Direkt zum Hauptbereich

Geh einfach rein und hab Spaß!



Das war eine der Regeln, die ich heute Morgen zu befolgen hatte: Geh einfach rein und hab Spaß! Und genau das habe ich auch getan.

Ansonsten waren da natürlich noch eine ganze Menge anderer Regeln: Mindestabstand einhalten, Hände desinfizieren, Mundschutz tragen. Naja, das Übliche eben. Und damit du, lieber Leser oder liebe Leserin auch endlich weißt, wo ich war, kommt hier noch eine weitere Regel, die ich zu befolgen hatte: Im Kreis schwimmen.

Ja, ich hab mich tatsächlich getraut, ins Schwimmbad zu gehen. Ich schreibe hierabsichtlich  „getraut“, denn ich musste wirklich ein bisschen Mut zusammennehmen, um das anzugehen, denn da gibt es schon eine Menge Dinge, die man beachten muss. Deshalb habe ich mich erstmal durch die Infos im Internet gelesen und dann gestern auch noch im Schwimmbad angerufen, um mir alles genau erklären zu lassen, damit ich auch bloß nichts wichtiges vergesse.

Aber irgendwas vergisst man ja doch. Ich zum Beispiel hatte ganz akribisch meinen Kontaktdatenzettel ausgefüllt und trotzdem vergessen, Datum und Uhrzeit einzutragen. Und eigentlich hätte mir das auch auffallen müssen, denn bei unserer offenen Kirche und bei den Anmeldungen für die Gottesdienste machen wir das ganz genauso. Auch da müssen Datum und Uhrzeit mit auf den Zettel.

Und ja, ich gebe zu, dass ich manchmal schon etwas genervt war, wenn da mal wieder irgendwelche Angaben fehlten. Ich dachte dann immer: Steht doch alles ganz genau drauf, was angegeben werden muss. Warum nur, kriegen die das nicht hin?

So, und seit heute Morgen denke ich das nicht mehr, denn mein Schwimmbadbesuch hat mich gelehrt, dass es gar nicht so einfach ist, alles im Kopf zu behalten, was so ein Schutzkonzept von einem will.
Der positive Nebeneffekt meines Patzers: Ich habe viel mehr Verständnis für unsere Gottesdienstbesucherinnen und -besucher, die irgendwelche Angaben nicht eingetragen haben. Ich werde das mit genauso viel Geduld und Freundlichkeit nachtragen, wie man das heute im Schwimmbad mit mir gemacht hat.🥰

Ich habe übrigens auch viel mehr Verständnis für diejenigen, die sich immer noch nicht in den Gottesdienst trauen, obwohl sie vielleicht wirklich gerne teilnehmen würden. Mir macht das Schwimmen echt viel Spaß und ich habe es in den letzten Monaten sowas von vermisst. Und doch brauchte ich ein paar Tage, bis ich mich dazu durchgerungen hatte, es auch wirklich auszutesten. Zwischendurch habe ich tatsächlich überlegt, es einfach sein zu lassen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass es wirklich gut wird. Na gut, da habe ich ja auch gedacht, wir müssten tatsächlich alle in einem einzigen Kreis um das ganze Becken schwimmen und ich würde dann möglicherweise mit einem Meter fünfzig Abstand hinter einer langsameren Person festhängen. Standkraulen ist dann doch nicht so meine Disziplin und ich dachte, dann lasse ich es am besten ganz. 
Aber mal ehrlich: Was soll man auch sonst denken, wenn da im Internet steht, es wird im Kreisverkehr geschwommen.

Zum Glück lag ich mit meinem Horror-Schwimm-Szenario total daneben. Die haben hier das Becken nämlich in vier Abschnitte eingeteilt: schnell, mittel, langsam und Fußgänger. Ja, ich habe auch gelacht, als mir das so am Telefon erklärt wurde, aber es steht am Beckenrand tatsächlich genau so dran. Ich liebe es, wenn die Menschen in Pandemiezeiten ihren Sinn für Humor behalten haben! 
In den einzelnen Abschnitten wird dann narürlich im Kreis geschwommen, sobald sich da mehrere Personen aufhalten. Ziemlich gutes Konzept! Eigentlich hätte es dieses Konzept schon längst geben können. Mir jedenfalls hätte das diverse Kollisionen mit „Querschwimmerinnen“ erspart. Und eigentlich finde ich nicht nur die Idee mit der Aufteilung in Abschnitte gut. Ich finde das ganze Schutzkonzept im Schwimmbad super. Das haben die echt vernünftig durchdacht und es wird gut umgesetzt.

Jedenfalls habe ich mal wieder eine Menge dazugelernt und: Ich hatte tatsächlich Spaß! Jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als mir ziemlich die Pumpe ging und ich auch noch einen Krampf im Fuß bekam. Man sollte eben nicht nach mehreren Monaten Zwangspause gleich wieder von null auf hundert hochfahren. Aber die Kondition kann ich ja jetzt langsam  steigern, denn ich werde in jedem Fall wieder regelmäßig schwimmengehen. Vor allem, da ich weiß, dass ich einfach nur reingehen muss und Spaß haben.

Was übrigens auch eine ziemlich coole Devise für Gottesdienste in der Kirche wäre: Geh einfach rein und hab Spaß!

Kommentare

  1. Ich kann deine Bedenken so gut nachvollziehen! Im Sommer sind wir nach langem Überlegen in den Urlaub ins Hotel Passeiertal (www.martinerhof.it) gefahren. Aber auch dort waren die Schutzkonzepte super umgesetzt. Es wurde überall penibel auf die Hygiene geachtet und es waren kaum Gäste da. Wir haben uns dort sehr gut aufgehoben gefühlt. Aber der erste Schritt hat wirklich Überwindung gekostet.
    Toll, dass du dich getraut hast und dabei gleichzeitig ein bisschen gelernt hast :D

    AntwortenLöschen

Kommentar posten

Beliebte Posts aus diesem Blog

Es ist: Ein Buch!

Dass ich kein Kind erwarte, hatte ich ja schon mitgeteilt. Aber was es denn wird, hatte ich euch noch vorenthalten. Ich finde, jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um die Katze aus dem Sack zu lassen: Das Projekt, das mich so lange vom Bloggen abgehalten hat, war das Schreiben eines Buchs. Heute war mein Exemplar in der Post und ich bin total aufgeregt!!! Und freu mich wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum! Als ich damals in der fünften Klasse einen Aufsatz darüber schrieb, wie ich mich im Traum in einen Wellensittich verwandelte, der dann sogar in der Schülerzeitung abgedruckt wurde, war zwar schon ein bisschen Liebe fürs Schreiben erkennbar, aber mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass ich irgendwann ein ganzes eigenes Buch schreiben würde? Ich nicht! Aber hier liegt es vor mir auf dem Tisch: "Die Inselpastorin". Es wird am 10. März im Rowohlt Verlag erscheinen. Wer es liest und vorher schon in meinem Blog gelesen hat, wird das Eine oder Andere wiedererkennen, denn ei

Geisterinsel

Ich habe heute zum ersten Mal nach der Winterpause wieder im Strandkorb gesessen. Ich habe mir die Sonne auf die Nase scheinen lassen und bin tatsächlich für eine volle halbe Stunde eingenickt. Na gut, mit Unterbrechung. Die Glocken im Kirchturm haben mich zwischenzeitlich aus meinem Mittagsschläfchen gerissen, um mir mitzuteilen, dass es halb zwei ist. Ansonsten war ich aber total ungestört. Das ist definitiv das allererste Mal in den acht Jahren, die ich auf dieser Insel lebe, dass mich niemand über die Gartenmauer anspricht. Wie auch? Ist ja keiner da, der mich ansprechen könnte. Als ich Kissen, Decke und Buch zu Unterhaltungszwecken  in meinen Strandkorb verfrachtete, gingen tatsächlich noch zwei Leute die Straße entlang, die am Pastorat vorbeiführt - mit etwa zwei Metern Abstand voneinander. Aha, dachte ich, dann sind die also nicht „Kernfamilie“. Als ich dann drinsaß im Strankorb, kam nochmal jemand vorbei und dann: niemand mehr. Keine Insulanerinnen oder Insulaner, die im Vorbei

Blogpause

Im März hat es keinen Blogartikel von mir gegeben. Im April wird es auch keinen geben. (Außer diesem hier natürlich.) Es wird vermutlich über längere Zeit keinen Blogartikel geben, da ich gerade an einem anderen Projekt arbeite, das sehr viel Zeit beansprucht, von dem ich aber auch noch nicht verraten will, was es denn wird. Wenn es fertig ist, werde ich es natürlich kundtun, aber bis dahin müsst ihr leider erstmal ohne das Pastorendasein auf Helgoland leben.  Und kommt jetzt bloß nicht auf dumme Gedanken! Nein: Ich bin NICHT schwanger!  Krank auch nicht - bis auf die Rückenschmerzen, die mich von Zeit zu Zeit plagen, aber die zählen nicht. Ich habe nur einfach gerade keine Zeit, den Blog weiterzuschreiben. Das ist alles.  Wer allerdings bereit ist, sich auf soziale Netzwerke einzulassen, findet immer wieder etwas über mein Dasein auf Helgoland und anderswo auf Snapchat und Instagram. Bei beiden bin ich unter dem Benutzernamen revphansen zu finden. Und wenn ich mein Projekt fertig habe