Sonntag, 25. Dezember 2016

Krippenspiel und "Wir sind Kirche"

Ich muss da nochmal ein paar weihnachtliche Gedanken zu unserem ausgefallenen Krippenspiel loswerden. Es gibt ziemlich viele Leute, die es ziemlich schade finden, dass es in diesem Jahr auf Helgoland kein Krippenspiel für die Kinder gab. Ich gehöre dazu! Warum das so war, ist schnell erklärt: Ich kann alleine kein ganzes Krippenspiel besetzen so nach dem Motto:

Starring in alphabettical order
Engel 1: Pamela Hansen
Engel 2: Pamela Hansen
Engel 3: Pamela Hansen
Engel 4: Pamela Hansen
Engel 5: Pamela Hansen
Engel 6: Pamela Hansen
(Wieviele Engel braucht man eigentlich für die ganzen himmlischen Heerscharen???)
Esel: Pamela Hansen
Hirte 1: Pamela Hansen
Hirte 2: Pamela Hansen
Hirte 3: Pamela Hansen
Herbergswirt 1: Pamela Hansen
Herbergswirt 2: Pamela Hansen
Josef: Pamela Hansen
König 1: Pamela Hansen
König 2: Pamela Hansen
König 3: Pamela Hansen
Maria: Pamela Hansen
Ochse: Pamela Hansen
Schaf 1: Pamela Hansen
Schaf 2: Pamela Hansen
Schaf 3: Pamela Hansen

Mein schauspielerisches Talent kann sich zwar sehen lassen, aber dafür reicht es dann doch nicht. Den Esel hätte ich noch gut hinbekommen, aber den Rest nicht ;-)



Ich hatte vor Jahren noch den Ehrgeiz, selber mit ein paar Kindern hier ein Krippenspiel einzustudieren. Das ließ sich nicht machen, weil die Kinder sowieso schon mit allen möglichen Dingen beschäftigt waren und keine Zeit / Lust für Proben da war, und weil viele Familien gar nicht absehen konnten, ob sie an Weihnachten überhaupt auf der Insel sein würden oder vielleicht doch lieber Oma und Opa auf dem Festland besuchen. 

Also würde es wohl eine spontane Besetzung der Rollen während des Gottesdienstes tun müssen. Eigentlich kein Problem. Sowas kannte ich schon aus meiner Kinderzeit. Da wurde das immer so gemacht mit dem Krippenspiel. Blöd war damals nur, dass immer schon alle Rollen ratzfatz vergeben waren und es nichts mehr zu besetzen gab, als ich mich endlich traute, mich zu melden. Viel Zeit, um den nötigen Mut aufzubringen, hatte ich auch wirklich nicht, denn alles stürzte sich sofort auf die zu vergebenden Rollen und Kostüme.

Hier scheint niemand so heiß aufs Krippenspiel spielen zu sein. Vor zwei Jahren bin ich tatsächlich 15 Minuten als Krippenspiel-Motivator durch die Kirche getigert, bis ich zumindest die allernötigsten Rollen besetzt hatte. Es müssen ja nicht gleich 20 Hirten sein und wenn die himmlischen Heerscharen aus nur einem Engel bestehen, ist das für mich auch voll okay. Aber schon doof, wenn es eine ganze Viertelstunde dauert, bis der Gottesdienst überhaupt losgehen kann. Und den Stressfaktor nicht zu vergessen! Also: MEINEN Stressfaktor. Die Gottesdienstbesucher hatten natürlich auch Stress, das konnte ich ihnen ansehen: Oh Gott, hoffentlich fragt sie mich jetzt nicht, ob ich den Herbergswirt übernehmen kann!!! Wie gesagt, MEIN Stressfaktor: Nach drei Minuten wurde mir mulmig. Nach sieben Minuten hatte ich Schweißperlen auf der Stirn. Nach neun Minuten war mir richtig schlecht und nach zwölf Minuten war ich einer Ohnmacht nahe. Mein Musiker hat mir später anvertraut, dass er so nach zehn Minuten drauf und dran war, mir vorzuschlagen, das mit dem Krippenspiel doch einfach zu lassen. Ich glaube, dann wäre ich tatsächlich in Ohnmacht gefallen.

Um diesen Stress zu vermeiden, nervte ich im letzten Jahr sehr rechtzeitig meinen Kirchengemeinderat mit dem Thema Krippenspiel und konnte wenigstens eine Maria und einen Josef finden, die gemeinsam und verkleidet und auf einem Strohballen hockend die Weihnachtsgeschichte erzählen würden. Das fand ich zwar klasse, weil wir so unseren Kleinen an Heiligabend wieder etwas bieten konnten, aber die Besetzung war doch schon sehr mager.

In diesem Jahr hätten "KGR Maria und Josef" auch wieder zur Verfügung gestanden - vielleicht. Denn Maria wusste zunächst nicht, ob sie Weihnachten überhaupt auf der Insel ist und Josef war für eine Weile gesundheitlich außer Gefecht gesetzt. Da war er wieder: der Stressfaktor! Irgendwann musste natürlich von den gottesdienstlich Hauptverantwortlichen eine Entscheidung getroffen werden und da uns kreative Alternativen nicht einfielen, lautete die Entscheidung: kein Krippenspiel. So!

Diese ganze Krippenspiel-Aktion ließ mich an ein Gespräch denken, das ich letzte Woche mit jemandem über das Thema Kirche geführt habe. Da fiel wieder der Satz: "Ich kann auch alleine an Gott glauben, dazu brauche ich die Kirche nicht." 

Das Problem dabei ist: Du brauchst vielleicht die Kirche nicht. Aber die Kirche braucht dich! 

Kirche funktioniert nur in Gemeinschaft, wie wir an dem wunderbaren Thema "Krippenspiel" sehen. Es funktioniert NICHT, wenn alle an Heiligabend ein Krippenspiel sehen wollen, aber keiner beim Krippenspiel mitmachen will. 

Und das betrifft auch alle anderen Bereiche, die kirchliches Leben ausmachen. Wenn ich als Profischaf keine Gemeinschaft hätte, die mir in vielen Bereichen den Rücken freihält, könnte ich diverse pastorale Aufgaben gar nicht erfüllen. Es ist wirklich so: Ohne Gemeinschaft keine Gottesdienste, keine Seelsorge, keine Notfallseelsorge nach Terroranschlägen, keine Selbsthilfegruppe, keine Musik, keine Feste und Feiern, kein Seniorenkreis, kein Konfirmandenunterricht, keine Hospizarbeit, keine Geburtstagsbesuche, keine Bahnhofsmission, keine Seemannsmission, keine Krabbelgruppe, kein Weltgebetstag, kein Friedenslicht, keine Taufen, keine Trauungen, keine Beerdigungen, keine Jugendgruppe, keine Kindergärten, keine Pflegeheime, und: keine Krippenspiele. Und diese Liste ist noch nichtmal vollständig. Kirche funktioniert nicht, wenn alle was von Kirche wollen aber keiner bei Kirche mitmachen will.

Wie gesagt: Viele mögen denken, dass sie Kirche nicht brauchen. Aber betrachtet es wirklich mal von der anderen Seite: Kirche braucht euch! Denn Kirche ist die GEMEINSCHAFT der Glaubenden. Kirche, das sind die Menschen. Kirche ist nicht "ich". Kirche, das sind WIR.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Adventliche Dienstbesprechung

Ich wollte nur mal kurz zum Besten geben, wie klasse es ist, wenn sich der Advent plötzlich selbst entschleunigt. Eigentlich schon heftig, dass eine ihrer Bestimmung nach besinnliche Zeit entschleunigt werden muss, denn im Grunde sollte das gar nicht nötig sein. Ist aber nötig. Und das leider nicht nur bei denjenigen, die im adventlich / weihnachtlich professionellen Bereich tätig sind. Umso schöner, wenn der Advent es dann sogar schafft, sich selbst zu entschleunigen.


So geschehen bei unserer Dienstbesprechung heute morgen, die leider in ganz kleinem Rahmen stattfinden musste: Der Friedhofswart hat gerade Urlaub, die Reinigungskraft hat früher Feierabend gemacht, der Organist ist noch nicht eingeflogen und die Sekretärin ist sowieso auf dem Festland. Blieben also nur unsere Küsterin und ich. 

Wir hatten gestern schon beschlossen, es uns ein wenig gemütlich zu machen, weil für die meisten von uns der Advent in diesem Jahr ein richtig verkackter Advent ist. Frau H. wollte wieder diese leckeren Weihnachtskekse mitbringen, von denen sie steif und fest behauptet, sie seien misslungen. (Was meine Geschmacksnerven ja gar nicht finden. Meine Geschmacksnerven finden diese Weihnachtskekse sehr, sehr, sehr (!) gelungen.)

Und ich wollte den Tee dazu kochen. Hat auch alles so hingehauen. Und Kerzen haben wir auch angemacht. Und dann stand da die "Talk-Box" auf dem Tisch. Die Box mit Fragekarten zum Thema Weihnachten hatte ich neulich bestellt, weil ich dachte, ich könnte sie vor Weihnachten noch bei den Konfis oder im Seniorenkreis einsetzen. Eingesetzt wurde sie dann bei der Zwei-Frau-Dienstbesprechung heute Morgen. 



Wir haben ein so ausgiebiges, intensives und schönes Gespräch über unsere weihnachtlichen Erfahrungen und Ansichten geführt, wie ich es nie vermutet hätte. Die frustrierend verkackte Seite des Advents hatte sich versehentlich aus meinem Amtszimmer ausgesperrt. Die gemütliche und stimmungsvolle Seite war geblieben und hat uns dieses Dienstbesprechungsstündchen richtig schön gemacht. Ich glaube, ganz so blöd finde ich den Advent gerade gar nicht mehr.

Vielen Dank dafür, Frau H.!

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Im Adventskalenderstress

Ich liebe ja Adventskalender! Tue ich wirklich! Aber vier davon in der Wohnung zu haben plus die ganzen digitalen Türchen, die man im Advent aufmachen kann, grenzt an Overkill. Für mich jedenfalls.

Ich weiß ja gar nicht, wann ich den vier Kalendern meine Aufmerksamkeit schenken soll. Meine tägliche Routine ist so dermaßen auf die Minute durchgetimed, dass mich ein unangemeldetes Gespräch schon völlig aus der Bahn wirft. Und dann soll ich auch noch vier Türchen / Säckchen / Blättchen aufmachen??? Vier???!!!

Anmerkung: Eigentlich sind es sogar fünf, denn ich habe heute noch einen per Email geschickt bekommen. Da ich aber schon den ganzen Text durchgelesen habe mit allen 24 Abschnitten, gilt dieser Adventskalender bereits als komplett geöffnet und steht nicht mehr zur Debatte.

Und mal ganz ehrlich: Es ist ja bei einer Pastorin nicht so, als würde es ihr endlos lange vorkommen, bis endlich Weihnachten ist. Da besteht doch nun wirklich kein Grund, mir eine Wartezeit zu versüßen, die es sowieso nicht gibt. Ich jedenfalls verbringe den Advent nicht damit, auf Weihnachten zu warten. Ich verbringe den Advent damit, mir zu wünschen, ich hätte zusätzliche 24 Tage, um in Ruhe richtig geile Weihnachtspredigten schreiben zu können! 
Und nun stehlen mir die Adventskalender noch mehr von meiner kostbaren Zeit!

Heute morgen war ich auch gleich so richtig bedient, als ich den Kalender-Kalender aufhängen wollte: Das ist ein Adventskalender in echter Kalenderform, also nicht mit Türchen oder Säckchen, sondern mit Blättchen. Auf diesen Blättchen stehen Texte. Laaaaaaaaaaange Texte. Bis ich die morgens durchgelesen habe, ist mein Tee kalt! Heute morgen stellte ich fest, dass ich nicht nur den laaaaaaaaangen Text für heute hätte lesen müssen. Der Adventskalender ging nämlich schon am 1. Advent los.  Der erste Advent war am 27.11., was bedeutet, dass ich eigentlich noch vier Tage Text nachholen muss, bevor ich mich an den Text für heute machen kann. Bei euch piept's wohl!



Versteht mich jetzt nicht falsch: Alle meine Adventskalender sind wunderschöne Adventskalender, die von mir zutiefst wertgeschätzt werden,  aber ich vermisse die Zeiten, als ich mir nur ein Stück Schokolade in den Mund schieben musste und fertig.

Da ich allerdings auf keinen meiner Adventskalender verzichten möchte, muss ich wohl einen Weg finden, diese bis Weihnachten in meinen Tagesablauf zu integrieren. Deshalb habe ich auch schon beschlossen, den Kalender mit den vielen Texten einfach nur umzublättern und mich am hübschen Aussehen der Texte zu freuen. Das hat damit zu tun, dass ich meinen Tee morgens lieber heiß trinke als kalt und wirklich nicht bereit bin, an dieser Stelle Kompromisse zu machen!

Ich finde, dass das schonmal ein vielversprechender, zeitsparender Anfang ist.