Montag, 30. März 2015

Zu viel Kuchen



So, meine Konfis sind konfirmiert und sitzen nicht mehr unter meinem Schirm, sondern "nur noch" unter dem Schirm des Höchsten (Psalm 91). Dafür sind sie da richtig gut aufgehoben! 

Es war ein wunberbarer Gottesdienst gestern! Wenn ich meine Konfis, die ich immerhin fast zwei Jahre unter meinem pastoralen Schirm hatte, nicht ziehen lassen müsste, hätte mir die Konfirmation noch mehr Spaß gemacht. Aber so habe ich nicht nur mit einem lachenden sondern auch mit einem weinenden Auge gefeiert. Da bleibt jetzt die Frage, ob der viele Kuchen, den ich gestern bei den Konfirmationsbesuchen gefuttert habe, in die Kategorie "Frustessen" fällt. Jedenfalls hat er mir eine schlaflose Nacht beschert. Ich hatte mich völlig überfressen und auf einer Kugel von Bauch, die die Dimension eines Medizinballs hat, schläft es sich einfach nicht gut. Nächstes Jahr bin ich schlauer! Aber da werden es auch nicht so viele Konfirmandenbesuche nach dem Gottesdienst, denn die Gruppe ist kleiner. Obwohl: Ich habe dann überall mehr Zeit, um mehr Kuchen zu futtern, weil es ja nicht so viele Besuche sind, die ich in einen einzigen Nachmittag reinquetschen muss. Ich glaube, ich muss unbedingt etwas an meinem konfirmatorischen Essverhalten ändern.

Über Ostern habe ich diese Probleme nicht. Da habe ich immer so viel zu tun, dass ich kaum zum Kochen komme und eher Angst haben muss, dass ich über die Feiertage verhungere. Zum Glück gibt es Ostereier! Natürlich die aus Schokolade, nicht die, die man vorher auch noch kochen muss! Mit gekochten Eiern wäre ich total überfordert. Und zum Glück habe ich die Fastenzeit nur mit Bestellfasten verbracht. Sonst hätte ich gestern womöglich noch mehr Kuchen in mich reinstopfen müssen. Und dann wäre ich ganz sicher geplatzt! 

P.S.: Eigentlich hatte ich gehofft, heute schon eine Menge Fotos von der Konfirmation bringen zu können. Dann hätte ich nicht so viel Text schreiben müssen. Aber da ich selten dazu komme, während eines Gottesdienstes Fotos zu machen (eigentlich nie), muss ich mich in Geduld üben und warten, bis mir jemand etwas zukommen lässt. Ich hoffe, ich kann in dieser Woche viele, viele Fotos in meinen Blog stellen (wovon auch immer), damit ich am Besten gar keinenText mehr schreiben muss. Denn über Ostern fehlt mir nicht nur zum Kochen die Zeit. Wir werden sehen ...

Donnerstag, 26. März 2015

Die zeitaufwändigste Konfirmationsurkunde der Welt

Warum muss es eigentlich immer so kurz vor Ultimo noch mittelschwere Katastrophen geben? Ich war schon so gut davor! Und dann passierte die Sache mit der Konfirmationsurkunde.



Ich wollte nur eben mal alles für die Konfirmation am Sonntag zurechtlegen. Beim Durchsehen der Urkunden fällt mir dann auf, dass da nur 8 sind. Sind aber 10 Konfirmanden und Konfirmandinnen. Huch! 

Die neunte Urkunde finde ich ziemlich schnell, denn die ist nur in eine andere gerutscht. Aber wo ist die zehnte? Nicht da. Also: das ganze Kirchenbüro auf den Kopf gestellt. Immer noch nicht da. Mist! Also: Mein ganzes Amtszimmer auf den Kopf gestellt. Da ist sie auch nicht. Ganz großer Mist! Da hatten wir doch tatsächlich vergessen, diese eine Urkunde auszudrucken. Nun ließ sich das Problem leider nicht so einfach beheben. Meine Sekretärin sitzt auf dem Festland und nicht hier auf der Insel. Also: Anruf bei der Sekretärin auf dem Festland mit der Bitte, die Dateien per Email zu schicken, damit ich die Urkunde ausdrucken kann. Sekretärin mit den Nerven zu Fuß: Email geht nicht, das ganze Büro ist auseinandergenommen, Computer abgebaut, alle Geräte auseinandergestöpselt.

Dann kam aber doch irgendwie die heißbegehrte Email. Also nur noch über meinen Drucker ausdrucken. Aber: Schmierstreifen auf der Urkunde. Mist! Also: Drucker reinigen. Immer noch Schmierstreifen. Also: Tintenpatrone auswechseln. Immer noch Schmierstreifen. Also: Einstellungen ändern. Immer noch Schmierstreifen. Anderes Papier einlegen. Keine Schmierstreifen. Aha! Normalpapier geht. Urkundenpapier nicht. Das hilft mir jetzt nicht weiter. Was jetzt? Da ist ja noch ein Drucker im Kirchenbüro. Drucker im Kirchenbüro kaputt. Wirklich ganz, ganz großer Mist!

Wieder Anruf bei Sekretärin: Du must die Urkunde ausdrucken und per Post schicken. Hoffentlich kommt sie noch rechtzeitig an. Antwort: Geht nicht. Hier ist doch alles auseinandergebaut. Kannst du sie nicht woanders ausdrucken? Ja, muss ich versuchen.

Dann die rettende Idee: Mein Laptop hat den Treiber vom Kopierer drauf. Also mit dem Kopierer ausdrucken. Kopierer nimmt Druckauftrag nicht an. Noch viel, viel größerer Mist! Eine weitere rettende Idee: Einfach den Urkundentext auf Normalpapier (ohne Schmierstreifen) ausdrucken und auf den Kopierer legen. Urkundenpapier ins Papierfach. Neiiiiiiin!!! Schmierstreifen!!!!!! Tonerbox durchschütteln. Kopierer durchschütteln. Kopierer treten. Kopierer verhauen. Hilft nix: Immer noch Schmierstreifen. 

Dann fällt mir ein: Die Schmierstreifen des Kopierers verschwinden ungefähr nach der 10ten Kopie. War mir beim Kopieren der 200 Gottesdienstabläufe aufgefallen. Also: Urkundenpapier als 11tes Blatt unter die anderen legen und 11 Kopien machen. Ein Wunder!!!!!!!! Keine Schmierstreifen!!!!! Nach gefühlten 1000 Fehlkopien hatte ich endlich eine erstklassige Konfirmationsurkunde. Und war mit den Nerven noch mehr zu Fuß als meine Sekretärin.

Mittwoch, 25. März 2015

Aufgeregte Konfis



Außer einer kleinen Eisparty hat sich in der letzten Konfirmandenstunde etwa folgendes abgespielt:

Können wir ein Gesangbuch mit nach Hause nehmen?
Klar. Aber wozu braucht ihr zu Hause Gesangbücher?
Wir müssen doch im Gottesdienst Gesangbücher haben.
Die braucht ihr ja aber erst am Sonntag. Und es sind genug Gesangbücher in der Kirche.
Aber wir brauchen doch was zum Reingehen.
Gesangbücher?
Ja, wir müssen doch was in der Hand haben.
Wie gesagt: Es sind genug Gesangbücher da. So um und bei 200. Davon könnt ihr jeder gerne eines in die Hand nehmen beim Reingehen.
Ach so. Dann müssen wir auch keins mit nach Hause nehmen.
Nein. Es sei denn ihr braucht die Gesangbücher noch für etwas anderes.
Nein.
Okay.
Wann treffen wir uns denn am Sonntag?
Um halb zehn.
Das ist doch viel zu spät! Wir müssen doch noch proben, wie wir alles machen.
Nein, müsst ihr nicht. Ich sage euch, was ihr machen müsst.
Was müssen wir denn machen, außer so tun als ob wir singen?
Zum Segen nach vorne kommen und euch hinknien.
Alle zusammen?
Nein, paarweise.
Wann denn?
Nach dem Lied, das nach der Predigt gesungen wird. Aber das sage ich euch dann.
Müssen wir irgendwas auswendig sagen?
Ja.
Oh nein! Was denn?
"Ja, mit Gottes Hilfe"
- Ach so, das ist ja nicht viel. 
- Aber wir müssen auch noch festlegen wie wir reingehen.
Das hatten wir doch schon.
Ja, aber da hatten wir unsere Kleider noch nicht.
Aha.
- Zwei sind doch in Weiß und der Rest in Schwarz. Ich bin dafür, dass die beiden in Weiß vorne gehen.
- Aber dann kommt ja nur noch Schwarz. Das sieht zu dunkel aus.
- Dann gehen die zwei in Weiß eben in der Mitte.
- Dann passt das aber nicht mehr mit den Mädchen und den Jungs.
- Doch! Erst zwei Mädchen in Schwarz, dann zwei Jungs, dann zwei Mädchen in Weiß, dann wieder zwei Jungs und am Schluss zwei Mädchen in Schwarz.
Alle einverstanden?
- Ja.
- Wann treffen wir uns denn jetzt?
Wenn ihr noch mehr absprechen wollt, dann wohl besser um neun.
Aber wir haben doch jetzt alles besprochen. Neun ist viel zu früh.
Halb zehn war euch zu spät.
Nein, halb zehn ist gut.
Gut. Dann also am Sonntag um halb zehn.
- Ich bin schon voll aufgeregt. Ich war letzte Woche schon voll aufgeregt.
- Ich auch.
- Ich auch.
- ...
 
Und sag mir jetzt keiner, dass das pädagogisch nicht wertvoll war und dass ich lieber den Diktator im Taschenformat hätte spielen sollen ;-) Außerdem hat mich die Erfahrung gelehrt, dass sich sowieso alles von alleine regelt. Einige werden schon um neun da sein, weil sie viel zu aufgeregt sind, um noch zu Hause rumzuhocken. Andere werden später als halb zehn da sein, weil die Frisur nicht rechtzeitig fertig war. Und am Ende werden sie doch alle rechtzeitig in der Kirche sitzen - mit Gesangbüchern in der Hand! Ich freu' mich schon :-)

Dienstag, 24. März 2015

Vertretung für die Vertretung

Hach, ist das Leben immer aufregend hier auf der Insel! Allerdings könnte ich manchmal auch ganz gut ohne die viele Aufregung leben, denn die ist nicht gut für mein Nervenkostüm. 

Nachdem wir am Sonntag einen super Vorstellungsgottesdienst gefeiert haben mit großem musikalischem Aufgebot (eine Konfirmandin hat sich sogar an die Ukulele getraut und die Kombination Orgel - E-Gitarre war auch wieder mit dabei) und ich danach schon relativ entspannt in Konfirmations- und Ostervorbereitungen steckte, wurde es dann gestern ganz unentspannt. Unsere Orgelvertretung für den Konfirmationssonntag hat wegen Krankheit abgesagt. 



Ja, Herr S. (Name von der Redaktion geändert), nun tauchst du auch endlich in meinem Blog auf! Auf diesem Wege wünschen wir dir alle gute Besserung!!!

Ganz unentspannt fing mein Hirn dann auch an, Purzelbäume zu schlagen (und das an meinem eigentlich freien Tag): Sollen wir noch versuchen, eine Vertretung für die Vertretung am Sonntag zu bekommen? Das würde viiiiiiel Telefoniererei bedeuten. Und wie realistisch sind die Chancen überhaupt, so kurzfristig noch jemanden zu finden? Sind doch alle bestimmt schon anderweitig verplant. Oder doch lieber versuchen, den Gottesdienst mit dem zu wuppen, was wir haben? Das wären dann ein kleiner aber feiner Posaunenchor und eine - aber feine - Gitarre. Ich habe dann erstmal in meiner Gemeinde ganz laut um Hilfe gerufen und wir haben uns entschieden, es mit der Suche nach einer Vertretungsvertretung für das ganze Wochenende zu versuchen. Denn am Freitag steht ja auch noch eine Beerdigung an, für die ich ebenfalls bisher keine Orgelvertretung hatte. Ein paar Leute haben sich hier richtig ins Zeug gelegt und siehe da: Das Wunder geschah! Wir haben eine Vertretung für die Vertretung! Für Trauerfeier UND Konfirmation! Ganz große Klasse!

Da wir allerdings wie immer nicht wissen, ob das Wetter mitspielt, haben wir trotzdem noch Plan B in der Hinterhand: Musik mit dem kleinen aber feinen Posaunenchor und der einen aber feinen Gitarre. Denn eine willige Orgelvertretung zu finden ist eine Sache, diese auch rechtzeitig auf die Insel zu befördern eine ganz andere. Aber wenn ihr alle da draußen uns in eure Gutenachtgebete mit einschließt, dann sollte nichts schiefgehen!

Sonntag, 22. März 2015

Auszeit



Ich habe heute festgestellt, dass mir ein Strandkorb reicht, um zufrieden zu sein. Eigentlich muss ich sonst immer irgendeine Art von Freizeitgestaltung haben, wenn ich mich denn mal dazu entschließe, eine Auszeit zu nehmen. Auszeit bedeutet dann entweder "Musik-an-Zeit" oder "Buch-auf-Zeit, sonst wird mir langweilig während meiner Auszeit. Weil ich mich ja sehr gut kenne (das sollte ich auch nach diversen Jahrzehnten, die ich mit mir schon zu tun habe) habe ich natürlich gleich ein Buch mit in meine heutige Strandkorb-Auszeit genommen. Aber, oh Wunder, das Buch blieb zu! Irgendwie hatte ich dann doch keine Lust, mich in noch mehr Predigtvorbereitung zu stürzen. Immerhin hatte ich heute nach dem Gottesdienst noch den Nerv, die Predigt für die Osternacht fertig zu schreiben. Das reichte offensichtlich aus, um mein latent schlechtes Gewissen mundtot zu machen. Selbst Herrn K. ist es nicht gelungen, das schlechte Gewissen wieder zum Leben zu erwecken mit dem Spruch: "Ich dachte du schreibst an deinen Predigten."

Und so saß ich da in meinem Strandkorb, völlig mit mir und der Welt zufrieden. Ich stellte überrascht fest, dass ich gar nicht das Bedürfnis hatte, irgendwas zu lesen oder irgendwelche Musik zu hören. Die warme Sonne auf meiner Nase war Freizeitgestaltung genug. Und ein Konzert gab's gratis dazu: Mir war vorher gar nicht aufgefallen, wie viele Vögel hier rumzwitschern. Aber ich habe ja für Helgoländer Verhältnisse auch einen großen Garten, in dem ganz viele Vögel ganz viel rumzwitschern können. Und dann ist da ja noch der ganz große Garten gleich nebenan. Da können noch mehr Vögel noch mehr rumzwitschern. Selbst die Spatzen, die in meiner Dachrinne wohnen, haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Verfolgungsjagt durch den Garten zu unterbrechen, um ihren Beitrag zum Konzert der Helgoländer Vogelwelt zu leisten.

Leider ist jetzt die Sonne weg (naja, eigentlich ist sie nicht weg sondern versteckt sich nur hinterm Gemeindehaus) und es wird zu kalt, um noch länger draußen zu sitzen. Aber drinnen wird mir auch nicht  langweilig. Da wartet schließlich noch die Predigtvorbereitung. 

Samstag, 21. März 2015

Predigtmarathon


(Da ich kein Foto von meinem Predigtmarathon machen konnte, habe ich einfach die Tulpen in meiner Küche fotografiert.)

Der Predigtmarathon hat begonnen. Ich hatte gehofft, dass ich ihn noch ein wenig aufschieben kann, aber wenn die Ideen kommen, dann muss ich loslegen. Mein Hirn speichert diese Ideen nämlich nicht lange. Und es wäre doch schade, wenn die vielen guten Ideen plötzlich im Nirgendwo verschwinden.

Die Predigt für morgen ist fertig, aber da haben den größten Teil der Vorbereitung ja auch unsere Konfis gemacht. Und Herr M., denn es wird eine Dialogpredigt. Zwischen Herrn M. und mir. Mit Dialogen zwischen Konfis und Gottesdienstbesuchern. Wir haben sozusagen die Dialoge unserer Konfis geklaut. Aber: Gut geklaut ist halb gepredigt, sag' ich immer. Außerdem ist das die perfekte Arbeitsteilung: Die Konfis haben vorbereitet, Herr M. hat vorbereitet und ich hab' geklaut.

Die Meditation für Karfreitag ist ebenfalls im Kasten. Die ist auch geklaut. Naja, eigentlich ist sie nicht geklaut, denn das Material dafür habe ich käuflich erworben und bezahlt, wie es sich für artige kleine Pastorinnen gehört. Und die Idee, dieses Material für den Karfreitagsgottesdienst zu benutzen, hatte ich ganz ohne fremde Hilfe. Ich weiß: so viel Eigenleistung traut man mir gar nicht zu.

Die Predigt für Gründonnerstag ist fast fertig. Die ist nicht geklaut. Die Idee nicht und die Predigt auch nicht. Da hab' ich tatsächlich mal meinen eigenen Kopf angestrengt. Noch mehr Eigenleistung! Ich bin ja so gut! 

Für die Konfirmationspredigt habe ich immerhin schon eine Idee. Die Idee ist auch wieder geklaut. Finde ich aber gar nicht weiter schlimm, denn in der Bibel steht nirgends: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Predigtidee." Da ist nur von "Knecht, Weib, Magd, Vieh" und "Haus" die Rede. Obwohl: Da steht schon noch was von "alles, was sein ist" in Zusammenhang mit dem Nicht-begehren-sollen. Ob dazu auch Predigtideen gehören? Um ehrlich zu sein, will ich das jetzt gar nicht so genau wissen. Außerdem erklären wir unseren Konfis immer, dass das eigentlich bedeutet, nicht neidisch zu sein. Ich bin ja auch gar nicht neidisch, dass da jemand eine so gute Predigtidee hat. Im Gegenteil: Ich finde die Predigtidee so klasse, dass ich sie auch noch weiterverbreiten will. Ich will sie ja nicht für mich selber behalten, sondern die ist für die ganze Gemeinde. Ist doch toll, oder?
Wenigstens wird die Predigt nicht geklaut sein. Die denke ich mir selber aus, ganz ohne Hilfe von unseren Konfis oder Herrn M. oder irgendwelchen Gottesdienstmaterialien. Ich weiß auch schon, was ich mir da ausdenke, aber das verrate ich natürlich noch nicht. 

Die Predigt für die Osternacht ist angefangen. Dafür habe ich also auch schon eine Idee. Keine geklaute, sondern eine ganz eigene. Es kann natürlich sein, dass ich das bis zur Osternacht nochmal über den Haufen schmeiße, wenn mir eine bessere Idee kommt. Das passiert schonmal. Und das ist dann irgendwie blöd, weil das doppelte Arbeit bedeutet. Aber es lohnt sich, denn meistens ist die neue Idee besser als die alte. Sonst würde ich ja nicht alles über den Haufen schmeißen.

Jetzt fehlen nur noch die Predigten für Ostersonntag und die Goldene Konfirmation am Ostermontag. (Vielleicht könnte ich für Ostern was über die Tulpen in meiner Küche schreiben ... Huch, ist da gerade eine weitere nicht geklaute Predigtidee aufgetaucht?! Obwohl ich noch nicht so ganz weiß, wie ich die Tulpen in meiner Küche mit dem auferstandenen Christus zusammenbringen soll.) Und eine Trauerrede muss ich auch noch schreiben. Jedenfalls hoffe ich, dass ich bis Ostern nur noch eine Trauerrede schreiben muss. Denn wenn es zu viel wird mit den Predigten und Ansprachen und Gottesdiensten, dann wird es auch irgendwann meinem kleinen Kopf zu viel. Der fängt dann an, Sachen durcheinander zu bringen. Und es ist gar nicht lustig, wenn die Braut während der Trauung lauthals kundtut: "Mein Mann heißt gar nicht Erwin! Der heißt doch Max!"  (Das ist jetzt leider keine geklaute Geschichte und ich kann zu meiner Ehrenrettung nur sagen, dass mir die Sache wirklich, wirklich, wirklich (!!!) peinlich war! Aber Pastoren sind ja auch nur Menschen, oder?)

Im Moment sieht es jedenfalls so aus, als wäre ich ganz gut davor. An Predigten und Gottesdienstabläufen ist schon einiges auf dem Weg und ich hab' noch nix durcheinander gebracht. Und solange ich meine Konfis morgen beim Vorstellungsgottesdienst nicht mit "liebe Hochzeitspaare" anspreche, ist alles in Butter.

Donnerstag, 19. März 2015

Wie der Yak sich die Schulter reibt

Das viele Rumhocken am Schreibtisch bekommt meinem Rücken irgendwie nicht. Schon gar nicht in falscher Haltung. Dass meine Haltung nicht okay ist, war mir schon lange klar (meinem Rücken auch), aber wenn ich so vertieft in die ganzen sinnigen und unsinnigen Emailkonversationen bin, dann merke ich gar nicht, dass meine Haltung falsch ist. Mein Rücken schon, aber der macht sich immer erst dann bemerkbar, wenn ich längst nicht mehr am Schreibtisch sitze. Wenn er nett wäre, der Rücken, dann würde er gleich sagen: "Ey, du sitzt falsch!" Tut er aber nicht, denn er ist kein netter Rücken. Jedenfalls ist er zu mir nicht nett. Ich hab's schon mit einem "Ich bin eigentlich ein Sitzball" - Hocker versucht, aber der sagt mir auch nicht Bescheid, wenn ich falsch sitze. Der Hocker ist auch nicht nett zu mir. Mein Rücken, mein Hocker und ich sollten unbedingt mal an unserer Kommunikation arbeiten!

Jedenfalls habe ich mein Yoga-Programm ausgedehnt, von einmal in der Woche auf mehrmals in der Woche. ICH bin ja gewillt, nett zu sein. Zu meinem Rücken. 

Beim Yogaüben ist mir irgendwann aufgefallen, dass die Übungen immer so komische Namen haben. Da wird die ganze Tier- und Pflanzenwelt durchexerziert. Ist ja eigentlich auch nicht schlecht, denn dann kann man schon am Namen erkennen, wie die Übung aussehen soll. Manchmal jedenfalls. Der geübte Baum sieht mit etwas Fantasie wirklich aus wie ein echter Baum. Der "nach unten schauende Hund" sieht auch ziemlich genau so aus wie mein Hund, wenn er nach unten schaut. Nur dass mein Hintern dabei höher rausragt als der von Jessie. Und ich seh' dabei nicht ganz so niedlich aus wie Jessie, sondern eher angestrengt. Leider hab' ich auch nicht so viel Fell um die Nase, das meine Gesichtsfarbe verbergen könnte, wenn mir beim "nach unten schauenden Hund" das Blut in den Kopf schießt. Aber egal. Ich seh' zwar nicht so gut aus, wie mein nach unten schauender Hund, wenn er denn mal nach unten schaut, dafür tut es meinem Rücken gut.

Beim "Yak, das sich die Schulter reibt" wird es da schon schwieriger mit der Vorstellungskraft. Erstmal muss ich immer ganz genau überlegen, wie denn eigentlich ein Yak aussieht. Hier laufen ja nicht so viele rum. Schaf, das sich die Schulter reibt wäre besser. Ist aber ein Yak. Das liegt wohl daran, dass es sich bei den Übungen um tibetisches Yoga handelt und nicht um helgoländisches Yoga. Na gut. Dann muss ich auch noch überlegen, wie ein Yak sich wohl die Schulter reibt. Vermutlich an einem Baum. Bäume haben wir auf der Insel, also habe ich schonmal eine vage Vorstellung davon, wie ein Yak (oder Schaf) sich die Schulter reiben könnte.
Leider hab' ich keine Bäume in der Wohnung. So ein Baum wäre echt hilfreich, denn dann könnte ich mich anlehnen, wenn ich versuche, wie ein Yak auszusehen, das sich die Schulter reibt, und würde nicht dauern umfallen bei dieser Übung.

Der Hammer ist allerdings die Übung "Wie ein Kamel aufsteht". Da muss man die großen Zehen mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger festahlten und sich mit angezogenen Beinen  nach hinten fallen lassen, um sich dann wie ein abgeschossener Pfeil wieder aufzusetzen. Also wenn so ein Kamel aufsteht, ...???!!! Können Kamele überhaupt mit angezogenen Beinen auf dem Rücken liegen??? Können Kamele ihre Füße festhalten??? Haben Kamele überhaupt Daumen??? Das einzige, was da passt, ist die Tatsache, dass ich mich wie ein Kamel fühle, wenn ich die Übung nicht richtig hinkriege!



Nicht selten endet so eine Yoga-Übungseinheit in einem Lachkrampf (meinerseits, andere können nicht lachen, weil mich zum Glück keiner sieht). Die Vorstellung, sich wie ein Yak zu benehmen, das sich die Schulter reibt, oder wie ein Kamel, das versucht, aufzustehen, erheitert mich jedes Mal aufs Neue. Aber dass wir fröhlich sein sollen, hat Gott ja ohnehin für uns vorgesehen (das Thema hatten wir gestern, wenn ihr euch erinnert). Außerdem ist lachen gesund, sagt die Forschung, oder die Wissenschaft, oder wer auch immer. 

Naja, und ich muss zugeben, dass es meinem Rücken tatsächlich so langsam besser geht, jetzt wo ich mir jeden Morgen wie ein Yak die Schulter reibe oder versuche, wie ein Kamel aufzustehen.

Mittwoch, 18. März 2015

Einsichten eines Predigers

Wir haben heute im Konfirmandenunterricht mal den "Prediger" angeschaut (nein, keinen Kinofilm, sondern ein Buch im Alten Testament, also in der Bibel). Nach dem Konfirmandenunterricht war ich dadurch so inspiriert, dass ich, anstatt Feierabend zu machen, weiter geschmökert habe. Ich war total überrascht, als ich feststellte, dass da ja noch viel mehr drin steht als nur "Alles hat seine Zeit ..." (ja, da war was mit "nicht so ganz bibelfest", aber lassen wir das). Es ist schon faszinierend, zu welchen Einsichten dieser Prediger da kommt. Ich muss sagen, dass der ein echtes Talent dafür hat, das Offensichtliche sehr gut auf den Punkt zu bringen. Hier eine Auswahl:

Alle Flüsse fließen ins Meer, aber das Meer wird nicht voll.
Was nicht da ist, kannst du nicht zählen.
Wer viel weiß, hat viel Ärger.
Je mehr Worte du machst, desto mehr Unsinn redest du. «
Der Mensch müht sich ständig ab, um sich satt essen zu können. Was hilft's, er wird doch immer wieder hungrig!
Gott hat die Menschen einfach und aufrichtig geschaffen, aber manche wollen alles kompliziert haben.
Ein lebender Hund ist immer noch besser als ein toter Löwe.
Wer im Steinbruch arbeitet, kann sich dabei wehtun.
Der Schlangenbeschwörer hat nichts von seiner Kunst, wenn die Schlange beißt, ehe er sie beschworen hat.
Gut essen macht Freude, Wein trinken macht lustig und Geld macht beides möglich.
Jugend und dunkles Haar sind so vergänglich.
Wenn die Wolken voll sind, dann regnet es. 
Gleichgültig, ob ein Baum nach Süden oder nach Norden fällt: Wo er hinfällt, dort bleibt er liegen.
Wer hart arbeitet, schläft gut, ob er viel oder wenig gegessen hat.
Es werden viel zu viele Bücher geschrieben und das viele Grübeln kann dich bis zur Erschöpfung ermüden.
Darum iss dein Brot und trink deinen Wein und sei fröhlich dabei! So hat es Gott für die Menschen vorgesehen und so gefällt es ihm.

Aber mal im Ernst: Das, was der Prediger da so feststellt, ist heute noch ganz aktuell. Und die Gedanken, die er sich dazu macht, sind auch nicht schlecht. Ein sehr lesenswertes Buch, das Buch Prediger. Muss man auch gar nicht bestellen, wenn man wie ich in der Passionszeit Bestellfasten macht, denn die Bibel gibt's auch im Internet zu lesen.


Dienstag, 17. März 2015

"Wir glauben ..."

Es ist nicht immer leicht, sich zu etwas zu bekennen. Wir werden dadurch verletzlich und angreifbar. Trotzdem haben unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden Großartiges geleistet, als es genau um dieses Thema ging. Sie haben sich zu Vielem bekannt, was sie als Menschen ausmacht. Und sie bekennen sich zu Gott und Kirche, so wie sie Gott und Kirche verstehen. Auch in diesem Jahr gibt es wieder ein tolles Glaubensbekenntnis, das von der ganzen Gemeinde im Konfirmationsgottesdienst am Palmsonntag gebet werden wird:


Freitag, 13. März 2015

Stadt-Land-Tod



Ich spiele ja immer wieder gerne Spiele mit unseren Senioren. Besonders Bingo, denn da habe ich es gut drauf, mir den Hauptpreis unter den Nagel zu reißen. Gestern haben wir kein Bingo gespielt sondern eine abgewandelte Form von Stadt-Land-Fluss. Da konnte ich leider nicht den Hauptpreis ergattern, denn ich war die Spielleiterin. Schade. Trotzdem habe ich selten so viel gelacht.
Das Spiel heißt Stadt-Land-Tod und die Regeln sind eigentlich dieselben wie bei Stadt-Land-Fluss, nur dass man anstelle von Städten, Ländern, Flüssen, Blumen, Namen usw. Täter, Tatwaffen, Tatorte, Fluchtfahrzeuge, Mordmotive und ähnliche nette Dinge mit einem bestimmten Anfangsbuchstaben finden muss.

Ich hatte das Spiel schon einmal vor ein paar Wochen vorgestellt und alle fanden es eigentlich gar nicht so begeisterungswürdig. Zu schwer, wie meine Senioren meinten. Ich war dann so nett und habe die Kriminalversion von Stadt-Land-Fluss verschoben. Ich war ebenfalls so nett, noch Spielbögen auszuhändigen, damit unsere lieben Senioren vorher schonmal üben konnten.

Haben sie auch getan. Eine Dame berichtete, dass eine Fernsehzeitung eine gute Hilfe sei. Man müsse sich nur die Programmankündigungen für diverse Krimis durchlesen und sofort hätte man einen großen Fundus von Mordmotiven, Tatorten, Tatwaffen usw.. Das sind richtig kluge Köpfe, unsere Senioren! Deshalb habe ich vermutlich auch immer beim Stadt-Land-Fluss spielen verloren. Weil mein Kopf nicht so klug ist. Die haben in der Schule echt besser aufgepasst als ich. Sowas!

Gestern war es jedenfalls soweit. Es sollte Stadt-Land-Tod gespielt werden. Es gab noch ein paar Unmutsäußerungen und diverse Male den Kommentar "zu schwer", aber ich habe sie nicht vom Haken gelassen. Und es hat sich gelohnt.

Es kamen so herrliche Sachen wie Tretroller oder Dackel auf Rädern als Fluchtfahrzeug, Gallenkolik oder Drüsenunterfunktion als Todesursache, Toilette oder Taubenschlag als Tatort, Toilettendeckel oder Christbaum als Tatwaffe und die Daunenjacke als Mordmotiv. Daraus ließen sich dann auch die schönsten Kriminalgeschichten basteln:
Der *Landarzt* hat aus *Lasterhaftigkeit* in der *Lagerhalle* das Opfer mit einem *Lolli* bedroht und ist anschließend mit einem *Leiterwagen* geflüchtet. Das Opfer hat sich so erschrocken, dass es nach draußen rannte und ist, weil es draußen so kalt war, an einer *Lungenentzündung* verstorben. Der Täter konnte gefasst werden und wurde wegen *Lolliterror* angeklagt. Für sowas gibt es satte 70 Punkte!

Der *Gehwagen* als Fluchtfahrzeug war der Brüller. Wir konnten gar nicht mehr aufhören zu lachen! Ich sag' nur: Kopfkino! Wir haben uns natürlich bildlich vorgestellt, wie die Dame, die sich das ausgedacht hatte, versucht mit ihrem Gehwagen vom Tatort zu flüchten. Wenn sich allerdings der Tatort auf dem Oberland befindet, dann könnte sie mit ihrem Gehwagen den Millstätter Weg runterrollen. Und der ist so steil, da wird selbst ein Gehwagen zum Düsenjäger! Die Chancen, dem elektrischen Polizeiauto zu entkommen, wären damit schon ganz gut.

Wie gesagt: Ganz kluge Köpfe, unsere Senioren!
Und: Ich hätte nie gedacht, dass in einem kirchlichen Seniorenkreis so viel kriminelle Energie steckt!

Generalprobe mit Puppe



Nachdem Herr X. mich schon seit gestern damit nervt, dass ich endlich was über die Puppentaufe schreiben soll, muss ich wohl oder übel heute nochmal einen Blogartikel verfassen. Außerdem hatte ich es euch ja auch versprochen. Obwohl: Eigentlich hat Herr X. das gar nicht verdient, dass er seinen Blogartikel zu lesen kriegt, denn Herr X. musste ja unbedingt damit angeben, dass er besser Paprika schnippeln kann als ich. 

Nur zur Erklärung: Wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen für den morgigen Festkommers der Feuerwehr. Und hilfsbereit, wie ich nunmal bin, dachte ich, ich helfe in der Küche ein bisschen mit. Allerdings ist das Mithelfen in der Küche total blöd, wenn drei gelernte Köche um einen rumschwirren und einfach alles besser machen. Und besser wissen. Wenigstens habe ich die Paprika fertiggeschnippelt gekriegt, und habe sogar noch alle zehn Finger. Da, wo sie hingehören: an der Hand.

Natürlich will Herr X. unbedingt wissen, wie die Puppentaufe mit dem Kindergaren gelaufen ist, denn es war ja die Generalprobe für die Taufe am Sonntag. Getauft wird Herr X. Junior. Und Herr X. ist schon ganz besorgt, dass uns vielleicht die Puppe runtergefallen sein könnte. Das wäre ein schlechtes Vorzeichen für Sonntag. Aber ich kann dich beruhigen, Herr X.: Die Puppe ist nicht runtergefallen. Alles gut. Dein Kind wird am Sonntag auch nicht runterfallen. Und wenn doch, dann heben wir es ganz schnell wieder auf. (Wie gut, dass ich nur für's Wasser und die Taufformel zuständig bin. Das Kind festhalten tut jemand anders.)

Jetzt wird sich so mancher unter meinen Amtsbrüdern und -schwestern fragen: Warum um alles in der Welt macht die eine Generalprobe für eine Taufe?!

Das kann ich euch erklären. Das hat damit zu tun, dass wir hier eine klasse KiTa (steht für Kindertagesstätte) haben, die voll fit ist und meine religionspädagogische Unterstützung eigentlich gar nicht braucht. Die machen so tolle Themen-Sachen wie Taufe. Naja, eigentlich ist die Themensache, die sie gerade machen, "Helgoländer Traditionen". Aber dazu gehört ganz unbedingt die Taufe, denn Taufe ist hier auf Helgoland schon besonders. (Kann sein, dass ich mich in einem früheren Blogartikel schon darüber ausgelassen habe. Kann aber genauso gut sein, dass es nicht schadet, das nochmal zu verbreiten.)

Eine Helgoländer Taufe findet traditionsgemäß während des Sonntagsgottesdienstes statt. Ist eigentlich nix Besonderes. Das Besondere ist aber, dass die Frauen der Tauffamilie den Gottesdienst bis nach der Predigt schwänzen dürfen. Sie bringen den Täufling erst zur Taufe in die Kirche. (Wenn die wüssten, was sie verpassen!

Nur für's Protokoll: Das ist hier so Tradition und hat überhaupt nichts damit zu tun, dass ich keine laut schreienden Kinder im Gottesdienst will! Ich liebe laut schreiende Kinder im Gottesdienst! Da kann ich denen nämlich zeigen, dass ich noch lauter kann. Mit Mikrofon!

Die Männer dagegen sind von Anfang an dabei und dürfen den ganzen tollen Gottesdienst mitmachen. 

Das nächste Besondere ist, dass das Taufwasser von den Inselkindern in die Kirche gebracht wird. Das geht auf eine Zeit zurück, in der hier das Süßwasser sehr knapp war. Süßwasser war etwas ganz Besonderes. Und da auch ein Täufling was ganz Besonderes ist, wurde er oder sie mit Süß-Taufwasser beschenkt, das aus den Zisternen der Häuser kam und mit kleinen Silberbechern in die Kirche gebracht wurde. Diese Silberbecher bekamen und bekommen die Kinder hier immer noch zu ihrer eigenen Taufe. 

Im Laufe der Zeit hat sich die Tradition etwas gewandelt. Meistens holt jemand aus der Tauffamilie das Taufwasser aus der Nordsee. Heutzutage ist das also Salz-Taufwasser, das dann von den Inselkindern beim Haus des Täuflings abgeholt und in die Kirche gebracht wird. Nach der Taufe verschwinden Inselkinder, Tauffamilie und Täufling eigentlich gleich wieder, um dann bei der Tauffamilie zu Hause über Butterkuchen und Kinderwein herzufallen. Bei mir ist das anders. Ich zwinge immer alle dazu, bis zum Ende des Gottesdienstes dazubleiben, denn die Kinder müssen mir unbedingt beim Segnen helfen! Wir Lutheraner haben es zwar nicht mit der Werkgerechtigkeit, aber ich finde trotzdem, dass die Kiddies ruhig ein bisschen mehr für ihren Butterkuchen tun können als nur Wasser tragen.

Weil da bei einer Helgoländer Taufe so ganz viel Tradition drinsteckt und weil wir hier auf Helgoland so ganz viel pädagosch wertvoll arbeiten, musste es eine Generalprobe geben. Mit Puppe. Nicht mit echtem Kind. Auch nicht mit echten Taufbechern. Die kommen erst am Sonntag zum Einsatz und so mussten für die Generalprobe die Plastiktassen aus dem Kindergarten herhalten. Aber dafür mit echter Taufschale. Und mit echtem Nordseewasser, das die Erzieherinnen mit den Kindern am Tag davor geholt hatten. Und das Beste: Mit echtem Butterkuchen, von den Kindern selbst gebacken, und mit echtem Kinderwein, von einer Erzieherin selbst gekocht.

Für Butterkuchen und Kinderwein habe ich dann auch glatt den Fotografen versetzt, der eigentlich mit mir eine Stellprobe für die Konfirmation machen wollte. Ich dachte zumindest, dass ich ihn versetzt hätte. Wie sich später rausstellte, schlummerte der noch ganz selig in seinem Bett, als ich mir im Kindergarten mit mäßig schlechtem Gewissen den Wanst mit Butterkuchen vollschlug.

Wie gesagt, Herr X.: Du kannst beruhigt sein. Wenn man mal von dem kleinen Malheur absieht, dass einem der Zwerge noch nicht so ganz klar war, dass das Taufwasser zum Taufen da ist und nicht zum Trinken, dann hat alles hingehauen. Die Kinder wissen, was sie zu tun haben. Die Pastorin weiß sowieso nie, was sie tut. Also ist alles so, wie es sein soll! 

Das Einzige, was mir ein wenig Sorge bereitet, ist der Werbeeffekt, den die Helgoländer Kindergarten-Traditionstaufe-Aktion haben könnte. Ich glaube, da wollen am Sonntag ganz viele Kinder mitmachen.
Ich bin ein bisschen bange, dass zu viel Wasser angeschleppt wird und die Taufschale überläuft! Ich habe schon Instruktionen erteilt, die Taufbecher der Kinder bloß nicht zu voll zu machen! 

Einmal wäre das mit dem Überlaufen schon fast passiert, aber zum Glück war eine zweite Taufschale da. Die Familie hatte ihre eigene Taufschale mitgebracht und wir hatten zur Sicherheit (falls sie sie vergessen hätten) die kircheneigene auch noch hingestellt. Ich war so froh, dass die zweite Schale da war, denn eine alleine hätte nicht gereicht für das viele Wasser. Da hat es auch nicht wirklich geholfen, dass eines der Kinder das Systhem nicht geblickt hatte, und Wasser aus der Taufschale rausschöpfte, anstatt es reinzugießen. Aber trotzdem: Netter Versuch!
Und dann steckte ich in einem Dilemma, weil ich nicht wusste, aus welcher Schale ich nun taufen sollte. Denn glaubt es mir: Die Kinder wussten gaaaaaaaaanz genau, in welche Schale sie ihr Wasser gegossen hatten!!!

Hm, vielleicht sollten wir doch wieder anfangen, den großen Taufkessel zu befüllen, anstatt nur eine kleine Schale. Aber dann müssten wir auch wieder das ganze Kind in den Taufkessel stecken, wie das früher mal üblich war. Dann hätten wir richtig Tradition! Ich bezweifle allerdings sehr, dass das hier so gut ankommt. Also muss ich mir unbedingt noch einen Notfallplan ausdenken für die vielen, vielen Kinder mit dem vielen, vielen Taufwasser. Und dabei fällt mir gerade ein: Viele, viele Kinder essen auch viel, viel Butterkuchen! Hoffentlich gehe ich da nicht leer aus. Ich glaube, Herr X.: Du brauchst auch einen Notfallplan. Für den Butterkuchen!


Donnerstag, 12. März 2015

Das Leben ist bunt

Mein Leben ist quietscheentenbunt! Heute rot mit weißen Punkten, um genau zu sein.



Als ich mich gerade an meinem Schreibtisch durch einen Berg von Arbeit wühlte, kam Frau L. in mein Amtszimmer gestratzt und kramte eine Quietscheente aus ihrer Tüte. Für mich! Einfach nur so! Wie cool ist das denn?! Sie: "Heute ist so ein schöner Tag, die Sonne scheint, und da dachte ich mir, ich mache dir einfach mal eine Freude." 

Das macht den heutigen Tag trotz des großen (überwiegend unvorhergesehenen) Arbeitsaufkommens noch schöner, als er bisher schon war. Ja, Frau L., du hast mir damit wirklich eine Freude gemacht!

Wieviel Freude mir in der Vergangenheit schon gemacht wurde, lässt sich unschwer an der Fensterbank in meinem Amtszimmer erkennen, denn da steht die bunte und mit ganz viel Liebe geschenkte Quietscheentensammlung - von vielen netten Leuten, die ihre Pastorin immer mal wieder aufmuntern wollten. Hach, ich bin ganz hin und weg! 



Ich bin so hin und weg, dass der geplante Bericht über die Puppentaufe mit den Kindergartenkindern heute Morgen, meiner bunten Quietscheentenfreude weichen musste. Aber dafür kommt der dann morgen.

Und bis dahin wünsche ich euch, dass ihr euch  genauso über das bunte Leben freuen könnt. Auch wenn eures vielleicht nicht gerade rot mit weißen Punkten ist :-)



Dienstag, 10. März 2015

Fingernägel und F#m7

Meine Fingernägel sind ab! Meine wunderbaren, langgezüchteten und mit viel Liebe lackierten Fingernägel sind ab! Huäääää! 

Ich bin so besessen von meinen Fingernägeln, weil ich die als Kind immer abgekaut habe und mich ab dem Teenageralter so dem Spott meiner Klassenkameradinnen aussetzen musste. Später habe ich nicht mehr gekaut. Dafür sind sie mir ständig abgebrochen. Irgendwann ist es mir dann aber doch geglückt, sie lang zu züchten und erfolgreich in diesem Zustand zu erhalten. Trotz Feuerwehr, jawohl! Man kann auch mit langen Nägeln Schläuche rollen. Sind ja Handschuhe drüber (über den Nägeln, nicht über den Schläuchen). Nur einmal haben sie etwas gelitten, als ich nämlich mit frisch lackierten Nägeln in einen Einsatz musste. 

Und jetzt sind sie ab. Zumindest an der linken Hand. 
Herr A. hat das natürlich gleich kommentiert: "Sieht ja irgendwie komisch aus, auf der einen Seite bewaffnet und auf der anderen unbewaffnet."

Nein, ich habe nicht wieder das Nägelkauen angefangen. Ich hab' sie einfach abgeschnitten. Unter seelischen Schmerzen! Und Schuld ist unser Jugendpfleger.

Unser Jugendpfleger Herr H. (Name von der Redaktion geändert, was gar nicht viel bringt, denn hier weiß ja jeder, wie Herr H. richtig heißt) versucht schon seit geraumer Zeit, mich zum Gitarrespielen zu zwingen. Er rennt damit bei mir auch offene Türen ein, denn ich habe das Gitarrespielen ja vor langer Zeit gelernt und wollte schon immer mal wieder neu einsteigen. Aber wie das so ist: Gute Vorsätze bleiben oft gute Vorsätze. Es gibt immer irgendwas, das dazwischen kommt. Aber Herr H. lässt einfach nicht locker. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, um das Offene Singen in der Kirche gemeinsam vorzubereiten, fragt er mich, ob ich denn inzwischen angefangen habe, ein paar Akkorde zu üben. Nein, habe ich nicht. Ich hab' keine Zeit dazu.

Heute kam er mit einer ganz fiesen Masche: "Du hast doch zwei Gitarren hier. Wir können ja zusammen einen ganz leichten Kanon üben." Und ich konnte mich nicht rausreden mit dem üblichen "Ich hab' gerade keine Zeit dafür", weil ich ja die Zeit dafür hatte. Aber dann hatte ich, wie ich dachte, die rettende Idee: Meine Fingernägel sind zu lang! Da musste Herr H. dann auch einlenken, denn mit zu langen Fingernägeln kann man wirklich keine Akkorde greifen.

Aber er hatte es irgendwie trotzdem geschafft, meinen Ehrgeiz anzustacheln. Und so kam es, wie es kommen musste: Während er noch damit beschäftigt war, die Gitarren zu stimmen, war ich damit beschäftigt, die Nägel meiner linken Hand zu amputieren. Die an der rechten habe ich drangelassen. Denn: zum Akkordegreifen braucht man unbewaffnet, zum Anschlagen der Saiten braucht man bewaffnet - zumindest wenn man wie ich kein Plättchen hat. (So, jetzt weißt du Bescheid, Herr A.! Ist mir ja sowas von egal, wie das aussieht!)

Aber die Amputation der Fingernägel war nicht die einzige Grausamkeit, die ich meinen Fingern zumuten musste. Ich kann ja noch die ganz einfachen Akkorde so wie A dur oder D dur. Schwierig wird es für mich, wenn ich sogenannte Barré Akkorde greifen muss. Da wird ein einziger(!) Finger über mehrere(!) Gitarrenseiten gelegt. Mein armer Finger verfällt dann immer in eine Art Schockstarre. Das hält zwar die Saiten unten, tut aber auch höllisch weh. F dur ist so ein Akkord. F dur mag ich gar nicht! Wie gesagt: Finger in Schockstarre. 

Natürlich liefen mir beim Blättern im Gesangbuch nur Fs über den Weg. Ich habe daraufhin beschlossen, die blöden F-Akkorde einfach wegzulassen. Und die anderen Barré Akkorde auch. Dumm ist nur, wenn dann gar nichts mehr übrig ist, was ich spielen kann. Also werde ich wohl oder übel üben müssen. Ich glaube, ich werde mir auch den Antistressball wiederholen, den ich Herrn K. gegeben hatte, damit meine Finger damit Krafttraining machen können. 

Völlig mit den Nerven am Ende war ich, als ich in einem Lied diesen Akkord entdeckte: F#m7
Man lasse sich das Mal auf der Zunge zergehen: Fis-moll-sieben!!! Bei dem Ding wollte ich erst gar nicht wissen, wie der zu greifen ist. Der sah rein optisch schon so gemein aus, dass meine geplagten Finger mir einfach den Dienst verweigerten. (Na gut, die zitternden Hände hätten auch von zu viel Kaffee kommen können.)

Meiner Gitarre war dieser Mörderakkord wohl auch nicht geheuer. Ihr riss vor Schreck gleich eine Saite.
Und ich kann keine neuen Gitarrensaiten bestellen, weil ja Passionszeit ist und ich mir vorgenommen habe, bis Ostern nix zu bestellen. Aber mich vor'm Üben drücken kann ich immer noch nicht. Ich habe ja noch eine zweite Gitarre. Grumpf.

Dann werde ich also ab jetzt gegen meine Gitarrenübunlust zu Felde ziehen - linke Hand bewaffnet, rechte Hand unbewaffnet.





Sonntag, 8. März 2015

Nicht Winterkirche sondern Rohrbruchkirche

Ich hab' wirklich gedacht, am Sonntagmorgen zu verschlafen, sei das Schlimmste, was einem Pastor passieren kann. Das habe ich selbst auch schon durchgemacht. Bei der Uhrumstellung nämlich. Ich hatte vergessen, die Uhr eine Stunde vorzustellen, auf Sommerzeit. Jedenfalls stellte ich kurz nach dem Aufstehen fest, durch entsprechenden Uhrzeithinweis aus dem Radio, dass in 20 Minuten der Gottesdienst anfangen würde. Ich bin gerade noch an einem akuten Herzversagen vorbeigekommen! Sowas ist wirklich nicht witzig. Gleich als nächstes auf der Liste der pastoralen Schreckensszenarien steht die vergessene Predigt. Wobei ich das wohl irgendwie noch auf die Reihe kriegen würde. Mir fällt ja immer irgendwas ein, was ich erzählen kann. Aber ein Rohrbruch in der Kirche 45 Minuten vor Gottesdienstbeginn toppt alles! 

Herr G., Herr K. (der sich in diesem Fall mal selbst zu Küsterarbeiten verdonnert hatte) und ich waren gerade gemütlich dabei, die Restdeko vom Weltgebetstag aus der Kirche zu räumen, als Herr G. die Tür zum Kirchenkeller aufschloss. 
Wir hörten nur, wie er sagte: Hier unten ist aber eine Waschküche!
Ich: Hä?
Er: Ja, Waschküche.
Ich: Wieso Waschküche?
Er: Komm mal runter und sieh es dir an. Hier dampft alles.

Also bin ich pflichtschuldigst runter in den Keller und konnte erstmal gar nix sehen. Wegen Waschküche. Da mir schon Schlimmes schwante, habe ich mich bis zum Heizungsraum vorgetastet, aber sehen konnte ich da auch nix. Da war nicht nur Waschküche sondern auch unterirdische Finsternis. Das Licht ging nicht. Aber hören konnte ich dafür umso besser: das Zischen aus dem, wie ich vermutete, Heizungsrohr. Also erstmal schnurstracks Herrn H. angerufen und aus seinem wohlverdienten Sonntagsausschlaf geholt. Mit ihm kam auch das Licht und wir konnten das ganze Ausmaß der Katastrophe erkennen: der halbe Kirchenkeller stand unter Wasser. Also auspumpen. Aber: Die Pumpe ist laut. Sehr laut! Lauter als Orgel und Mikrofon! 

Da half nur eins: Der Gottesdienst musste ganz schnell ins Gemeindehaus verlegt werden. Eine Konfirmandin bekam den Auftrag, die Gottesdienstbesucher an der Kirchentür abzufangen und zum Gemeindehaus umzuleiten. Wir anderen packten das Nötigste zusammen: Gesangbücher, zwei Kerzen, Gottesdienstbuch und Lesepult. Dieses Mal reichte eine Handkarrenfuhre für den Umzug. Ich organisierte noch schnell ein Bettlaken, das als provisorisches Altartuch fungieren sollte und dann wurde der Saal im Gemeindehaus hergerichtet. Frau V. hatte sogar in letzter Minute daran gedacht, die Blumen aus der Kirche mitzunehmen. Es sah fast liturgisch wertvoll aus. Wären da nicht noch die Tische vom Seniorenkaffee kreuz und quer über den Saal verteilt gewesen. Die sahen liturgisch nicht ganz so wertvoll aus. Aber um die wegzuräumen, fehlte uns echt die Zeit. 



Ich habe zwischendurch noch über eine andere Möglichkeit nachgedacht: Wir hätten natürlich ganz spontan einen Saunamorgen veranstalten können. Besonderes Highlight: Dampfbad in der Kirchengrotte. Aber das wäre liturgisch überhaupt nicht wertvoll gewesen, also haben wir das gelassen.

Jedenfalls hatte die ganze Angelegenheit auch was Gutes: 
Wir hatten einen schönen Gottesdienst, was beweist, dass Team Kirche auch unter Stress gut arbeitet.
Ich hatte nach dem Gottesdienst genügend Leute da, die sowieso schon volle Kraft im Helfermodus liefen und die ich mal eben zum Wegräumen der Tische einspannen konnte.
Und: Wir waren schon im Gemeindehaus und hatten es daher nicht mehr so weit zum anschließenden Kirchenkaffee.

Beim Kaffeetrinken waren dann auch alle ganz entspannt. Wir konnten sogar wieder herzhaft lachen. Besonders über den Spruch von Herrn K.: Bei der Orgel klemmt eine Taste, aber ich glaube, das liegt am Wetter.

Den Wetterspruch finde ich richtig klasse. Den werde ich mir merken, denn er passt in allen Lebenslagen: In der Kirche ist ein Rohr geplatzt, aber ich glaube, das liegt am Wetter.

Freitag, 6. März 2015

Südseeträume bei gefühlten 10 Grad minus



Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich bei der letzten Dienstbesprechung vergessen hatte, eine entsprechende Ansage zu machen, oder was das Problem war. Jedenfalls war die Heizung nicht programmiert und in der Kirche war es eisekalt. Und das zum Weltgebetstagsgottesdienst, in dem es um die Bahamas ging. Mir wurde auch nicht wärmer, als ich die Dias von Südseestränden, Palmen und leichtbekleideten Menschen auf den Bahamas zu sehen bekam. Nicht nur die Temperatur fühlte sich an wie im Minusbereich, meine Stimmung auch. Ich wäre doch viel lieber auf den Bahamas gewesen als in der unterkühlten Helgoländer Kirche. Die Antarktis hätte in diesem Jahr viel besser zum Weltgebetstag gepasst, finde ich. Dann hätten wir uns, dem Anlass entsprechend, in Robbenfelle wickeln können oder so. Künstliche Robbenfelle natürlich! Hier will doch keiner die armen kleinen Robbies umbringen, nur damit es sich wärmer anfühlt! Obwohl: der einen oder anderen Kegelrobbe da drüben auf der Düne würde ich schon gerne mal sagen "Vorsicht! Komm mir ja nicht zu nahe, sonst bist du dein Fell los!"

Trotz der Kälte war es ein sehr stimmungsvoller Gottesdienst. Und das hatte dann auch einen positiven Effekt auf meine unterkühlte Stimmung, die sich um gefühlte zehn Grad hob. Die Stimmung wurde noch besser, als es nach dem Gottesdienst ins Gemeindehaus zu gemütlichem Beisammensein und bahamaischer Völlerei ging. Ich weiß echt nicht mehr, wann ich das letzte Mal so viel gefuttert habe! Frau M. (Name von der Redaktion geändert) und Frau L. (Name von der Redaktion auch geändert) hatten sich schon mit einem Holzbrett bewaffnet, um eventuell von meiner Hose abplatzende Knöpfe abwehren zu können. Da ich aber nicht wollte, dass die beiden Damen sich den ganzen Abend hinter besagtem Holzbrett verstecken müssen, habe ich sie aus ihrer misslichen Lage befreit und meine Hose einfach aufgemacht. Das war auch gut so, denn entweder hätte sich mein Hosenknopf wirklich verselbständigt oder, .... Nein, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken!



Nach Auberginen in Cocossoße, Reis mit Bohnen und Paprika, bahamaischem Kartoffelsalat, Kürbissuppe, Karottenkuchen, Rumkuchen und Welfenspeise war ich am Ende meiner Essenskräfte. (Die Welfenspeise war zwar nicht bahamaisch, aber weil ich Herrn K. extra mit vier Eiern dafür ausgeholfen hatte, musste die natürlich auch ausgiebig probiert werden. Nur für's Protokoll: Ich war NICHT diejenige, die die Schüssel ausgeleckt hat! Das war Frau N.!) 

Da den ganzen Abend nicht nur viel gegessen sondern noch mehr gelacht wurde, tat mir am Ende richtig der Bauch weh. Völlig überfressen aber total happy schleppte ich mich rüber in mein Pastorat, wo ich eigentlich nur noch vor dem Fernseher zusammenbrechen wollte. Blöderweise hatte ich meine Auflaufform im Gemeindehaus vergessen. (Den Kuchen, der noch übrig war, hatte ich nicht vergessen. Den hab' ich gleich mitgenommen!) Also nochmal hochieven und Auflaufform holen. Wieder zu Hause angekommen, stellte ich fest, dass sich auch mein Untersetzer noch im Gemeindehaus befand. Aber den konnte ich nun nicht mehr holen. Ich war einfach nicht in der Lage, der Schwerkraft Herr zu werden und mich ein weiteres Mal vom Sofa zu wälzen. Da ich mich nicht mehr vom Sofa wälzen konnte, konnte ich auch nicht  ins Bett. Also bin ich einfach eingepennt, wo ich war: Vor laufendem Fernseher auf dem Sofa. Bis nachts um zwei. Da hatte ich dann offensichtlich genug von den bahamaischen und welfischen Leckereien verdaut, um den Weg runter von der Couch, rauf ins Schlafzimmer und rein ins Bett zu schaffen.

Ende eines wunderbaren Tages!

Donnerstag, 5. März 2015

Thema? Keine Ahnung!

Irgendwie kann ich mich nicht entscheiden, worüber ich heute schreiben will. Themen gibt es genug in meinem Kopf, aber es ist keins dabei, über das ich mich exzessiv auslassen kann oder will.

Dass meine Sekretärin Frau Y. mal wieder auf der Insel ist, ist zwar total cool, aber dass sie hier wie immer die Peitsche schwingt und wir endlich mal was an Arbeit weggeschafft kriegen, ist nun auch nicht so spannend. 

Anmerkung: Aus Gründen des Datenschutzes und der pastoralen Schweigepflicht werden die Namen ab jetzt von der Redaktion geändert. (Hier haben es sich nämlich schon ganz viele Blogleser zur Lebensaufgabe gemacht, herauszufinden, wer denn Herr K. sein könnte, oder Frau H., oder, oder, oder. So, das habt ihr jetzt davon!)

Ich könnte auch darüber berichten, dass ich mal wieder in einem Taufgespräch saß und mich auf Teufelkommraus nicht daran erinnern konnte, ob im Gottesdienst erst das Abendmahl gefeiert wird und dann die Taufe stattfindet oder umgekehrt. (Es gibt Gottesdienste in denen beides zusammenfällt. Ausnahmsweise mal nicht wegen Planlosigkeit der Pastorin, sondern weil ich mich weigere, eines der beiden oberwichtigen heiligen Heilsmittel ausfallen zu lassen! Schließlich haben wir nur diese zwei Sakramente. Da kann man ein bisschen Sakramentalstress im Gottesdienst ruhig mal aushalten!) Ach ja, und wenn ihr genauer wissen wollt, wass ein Heilsmittel eigentlich ist, dann fragt meine Konfis. Die sind da voll fit! Oder googelt es einfach.
Mehr will ich jetzt zu diesem Thema auch nicht schreiben. Wen interessieren hier schon meine Gedächtnislücken? Wem will ich überhaupt erzählen, dass ich welche habe?!

Ich könnte das Foto, das ich heute von einer Getränkedose gemacht habe, zum Anlass nehmen um mich über unseren Umgang mit der Umwelt auszulassen und bei der Gelegenheit gleich erwähnen, dass ich heute morgen beim Müllaufsammeln im Garten noch dachte: Es ist doch schön zu sehen, dass die Leute so verantwortungsvoll mit der Umwelt umgehen und ihren Müll nicht einfach in die Landschaft schmeißen. Nein, sie entsorgen ihn in meinem Pastoratsgarten, weil sie wissen, dass er von da direkt in die Mülltonne wandert. Das nenne ich umweltbewusst! Aber da es mich doch irgendwie ärgert, habe ich keine Lust, einen ganzen Blogartikel darüber zu verfassen. Ich will mich nämlich nicht ärgern. Und außerdem will ich nicht, dass sich jemand fragt: Warum zum Geier fotografiert die eine Getränkedose in einer Pfütze?! Das hat mich heute nämlich schon Herr A. (Name von der Redaktion geändert!) gefragt und ich hatte keine wirklich gute Antwort.



Ich könnte euch auch was zum Thema meiner anstehenden Sonntagspredigt erzählen: Jesus sagt "Leg' den Vorwärtsgang ein!" Um Gesangbücher geht es auch. Und darum, dass die meisten Diäten "morgen" anfangen. Aber weil ich zu dem ganzen Kram heute schon acht Seiten zu Papier gebracht habe, bin ich wenig motiviert, mich nochmal darüber auszulassen. (Jaja, ich weiß! Ich muss die Predigt unbedingt noch kürzen, wenn der Gottesdienst nicht drei Stunden dauern soll!) Es hilft nix: Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, müsst ihr hier am Sonntag um 10 in die Kirche.

Ich könnte erwähnen, dass die Taizé Andacht auch mit nur drei Leuten total schön war. Aber dazu gibt es einfach nicht mehr zu sagen. Sie war total schön. Punkt. Mehr Kerzen als Andachtsbesucher, aber total schön. 

Und dass das Schreiben mich jetzt müde gemacht hat und ich ins Bett verschwinde, muss die Welt auch nicht unbedingt wissen. Gute Nacht!

Mittwoch, 4. März 2015

Alles kommt zu dem, der warten kann

Diesen Satz habe ich in einer Zeitschrift gelesen. Wie passend, denn heute habe ich öfters mal gewartet. Warten kann ich echt gut. Da bin ich inzwischen schon Expertin drin. Aber irgendwie kamen da immer die falschen Sachen zu mir.

Heute Morgen habe ich sehnsüchtig auf meinen Frühstückskaffee gewartet. Stattdessen kam Tee! Dann habe ich beim Pastorenkonvent auf ein Gespräch mit einem Kollegen gewartet. Stattdessen kamen zwei laaaaange Vorträge, die keine Zeit mehr für das Gespräch ließen. Dann habe ich beim Zeittotschlagen auf dem Flugplatz auf eine Predigtidee gewartet. Stattdessen kam der Schlaf! Und dann kam ein polternder Handwerker, der mich auch noch unsanft aus jenem welchen riss. Zu Hause habe ich das Pfannengericht anweisungsgemäß in die Pfanne gekippt, es bei hoher Hitze heiß werden lassen und auf ein leckeres Abendessen gewartet. Stattdessen kam ein verbranntes Abendessen. Jetzt warte ich gerade darauf, dass mich jemand in mein Bett beamt. Stattdessen kommt der Hund, der rumquakt, weil er unbedingt nochmal vor die Tür muss. (Vielleicht sollte ich meinem Vierbeiner das mit dem Wartenkönnen nochmal erklären.



Hoffentlich muss ich nachher nicht auch noch auf den Schlaf warten. Wenn stattdessen die morgigen Termine kommen, dann bin ich echt durch mit dem Warten!

"Alles kommt zu dem, der warten kann", ist ja ein sehr schöner Satz. Aber ich bin mir nicht so sicher, ob ich wirklich will, dass ALLES kommt. Besonders, wenn man nicht weiß, was da kommt.

Dienstag, 3. März 2015

Festlandsvorbereitungen



Irgendwie ist so ein dienstlicher Trip zum Festland auch nicht viel anders, als auf große Urlaubsreise zu gehen. Nur, dass es eben dienstlich ist und nicht Urlaub. Die ganzen Vorbereitungen sind irgendwie dieselben. Ich habe bloß ein kleines bisschen weniger Gepäck dabei, wenn es auf Dienstreise geht. Meistens nehme ich sogar extrawenig mit, damit die ganzen Festlandseinkäufe noch in den Koffer passen.

Die Wäsche muss gewaschen werden, denn natürlich sind die Sachen, die ich mitnehmen will, NICHT sauber! Wo ist eigentlich mein Schlafsack? Die Tasche für den Hund muss gepackt werden, denn der Vierbeiner geht zwangsweise auch auf Dienstreise - zum Hundesitter nämlich. Meine eigene Tasche muss gepackt werden. Der Anrufbeantworter muss umgesprochen werden, damit die Leute wenigstens wissen, WARUM sie sich über meine Abwesenheit ärgern. (Bin ich nicht nett?!) Dasselbe gilt für die Abwesenheitsnotiz an der Eingangstür. Noch schnell die Post, Emails und hunderttausendmillionen Anrufe erledigen. Meinen Mitarbeitern letzte Instruktionen geben. Abwasch und Müll schaffe ich wohl nicht mehr. Ist aber nicht schlimm, denn ich bin ja morgen hoffentlich wieder da. So lange kann das Zeug noch vor sich hin stinken. Noch eben mit dem Hund raus. Essen muss ich auch unbedingt! Wer weiß, wann ich wieder was kriege. Außerdem: Bei kirchlichen Besprechungen gibt es meistens nur Kaffee und Kekse (bei mir gibt es keine Kekse. Hab' nie welche da. Kaffee gibt es nur manchmal - je nachdem, ob ich Lust habe, welchen zu kochen.) Also fällt ein vernünftiges Abendessen wohl aus.  Dann den Hund wegbringen, Tasche schnappen und ab zur Dünenfähre. Hab' ich eigentlich die Kaffeemaschine ausgeschaltet? Ist der Herd aus? Sind die Fenster zu? Heizung runtergedreht? Ich muss mich jetzt echt beeilen, wenn ich auf dem Weg zur Fähre noch Geld holen will! Auf dem Flugplatz  hoffentlich nochmal bei einem Becher Kaffee durchatmen, bevor ich in den Flieger steige. Beten, dass wir heil rauf und wieder runter kommen. Hoffentlich klappt das mit der Mitfahrgelegenheit auf dem Festland. Und dann ab zum ersten Termin.

Und wenn ich mir vorstelle, ich würde in den Urlaub fahren, dann wird es vielleicht auch ein bisschen wie Urlaub. Nur dass ich nicht wie im Urlaub ausschlafen kann. Nur, dass die dienstlichen Termine keine wirkliche Urlaubsstimmung aufkommen lassen. Nur, dass die große Shoppingaktion ausfallen muss. (Der Schlafsack, den ich dieses Mal dabei habe, nimmt einfach zu viel Platz weg. Mist!) Dafür werde ich einen Haufen netter Leute treffen! Und das ist wirklich fast wie Urlaub :-)