nicht mehr!) die Telekom angerufen und neuen Vertrag gemacht. Ich bat in dem Gespräch darum, dass man uns den Festnetzanschluss samt Internet doch bitte wieder freischalten möge.

Und jetzt kommen wir zu den "Best of Telekom" Sprüchen, die wir inzwischen während diverser Telefonate mit der Telekom zu hören bekommen haben:
1) "Ich werde sehen, was ich tun kann. Aber das kann ein paar Tage dauern." (58 Tage um genau zu sein, denn eine Freischaltung sei erst zum Wirksamwerden des neuen Vertrages am 27.04.17 möglich.)
2) "Helgoland ist ein Migrationsort, da stehen nicht genügend freie Leitungen zur Verfügung." 
3) "Wir können erst wieder freischalten, wenn der alte Vertrag gekündigt wurde." (Hat die Telekom ja selber getan: am 01.03.2017 - und auch gleich abgeschaltet.)
4) "Die Technik ist so veraltet, dass das nicht mehr möglich ist." (Komisch nur, dass das im selben Haus, zwei Zimmer weiter im Kirchenbüro wunderbar funktioniert mit der veralteten Technik.)
5) "Gehen Sie doch in den nächsten T-Punkt und besorgen sich für die Übergangszeit einen Stick." (Gute Idee! Das Problem ist nur, dass uns ca. 60 km Nordsee vom nächsten T-Punkt trennen.)

5) Heute morgen auf unserem Anrufbeantworter dann der Hinweis einer automatischen Stimme: "Sehr geehrter Kunde, wir haben gute Nachrichten: Die Störung am Anschluss xxx...-yyy... ist beseitigt. Sollte es wider Erwarten noch Probleme geben, rufen Sie uns bitte unter xxx...-yyy... an.   Freundliche Grüße, Ihre Telekom Deutschland GmbH." (Ich weiß nicht, welche Störung da beseitigt wurde. Unsere war es jedenfalls nicht. Immer noch kein Festnetztelefon und immer noch kein Internet.)

6) Und vorhin dann via Twitter der Kommentar von "Telekom hilft":
@revphansen ich betrachte Helgoland eher als perfekten Ort zur Entschleunigung. ;-) Auf Inseln sind freie Leitungen in der Tat knapp. ^da

Ist doch super! Da das jetzt geklärt ist, kann ich mich entspannt zurücklehnen und meine Eltern völlig entschleunigt und via Rauchzeichen fragen, wie es ihnen geht.

Sonntag, 26. Februar 2017

Nochmal Snapchat



Ich kann ja mit Snapchat rumspielen wie ein kleines Kind. Macht voll Spaß! Allerdings stelle ich gerade fest, dass mein neues heißgeliebtes Spielzeug auch eine Menge Stress verursachen kann. Und kleine Kinder sollten doch gar keinen Stress haben, finde ich. Das ist was für Erwachsene. Und bei denen muss das eigentlich auch nicht sein.

Aber ich komme hier gerade vom Thema ab.

Also, wo war ich? Ach ja: Snapchat. Es wird langsam stressig, weil:
- es noch ein zusätzliches Netzwerk ist, das ich neben Facebook, Twitter, WhatsApp Gruppen und Instagram pflegen muss
- die Beiträge nicht völlig sinnbefreit sein sollen, auch wenn sie nach 24 Stunden wieder verschwunden sind
- die ersten Leute sich inzwischen trauen, mich in Chats zu verwickeln (also Gespräche via Textnachrichten mit mir zu führen)
- ich die völlig bekloppte Idee hatte, meine sogenannten "Stories" nun auch noch zweisprachig zu gestalten, deutsch und englisch, weil ich inzwischen auch nicht-deutschsprachige Snapchat Bekanntschaften habe 

Als hätte ich nicht schon genug zu tun!!! Aber ich dachte mir, wenn ich schon ab und zu zweisprachig im Gottesdienst predige, weil wir nicht-deutschsprachige Gottesdienstbesucher*innen haben, dann breche ich mir damit auch bei Snapchat keinen Zacken aus der Krone. Also, nicht dass ich bei Snapchat predigen würde. Die Beiträge da sind um ein Viellfaches kürzer! Wirklich! 

Aber ich komme schon wieder vom Thema ab. Und das Wichtigste habe ich noch nicht genannt.

Stressig ist die ganze Sache besonders, weil:
- ich ein voll schlechtes Gewissen meinem Blog gegenüber habe!!!

Echt jetzt! Es fühlt sich fast so an, als würde ich fremdgehen. Tu ich ja irgendwie auch. Ich vernachlässige meinen Blog, weil es etwas Jüngeres, Moderneres und besser Aussehendes gibt. "Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Bess'res findet" ...

Wenigstens versuche ich nicht, meinen Snapchat-Seitensprung vor meinem Blog zu verheimlichen. Den Stress, den das verursachen würde, könnte ich, glaube ich, gar nicht aushalten.  Nein eigentlich will ich nur darauf hinweisen, dass ich meinen Blog auch weiterhin liebhabe, auch wenn ich durch Snapchat (und Instagram, und Twitter, und Facebook ...) weniger Zeit dafür aufbringen kann. Nein, eine Trennung steht hier nicht im Raum. Höchstens ein bisschen Polygamie. Wie gut, dass die in diesem Bereich nicht verboten ist, sondern dass alle Apps, die ich so liebe, auf meinem Handy ein Zuhause haben können. Und die Bibel kann in diesem Fall auch keinen moralischen Zeigefinger erheben, weil es noch gar kein Internet gab, als die geschrieben wurde. 

Obwohl: Boten, die Nachrichten überbrachten, gab es natürlich schon. Aber es gab noch keine organisierten  Botendienste, die miteinander in Konkurrenz hätten treten können. Glaube ich.

Egal! In der Bibel steht jedenfalls nicht drin, dass ich neben meinem Blog nicht auch Snapchat haben darf.

Da habe ich aber nochmal Glück gehabt, oder?

Mittwoch, 1. Februar 2017

Logistik

Ich soll am Samstag an einer Klausurtagung zum Thema "Kirche am Urlaubsort" in Büsum teilnehmen. Und danach in den Urlaub fahren. Mit Wanderhemdbügler und Pelzgesicht natürlich! Dass das alles auch in der vorgesehenen Reihenfolge, mit den vorgesehenen Personen und zu den vorgesehenen Terminen klappt, ist nicht selbstverständlich.

Plan A ist folgender: Eine Kirchengemeinderätin und ich fliegen am Freitagnachmittag aufs Festland, ünernachten im Hotel bzw. in einer Ferienwohnung der dortigen Kirchengemeinde, und sind dann Samstagmorgen pünktlich zu Klausurtagung anwesend. Wanderhemdbügler und Pelzgesicht kommen am Samstag mit dem ganzen Urlaubsgepäck nach und holen mich am frühen Abend ab, damit wir alle drei dann gemütlich in den Urlaub fahren können.

Es gibt auch einen Plan A+ und der ist mein persönlicher Favorit: Wir alle fliegen am Freitag samt Urlaubsgepäck rüber aufs Festland und freuen uns, dass wir so gut weggekommen sind!


Die Kartenapp will uns hier übrigens mit dem Schiff nach Büsum schicken. Geht nicht, denn von und nach Büsum fahren im Winter keine Schiffe.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Plan A ausgeführt werden kann, sinkt dummerweise gerade drastisch: Durch die schlechten Wetterprognosen. Die Chancen stehen seeeeeehr schlecht, dass es am Freitagnachmittag mit dem Fliegen klappt. Also wird es wohl auch mit Plan A+ nichts werden.

Nun tüfteln wir gerade an einem Plan B: Alle vier (mit Pelzgesicht) am Freitagnachmittag aufs Schiff und dann über Cuxhaven nach Büsum. Oder: Wanderhemdbügler, Pelzgesicht und Urlaubsgepäck irgendwie mit irgendeinem Flug egal wohin aber Hauptsache aufs Festland, und dann die beiden zweibeinigen Mädels, die das Schiff nehmen, in Cuxhaven abholen. (Das klingt irgendwie nach 'ner völlig beknackten Idee, aber ohne Hund und Gepäck wird das mit der Schiffsreise leichter. Ich kann mich dann voll und ganz auf meine Kotztüte konzentrieren, anstatt mich auch noch um alles andere kümmern zu müssen.)

Da es schwer nach einem der beiden B-Pläne aussieht, muss natürlich eine Unterbringungsmöglichkeit für Wanderhemdbügler und Pelzgesicht her. Ich hatte für mich nur ein Einzelzimmer gebucht. Aber die Umbuchung ist bereits erledigt und es hat alles reibungslos geklappt: Für Wanderhemdbügler, Pelzgesicht und kirchliches Bodenpersonal steht ein schnuckeliges Doppelzimmer mit Hundegenehmigung zur Verfügung. Ich hoffe aber trotzdem ganz stark, dass ich nicht mit dem Schiff fahren muss!!!  Ihr wisst ja: Mir wird doch schon bei 2 Bft und 30 cm See schlecht. Ihr dürft also alles drücken, was ihr habt: Daumen, Zehen, Pfoten, ... Damit uns Petrus mal richtig lieb hat und für gutes Flugwetter sorgt. (ICH WILL A+!!!)

Ach ja: Und dann hatte ich mir zu allem Überfluss noch überlegt, dass ich unsere Arbeit während der Klausurtagung auch auf Instagram oder Snapchat festhalten könnte (zumindest für 24 Stunden). Aber vermutlich wird mich o2 schon nach dem dem dritten Bild darauf hinweisen, dass ich bereits 80% meines  Datenvolumens verbraucht habe und nach dem vierten Bild meine Surfgeschwindigkeit auf Schneckentempo reduzieren. Was irgendwie aber auch wieder egal ist, denn das Handy wollte ich im Urlaub sowieso ausschalten. Deshalb schenke ich mir hier die logistisch ausgeklügelte Planung.

P.S: Nein, ich habe keine Flat! Brauchte ich auch nie. Jedenfalls solange nicht, bis ich das Netz meiner sozialen Netzwerke erweitert habe. 😝

Mittwoch, 18. Januar 2017

Packender Unterricht geht wie?

Ich habe meine Konfis rausgeschmissen. Ich habe wirklich, wirklich, ehrlich meine Konfis rausgeschmissen! Das macht mich völlig fertig! Das kommt nämlich superselten vor! Eigentlich fast nie. Und dass es jetzt doch passiert ist, sollte euch sagen, dass Helgoland echt in Not ist!!!

Ich wollte eigentlich in das Thema "Bibel" einsteigen und bin gerade mal bis dahin kommen, dass die Bibel ein Buch ist, das im Grunde aus zwei Büchern besteht: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Und dann musste ich sie rauswerfen, weil nix mehr ging.

Ich gräme mich gerade furchtbar, weil ich die ganze Sache mit dem Bibelthema wohl anders hätte aufziehen sollen: Die Konfis "da abholen, wo sie gerade sind", wie es im theologisch - pädagogischen Fachjargon so schön heißt. 



Ich hätte ja die Tatsache, dass es sich bei der Bibel um ein Buch handelt, weglassen können, weil Bücher ja sowieso toootaaal langweilig sind. Stattdessen hätte ich meinen Konfis erzählen können, dass die Bibel sowas wie ein iPhone ist. IPhone haben sie erst zu Weihnachten gekriegt. Da können sie was mit anfangen.

Naja, eigentlich wäre das dann aber ein gottPhone, denn ich glaube nicht, dass der Apple Konzern damals schon seine Finger überall mit drin hatte. Beim Licht machen, Erde trockenlegen und so. Vom gottPhone gibt's dann ein gottPhone 6 und ein gottPhone 7. (Fragt mich jetzt nicht, was mit den gottPhones 1 bis 5 passiert ist. Ich hab' nämlich keine Ahnung. Vielleicht sind das die, die nicht in den Kanon aufgenommen wurden, aber das muss ich meinen Konfis jetzt nicht schon um die Ohren hauen.) 

Das gottPhone 6 und das gottPhone 7 haben jedenfalls beide eine Menge Apps drauf. Das gottPhone 6 hat eine Genesis App (Erstebuchmose App war mir jetzt zu lang!), Exodus App, Richter App, Psalm App (... undsoweiterundsoweiter ...) und die ganzen Propheten Apps natürlich auch wie Jesaja, Jeremia, Amos, Obadja, Micha, Nahum (... und hast du nicht gesehen ...). Auf dem gottPhone 7 sind dann die vier Evangelium Apps (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes), Apostelgeschichte App, Brief Apps (Römer, Epheser, Kolosser, Hebräer und so) und natürlich die Offenbarungsapp drauf.

Die Apokryphen kriegt der iPod - Verzeihung: gottPod. Weil man irgendwann mal beschlossen hat, dass sowas nicht aufs gottPhone gehört. 

Also ist die Bibel im Grunde keine ganze Bibliothek sondern ein gottPhone mit 66 Apps- jedenfalls bei "uns". Die Katholiken haben noch ein paar Apps mehr drauf, aber dafür kein gottPod. Alles klar?

Aber irgendwas sagt mir, dass ich mir damit auch nicht die Aufmerksamkeit meiner Konfis gesichert hätte. Ich hatte nämlich ganz stark den Eindruck, dass bei fast allen die Konzentrationsapp länger kein Update mehr bekommen hat und deshalb nicht funktionierte. Also bis zum nächsten Mal bitte Update, Reboot - und weiter geht's.

Sonntag, 25. Dezember 2016

Krippenspiel und "Wir sind Kirche"

Ich muss da nochmal ein paar weihnachtliche Gedanken zu unserem ausgefallenen Krippenspiel loswerden. Es gibt ziemlich viele Leute, die es ziemlich schade finden, dass es in diesem Jahr auf Helgoland kein Krippenspiel für die Kinder gab. Ich gehöre dazu! Warum das so war, ist schnell erklärt: Ich kann alleine kein ganzes Krippenspiel besetzen so nach dem Motto:

Starring in alphabettical order
Engel 1: Pamela Hansen
Engel 2: Pamela Hansen
Engel 3: Pamela Hansen
Engel 4: Pamela Hansen
Engel 5: Pamela Hansen
Engel 6: Pamela Hansen
(Wieviele Engel braucht man eigentlich für die ganzen himmlischen Heerscharen???)
Esel: Pamela Hansen
Hirte 1: Pamela Hansen
Hirte 2: Pamela Hansen
Hirte 3: Pamela Hansen
Herbergswirt 1: Pamela Hansen
Herbergswirt 2: Pamela Hansen
Josef: Pamela Hansen
König 1: Pamela Hansen
König 2: Pamela Hansen
König 3: Pamela Hansen
Maria: Pamela Hansen
Ochse: Pamela Hansen
Schaf 1: Pamela Hansen
Schaf 2: Pamela Hansen
Schaf 3: Pamela Hansen

Mein schauspielerisches Talent kann sich zwar sehen lassen, aber dafür reicht es dann doch nicht. Den Esel hätte ich noch gut hinbekommen, aber den Rest nicht ;-)



Ich hatte vor Jahren noch den Ehrgeiz, selber mit ein paar Kindern hier ein Krippenspiel einzustudieren. Das ließ sich nicht machen, weil die Kinder sowieso schon mit allen möglichen Dingen beschäftigt waren und keine Zeit / Lust für Proben da war, und weil viele Familien gar nicht absehen konnten, ob sie an Weihnachten überhaupt auf der Insel sein würden oder vielleicht doch lieber Oma und Opa auf dem Festland besuchen. 

Also würde es wohl eine spontane Besetzung der Rollen während des Gottesdienstes tun müssen. Eigentlich kein Problem. Sowas kannte ich schon aus meiner Kinderzeit. Da wurde das immer so gemacht mit dem Krippenspiel. Blöd war damals nur, dass immer schon alle Rollen ratzfatz vergeben waren und es nichts mehr zu besetzen gab, als ich mich endlich traute, mich zu melden. Viel Zeit, um den nötigen Mut aufzubringen, hatte ich auch wirklich nicht, denn alles stürzte sich sofort auf die zu vergebenden Rollen und Kostüme.

Hier scheint niemand so heiß aufs Krippenspiel spielen zu sein. Vor zwei Jahren bin ich tatsächlich 15 Minuten als Krippenspiel-Motivator durch die Kirche getigert, bis ich zumindest die allernötigsten Rollen besetzt hatte. Es müssen ja nicht gleich 20 Hirten sein und wenn die himmlischen Heerscharen aus nur einem Engel bestehen, ist das für mich auch voll okay. Aber schon doof, wenn es eine ganze Viertelstunde dauert, bis der Gottesdienst überhaupt losgehen kann. Und den Stressfaktor nicht zu vergessen! Also: MEINEN Stressfaktor. Die Gottesdienstbesucher hatten natürlich auch Stress, das konnte ich ihnen ansehen: Oh Gott, hoffentlich fragt sie mich jetzt nicht, ob ich den Herbergswirt übernehmen kann!!! Wie gesagt, MEIN Stressfaktor: Nach drei Minuten wurde mir mulmig. Nach sieben Minuten hatte ich Schweißperlen auf der Stirn. Nach neun Minuten war mir richtig schlecht und nach zwölf Minuten war ich einer Ohnmacht nahe. Mein Musiker hat mir später anvertraut, dass er so nach zehn Minuten drauf und dran war, mir vorzuschlagen, das mit dem Krippenspiel doch einfach zu lassen. Ich glaube, dann wäre ich tatsächlich in Ohnmacht gefallen.

Um diesen Stress zu vermeiden, nervte ich im letzten Jahr sehr rechtzeitig meinen Kirchengemeinderat mit dem Thema Krippenspiel und konnte wenigstens eine Maria und einen Josef finden, die gemeinsam und verkleidet und auf einem Strohballen hockend die Weihnachtsgeschichte erzählen würden. Das fand ich zwar klasse, weil wir so unseren Kleinen an Heiligabend wieder etwas bieten konnten, aber die Besetzung war doch schon sehr mager.

In diesem Jahr hätten "KGR Maria und Josef" auch wieder zur Verfügung gestanden - vielleicht. Denn Maria wusste zunächst nicht, ob sie Weihnachten überhaupt auf der Insel ist und Josef war für eine Weile gesundheitlich außer Gefecht gesetzt. Da war er wieder: der Stressfaktor! Irgendwann musste natürlich von den gottesdienstlich Hauptverantwortlichen eine Entscheidung getroffen werden und da uns kreative Alternativen nicht einfielen, lautete die Entscheidung: kein Krippenspiel. So!

Diese ganze Krippenspiel-Aktion ließ mich an ein Gespräch denken, das ich letzte Woche mit jemandem über das Thema Kirche geführt habe. Da fiel wieder der Satz: "Ich kann auch alleine an Gott glauben, dazu brauche ich die Kirche nicht." 

Das Problem dabei ist: Du brauchst vielleicht die Kirche nicht. Aber die Kirche braucht dich! 

Kirche funktioniert nur in Gemeinschaft, wie wir an dem wunderbaren Thema "Krippenspiel" sehen. Es funktioniert NICHT, wenn alle an Heiligabend ein Krippenspiel sehen wollen, aber keiner beim Krippenspiel mitmachen will. 

Und das betrifft auch alle anderen Bereiche, die kirchliches Leben ausmachen. Wenn ich als Profischaf keine Gemeinschaft hätte, die mir in vielen Bereichen den Rücken freihält, könnte ich diverse pastorale Aufgaben gar nicht erfüllen. Es ist wirklich so: Ohne Gemeinschaft keine Gottesdienste, keine Seelsorge, keine Notfallseelsorge nach Terroranschlägen, keine Selbsthilfegruppe, keine Musik, keine Feste und Feiern, kein Seniorenkreis, kein Konfirmandenunterricht, keine Hospizarbeit, keine Geburtstagsbesuche, keine Bahnhofsmission, keine Seemannsmission, keine Krabbelgruppe, kein Weltgebetstag, kein Friedenslicht, keine Taufen, keine Trauungen, keine Beerdigungen, keine Jugendgruppe, keine Kindergärten, keine Pflegeheime, und: keine Krippenspiele. Und diese Liste ist noch nichtmal vollständig. Kirche funktioniert nicht, wenn alle was von Kirche wollen aber keiner bei Kirche mitmachen will.

Wie gesagt: Viele mögen denken, dass sie Kirche nicht brauchen. Aber betrachtet es wirklich mal von der anderen Seite: Kirche braucht euch! Denn Kirche ist die GEMEINSCHAFT der Glaubenden. Kirche, das sind die Menschen. Kirche ist nicht "ich". Kirche, das sind WIR.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Adventliche Dienstbesprechung

Ich wollte nur mal kurz zum Besten geben, wie klasse es ist, wenn sich der Advent plötzlich selbst entschleunigt. Eigentlich schon heftig, dass eine ihrer Bestimmung nach besinnliche Zeit entschleunigt werden muss, denn im Grunde sollte das gar nicht nötig sein. Ist aber nötig. Und das leider nicht nur bei denjenigen, die im adventlich / weihnachtlich professionellen Bereich tätig sind. Umso schöner, wenn der Advent es dann sogar schafft, sich selbst zu entschleunigen.


So geschehen bei unserer Dienstbesprechung heute morgen, die leider in ganz kleinem Rahmen stattfinden musste: Der Friedhofswart hat gerade Urlaub, die Reinigungskraft hat früher Feierabend gemacht, der Organist ist noch nicht eingeflogen und die Sekretärin ist sowieso auf dem Festland. Blieben also nur unsere Küsterin und ich. 

Wir hatten gestern schon beschlossen, es uns ein wenig gemütlich zu machen, weil für die meisten von uns der Advent in diesem Jahr ein richtig verkackter Advent ist. Frau H. wollte wieder diese leckeren Weihnachtskekse mitbringen, von denen sie steif und fest behauptet, sie seien misslungen. (Was meine Geschmacksnerven ja gar nicht finden. Meine Geschmacksnerven finden diese Weihnachtskekse sehr, sehr, sehr (!) gelungen.)

Und ich wollte den Tee dazu kochen. Hat auch alles so hingehauen. Und Kerzen haben wir auch angemacht. Und dann stand da die "Talk-Box" auf dem Tisch. Die Box mit Fragekarten zum Thema Weihnachten hatte ich neulich bestellt, weil ich dachte, ich könnte sie vor Weihnachten noch bei den Konfis oder im Seniorenkreis einsetzen. Eingesetzt wurde sie dann bei der Zwei-Frau-Dienstbesprechung heute Morgen. 



Wir haben ein so ausgiebiges, intensives und schönes Gespräch über unsere weihnachtlichen Erfahrungen und Ansichten geführt, wie ich es nie vermutet hätte. Die frustrierend verkackte Seite des Advents hatte sich versehentlich aus meinem Amtszimmer ausgesperrt. Die gemütliche und stimmungsvolle Seite war geblieben und hat uns dieses Dienstbesprechungsstündchen richtig schön gemacht. Ich glaube, ganz so blöd finde ich den Advent gerade gar nicht mehr.

Vielen Dank dafür, Frau H.!

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Im Adventskalenderstress

Ich liebe ja Adventskalender! Tue ich wirklich! Aber vier davon in der Wohnung zu haben plus die ganzen digitalen Türchen, die man im Advent aufmachen kann, grenzt an Overkill. Für mich jedenfalls.

Ich weiß ja gar nicht, wann ich den vier Kalendern meine Aufmerksamkeit schenken soll. Meine tägliche Routine ist so dermaßen auf die Minute durchgetimed, dass mich ein unangemeldetes Gespräch schon völlig aus der Bahn wirft. Und dann soll ich auch noch vier Türchen / Säckchen / Blättchen aufmachen??? Vier???!!!

Anmerkung: Eigentlich sind es sogar fünf, denn ich habe heute noch einen per Email geschickt bekommen. Da ich aber schon den ganzen Text durchgelesen habe mit allen 24 Abschnitten, gilt dieser Adventskalender bereits als komplett geöffnet und steht nicht mehr zur Debatte.

Und mal ganz ehrlich: Es ist ja bei einer Pastorin nicht so, als würde es ihr endlos lange vorkommen, bis endlich Weihnachten ist. Da besteht doch nun wirklich kein Grund, mir eine Wartezeit zu versüßen, die es sowieso nicht gibt. Ich jedenfalls verbringe den Advent nicht damit, auf Weihnachten zu warten. Ich verbringe den Advent damit, mir zu wünschen, ich hätte zusätzliche 24 Tage, um in Ruhe richtig geile Weihnachtspredigten schreiben zu können! 
Und nun stehlen mir die Adventskalender noch mehr von meiner kostbaren Zeit!

Heute morgen war ich auch gleich so richtig bedient, als ich den Kalender-Kalender aufhängen wollte: Das ist ein Adventskalender in echter Kalenderform, also nicht mit Türchen oder Säckchen, sondern mit Blättchen. Auf diesen Blättchen stehen Texte. Laaaaaaaaaaange Texte. Bis ich die morgens durchgelesen habe, ist mein Tee kalt! Heute morgen stellte ich fest, dass ich nicht nur den laaaaaaaaangen Text für heute hätte lesen müssen. Der Adventskalender ging nämlich schon am 1. Advent los.  Der erste Advent war am 27.11., was bedeutet, dass ich eigentlich noch vier Tage Text nachholen muss, bevor ich mich an den Text für heute machen kann. Bei euch piept's wohl!



Versteht mich jetzt nicht falsch: Alle meine Adventskalender sind wunderschöne Adventskalender, die von mir zutiefst wertgeschätzt werden,  aber ich vermisse die Zeiten, als ich mir nur ein Stück Schokolade in den Mund schieben musste und fertig.

Da ich allerdings auf keinen meiner Adventskalender verzichten möchte, muss ich wohl einen Weg finden, diese bis Weihnachten in meinen Tagesablauf zu integrieren. Deshalb habe ich auch schon beschlossen, den Kalender mit den vielen Texten einfach nur umzublättern und mich am hübschen Aussehen der Texte zu freuen. Das hat damit zu tun, dass ich meinen Tee morgens lieber heiß trinke als kalt und wirklich nicht bereit bin, an dieser Stelle Kompromisse zu machen!

Ich finde, dass das schonmal ein vielversprechender, zeitsparender Anfang ist.