Samstag, 7. November 2015

Welche Jahreszeit?

Mein Garten denkt, es ist Frühling! Wir haben angenehme 15 Grad, Geranien und Rosen blühen wie doof, und überall sprießen frische grüne Triebe. Da kam ich mir fast blöd vor, als ich vorhin Tannengrün geholt habe, um meine Blumentöpfe damit zu bestücken. Ich meine, mal ehrlich: Steht da bald der erste Advent vor der Tür, oder was?!



Die Natur scheint das jedenfalls nicht zu wissen. Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde, könnte ich es mir nochmal im Strandkorb gemütlich machen. Aber der muss heute wirklich noch in sein Winterquartier, denn es ist Sturm angesagt. Ab Windstärke 9 haut es ihn nämlich regelmäßig um, und da ich nächstes Frühjahr kein Kleinholz als Sitzgelegenheit haben will, muss ich mich wohl oder übel für den Winter von ihm trennen. Bloß: Welcher Winter???



Die Rosen habe ich vorhin noch aus meinem eigenen Garten geklaut. Bevor die Grünkohlfahrer es tun. Ach nein, die nehmen ja nicht mit, sondern lassen da: Bierdosen und Weinflaschen - leer natürlich!
Aber eigentlich hat das durchaus seine Vorteile. Wie sollte ich sonst wissen, dass Winter ist? Die ersten Bierdosen kündigen immer die Grünkohlsaison an, und damit weiß ich: es ist Winter! Eigentlich.

Dienstag, 3. November 2015

Kirchputz

Also, ich bin ja der Meinung, wir führen den Ablasshandel wieder ein! Zumindest hier auf Helgoland! Dann kann ich allen Leuten Geld dafür abknöpfen, dass Gott ihnen ihre Sünden vergibt und mit diesem Geld kann ich dann unserer Küsterin mehr Küsterstunden bezahlen. Oder einen Hausmeister einstellen. Oder beides, denn hier wird ja immer sowas von gesündigt, dass da schon ordentlich Kohle zusammenkommen dürfte.

Woher diese total anti-lutherischen Gedanken kommen? Vom Kirchputz!

Unser Kirchengemeinderat hatte sich heute zum Kirchputz verabredet, um unsere Küsterin ein wenig zu entlasten. Wundersamerweise ist unser Kirchengemeinderat allerdings über Nacht auf zwei Leute zusammengeschrumpft. Jedenfalls waren Frau C. und ich die einzigen, die heute verabredungsgemäß zum Kirchputz angetreten sind. So eine Kirche sieht auf einmal viiiiiiiiel größer aus, wenn man nur zu zweit ist, um sie sauberzumachen, das kann ich euch sagen! Ich wollte ja schon aufgeben und einen neuen Kirchputztermin anberaumen, aber Frau C. war dafür um so motivierter, wenigstens das Staubwischen durchzuziehen. Naja, dachte ich, ich kann ja dann die Polster auf den Kirchenbänken ausklopfen, während Frau C. dem Staub zu Leibe rückt. Und so war ich, ohne dass ich es wollte, schon bei der Arbeit.



Mit Staubwedel, Putzlappen, gefühlten 100 km Verlängerungskabel und einem Staubsauger, der aussieht wie R2-D2, stürzten wir uns am Ende dann doch noch ganz ins Kirchputzvergnügen. 

Aber so vergnüglich war die Angelegenheit wohl nicht, denn als ich da so zwischen Bankreihe 9 und Bankreihe 10 staubsaugte, überschwemmten diese ketzerischen Gedanken vom Ablasshandel mein Hirn. Und das so kurz nach dem Reformationstag! 

Vielleicht war es der Frust darüber, dass ich mir einfach nicht merken konnte, unter welcher Kirchenbank ich schon gesaugt hatte, der mich darüber nachdenken ließ, was ich statt Kirchputz viel lieber tun würde: Mit Frau C. Kaffee trinken und Ideen zum weihnachtlichen Krippenspiel austauschen zum Beispiel. Völlig entnervt war ich dann, als auch noch mein Trick mit der Jacke versagte. Ich hatte irgendwann angefangen, meine Jacke, die ich aufgrund erhöhter Transpirationsgefahr abgelegt hatte, über die Kirchenbank zu hängen, unter der ich gerade saugte. Damit ich nicht vergaß, dass ich da gerade gesaugt hatte! Blöd nur, wenn man weitersaugt, ohne die Jacke mitzunehmen. Als ich feststellte, dass ich den Fußboden unter diversen Kirchenbänken schon zum dritten Mal besaugte, fand ich die Sache mit dem Ablasshandel auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Außerdem will ich ja nicht gleich einen ganzen Dombau mit dem Geld finanzieren. Aber der kleine Playmobil-Luther, der da auf dem Staubsauger saß (Luther meets R2-D2!) und mir ganz vorwurfsvoll die Bibel entgegenhielt, machte mir ein derart schlechtes Gewissen, dass ich jeden Gedanken an die Wiederbelebung des Ablasshandels beiseite schob.





Eigentlich hatten wir Martin zur moralischen Unterstützung mitgenommen, und nicht um den moralischen Zeigefinger zu heben (wenn er denn einen hätte). Aber: einmal ein Luther, immer ein Luther! Und so konnte er mir natürlich so Sachen wie das Grübeln über Ablasshandel nicht durchgehen lassen.

Da der Ablasshandel ab Bankreihe 11 nun als verbotenes Gedankengut deklariert war, musste ich auf andere Art meine Motivation aufrecht erhalten. Frau C. war da eine große Hilfe, denn von ihr kam der Vorschlag, dass wir uns doch nach dem Kirchputz mit Waffeln, Vanilleeis und heißen Kirschen belohnen könnten. Ich glaube, unter den letzten Bankreihen in unserer Kirche ist noch nie so schnell gesaugt worden!

Ach ja, und bevor ich es vergesse: Ihr müsst jetzt natürlich alle eure Schuhe ausziehen, bevor ihr unsere Kirche betretet! Ist ja wohl klar! Nehmt am besten gleich ein paar Hausschuhe mit, dann wird's nicht so kalt an den Füßen.