Mittwoch, 26. Oktober 2016

Bitte nicht stören - vielleicht



Nach drei Beerdigungsgesprächen und genauso vielen unschönen Zusammenstößen, mein Schild an der Amtszimmertür betreffend, weiß ich echt nicht mehr, was ich noch tun soll, um den Leuten folgendes beizubringen:

Wenn da steht "Bitte nicht stören", dann heißt das: Bitte nicht stören!
Und nicht: Vielleicht nicht stören
Oder: Nur donnerstags nicht stören
Oder: Bitte nicht stören - gilt nur an Sonn-und Feiertagen
Oder: Wenn es für dich okay ist, bitte nicht stören

Vielleicht hätte ich ein Ausrufezeichen setzen sollen. Oder am besten gleich drei. Ohne Ausrufezeichen kann man ja nicht genau wissen, ob die Aussage auch wirklich ernst gemeint ist. Bei drei Ausrufezeichen ist das schon deutlicher.

Manche sind ja doch noch so höflich und klopfen an, wenn sie das Schild an meiner Tür sehen. Was aber rein gar nichts bringt, wenn sie gleichzeitig schon die Tür aufreißen. Irgendwie hätte ich schon gerne die Gelegenheit, "Herein" zu sagen. Oder eben auch nicht.

Im Ernst jetzt: Ich kann doch nicht jedes Mal die Tür abschließen, nur um sicherzugehen, dass ich und meine zu beseelsorgenden Schäfchen nicht gestört werden. Und wer weiß, was dann passiert. Vielleicht rücken sie dann mit Axt und Kettensäge an, um sich Zugang zum Amtzimmer der Pastorin zu verschaffen. Die Leute können ja richtig kreativ werden, wenn sie etwas unbedingt wollen.

Ich habe mir jedenfalls überlegt, dass meine Bitte-nicht-stören-Mandala-Schildkröte nicht überzeugend genug aussieht. Ich werde es mal mit einem einfachen Text versuchen, der sagt:

Bitte nicht stören!
Nur nach Aufforderung eintreten!

Da sind immerhin schon zwei Ausrufezeichen drin. Und wenn das nicht hilft, dann gibt es als nächstes dieses hier:

NICHT STÖREN, SONST ...


Ich könnte natürlich auch gleich Security vor meinem Amtszimmer postieren 😎


Samstag, 8. Oktober 2016

P.S.

Ich habe heute Morgen noch in Werner Tiki Küstenmachers 3-Minuten-Bibel gelesen: "Liebe macht immer Spaß. Was wir lieben, tun wir gern." 



Ich stimme ihm da voll zu. Und da ich Gott liebe und auch sein Haus, und die Menschen, die da Gottesdienst feiern, lasse ich mich gerne auf einen morgendlichen Kampf mit betrunkenen Sonnenblumen ein!

Das wollte ich nochmal loswerden.


Der Widerspenstigen Zähmung


Das Bild, das sich mir bot, als ich heute morgen die Kirche aufschloss, war eines, das ich mit dem Titel "Betrunkene Sonnenblumen" versehen würde. Unser schönes Altargesteck (noch von Erntedank) hatte Schlagseite bekommen und war vornübergekippt. Zuerst habe ich gar nicht gemerkt, dass das aus Versehen passiert ist. Es sei denn die lieben Sonnenblumen hätten gestern ganz aus Versehen bis zum Umfallen (!) in der Kirche gefeiert.
Nein, ich hatte tatsächlich erstmal gedacht, das soll so sein, weil unsere Küsterin noch irgendwas Spezielles mit den Sonneblumen vorhat. Bei näherer Betrachtung kam ich aber zu dem Schluss, dass das wohl nicht der Fall ist und beschloss, sofort eine Sonnenblumenrettungsaktion zu einzuleiten.

Beim Erkunden der Lage stellte ich fest, dass sich das Gesteck durchaus wieder aufstellen ließ, allerdings musste verhindert werden, dass es erneut vornüberkippte. Mein erster Einfall war, es hinten einfach zu beschweren. Nur, womit? Aha! Da liegt doch eine schwere Bibel auf dem Altar! Nein, kann ich nicht machen. Die kriegt Flecken. Außerdem ist das Wort Gottes doch nicht dazu da, um ein Sonnenblumengesteckt zu beschweren. Gesangbuch vielleicht? Da liegen noch so olle auf der Empore rum, die ohnehin in schlechtem Zustand sind. Aber wie komme ich da ran, ohne das kunstvoll ausbalancierte Gesteck loslassen zu müssen?

An diesem Punkt war ich echt geneigt, technische Hilfe durch die Feuerwehr anzufordern. Die Drehleiter hätte hier sicher gute Dienste geleistet, was das Erreichen der Empore betrifft, wenn die Arme zu kurz sind. Habe ich dann aber doch nicht gemacht, weil ich dachte, die Kameradinnen und Kameraden haben am Samstagmorgen sicher anderes zu tun, als zu einem "TH Blumengesteck" auszurücken.

Außerdem war ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob ein Gesangbuch zum Beschweren überhaupt ausreichen würde. Dann hatte ich die Idee, dass man ja von vorne etwas unterstopfen könnte, um ein Vornüberkippen zu verhindern. Da ich, wie gesagt, die Hilfe der Feuerwehr nicht in Anspruch nehmen wollte, musste ich wohl oder übel das Gesteck loslassen, um mich in der Kirche umsehen zu können. Prompt kippte es wieder um und verteilte dabei einen ganzen Blätterreigen auf und um den Altar herum. Na suuuuuper! Da würde ich also hinterher auch noch saubermachen müssen.

Lange suchen musste ich zum Glück nicht, denn die Kanzel ist nicht weit weg vom Altar und da lag noch die Erntedankpredigt vom letzten Sonntag. Manchmal finde ich es richtig gut, dass ich so vergesslich bin! Die Predigtseiten wurden kunstgerecht auf Minimalgröße zusammengefaltet und dann begann das Bemühen, die Abstützvorrichtung unter das Gesteck zu schieben. Was ich nicht hinbekam, weil immer irgendwelche Zweige im Weg waren, die mir nicht nur die Sicht versperrten sondern auch den Weg unter den Mosi-Kasten. Ich schwöre, die haben das mit Absicht gemacht. Betrunkene Sonnenblumen und Zweige sind zu allem fähig!

Aber so schnell wollte ich dann doch nicht aufgeben. Verbissen kämpfte ich gegen Zweige und Blumen an, zumindest so lange bis das Gesteckt zum xten Mal umgekippt war, und der Altarraum errschreckende Ähnlichkeit mit dem Komposthaufen auf dem Friedhof aufwies. Da hatte ich dann doch die Schnauze voll.

Zum Glück fielen mir dann endlich, endlich die Blumenvasen in der Sakristei ein. Wenn das Gesteck nicht stehenbleiben wollte, dann musste eben umgesteckt werden. Ich konnte gar nicht fassen, dass mir das nicht schon früher eingefallen war (bevor ich nämlich die Kirche in eine Müllhalde verwandelt hatte). Ach, das Leben kann so schön und so einfach sein, wenn man denn nur die richtigen Ideen zur richtigen Zeit hat!

Leider war das Ganze dann doch nicht so einfach, wie ich dachte. Denn ich hatte die Rechnung ohne die betrunkenen Sonnenblumen gemacht. Die waren nämlich so dermaßen widerspenstig, dass sie mich den letzten Nerv gekostet haben. Das, was vorher gelaufen war, war echter Kinderkram, verglichen mit der Sturheit, die die Blumen nun in der Vase an den Tag legten!

Wollten einfach nicht nach vorne gucken, die Biester! Grrrrrrr! Wie ich sie auch gedreht und gewendet habe, die sonnigen Sonneblumengesichter blieben einfach nicht da, wo ich sie haben wollte. Drehten sich immer wieder weg. Am Ende habe ich sie aber doch ausgetrickst, indem ich nicht die Blumen umgedreht habe sondern einfach die Vase. So!

Jetzt noch schnell (und gaaaaaaanz vorsichtig, damit sich die Blumen nicht wieder wegdrehen!) den Altarraum saubermachen und alles ist chico für den Gottesdienst morgen.



Allerdings weiß ich, dass Sonnenblumen ihre Blüten immer dem Licht zuwenden. Deshalb befürchte ich, dass sie sich morgen wohl wieder zu Seite gedreht haben werden, denn auf der Seite ist das Fenster, durch das das Sonnenlicht reinkommt. Und das ziehen Sonnenblumen nunmal dem übertriebenem Ordnungssinn einer Pastorin vor. Aber darum kann sich dann jemand anderes kümmern!

Eine Sonneblumenpredigt wird es morgen jedenfalls nicht geben. Das Thema ist zu sehr mit negativen Gefühlen behaftet. Zumindest bei mir.