Samstag, 17. Oktober 2015

Lieder stecken

Ich habe mich heute selbst zum Küsterdienst verdonnert, denn meine Küsterin hat Urlaub. Eigentlich wäre ich ja dafür, dass hier überhaupt niemand Urlaub nimmt, egal ob es sich nun um haupt- oder ehrenamtliche gute Geister handelt. Ich brauch' euch doch! Das gibt hier immer Chaos, wenn eine/r von euch im Urlaub ist!!!

Jedenfalls bin ich Samstags in der Regel mit Kirche aufschließen dran, zumindest dann, wenn Herr K. nicht vor Ort ist. Herr K. ist nämlich immer sehr fleißig und geht morgens schon Orgel üben. Oder Brötchen holen. Und dann schließt er auch gleich die Kirche auf, damit Frau Pastorin sich ein bisschen länger ihrem Schönheitsschlaf widmen kann. Das finde ich total nett von Herrn K.! Herr K. ist aber leider noch nicht auf der Insel, weil gestern kein Flieger flog. Heute morgen flog auch kein Flieger. (Ich finde, Nebel sollte wirklich abgeschafft werden!) Also kommt er heute mittag mit dem Schiff. Da muss die Kirche aber schon auf sein.

Da ich also heute morgen ohnehin in der Kirche schwer beschäftigt war (zum Aufschließen gehört nicht nur das Öffnen der Kirchentür sondern auch Licht anmachen, abgebrannte Gebetskerzen einsammeln, Korb mit frischen Gebetskerzen auffüllen, Gedenkbuch umblättern und Postkarten und Bücher nachfüllen), dachte ich mir, dass ich ja schonmal die Liednummern für den morgigen Gottesdienst stecken könnte. Ja: wir sind hier noch so vorsintflutlich und benutzen Liedtafeln anstatt einer Hightech-Ausrüstung in Form eines Beamers, der die Nummern einfach an die Wand wirft.

Nummern geworfen hätte ich heute am liebsten auch: den ganzen Zahlenkasten durch die Kirche. Aus Frust. Denn so einfach ist das mit dem Nummernstecken nicht. Das Resultat des selbstverordneten Küsterdienstes: drei abgebrochene Fingernägel, ein blauer Fleck an der linken Hand und ein paar Schrammen! Und nein: Ich habe das NICHT zum ersten Mal gemacht! Eigentlich weiß ich, wie das geht. Wirklich! Aber irgendwie wollten die Zahlen heute nicht so, wie ich das wollte. Oder das Holz der Liedtafeln war verzogen, oder was weiß ich. Ich bekam die blöden Zahlen einfach nicht in die vorgesehenen Rillen geschoben. Jedenfalls nicht, ohne mir dabei ziemlich wehzutun. 


Böse, böse, böse (!) Zahlen!

Aber ich bin ja kreativ und dachte: wenn es seitwärts nicht geht, dann vielleicht einfach von oben reinstopfen. (Muss ich diese Tätigkeit dann umbenennen, von "Lieder stecken" auf "Lieder stopfen"?) 
Mit ein bisschen Gewaltanwendung war ich dann schließlich erfolgreich: Alle Zahlen formschön plaziert und bombenfest. Ich habe zwar keinen blassen Schimmer, wie wir die da wieder rauskriegen sollen, aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn die Lieder für den nächsten Gottesdienst gesteckt (gestopft?) werden müssen - also erst nächste Woche.


Und dabei hatte ich noch relativ wenig Arbeit mit den Nummern, da ich nicht auch noch die Versnummern stecken / stopfen musste. Das ist der Vorteil, wenn Frau Pastorin festlegt, dass bei den Liedern alle Strophen gesungen werden. Und der Psalm hat sowieso keine Strophen. Nur das Sanctus (Heilig, heilig, heilig - für die Nichtlateiner unter euch) beim Abendmahl braucht eine Strophe, damit auch das richtige Sanctus gesungen wird. Es gibt da nämlich mehr als eins unter der Nummer 672, jawoll! Wobei ich mir das Sanctus eigentlich hätte schenken können. Das singt sowieso nie jemand mit. Aber ich setze in diesem Fall darauf, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und gewohnheitsmäßig einfach die Nummer im Gesangbuch aufschlägt und lossingt, ohne groß darüber nachzudenken. So nach dem Motto: "Huch, jetzt hab' ich's ja doch mitgesungen!" Vielleicht klappt's ja.

Schade nur, dass es in der Schatztruhe mit den Nummern keine Punkte gibt, mit denen man die Strophennummer sichtbar von der Liednummer abtrennen kann. Bindestriche und Pluszeichen sind vorhanden, aber keine Punkte. Da hat der Erfinder der Steck (Stopf) - Nummern mal wieder nicht  nachgedacht.

Mit den beiden Liedtafeln auf der anderen Seite der Kirche ging es zum Glück leichter, denn da werden die Nummern weder gesteckt noch gestopft, sondern ganz einfach in die vorhandenen Rillen eingehängt. Auf diesen Liedtafeln sind die Rillen nämlich oben und nicht unten. Resultat: Keine nennenswerten Verletzungen - die Südseite der Kirche ist also gefahrlos zu bestecken / bestopfen / behängen. Und Strophennummern kann man da auch gut abtrennen, denn die Liedtafeln sind dunkler und man kann einfach einen Kreidepunkt aufmalen. Cool, oder?

Und jetzt noch so eine kleine Anmerkung nebenbei: Wenn ihr mich mal nicht in meinem Amtszimmer antrefft bzw. erfolglos versucht, mich aus der Wohnung zu klingeln, dann könnte das unter anderem daran liegen, dass ich drüben in der Kirche mit widerspenstigen Zahlen und verzogenen Liedtafeln kämpfe. In dem Fall lautet euer Auftrag: Nicht meckern, dass die Pastorin mal wieder nicht da ist! Sondern rüberkommen und Amtshilfe leisten, damit sie sich nicht ernsthaft verletzt!

Freitag, 2. Oktober 2015

Weihnachtshände

"Ich hab' jetzt Weihnachtshände", sagte heute Morgen eines der Kindergartenkinder nach unserer  Generalprobe für den Erntedankgottesdienst.

Ja, am Sonntag ist Erntedank. Aber der kommende Sonntag ist auch der erste Sonntag im Monat und das bedeutet, dass es im Gottesdienst einen Heilungssegen gibt. Den lassen wir doch nicht ausfallen, bloß weil Erntedank ist! 

Für die Kinder ist der Heilungssegen im Gottesdienst total neu. Die kennen das noch nicht. Und da die Kiddies am Sonntag nicht nur zusehen sollen, sondern auch mitmachen, musste das logischerweise geübt werden, damit sie wissen, was da auf sie zukommt. Ich habe ihnen also erklärt, warum wir das überhaupt machen und wie das Ganze abläuft. Ich habe auch nicht versäumt zu erwähnen, wie toll das Salböl riecht: ein bisschen wie Weihnachten, weil da Zimt und Myrrhe mit drin ist. Irgendwie muss man Kinder ja ködern, wenn sie sich auf etwas Unbekanntes einlassen sollen. Weihnachten kommt da immer gut ;-)

Dann haben sie sich der Reihe nach aufgestellt, sind zu mir gekommen und haben sich salben und segnen lassen - mit ganz viel Neugier in den kleinen Gesichtern und ..., ja, was? Ein bisschen Ehrfurcht vielleicht?

Jedenfalls gab es das Kreuzzeichen mit Salböl in beide Handflächen und auf die Stirn, so wie wir das im Gottesdienst auch immer machen. Und ich glaube uns allen war dabei tatsächlich ein bisschen weihnachtlich zumute. Zumindest fühlte es sich so an, und das nicht nur, weil am Ende unsere Hände nach Weihnachten dufteten. Vielleicht fühlte es sich an wie Weihnachten, weil wir in gewisser Weise ja etwas geschenkt bekommen haben.


Hach, ich liebe meinen Beruf! Hatte ich das schon erwähnt?
So, und jetzt gehe ich mal das Laub zusammenharken - mit Weihnachtshänden :-)

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Pflichtbewusste Bürger



Es ist doch schön, dass es pflichtbewusste Bürger gibt, denen das Wohl der Pastorin und der Kirchengemeinde so am Herzen liegen. So machte mich denn dankenswerterweise ein unbekannter Helfer in der Not via Nachricht auf dem Anrufbeantworter darauf aufmerksam, dass es unsere Pflicht ist, das Laub um das Pastorat und um den Friedhof zu entfernen, weil wir sonst Ärger mit dem Ordnungsamt bekommen. Da habe ich ja echt nochmal Glück gehabt, dass mich da jemand so nett informiert, denn das Schreiben mit den Fristen für Laubentfernung muss ich irgendwo untergemüllt haben. Passiert schonmal bei dem Stapel Post, der sich während eines Urlaubs so ansammelt, seufz.

Leider hat mich die wohlgemeinte Nachricht zu spät erreicht. Sonst hätte ich selbstverständlich das Beerdigungsgespräch verschoben und mich sofort an die Arbeit gemacht. Ich werde das mit der Laubentfernung auch erst auf die Reihe kriegen, wenn ich die Generalprobe für Erntedank mit den Kindergartenkindern hinter mir habe. Also bitte, bitte, bitte (!!!) liebes Ordnungsamt: Seid nachsichtig mit mir. Ich möchte nur noch ein klitzekleines bisschen Aufschub! Bis morgen Mittag. Kann ich irgendwo eine Verlängerungsfrist beantragen? Ich muss doch dafür jetzt nicht ins Gefängnis, oder?

Und eigentlich finde ich das sowieso total schade, dass das Laub hier weg muss. Herbstlaub ist doch so etwas Wunderbares - raschelt so schön, wenn man durchläuft.

Was ich noch "schader" finde (kann mir hier mal jemand die Steigerungsformen von "schade" nennen???), ist die Tatsache, dass ich mich nichtmal für den hilfreichen Hinweis bedanken kann, da der Anrufer weder Namen noch Rückrufnummer hinterlassen hat. Die Welt ist so gemein!

Einsichten einer Urlauberin

Ich bin nicht nur gut erholt sondern auch um ein paar wichtige Einsichten reicher aus dem Urlaub gekommen.

Einsicht Nr. 1: 
Wenn Pastorin es schafft, ihre Nase aus dem Internet und die Finger vom Handy zu lassen, dann steigert sich die Erholungsausbeute um ein Vielfaches.
Ich habe tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit irgendwo gelesen, dass es Reiseanbieter gibt, die ihren Kunden bei Urlaubsantritt das Handy und den Laptop abnehmen - gegen extra Bezahlung natürlich!!! Dafür bekommen die Erholungswilligen dann wenigstens eine Gartenschaufel in die Hand gedrückt und dürfen Bäume pflanzen. Gartenschaufel brauchte ich nicht. Hatte ja meinen Wanderrucksack. Und das Geld, das ich durch meine eiserne Selbstdisziplin eingespart hatte, konnte ich mit vollen Händen für Schnitzel, Spinatknödel oder Kaiserschmarren auf irgendwelchen Hütten ausgeben. Na gut, ich gebe zu: ab und zu war ich doch im Internet. Nämlich dann, wenn ich es versäumt hatte, mir eine Tageszeitung zu kaufen, und mir deshalb anderweitig Informationen übers Bergwetter beschaffen musste. Wetterfrosch Franz (mein Pensionswirt) konnte meistens Abhilfe leisten, aber manchmal reicht ein "isch guat" dann doch nicht als Wetterbericht aus. Dennoch, es hat am Ende funktioniert: Den Begrüßungstext für die Voicemail umzusprechen und das Datenroaming abzuschalten war die beste Idee des Jahrhunderts und hat mich davor bewahrt, herausfinden zu müssen, ob angebliche (dienstliche) Notfälle auch wirklich Notfälle sind.

Einsicht Nr. 2:
Der überwiegende Teil der Menschheit wird nie begreifen, wie das Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr funktioniert! Ich finde es immer wieder faszinierend, dass die Leute sich schon in Salzburg einfädeln, wenn die Spuren sich erst in Innsbruck von zwei auf eine reduzieren. Ich bin ja der Meinung, dass zu frühes Einfädeln erst recht Stau produziert und es will mir nicht in den Kopf, was so furchtbar daran ist, die Fahrspuren bis zum Ende auszunutzen. Manchmal ist das natürlich nicht möglich, denn einige Autofahrer erleiden solch einen seelischen Stress, durch die Möglichkeit, dass jemand anderes eine Minute früher am Ziel sein könnte als sie selbst, dass sie niemanden mehr vorbeilassen. Egal auf welcher Spur.

Einsicht Nr. 3: 
Der überwiegende Teil der Menschheit wird ebenfalls nie begreifen, dass es durchaus ernst gemeint ist, wenn auf einem Schild an der Tür zum Ruheraum einer Sauna die Aufschrift prangt: "Das Reservieren der Liegen ist nicht erlaubt!" Es ist frustrierend, wenn Pastorin nach einem Saunagang gerne ein paar Minuten auf einer Liege ruhen möchte und dann einen Haufen von diesen Liegen vorfindet, die zwar verwaist aber deutlich sichtbar mit Badelaken, Bademänteln, Badelatschen und Badetaschen als "Eigentum" eines anderen markiert sind. 
Einsicht Nr. 3b: Ich werde nie begreifen, warum der Mensch an sich so fixiert darauf ist, Liegen zu besetzen (oder Sandburgen um Strandkörbe zu bauen)!

Einsicht Nr. 4: Meine Hundedame wird langsam alt und ich muss künftig damit rechnen, dass sie Bergtouren boykottiert. Bei einer der besagten Bergtouren hat sie doch tatsächlich auf den Hinterpfoten kehrt gemacht und war den Berg schon halb wieder runter, bis wir uns darauf geeinigt hatten, dass sie einfach auf mich warten könnte, bis ich beim Gipfelkreuz war und mich ins Gipfelbuch eingetragen habe. Diese schwierige Verhandlung hat mich dann auch meine Brotzeit gekostet.
Einsicht Nr. 4b: Tiroler Bergkäse und Landjäger eignen sich gut für Bestechungsversuche (zumindest bei Hunden)!



Einsicht Nr. 5: Manche Urlaubsbilder hätten nie gemacht werden sollen!



Einsicht Nr. 6: Es ist zwar klasse, Urlaub machen zu können, aber es ist genauso klasse, wieder zu Hause auf meiner Insel zu sein und die Arbeit zu tun, die ich so liebe :-)