Freitag, 16. Juni 2017

Likes kaufen

Ich bin gerade ein bisschen verstört, weil ich mich offensichtlich in Sachen "Soziale Netzwerke" doch nicht so gut auskenne, wie ich dachte. Ich hatte nämlich keine Ahnung, dass es im Internet einen Marktplatz gibt, auf dem man "Likes" kaufen kann.



Für alle Nicht-Nutzer sozialer Netzwerke: Wenn jemand in einem sozialen Netzwerk einen Beitrag in schriftlicher oder bildlicher Form eingestellt hat, gibt es für andere die Möglichkeit, diesen Beitrag ganz offiziell gut zu finden. Dazu klickt man mit dem Cursor auf ein Daumen-Hoch-Symbol oder auf ein Herzchen, das sich unter besagtem Beitrag befindet.  Das entsprechende Symbol unter dem eigenen Beitrag zeigt dann an, wieviele "Likes" dieser bekommen hat. Like ist übrigens englisch und heißt "mögen".

Lasst euch sagen: Man kann sehr abhängig von solchen Likes werden! Das beste Beispiel ist ja besagter Internetmarktplatz, den ich gerade entdeckt habe. Darauf gestoßen bin ich übrigens aus purem Zufall.

Ich verwende gerade eine App, die mir jeden Tag eine Frage stellt, über die ich nachdenken und zu der ich natürlich auch eine Antwort verfassen kann (sie heißt me.time). Man kann das ganz privat und für sich machen oder seine Antworten für andere sichtbar geben. Und ja, ihr habt es vermutlich schon raus: Man kann die Antworten der anderen "liken". Oder auch nicht. Ich habe mich tatsächlich bei einem leichten Schmollbedürfnis ertappt, weil noch niemand meine Beiträge für gut befunden hatte. Und das brachte mich auf die Idee, einen Blogartikel darüber zu schreiben, wie sehr wir es doch offensichtlich brauchen, dass wir gemocht werden! Im Grunde war ich nur auf der Suche nach einem "Like" Symbol, das ich als Bild für den Blogartikel verwenden konnte. Ich habe also "like" in die Suchmaschine eingegeben und stieß auf den Marktplatz der Like-Möglichkeiten.

Was ja nur wieder ein Beweis dafür ist, dass wir menschlichen Wesen Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung brauchen.

Bei mir ist so ein Ich-will-geliked-werden-Ausbruch zum Glück schnell wieder vorbei, weil ich an einen Gott glaube, der mich so annimt, wie ich bin und der mir ganz pauschal erstmal das hier verpasst: 


Aber auch dafür hat es übrigens schonmal einen Marktplatz gegeben. Likes kaufen war nämlich zu Martin Luthers Zeiten voll im Trend. Da hießen die Likes nur anders: Ablassbriefe. Mit den Ablassbriefen ging es genau darum, die heißbegehrten Likes von Gott zu bekommen. Nach Ansicht damaliger Christen blieben die Likes aus, sobald man etwas gründlich vermurkste. Und damit Gott einen wieder liebhattte und man nicht Gefahr lief, in der Hölle zu landen, wurde Geld an die Kirche bezahlt und damit die schriftliche Bestätigung gekauft, dass man nicht in der Hölle landet. Nicht viel anders als das, was "likeskaufen.eu" da macht. Halt nur auf Christlich. Und glaubt bloß nicht, dass diese Zeiten lange vorbei sind. Es gibt immer noch christliche Strömungen, die uns weißmachen wollen, dass wir die Likes von Gott nur dann bekommen, wenn wir etwas dafür tun.

Stimmt aber nicht! Dieses dicke, fette Like haben wir längst! 

Und ich würde mir wünschen, dass die Likes im Internet ein großes Stück ihrer Bedeutung verlieren, denn sie setzen viele junge Leute unter einen immensen Druck und stürzen diverse Menschen ins Elend, weil sie denken, niemand mag sie, oder was sie zu sagen hätten sei unwichtig.




Donnerstag, 15. Juni 2017

So ein "Spectactle"



Ich bin wahrscheinlich Deutschlands erste Pastorin, die mit einer Spectacles Sonnenbrille über ihre Insel rennt. Ich bin wahrscheinlich sogar Deutschlands einzige Pastorin, die überhaupt mit Spectacles irgendwohin rennt. Denn die meisten Leute wissen ja noch nichtmal, dass man die Spectacles schon in Deutschland bestellen kann. Zumindest sagen mir das die erstaunten Nachfragen der letzten Tage: Wo hast du DIE denn her???!!!

Ich muss hier noch eine kurze Erklärung dazu einfügen, was Spectacles eigentlich sind:
Spectacles sind eine Sonnenbrille, mit der man kurze Videoaufnahmen machen kann, die dann in die Snapchat App übertragen werden. Man braucht also nicht mehr sein Handy für die Aufnahmen, sondern betätigt einfach einen Knopf an der Sonnenbrille und los geht die Videoaufnahme. Das Schöne daran: Die Snapchat-Voyeure können alles aus genau der Perspektive sehen, aus der ich die Dinge auch sehe - einschließlich der Möwe, die mal eben über meinen Kopf wegdüst. 

Ich wollte die Spectacles schon ganz lange! Eigentlich seit ich sie zum ersten Mal gesehen habe und weiß, was man damit machen kann. Es gab sie lange Zeit nur in den USA. Aber ich bin drangeblieben und habe natürlich sofort mitbekommen, als es sie auch hier in Deutschland käuflich zu erwerben gab. Und dann habe ich Angst vor mir selber gekriegt. Ich wollte schon bestellen und habe mich erstmal nicht getraut, weil ich dachte: Musst du eigentlich jeden neumodischen Scheiß mitmachen? Außerdem ist die Brille total teuer. Am Ende habe ich es dann aber doch gemacht, wie man sieht. Musste sogar noch ein bisschen tricksen, weil die Firma nicht nach Helgoland liefert, und eine Lieferadresse auf dem Festland angeben. Von dort haben die Spectacles dann aber doch ihren Weg zu mir ins Helgoländer Pastorat gefunden. Und jetzt kann ich mich gar nicht wieder einkriegen, so toll sind die!

Ich bin ja immer motiviert, solche neuen Spielzeuge auch fürs Christlich- Kirchliche zu nutzen. Periscope kommt zum Beispiel zum Einsatz, um ein paar Minuten unserer Sommerkonzerte in die Welt zu streamen. Und über die Morgengebete auf Snapchat und Instagram wisst ihr ja schon Bescheid.
Wie ich das nun mit den Spectacles anstelle, weiß ich allerdings noch nicht. Da muss ich noch überlegen. Vielleicht gehe ich mal los und befrage Leute zu dem Thema: "Woran glaubst du?" Obwohl: Dann heißt es womöglich wieder, ich hätte von der ARD geklaut. Außerdem trau' ich mich noch nicht, die Leute einfach anzuquatschen und zu fragen, ob ich sie mal kurz mit meiner Sonnenbrille aufnehmen darf. Aber das legt sich sicher irgendwann und gute Ideen kommen bestimmt auch noch.

Freitag, 2. Juni 2017

Kirche im sozialen Netzwerk

Jetzt habt ihr mich soweit: Ich sitze hier und will einen Blogartikel schreiben und bin tatsächlich um Worte verlegen! Das liegt wohl daran, dass meine Emotionen gerade die Oberhand haben und sich nicht in Worte fassen lassen wollen.

Fangen wir mal damit an: Ich bin berührt.
Und zwar deshalb, weil einige von euch mir heute geschrieben haben, dass sie berührt sind. Von dem, was ich heute Morgen auf Snapchat und Instagram von mir gegeben habe.

Ich hatte ganz stolz von den kleinen Andachtsheftchen berichtet, die ab heute in unseren Kirchenbänken ausliegen, um Menschen eine kleine Hilfe für die persönliche Andacht zu sein. Manchmal suchen Leute die Kirche ganz absichtlich für innere Einkehr und Gebet auf oder sie werden zufällig reingeweht und wollen das vielleicht einfach mal ausprobieren. Ich habe also einen Snap von den Heftchen in den Kirchenbänken gemacht und dann zur besseren Illustration eine Kerze angezündet, mich hingesetzt und das Morgengebet aus dem Heftchen gesprochen. Dieses von mir gesprochene Gebet habe ich ebenfalls via Snapchat und Instagram Story geteilt. 




Und dann habe ich ein paar ganz wunderbare private Nachrichten dazu bekommen: Vom einfachen Danke! bis hin zu dem Geständnis, dass sogar Tränen geflossen sind. Tja, und deshalb bin ich jetzt ein bisschen um Worte verlegen, obwohl ich doch sonst wirklich nicht auf den Mund gefallen bin.

Eigentlich ist die Idee des Gebets in sozialen Netzwerken ja auch nichts Neues. Ich weiß doch selber, wie berührend das sein kann, weil ich gerne beim Abendgebet auf Twitter dabei bin (wenn ich nicht gerade vor dem Fernseher eingeschlafen bin oder in einer Kirchengemeinderatssitzung stecke). 

Und die Erfindung, moderne Medien für die Verbreitung guter Nachrichten bzw. DER Guten Nachricht zu nutzen, kommt ja auch nicht erst von tweetenden Christinnen und Christen. Martin Luther hat sich schon eines solchen modernen Mediums bedient, um das, was er zu sagen hatte, unter die Leute zu bringen: des Buchdrucks! Ich stehe sogesehen mit meinen Gebet-Snaps in guter lutherischer Tradition.

So, nun habe ich das, was mir gerade so durch den Kopf geistert, doch noch in Worte gefasst bekommen und hoffe, dass das irgendwie Sinn ergibt. Und wenn nicht, ist das nicht so wichtig. Wichtig ist, dass mich die heutige Erfahrung und mein Rumdenken an diesem Thema zu einem Vorhaben motiviert haben.

Ich habe mich nach vielem Hin-und Her-Überlegen dazu entschlossen, mit den Gebeten weiterzumachen. Ich kann nicht versprechen, dass es ganz zuverlässig jeden Tag ein Morgengebet gibt, denn manchmal schlafe ich auch einfach gerne aus oder vergesse einfach Sachen, aber ich werde schon versuchen, regelmäßig ein Gebet in die Snap-Parade einzubauen. Schaun wir mal, wo das hinführt.