Samstag, 28. Februar 2015

Aufstehen!



Der ist zwar geklaut und etwas abgewandelt, aber er passt heute einfach zu gut, um ihn nicht zu bringen:

„Aufstehen, mein Mädchen!“, weckt die Mutter ihre Tochter, „du musst zur Kirche!“ Die zieht sich die Decke über den Kopf: „Ich mag dort nicht hin!“ „Aber warum denn nicht?“ „Der Gottesdienst dauert immer ewig lange, die Predigt langweilt alle und die anderen da meckern entweder mit mir rum oder ignorieren mich total!“ „Trotzdem“, meint die Mutter streng, „musst du zum Gottesdienst gehen!“ „Aber warum muss ich unbedingt, wenn ich doch nicht mag?“ „Weil du die Pastorin bist!“


Zeit totschlagen


Um 23:15 Uhr!!!

Ich bin ja nur froh, dass wir pro Jahr bloß drei Mitternachtsgottesdienste feiern. Die Mitternachtsgottesdienste heißen nicht Mitternachtsgottesdienste, weil sie um Mitternacht anfangen. Die Mitternachtsgottesdienste heißen Mitternachtsgottesdienste, weil sie bis Mitternacht gehen (mindestens, je nachdem, was Frau Pastorin so alles von der Kanzel aus zu erzählen hat). Die Bezeichnung "Mitternachtsgottesdienst" finde ich richtig gut, denn das klingt nach "sehr, sehr spät", auch wenn der Mitternachtsgottesdienst nicht erst um Mitternacht anfängt. Eine Stunde vor Mitternacht ist schon spät genug. Weshalb ich so froh bin, dass so ein Mitternachtsgottesdienst bei uns nur dreimal im Jahr vorkommt: An Weihnachten, an Ostern und zum Jahrestag der Wiederfreigabe Helgolands. 

Der Wiederfreigabe-Gottesdienst ist richtig heftig, denn der fängt sogar erst um 23.15 Uhr an! (Christnacht und Osternacht sind dagegen voll früh: schon um 23.00 Uhr!) Ich stehe dann immer vor der schweren Aufgabe, mich solange noch wachzuhalten. Ich habe es in der Vergangenheit damit versucht, mich vorher nochmal ein Stündchen aufs Ohr zu hauen und etwas vorzuschlafen. Aber das klappt nicht. Das mit dem aufs Ohr hauen schon, aber das mit dem Schlafen nicht. Bin immer viel zu aufgeregt. Und: Mein Hirn ist auch viel zu aufgeregt. Anstatt abzuschalten, nudelt es die ganze Zeit den Gottesdienstablauf und die Predigt durch. Also könnte ich auch einfach wach bleiben. Wenn ich nur nicht so müde wäre! Ich hab' ja meistens schon einen ganzen, ganz normalen Arbeitstag hinter mir. Das bedeutet, dass mir mein Biorythmus irgendwann lautstark verkündet: Jetzt ist Kleine-Pastoren-Bettgeh-Zeit!!! Also bleibt nur eins: Mit Kaffee zuschütten, bis der Arzt kommt (bzw. bis die vor-mitternächtliche Stunde kommt). 

Wogegen der Kafffe allerdings nicht hilft, sind die akute Lustlosigkeit und die fast schmerzhaften Ich-hab'-da-jetzt-echt-keinen-Bock-drauf-Anfälle. Diese Anfälle verstärken sich drastisch, wenn mir zwischendurch einfällt, dass ich ja auch am nächsten Morgen noch wieder einen Gottesdienst habe. Was wenigstens ein bisschen hilft, ist das Wissen, dass ich damit nicht alleine dastehe. Allen im Gottesdienst aktiven Musikern, Lektoren, Küstern usw. geht es ja genauso.  Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen: AMGF - Anonyme Mitternachtsgottesdienstfeierer. Oder so. Dann könnten wir uns wenigstens gemeinsam bis zum Gottesdienstbeginn mit Kaffee zuschütten und Strategien entwickeln, wie man am besten die Zeit totschlägt. In einer meiner Gemeinden in den USA haben wir das tatsächlich mal so gemacht. Wir haben die Zeit zwischen den fünf Gottesdiensten am Heiligabend mit viel gutem Essen, vielen guten Gesprächen und noch viel mehr (nicht so gutem) Kaffee verbracht, weil es sich einfach nicht lohnte, zwischendurch nach Hause zu fahren. War richtig nett!

Aber bis sich hier sowas etwabliert, muss ich wohl oder übel alleine zusehen, wie ich es schaffe, die Zeit bis zum Mitternachstgottesdienst durchzustehen.

Was mich allerdings immer wieder fasziniert, ist die Tatsache, dass ich solche Mitternachtsgottesdienste richtig klasse finde, wenn ich erstmal dabei bin. Ganz oft habe ich hinterher schon gedacht: Das ganze Zeittotschlagen hat sich doch gelohnt! Es war mal wieder wunderschön! (Wenn ich überhaupt irgendwas gedacht habe. Genauso oft habe ich einfach nur das warme Gefühl der Dankbarkeit genossen, das so ein Gottesdienst in meinem Inneren gerne hinterlässt.)
Und ich bin mir sicher, dass es mir heute nicht anders gehen wird, wenn ich nach dem Gottesdienst der großen Helgolandglocke zuhöre, wie sie den 1. März und damit den 63. Jahrestag der Wiederfreigabe Helgolands einläutet. Ein bisschen Gänsehaut wird auch mit dabei sein - nicht nur weil die große Glocke mit dabei ist, sondern auch, nein, eigentlich ganz besonders (!), weil Gott zu einem solchen Ereignis mit dabei ist. Und darauf freue ich mich schon! 


Freitag, 27. Februar 2015

Der Frühling ist da!

Für mich ist heute Frühlingsanfang! Die Winterkirche ist nämlich vorbei. Nach Winter kommt ja bekanntlich Frühling. Und wenn die Winterkirche vorbei ist, dann fängt danach logischerweise die Frühlingskirche an. Also ist jetzt Frühling! Was der Kalender sagt, ist mir egal. Was die Meteorologen sagen, ist mir auch egal. 

Vielleicht sollte ich noch erklärend hinzufügen, was Winterkirche bedeutet: Wir haben im Winter die Gottesdienste ins Gemeindehaus verlegt, um Heizkosten zu sparen. Wir waren der Meinung, dass es weniger kostet, den kleinen, schlecht isolierten Gemeindesaal zu heizen als die große, noch schlechter isolierte Kirche.

Ab jetzt, also eigentlich ab morgen, werden die Gottesdienste wieder in der Kirche gefeiert. (Früüüüüüüühliiiiiiiiiing!!!) Und da freue ich mich schon drauf. Auch wenn ich immer wieder gerne betone, dass nicht das Gebäude die Kirche ausmacht, sondern die Menschen. Wir haben aber ein sehr schönes Gebäude. Ich finde sogar, dass wir die schönste Kirche der Welt haben! (Das sagt vermutlich jeder Pastor über seine Kirche, aber egal. Meine ist trotzdem die schönste!)

Im Gemeindehaus war es zwar ganz gemütlich, aber die Kirche ist eben doch die Kirche. Außerdem bekommen wir keine 100 Leute ins Gemeindehaus gestopft. So viele erwarten wir nämlich morgen für den Gottesdienst im Gedenken an die Wiederfreigabe Helgolands. Letztes Jahr waren es sogar 120! Die kriegen wir auf keinen Fall alle ins Gemeindehaus. Nicht ohne Stapeln jedenfalls. Und wer will schon  gestapelt Gottesdienst feiern?

Und so ist heute Umzugzugstag. Der ganze provisorische Altar-, Kanzel-, Kerzen-, Blumen-, und Gesangskrims muss ja wieder rüber in die Kirche. Frau R. stellte bei der Packerei fest, dass man ja für Kirche eigentlich gar nicht viel braucht. Nur zwei Handkarren voll. Die waren auch schnell zusammengepackt und rüber in die Kirche gefahren. 


Herr K. wird ganz enttäuscht sein, dass er keine Handkarrenfuhre abbekommen hat. Er wollte doch so gerne helfen! Ich finde es sowieso klasse, dass er sich als Kirchenmusiker immer die Küsterarbeiten aufdrücken lässt, wie Liedertafeln bestücken oder den Jerusalemleuchter hoch oben unter dem Kirchendach anzünden (Von uns will das keiner machen. Ich befürchte immer, dass ich beim Anmachen des Leuchters nicht nur die Kerzen anzünde sondern meine liturgischen Gewänder gleich mit, und die anderen haben alle Höhenangst und wollen nicht auf die Leiter.) Aber nicht den Kopf hängen lassen, Herr K.! Wir müssen die Sachen nachher ja auch noch wieder auspacken. Es sei denn, Frau H. und Frau R. untergraben mal wieder meine planerische Autorität und packen jetzt schon aus, während ich hier sitze und schreibe (und mein ausgefallenes Frühstück nachhole). Aber auch in diesem Fall habe ich noch eine Aufgabe für dich: Du kannst morgen vor dem Gottesdienst den Leuchter anzünden ;-)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Wie soll ich das bloß durchhalten?

Ich will dieses Buch haben! Unbedingt! Aber ich kann nicht. Jedenfalls nicht bis Ostern. Keine Amazonbestellungen bis Ostern, das war ja der Fastenplan. Aber ich will doch unbedingt dieses Buch  haben!



Bisher hat ja alles ganz gut geklappt. Ich hatte in der letzten Woche schon mehrere Anfälle von "Das will ich jetzt haben", habe aber immer noch im letzten Moment die Kurve gekriegt. Man kann bei Amazon ja alles auf einen Wunschzettel schreiben ;-) 

Habe ich allerdings noch nicht gemacht, weil ich Angst habe, dass ich an Ostern nur noch mit zitterndem Finger auf den "bestellen" Button drücke, ohne vorher nachzusehen, was da eigentlich auf der Liste ist. Und vor allem: Wie viel! Und irgendwie wäre das ja auch Selbstbetrug. Außerdem fühle ich mich richtig gut dabei, wenn ich zu mir selber sagen kann: "Nein, das brauchst du jetzt nicht. Vielleicht brauchst du das auch überhaupt nicht. Du hast schon eine Woche durchgehalten. Weiter so!" Ich habe es inzwischen sogar geschafft, mit einem gewissen Gleichmut die vielen Pakete von Herrn K. zur Kenntnis zu nehmen, die da immer im Pastoratsflur rumliegen. (Heute hat er gleich zwei vor meiner Nase ausgepackt, hat mich überhaupt nicht gestört!!! Oder waren es sogar drei?)

Wenn es allerdings um Bücher geht, dann kann die Fasterei schon zum Problem werden. Ich bin keine Leseratte, ich bin ein Lesewal, der alles in sich reinsaugt, was es an Bücherplankton so gibt. Ich hatte mir natürlich schon Gedanken darüber gemacht, dass unter den Verzicht auf Amazonbestellungen auch Bücher fallen. Fällt das Runterladen der Bücher auf den Kindle auch unter Bestellungen? Ich bekomme dann ja kein Paket geschickt. Wie war das noch? Wollte ich auf Amazon-Bestellungen verzichten oder auf die Pakete oder auf Bestellungen überhaupt? Wo ist eigentlich der Fastenvertrag? Gibt es nicht? Schade. Aber dann breche ich ja auch keinen Vertrag, wenn ich Bücher auf den Kindle lade. Verklagt mich doch! Jedenfalls habe ich schon ausgerechnet, dass ich mit den Büchern, die ich noch habe, bis Ostern hinkommen könnte. Und wenn nicht, dann hole ich mir einfach mal wieder einen Harry Potter aus dem Regal, oder was anderes. Da steht jedenfalls genug an Büchern rum.

Dann bin ich allerdings über eine Buchvorstellung gestolpert und habe sofort angebissen. Klingt ganz nach meinem Geschmack. Ich könnte ja einfach nur mal gucken, ob Amazon das überhaupt hat. Und Rezensionen lesen, und so. Nein, noch nicht auf den Wunschzettel. In den virtuellen Einkaufswagen schon gar nicht. Ist ja noch Passionszeit. Aber gucken kann man ja mal. Obwohl: wenn ich es auf den Kindle runterlade, dann zählt das doch eigentlich gar nicht.

Das Problem mit diesem Buch ist, dass ich es als "Buch-Buch" haben will und nicht in digitalem Format, denn da sind spannende alte Bilder drin. Das würde dann auf Bestellung UND Paketlieferung rauslaufen, und das habe ich mir nun wirklich bis Ostern verboten. Ihr seht: Ich leide Höllenqualen!

Ha, ich glaube, ich habe gerade das Hintertürchen entdeckt, das mir aus der Klemme hilft: Ich könnte einfach in einen Buchladen gehen und es da kaufen. Kein Amazon! Und wenn sie es nicht da haben, dann müssen die es bestellen und nicht ich. Die kriegen auch das Paket geliefert, nicht ich. 

Andererseits macht das Lesen dieses Buches bestimmt nochmal soviel Spaß, wenn man sich schon ein paar Wochen im Voraus drauf freuen kann. Ich glaube ich werde doch ganz artig warten, bis Ostern ist. 

Amazon Bilanz Tag 9: Bisher 0 Bestellungen

Mittwoch, 25. Februar 2015

Verzettelt aber nicht verirrt

Also, ich verzettel mich ja gerne mal. Ziemlich oft sogar. Ich kann da irgendwie nicht aus meiner Haut. Eigentlich will ich nur die Betten frisch beziehen, aber dann fällt mir auf, dass der Nachttisch ziemlich staubig ist. Schwups, habe ich das Staubtuch in der Hand. Und wo ich sowieso schon dabei bin, kann ich auch gleich noch staubsaugen. Frische Blumen könnten auch mal wieder in die Vase. Aber dazu muss ich vorher noch bei Edeka vorbei. Und wenn ich schon bei Edeka bin, kann ich auch gleich den Wocheneinkauf erledigen. Auf der Einkaufsliste steht Waschmittel. Wo ich jetzt wieder Waschmittel habe, kann ich gleich noch die Waschmaschine anschmeißen. Die kann ja waschen, während ich meine Büroarbeit mache. Und das alles am Besten morgens zwischen 8 und 9 Uhr. Ist natürlich nicht zu schaffen, logisch. Und ich bin schon völlig fertig, bevor der Tag überhaupt richtig angefangen hat. 

Außerdem habe ich ja auch noch Arbeit. Da kann ich das mit dem Verzetteln auch sehr gut. Erstmal Post erledigen. Aber auf dem Schreibtisch ist kein Platz, also erstmal Schreibtisch aufräumen. Das Büro sieht sowieso saumäßig aus, also gleich das ganze Büro aufräumen. Die alten Bücher kann ich ja eben mal entsorgen. Und die verbliebenen alphabetisch sortieren. Und mir aufschreiben, in welche ich zur Predigtvorbereitung nochmal reingucken muss. Ich habe keine Kugelschreiber mehr. Wo verschwinden die eigentlich immer hin? Als nächstes neue Kugelschreiber bestellen. Und wenn schon bestellt wird, dann können auch noch Scheren und Kleber mit auf die Liste. So, jetzt Sekretärin anrufen und Bestelliste weitergeben. "Hast du schon deine Emails gelesen? Ist die Einladung zur Sitzung angekommen? Ich brauche dringend die Konfirmationssprüche." Einladung ist da. Konfirmationssprüche?  Die hatte ich doch gestern schon rausgeschickt. Eigentlich wollte ich mich damit heute gar nicht befassen. Sind nicht angekommen. Also ausdrucken und per Fax schicken. Haben wir noch genügend Kopierpapier? Papier! Da war doch was?! Ach ja, die Post!!!

Bis dahin hätte ich nicht nur die Post erledigt haben sondern schon lange an der Predigt für Sonntag sitzen wollen. Hat natürlich nicht geklappt, weil ich mich mit dem anderen Kram total verzettelt habe. Aber solange alles irgendwie irgendwann und einigermaßen rechtzeitig erledigt wird ist es ja gut. Frei nach dem Motto:



Nicht alle, die umherirren, haben sich verlaufen!

Obwohl: Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass mit diesem Spruch etwas ganz Anderes gemeint ist ...

Dienstag, 24. Februar 2015

Ein Engel stoppt den Film



Heute kam ich mir vor wie in einem Film, der auf Vorspulen gestellt ist. Alles viel zu viel und viel zu schnell. 
Das Telefon klingelt Sturm, so dass ich kaum in der Lage bin, meine eigenen Anrufe zu tätigen.
Die Leute geben sich die Klinke in die Hand.
Nebenbei Emails beantworten.
Plakate ausdrucken.
Lieder aussuchen.
Gottesdienstabläufe ausdrucken.
Konfirmandenunterricht muss vorbereitet werden.
Schnell ein Stück Toast zwischen die Zähne.
Einen Anrufer abwürgen, weil die nächste Besprechung ansteht.
Mist, der Hund muss noch raus.
Jetzt aber schnell zum nächsten Termin.

Und dann plötzlich alles auf Stopp: "Mit dem Engel haben Sie mir eine richtige Freude gemacht!"
Einfach so, ganz nebenbei, fliegt mir dieser Satz um die Ohren. Und bringt alles zum Stehen.
Termine heute? Egal!
Stressige Woche? Egal!

Ich habe jemandem mit einer kleinen Geste eine Freude gemacht. Und dieser Jemand hat es geschafft, mit seiner Freude für mich die Zeit anzuhalten. Wenn auch nur für einen Moment.
Danke!

Montag, 23. Februar 2015

Ich kann den Braten riechen!

Immer noch! Kann ich den Braten riechen! Gestern fand ich es noch ganz lecker, aber heute nicht mehr. Irgendwann muss man den Braten auch nicht mehr riechen können, finde ich.

Es geht um den Braten aus dem Seenotretter-Kochbuch. Die letzten Tage standen ganz im Zeichen der Seenotretter, weil ich mich ja auf den Gedenkgottesdienst für die Besatzung des Seenotkreuzers Adolph Bermpohl vorbereitet habe. Es war übrigens ein sehr schöner Gottesdienst heute mit reger Beteiligung! 

Jedenfalls fand ich es angemessen, dass es am Vorabend des Gedenkens ein Gericht aus dem Seenotretter-Kochbuch gibt: Huhn auf Dose. Den Vogel dazu hatte ich beim Mau-Mau Turnier der Feuerwehr gewonnen. Naja, eigentlich getauscht mit jemandem, der genug eigene Hühner hat. Aber egal. Eine Dose Cola stand auch schon bereit. Leergetrunken natürlich, denn die sollte mit einer Tasse Rotwein, Knoblauchzehenstückchen, Pfeffer und Salz gefüllt werden. Das Huhn wurde von außen noch gewürzt und dann über die Dose gestülpt. Leider hatte ich meinen Fehler zu spät gemerkt. Im Rezept steht aussrücklich, dass es eine Halbliterdose sein muss! Eine ordinäre Coladose hat aber nur 0,33 Liter. So verschwand dann auch die Dose im Huhn, was so gar nicht geplant war. Wenigstens durfte das arme malträtierte Huhn dann im Sitzen garen. Mit einer Halbliterdose im Hintern muss es bei 170 Grad eine Stunde lang im Stehen schwitzen. Obwohl: Dem Huhn ist das vermutlich egal, ob es im Backofen sitzen oder stehen darf, denn es ist ja eh schon im Hähnchenhimmel.

Trotz der Widrigkeiten ist das Huhn sehr gut gelungen und hat total lecker geschmeckt. Und ich war bestens vorbereitet auf den Seenotrettergottesdienst heute! Nur den Geruch werde ich einfach nicht los. Ich habe mir inzwischen schon einen Wolf gelüftet, aber das ganze Pastorat riecht immer noch ganz penetrant nach "Huhn auf Dose".



Sonntag, 22. Februar 2015

Das "H"-Wort


Ich bin ja so stolz auf uns. Auf Herrn K., auf die GottesdienstbesucherInnen und auf mich selbst. Wir haben es tatsächlich alle geschaft, einen ganzen Gottesdienst durchzufeiern, ohne dass das "H"-Wort auftauchte. Na gut, zu Beginn musste ich es leider doch in den Mund nehmen. Um zu erklären, warum es im Gottesdienst nicht vorkommt, nämlich.

Das "H"-Wort kommt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt soviel wie "Lobt Gott!" Da aber Passionszeit ist, leidet Gott und wird nicht gelobt. (Passion = Leiden; in der Passionszeit denken wir an das Leiden Christi vor seinem Tod; da will auch wirklich keiner in überschwengliche "H"-Wort-Rufe ausbrechen)

Welches Wort das ist, wollt ihr wissen?
Ich gebe euch einen Tipp: Es ist ein Wort, dass mit "H" anfängt und mit "alleluja" aufhört ;-)
Dieses Wort wird ab Aschermittwoch weggesprerrt und darf erst an Ostern wieder raus. Damit man auch wirklich merkt, dass Passionszeit ist.

Aber es ist ein ziemlich hinterlistiges kleines Wort, das kann ich euch sagen. Immer wieder schleicht es sich heimlich, still und leise in einen Gottesdienst hinein. Obwohl es das während der Passionszeit gar nicht darf. Selbst das liturgische Wachpersonal (KirchenmusikerInnen und PastorInnen) bekommt nicht immer mit, wenn das "H"-Wort irgendwo zwischenschlüpft. Mir ist es früher schon öfter passiert (eigentlich jedes Jahr), dass ich zu Beginn der Passionszeit nicht aufmerksam genug war. Wenn man zu faul ist, die ausgesuchten Lieder für den Gottesdienst Strophe für Stophe akribisch durchzugehen, dann mogelt sich da schonmal ein Vers mit dem "H"-Wort rein. Einmal musste mich sogar der Kirchenmusiker darauf aufmerksam machen, dass das "H"-Wort während der Passionszeit ja entfällt. Das hatte ich total vergessen: Mein mühselig zusammengebastelter Gottesdienstablauf war voll mit  "H"-Worten! Und das obwohl ich ja selbst zum liturgischen Wachpersonal gehöre.

Und dann sind wir ja alle auch noch Gewohnheitstiere. Es kann ganz schnell passieren, dass ein Kirchenmusiker / eine Kirchenmusikerin gar nicht groß darüber nachdenkt, was er oder sie da gerade tut, und voller Inbrunst das "H"-Wort-Stück nach der Lesung spielt. Und wenn er oder sie doch an die Passionszeit denkt, und das "H"-Wort-Stück nach der Lesung wie vorgesehen weglässt, dann haut es garantiert eine(r) von den GottesdienstbesucherInnnen raus (oder die Pastorin). 

Was euch das jetzt bringt, dass ihr wisst, dass das "H"-Wort während der Passionszeit im Gottesdienst nicht vorkommen soll? Weiß ich nicht. Aber wenigstens könnt ihr nach einem Passionsgottesdienst ganz klug und gebildet tun, wenn sich das "H"-Wort mal wieder reingemogelt hat, und dem Pastor / der Pastorin sagen: Ich dachte, das Halleluja entfällt während der Passionszeit!? (Huch! Jetzt ist es mir doch rausgerutscht. Ich sag doch: ein ganz hinterlistiges kleines Wort!)

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P.S.: Ich glaube, ich muss demnächst mal meinen Frust über politische Korrektheit, Integratives "I" und das ganze Gender-Dings beim Schreiben rauslassen!

Freitag, 20. Februar 2015

Unterschiedliche Wahrnehmung



Achtung! Achtung! Im Amtszimmer der Pastorin wurde ein Gartenzwerg mit angeblich nacktem Po gesichtet! Da dies gegen jegliche Pastoratsetikette verstoßen würde, bittet die Kirchengemeinde um Mithilfe bei der Aufklärung des Falls.  

Nach Aussage der Pastorin verhält sich der Sachverhalt folgendermaßen: Sie habe den Gartenzwerg bei einer Julklappfeier der Freiwilligen Feuerwehr Helgoland erstanden. Ihr sei gar nicht in den Sinn gekommen, dass der Gartenzwerg ein nacktes Hinterteil zur Schau stelle, weshalb sie ihn ohne weiteres Nachdenken auf der Fensterbank ihres Amtszimmers positionierte.

Besucher des Amtszimmers behaupten jedoch, dass besagter Gartenzwerg sehr wohl einen nackten Po hätte, was beim Betreten des Amtszimmers jedes Mal zu Irritationen führen würde. 

Bei einer weiteren Befragung der Pastorin gab diese zu Protokoll, dass der Gartenzwerg ein angelnder Gartenzwerg sei und zu diesem Zweck Wattstiefel trage. Eine Angel, die diese Aussage belegen könnte, ist nicht mehr vorhanden. Man könne aber an der Handhaltung des Gartenzwerges erkennen, dass es diese Angel durchaus einmal gegeben habe, so die Pastorin. Der vor dem Gartenzwerg befindliche Eimer mit Fischen sei außerdem ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um einen angelnden Gartenzwerg handeln muss. Die Pastorin gab weiterhin zu Protokoll, dass sich unter den genannten Wattstiefeln selbstverständlich eine Hose befinde, wie unschwer an den an der Seite angebrachten Hosentaschen zu erkennen sei. Die Pastorin sei sich deshalb zu keinem Zeitpunkt eines Verstoßes gegen die Pastoratsetikette bewusst gewesen.

Da dieser Fall aufgrund der gegensätzlichen Aussagen noch nicht eindeutig geklärt werden konnte, befindet sich das Sonderkommando "Nacktpo- Gartenzwerg" in erhöhter Alarmbereitschaft.



Donnerstag, 19. Februar 2015

Da hilft kein Antistressball mehr


Der Antistressball fällt mir ständig aus der Hand und landet auf dem Fußboden. Selbst meine Motorik ist inzwischen fehlgesteuert - und mein Hirn sowieso kurz davor, offline zu gehen. 

Ich jongliere schon den ganze Tag mit zu tätigenden Bestellungen (NICHT MEINE Bestelleungen! Die sind für die Kirche!), Telefonaten, Dienstbesprechung, anstehenden Veranstaltungen wie die heutige Taizé Andacht, den Diavortrag zum Seniorenkaffee morgen, Sonntagsgottesdienst, Gedenkgottesdienst am Montag, Weltgebetstag, Gedenkgottesdienst zur Wiederfreigabe Helgolands und den Befindlichkeiten aller beteiligten Personen, zu denen ich mich aber jetzt nicht weiter äußern will. Es reicht wohl, zu sagen, dass alle gestresst sind.

Selbst Herr K. ist gestresst. Ist ja auch kein Wunder bei dem, was hier im Moment los ist. Obwohl er doch heute schon wieder ein Paket gekriegt hat. Das sollte ihn eigentlich aufmuntern. (Ob da ein Antistressball drin war?) Ich habe kein Paket gekriegt. Wie gemein! Aber einen Antistressball habe ich ja schon. Also muss ich gar keinen geschickt bekommen. Frau H. ist auch gestresst. Vielleicht sollte ich ihr meinen Antistressball ausleihen. Und Herrn K. auch, wenn in seinem Paket keiner drin war. Aber dann müsste ich wahrscheinlich wieder einen neuen Kalender führen, der die Antistressballvergabe regelt. 

Jedenfalls ist mein armes kleines Hirn dermaßen überfordert, dass es alles vergessen hat, was ihm in der Schule mal beigebracht wurde. Konvent schreibe ich jetzt neuerdings mit "f" (also "Konfent") und Zanzibar habe ich mal eben in den Pazifik verfrachtet und nicht, wie es sich gehört, in den Indischen Ozean. (War doch so, oder?) Und der Antistressball tut auch nicht was er soll!

Aber ich habe ein wunderbares Mittel gegen den Stress entdeckt. Einmal herzhaft lachen ist ja so viel besser als alle Antistressbälle der Welt! Mir wurde gestern via Facebook ein Ausschnitt aus einer WDR Sendung zugeschickt, der einfach zum Brüllen ist. Habe ihn mir gestern schon 10 Mal angesehen und heute auch diverse Male. Und es hilft: Einmal ordentlich ablachen und der Kopf ist wieder frei!


Fazit: Kakerlakophon vs Antistressball 14 : 0







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Amazon Bilanz Tag 2: Bisher 0 Bestellungen

Mittwoch, 18. Februar 2015

Der Mittelgang ist heute rechts

Ich dachte, ich seh' nicht richtig, als ich heute zum offenen Singen den Saal unseres Gemeindehauses betrat. Die Stühle stehen anders! Die Stühle stehen nicht so wie sie sollen! Und dabei hängt doch extra an der Saaltür ein Zettel, auf dem genau beschrieben ist, wie die Stühle stehen sollen. Muss ja alles geregelt sein, wenn so viele Gruppen den Saal nutzen.


Jaja, ich weiß: Ich bin ein Erbsenzähler. Aber wenn ich nicht jeden Sonntagmorgen vor dem Gottesdienst das Stühlerücken anfangen will, dann muss das so sein.

Ich komme also in den Saal und frage mich: Was ist denn das??? Wieso stehen die Stühle nicht auf Lücke? Wo ist der Mittelgang? Wozu habe ich eigentlich den Zettel an die Tür gehängt?

Hm, der Mittelgang ist heute also rechts.

Ich war schon am Überlegen, wen ich dafür zusammenstauchen könnte. War gestern nicht Chorprobe?! Dann fiel mir wieder das Motto der diesjährigen Passionszeit ein: "7 Wochen ohne runtermachen". Und da auch mich der Fastenkalender mit diesem Motto durch die Passionszeit begleiten soll, muss ich mich wohl daran halten. Mist! Ich darf also gar keinen runtermachen wegen der Bestuhlung. Jedenfalls nicht bis Ostern.

Und dann habe ich mir das Ganze nochmal genau betrachtet und festgestellt, dass das so ja eigentlich viel besser aussieht!!!


An alle Saalnutzer: Lasst eurer Kreativität ruhig freien Lauf in Sachen Stühle. Nur bitte, bitte, bitte (!) keinen Stuhlkreis. Gegen Stuhlkreise bin ich hochgradig allergisch.


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Amazon Bilanz Tag 1: Bisher 0 Bestellungen
(auch kein nächtlicher Kaufrausch gestern, ich bin so gut)


Dienstag, 17. Februar 2015

7 Wochen ohne Amazon!?



Also, wenn ich morgen total übermüdet in meinem Bürostuhl hänge, dann liegt es daran, dass ich heute noch einem nächtlichen Kaufrausch zum Opfer gefallen bin.

Morgen ist Aschermittwoch. Am Aschermittwoch beginnt die Passionszeit. Und in der Passionszeit wird gefastet! Die meisten, die sich dieser Tortour von Aschermittwoch bis Ostern unterziehen, verzichten auf Alkohol, Süßigkeiten, Zigaretten und Ähnliches. Dann gibt es auch die, die 7 Wochen aufs Fernsehen verzichten. Ich habe auch schon gesehen, dass Leute 7 Wochen ohne Facebook durchgehalten haben. Für mich ist das alles nichts. Süßigkeiten wären für mich keine wirkliche Herausforderung, da ich eh kaum nasche. Alkohol trinke ich inzwischen auch fast keinen mehr. Zum Fernsehen habe ich fast nie Zeit. Facebook aufgeben kann ich nicht, denn ich lese keine Tageszeitung. Und der Tabakindustrie meine Unterstützung zu versagen, bringe ich nicht übers Herz.

Aber es gibt ja auch die Möglichkeit "7 Wochen mit" zu machen anstatt "7 Wochen ohne": 7 Wochen mit Lebensmitteln aus der Region oder fairem Handel oder 7 Wochen mit einem Fastenkalender zum Beispiel. Ich hatte mich vor einiger Zeit schon für den Kalender entschieden (weil es in diesem Haus ja viel zu wenig Kalender gibt!). Aber das reichte mir nicht. Ich brauche die Herausforderung. Und jeden Tag Kalendettexte lesen ist keine große Herausforderung.

Darum brüte ich schon seit einiger Zeit darüber, was mich denn in der Passionszeit herausfordern könnte - so richtig meine ich (neben montäglichen dienstlichen Telefonanrufen). Und dann hatte ich den Geistesblitz! Amazon! 

Ich bin ein echter Amazonjunkie. Früher schon und seit ich auf Helgoland lebe noch viel mehr! Wer auch immer hier gerade die Post ausliefert, bringt jedes Mal den Spruch: Hier ist dein tägliches Amazonpaket! Obwohl ich das etwas übertrieben finde. Ich bekomme nicht JEDEN Tag ein Amazonpaket. Wenn Sturm ist, dann kommt nämlich keine Fracht. Und wenn keine Fracht kommt, dann kommt auch kein Amazonpaket. Manchmal ist das Paket auch gar nicht von Amazon sondern von ebay, oder Tschibo, oder Otto. So! 

Trotzdem: 7 Wochen ohne Amazon wäre schon der Hammer! Ich war fast so weit, diese Herausforderung anzunehmen. Ich hatte mich schon auf Aktionen eingestellt wie meinen faulen Hintern ins Unterland bewegen zu müssen, um mich dann, schweißgebadet nach der körperlichen Anstrengung, durch den Drogeriemarkt zu kämpfen auf der Suche nach Shampoo und Duschgel. Und dann noch schweißgebadeter mit meinen schweren Einkaufstüten wieder zu Hause anzukommen, weil es auf dem Rückweg ja bergauf geht. Obwohl: Von 7 Wochen ohne Fahrstuhl hat ja keiner was gesagt, oder?

Aber dann kam mein Vertretungsorganist hier an. Vor ihm kamen schon Pakete an! An ihn! Nicht an mich! Mehr Pakete als an mich! Ja, er will länger bleiben als nur ein Wochenende und hat seine Bestellungen hierher auf die Insel bestellt. Macht ja auch irgendwie Sinn. Finde ich ja auch gut, einen Kirchenmusikervertreter mal länger hier zu haben. Der Kirchenchor findet das auch gut. Aber, dass er mehr Pakete kriegt als ich, finde ich überhaupt nicht gut. Im Gegenteil: Das macht mich völlig fertig.

Nur für's Protokoll: Er wohnt nicht bei mir sondern nebenan! Ist aber alles dieselbe Adresse, weil ja alles zur Kirche gehört. Also kommen seine Pakete zusammen mit meinen Paketen in meinem Pastoratsflur an. 

Heute brachte der Postbote wieder Pakete. Ich war schon ganz aufgeregt!
Ich: Oooooh, wieder Pakete!
Er: Ja. Für Herrn K. und für Frau Hansen.
Ich: grrrrrrrrrrr

Meine Stimmung wurde nicht besser, als ich festellte, dass nur eins von den vier Paketen für mich war. Der Rest war für Herrn K.! GRRRRRRRRRRRR! Das ist ja schon fast eine Kriegserklärung! Auf jeden Fall wäre das für die Passionszeit seelische Grausamkeit aller erster Güte. Stellt euch das mal vor: Ich verzichte unter Qualen 7 Wochen lang auf mein tägliches Amazonpaket und muss auch noch mit ansehen, wie die Auswüchse SEINES Bestellwahns in MEINEM Flur landen! Ich bin durchaus geneigt, den Kampf aufzunehmen. Wollen doch mal sehen, wer hier mehr Pakete kriegt! 

Andererseits: Ich wollte ja unbedingt eine Herausforderung. Eine richtige Herausforderung. Dann muss ich da wohl durch. Aber eines sage ich euch: Wenn der Postbote mit dem Spruch hier reinmarschiert "Hier ist das tägliche Amazonpaket für Herrn K.", dann gibt's Streit!

Sonntag, 15. Februar 2015

Mein heutiger Beitrag zum Weltgeschehen ...

... sieht so aus:



Okay, heute Abend geh' ich nochmal üben, wie man Feuer ausmacht. Aber das war's dann auch schon.

Je suis chrétienne!


Heute ist der Karnevalsumzug in Braunschweig abgesagt worden, gestern war es der Anschlag in Kopenhagen, davor der Anschlag in Paris. Ständig hört, sieht und liest man über den Terror der Islamisten. Da bin ich heute echt nicht in der Stimmung, nette Geschichten aus dem Helgoländer Pastorat zu erzählen.

Dafür mache ich mir gerade ganz, ganz viele Gedanken, wälze Fragen in meinem Kopf herum und versuche, Antworten zu finden.

Ich habe deshalb heute morgen um halb zehn auch schon meine Predigt kurzerhand über den Haufen geschmissen. Und habe mir die Seele aus dem Leib gepredigt. (Naja, die Seele ist noch zum Glück noch da, aber ich habe alles gegeben): Zum Thema "Meinungsfreiheit", zum Thema "Liebe", zum Thema "Wie gehen wir Menschen miteinander um?", zum Thema "Was lebt Jesus uns vor?" Und dabei geistern da immer noch mehr große Fragen als Antworten in meinem kleinen Kopf rum.

Ich habe am Freitag die Sendung "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" gesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten heiteren Vorträge einen ganz ernsten Beigeschmack hatten. Am Ende eines Vortrags hielt ein Redner ein Schild hoch mit der Aufschrift "Je sius Charlie" - "Ich bin Charlie".

Ich habe mich das natürlich schon vor Freitag gefragt und frage es mich immer noch:
Kann ich das für mich auch sagen? Bin ich Charlie? 
Ich kann darauf keine klare Antwort geben, bzw. habe ich mehr als nur eine Antwort auf diese Frage:
Ja: Ich bin Charlie, wenn es darum geht, nicht Opfer zu sein.
Ja: Ich bin Charlie, wenn es darum geht, Terror und Gewalt nicht zu akzeptieren.
Ja: Ich bin auch Charlie, wenn es darum geht, für unsere Meinungsfreiheit einzutreten.
Nein: Ich bin nicht Charlie, wenn es darum geht, meine Meinungsfreiheit soweit auszureizen, dass es andere Menschen verletzt.

Nicht nur Taten können verletzen, Worte und Bilder können es auch. Versteht mich jetzt nicht falsch: Ich will damit NICHT sagen, dass Karrkiaturisten und Satiriker es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn man mit Terrorakten auf sie losgeht, weil sie es ja provoziert haben. Das wäre absoluter Bullshit, genauso wie es absoluter Bullshit ist, einer vergewaltigten Frau zu sagen, sie sei ja selber Schuld an der Vergewaltigung, weil ihr Rock zu kurz gewesen ist und sie damit den Täter provoziert hätte. Geht gar nicht!

Aber muss die Meinungsfreiheit wirklich soweit gehen, wie sie es oft tut? Mir tut es auch weh, wenn Menschen sich über meinen christlichen Glauben lustig machen und mich oder meine Religion verspotten. Und wenn das zu weit geht, dann werde ich auch schonmal richtig sauer. Denn mein Glaube ist mir sehr wichtig. Er bestimmt immerhin mein Leben! 

Wo ich wieder bei der Karnevalssendung vom Freitag bin: Politiker und Gewerkschaftsführer wurden aufs Korn genommen und natürlich auch die Kirche. Klar, vieles war wirklich lustig und ich kann mir vorstellen, dass die meisten Betroffenen das gut wegstecken können. (Obwohl ich schon gedacht habe: Wenn die mit dem Gewerkschaftsvorsitzenden so weitermachen, geht der heute Abend heulend nach Hause!) Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass viele katholische Priester es langsam satt haben, ständig Sachen zu hören wie: "Da sind den Kardinälen vor Schreck die Ministranten vom Schoß gekippt." Nicht jeder katholische Priester ist ein Kinderschänder! Im Gegenteil! Die meisten sind es nicht! Genauso wie nicht alle Muslime, sprengwütige Attentäter sind! Im Gegenteil! Die meisten üben ganz friedlich ihren Glauben aus!

Die Bibel fordert uns auf, unseren Nächsten zu lieben. Hohn und Spott sind aber für mich kein Ausdruck der Liebe. Womit ich nicht sagen will, dass wir keinen Humor haben sollen. Wir müssen das Leben nicht immer so ernst nehmen. Vor allem müssen wir uns selber nicht immer so ernst nehmen. Aber wir sollten schon sensibel dafür sein, wo die Grenzen sind. Und ja: Ich fasse mir da auch an die eigene Nase. Bin ich vielleicht zu weit gegangen mit meinem Bericht über den Taxifahrer, der von den Zeichen der Johannesoffenbahrung so fasziniert ist? Für ihn ist das sicher ein ernstes Thema und womöglich würde auch er sich verletzt fühlen, wenn er meinen Blogartikel liest. Darf ich ihn so bloßstellen, nur damit meine Leser etwas zu lachen haben?

Sensibilität im Umgang miteinander ist das Eine.
Wie wir Menschen auf Verletzungen reagieren, ist das Andere. Gewalt, ja Terror, kann und darf keine Antwort sein, egal wie verletzt ich bin! Mehr habe ich dazu nicht zu sagen.

Und nun die Frage, wie wir mit der Androhung von Gewalt umgehen? Lassen wir uns den Mund verbieten? Hier auch wieder ein Beispiel aus der Karnevalssendung am Freitag: Ein anderer Redner sagte, dass die Meinungsfreiheit der Faschingfeiernden das Helau und die Kamelle sind. Gerade Kinder stehen am Rosenmontag an der Straße, sehen sich die bunten Umzüge an, rufen "Helau!" und versuchen, Kamelle zu ergattern. Keine Mohammed-Karrikatur sei es wert, dass man das Leben dieser Kinder aufs Spiel setzt.

Einerseits finde ich, dass er Recht hat. Andererseits frage ich mich, wo das hinführen soll. Mit dem abgesagten Karnevalsumzug fängt es vielleicht an, aber womit hört es auf? Damit, dass keiner sich mehr traut, seine Meinung zu sagen aus Angst, selber auch Opfer von Gewalt zu werden? 

Vielleicht muss auch ich als Christin mit Gewalt von Seiten der islamischen Extremisten rechnen. Nicht unbedingt auf unserer kleinen Insel mitten in der Nordsee. Wir sind hier draußen ja noch ziemlich behütet und weitab von diesen Geschehnissen. Aber es macht schon Angst, zu sehen, wie nahe der Terror gekommen ist. Früher gab es Attentate nur woanders. Amerika ist weit weg. Die arabische Welt auch. Und Nigeria sowieso. Aber nun sind plötzlich nicht nur unsere Nachbarn in Frankreich und Dänemark betroffen, sondern die Bedrohung durch Attentate hat unseren Karneval erreicht. 

Und irgendwann wird es nicht mehr nur Karrikaturisten und Satiriker treffen, sondern jeden, der nicht mit den Idealen dieser Terroristen konform geht.

Und nochmal: Ich rede hier nicht vom Islam an sich!!! Ich rede lediglich von den extremen Ausrichtungen, die es übrigens nicht nur im Islam gibt. Sie sind zwar eine kleine Minderheit aber leider umso präsenter, weil sie so viel Terror verbreiten. Bitte nicht Islam und Islamisten in einen Topf werfen! Das ist nicht dasselbe!

Was also tun? Zurückhaltung üben, damit nicht noch mehr passiert? Einen Karnevalsumzug absagen ist das Eine. Aber was ist, wenn ich mich generell nicht mehr zu meinen Überzeugungen und meinem Glauben bekennen kann? Auch Zurückhaltung üben? Das hat es übrigens alles schonmal in ähnlicher Form gegeben: Die frühen Christen unter römischer Herrschaft mussten um ihr Leben fürchten, weil sie Christen waren. Da werden sich sicher auch viele gefragt haben: Stehe ich zu meinen Überzeugungen, oder halte ich lieber die Klappe, damit mir und den Menschen in meinem Umfeld nichts passiert?

Da kommt mir dann auch wieder der Predigttext von heute Morgen in den Sinn (Markus 8, 31-38) in dem Petrus versucht, Jesus von einem ganz wichtigen Vorhaben abzubringen, von seinem Leiden und Sterben am Kreuz nämlich. Aber Jesus lässt sich nicht abbringen. Jesus lässt es sich nicht ausreden. Obwohl er ja auch eine Verantwortung seinen Jüngern gegenüber hat. Die Jünger standen damals nämlich genauso unter Beschuss wie Jesus. Wenn man eine Rebellion verhindern will, dann schaltet man nicht nur den Anführer aus sondern den engsten Kreis um ihn herum gleich mit. Jesus' Sturheit hat also nicht nur Konsequenzen für ihn selbst, sondern auch für die Menschen, die ihm nahestehen. Und trotzdem lässt er sich sein Vorhaben nicht ausreden, denn es geht hier immerhin um die Liebe Gottes zu den Menschen, um Gnade, um Vergebung, um Frieden und um den Sieg des Lebens über den Tod. Es geht um Gottes Heilsplan für die ganze Welt! Das ist einfach zu wichtig, als dass er einen Rückzieher machen würde. Beieindruckend. Und mutig. Und auch ein wenig rücksichtslos?

Ich habe zwar noch ganz viele Fragen im Kopf zu diesen ganzen Dingen, und bin mit dem Nachdenken darüber noch lange nicht fertig, aber eines weiß ich ganz sicher: Auch ich werde mir Gottes Liebe nicht ausreden lassen. Ich werde mich nicht davon abbringen lassen, mich zu dieser Liebe und zu den christlichen Werten zu bekennen. Ich werde mich nicht davon abbringen lassen, dem nachzueifern, was Jesus uns vorgelebt hat, so gut ich es eben kann. Gerade in einer Welt, in der viel zu viel Hass und Gewalt regieren.

Ich mag zwar nicht zu 100% Charlie sein. Aber auf alle Fälle kann ich voller Überzeugung sagen: 
Je sius chrétienne - Ich bin Christin! 
Ich traue mich das und ich lasse es mir auch nicht ausreden!


Samstag, 14. Februar 2015

Es klingelt ...

... an der Wohnungstür. Als ich die Tür aufmache, ist die Person schon fast wieder durch den Pastoratseingang nach draußen verschwunden. Ich schwöre: Dieses Mal habe ich nicht so lange gebraucht, um die Tür aufzumachen, wie beim letzte Mal!!! Hatte sogar noch die Teppichbürste in der Hand, weil ich gerade dabei war, den Teppich von Jessies Fell-Ausfällen zu befreien. Jedenfalls bemerkt er (ein Herr mit Wollmütze), dass doch jemand da ist und dreht sich um.

Er (vorwurfsvoll): Die Klingel draußen geht nicht.
Ich (total entspannt): Nö, die geht nicht.

Einer meiner Vorgänger hat die Klingel zur Dienstwohnung sabotiert, von wegen der Privatsphäre und so. Ist ja auch blöd, wenn die Kinder aus dem Mittagsschlaf gerissen werden oder die Bewohner des Hauses noch nicht angezogen oder schon bettfertig sind. Jedenfalls bin ich nie dazu gekommen sie zu reparieren. Muss ja auch nicht sein, denn drinnen an der Wohnungstür gibt es noch eine Klingel und die funktioniert (wie der Herr in Wollmütze herausgefunden hat). 

Außerdem sorge ich dafür, dass die Eingangstür zum Pastorat immer auf ist, seit ich mir bei einem nächtlichen Feuerwehreinsatz mal ganz furchtbar den Kopf angehauen habe. Einer meiner Kirchengemeinderäte (selber Feuerwehrmann, man glaubt es kaum!) hatte die Eingangstür abgeschlossen, damit meine Privatsphäre gewahrt bleibt. Er hat es wirklich gut gemeint, aber wenn nachts der Pieper geht, rechne ich doch nicht damit, dass da eine Tür abgeschlossen sein könnte! Das hat 'ne ordentliche Beule gegeben und seitdem sorge ich dafür, dass ich freie Bahn habe! Und somit hat natürlich auch jeder andere freie Bahn, der mich aus meiner Wohnung klingeln möchte. Gut ich gebe zu, dass das schon etwas mehr Mühe macht, als einfach draußen zu klingeln, aber es funktioniert.

Meine nicht funktionierende Außenklingel ist aber gar nicht das Anliegen des Herrn in Wollmütze. Sein Anliegen ist der Zugang zur Kirche. Erstmal fragt er aber noch, ob er mich beim Putzen gestört hätte (er hat die Teppichbürste in meiner Hand entdeckt). Das Putzen trifft wohl zu, trotzdem verneine ich die Frage, denn beim Putzen kann man mich gar nicht stören. So begeistert bin ich davon auch wieder nicht.

Er (in einem sehr charmanten schweizer Akzent): Ich würde mir gerne die Kirche ansehen, können Sie sie mir aufschließen?
Ich: Das geht leider nicht. Im Moment ist Winterkirche, damit wir Heizkosten sparen, und die Kirche ist noch bis März geschlossen.
Er: Können Sie für mich nicht eine Ausnahme machen? Sie müssen ja für mich auch nicht extra heizen.
Ich: Nein, das kann ich leider nicht. Dann müsste ich bei jedem, der fragt, eine Ausnahme machen, und das geht nicht. (Ich versuche gar nicht erst zu erklären, dass ich nicht extra seinetwegen heizen muss, weil die Kirche durchaus geheizt ist wegen der Instrumente, aber dass jedes Mal, wenn die Tür aufgeht, wieder kalte, feuchte Luft in die Kirche kommt, und, und, und, ...)
Er: Sie sind aber streng! Können Sie nicht doch so nett sein und mir aufschließen?
(Ich? Streng? Ich sorge doch nur dafür, dass die Beschlüsse des Kirchengemeinderates umgesetzt werden.)
Ich: Nein, tut mir leid.
Er: Aber ich bin den ganzen Weg aus der Schweiz hergekommen.
Ich: Wie gesagt, es geht nicht. Aber dann ist das ja eine gute Gelegenheit für Sie, wiederzukommen und Helgoland nochmal zu besuchen. (Na, liebe Kurverwaltung, habe ich da gut Werbung gemacht, oder was?!)

Irgendwann hat er dann aufgegeben und ist seines Weges gezogen. Es tat mir auch wirklich leid, so einem freundlichen Herrn aus der Schweiz einen Korb in Sachen Kirchenbesichtigung geben zu müssen. Seine Freundlichkeit hat mich fast schon überrascht. Meistens werden die Leute unfreundlich, wenn sie nicht kriegen, was sie wollen. Ich hatte da mal richtig Streit mit einem Ehepaar wegen der Orgel. SIE wollte unbedingt auf unserer Orgel spielen. ER wurde vorgeschickt, um zu fragen, ob ich denn mal eben die Orgelempore aufschließen könnte.

Bin ich da schief gewickelt, oder hätte die erste Frage nicht lauten müssen: Darf meine Frau sich mal an Ihre Orgel setzten? Oder so ähnlich. Mit einer Engelsgeduld habe ich versucht, zu erklären, warum das nicht geht und meinen ganzen Katalog von Begründungen ausgebreitet. Die kann ich inzwischen schon im Schlaf runterrappeln, denn gerade im Sommer stehen bei mir so zehn Leute pro Woche auf der Matte, die unbedingt auf unserer Orgel spielen wollen. SIE war inzwischen dazugekommen und ich musste (mal wieder) einiges an Beschimpfungen über mich ergehen lassen. Sie sei ja schließlich selber Organistin an irgendeiner wichtigen Kirche in irgendeiner wichtigen Stadt in Deutschland und es wäre ja das letzte, dass sie hier nicht Orgel spielen dürfte. (Genau! Freie Orgelemporen für freie Bürger!)

Ich wollte mich auch schon immer mal im Hamburger Michel an die Orgel setzen und darauf herumspielen. Ob die mich lassen? Wenn ich sage, ich wäre selber Organistin, dann doch ganz bestimmt! Ich kann zwar nicht Orgel spielen, trotzdem ist das total cool, mal im Hamburger Michel an der Orgel zu sitzen. Aber wenn ich ehrlich hin, dann glaube ich nicht, dass die mich an ihre Orgel lassen würden, selbst wenn ich wirklich Organistin wäre. Obwohl: Ich könnte es ja mal versuchen mit "Aber ich bin doch den ganzen Weg von Helgoland hergekommen".

Jedenfalls habe ich beschlossen, in meinem nächsten Urlaub auch mal diese Tricks und Kniffe anzuwenden, um meinen Touri-Willen durchzusetzen. 

Bisher habe ich es nämlich immer schön brav akzeptiert, wenn eine Kirche abgeschlossen war und habe nicht den Pastor aus seiner Wohnung geklingelt, damit er mir aufschließt. Naiv wie ich bin, habe ich immer gedacht, dass das wohl seinen Grund hat, wenn eine Kirche zu ist. Hüttenwirte habe ich auch noch nie genervt, wenn ich auf Wandertour war und eine Hütte verschlossen vorgefunden habe. Aber das geht ja auch gar nicht, denn die Hütten stehen meistens oben auf einem Berg und die Hüttenwirte sind, wenn sie nicht da sind, unten im Tal. Der Weg runter ins Tal und wieder rauf auf den Berg wäre mir dann aber doch zu weit. 

Ich bin bisher auch noch nie auf die Idee gekommen, bei fremden Leuten zu klingeln und zu fragen, ob ich mich bei denen mal eben ans Klavier setzen darf. Mal ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich gar nicht Klavier spielen kann. Aber vielleicht wäre das die Gelegenheit, es endlich zu lernen: Dingdong! Guten Tag, ich würde mich gerne mal an Ihr Klavier setzen. Und könnten Sie mir bei dieser Gelegenheit gleich beibringen, wie man darauf spielt?



Freitag, 13. Februar 2015

Der pastorale Karnevalshut

In Ermangelung einer roten Nase gibt es heute den hier:


Im Nebel ruhet noch die (Helgoland-) Welt ...

Oder besser gesagt: mal wieder! Fragt sich jetzt bloß, wie lange die Welt noch im Nebel ruht. Auch der Leuchtturm ist an. Der ist immer dann an, wenn die Helgolandwelt im Nebel ruht, bzw. wenn die Sicht schlecht ist. Und das ist sie ja bei Nebel. Wenn die Sicht schlecht ist, fliegen die Flieger nicht. Denn die Flieger fliegen auf Sicht. Da nützt auch der Leuchtturm nix. Im Prinzip stört mich das nicht weiter. Ich bin ja nicht diejenige, die sich mit genervten Fluggästen rumschlagen muss (Ihr da drüben auf der Düne habt mein volles Mitgefühl!) Mich stört das jedenfalls dann nicht, wenn ich selbst nicht von der Insel weg oder auf die Insel rauf will. Mich stört der Nebel allerdings ganz gewaltig, wenn ich sehnlichst auf die Orgelvertretung warte, die am Sonntag den Gottesdienst musikalisch begleiten soll. Und ich glaube, die Orgelvertretung stört der Nebel auch ganz gewaltig. Ich kenne das ja aus eigener Erfahrung: Da hängt man stundenlang auf dem Flugplatz rum und wartet und wartet. Den Spruch: "Da drüben ist alles dicht, da geht im Moment überhaupt nichts" kann man irgendwann auch nicht mehr hören. Und wenn es ganz Dicke kommt, dann geht den ganzen Tag nix und man kann nach Stunden der Warterei wieder nach Hause fahren, oder ins Hotel, je nachdem. (Orgelvertretung da drüben auf dem Festland: Du hast mein volles Mitgefühl!)





Zum Glück ist ja noch ein bisschen Zeit, denn meine Orgelvertretung soll erst heute Nachmittag fliegen. Ich sagte ja: Die Frage ist, WIE LANGE die Welt im Nebel ruht!

Und ich sollte jetzt weniger bloggen und mich wieder auf meine Arbeit konzentrieren. Da muss noch eine Predigt geschrieben werden (nein, nicht über das verlorene Schaf, auch wenn die Versuchung nach dem gestrigen Erlebnis groß ist). Einen Plan B für den Sonntagsgottesdienst sollte ich mir vorsichtshalber auch schonmal überlegen, falls die Helgolandwelt, oder die Bremerhavenwelt, oder die Helgoland-und-Bremerhaven-Welt, morgen auch noch im Nebel ruht. Dann schafft es meine Orgelvertretung nämlich nicht mehr rechtzeitig zum Gottesdienst und dann bin ich diejenige, die die Gemeinde musikalisch bzw. gesanglich bei Laune halten muss (Pastorin auf Helgoland: Du hast mein volles Mitgefühl!)

Ach ja, und dann muss ich ja noch mein Faschingshütchen für den Seniorenkaffee heute Nachmittag basteln. Und die geklaute Büttenrede etwas umschreiben, damit sie zu Helgoland passt.

Donnerstag, 12. Februar 2015

Schafe sind doof!

Das ist jetzt schon das zweite Mal, dass ich wegen dieser doofen Schafe nicht rechtzeitig im Büro war. Das sind ganz gemeine Viecher! Die haben es auf mich abgesehen! Die versuchen, meinen mühsam zusammengebastelten Terminplan durcheinander zu bringen! Das machen die doch mit Absicht!

Neulich hatte sich ein Schaf im Drahtzaun am Klippenrandweg verfangen. Sowas bemerke ich natürlich immer dann, wenn ich auf meiner morgendlichen Hunderunde unterwegs und sowieso schon viel zu spät dran bin. Hilfe musste her. Also sollte erstmal der nette Herr kontaktiert werden, der hier für die Pflege der Schafe zuständig ist. Dazu musste ich zum Telefonieren wieder nach Hause zurück, denn ich hatte mein Handy nicht mit. Bin dann pflichtschuldigst wieder an den Unglücksort, damit der nette Herr auch die Stelle finden konnte, wo das arme Tier feststeckte. Natürlich musste deshalb das Kirchenbüro erstmal geschlossen bleiben. Der nette Herr kam aber nicht. Und ich saß da am Klippenrandweg und versuchte, Fräulein Schaf zu beruhigen. 

Ich wäre auch aus dem Häuschen, wenn ich da so mit den Beinen im Draht festhängen würde. Und wenn der Bock auch noch ständig versuchen würde, mich zu bespringen, weil die Gelegenheit ja günstig ist und ich sowieso nicht weg kann. Ich verbachte meine Bürozeit also mit dem Versuch, Herrn Schaf von seiner gefangenen Geliebten fernzuhalten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass sich Fräulein Schaf nicht noch mehr verheddert.

Der nette Herr, der hier die Schafe pflegt, kam immer noch nicht. Zum Glück tauchte irgendwann ein anderer netter Herr auf, der morgens seine Runde übers Oberland dreht, die Mülleimer ausleert und bei der Gelegenheit auch Zäune flickt. Mit seiner tatkräftigen Unterstützung bekamen wir Fräulein Schaf endlich frei. Und ich war endgültig zu spät dran für meine Bürostunden. Seufz. (Soviel zum Thema "Die Pastorin ist ja nie da")

Auch heute war ich wieder zu spät im Büro. Wegen eines Schafs! Wieder morgendliche Hunderunde, wieder Schaf in Bedrängnis, wieder kein Handy dabei (Ich weiß: manchmal ich bin genauso doof wie die Schafe). Heute war es ein Schaf auf dem Schafstalldach. Ich sag' doch Schafe sind doof. Eigentlich müssen die doch wissen, dass sie IN den Stall gehören und nicht OBENDRAUF.  Da stand es nun und blökte herzzerreißend übers Oberland. Ich wollte schon mein Handy zücken, um meinen Feuerwehrkameraden eine WhatsApp zukommen zu lassen mit einem Foto und der Nachricht: Sagt mir bitte, bitte, dass das da von alleine wieder runterkommt!" Ich musste dann aber, wie gesagt, feststellen, dass ich mal wieder kein Handy dabei hatte.

Ich war ratlos und fragte mich: Wie kriegen wir die Kuh jetzt vom Eis? Beziehungsweise das Schaf vom Dach? Eine Kuh vom Dach holen musste die Feuerwehr hier ja auch schon, aber das war leider vor meiner Zeit. Sonst hätte ich vielleicht gewusst, wie man das macht und mich alleine drum kümmern können. Ich entschloss mich jedenfalls, die Hunderunde abzukürzen, das Handy zu holen und nochmal zum Stall zu laufen, um mir die Situation genauer anzusehen. Als ich wieder vor Ort war, war das Schaf nicht mehr auf dem Dach. Was für ein Glück! Es ist von alleine wieder runter gekommen. Juhu! Schafe sind zwar doof, aber offensichtlich doch bessere Kletterer als Kühe. Und ich? Ich kann zwar klettern, bin aber doof genug, ständig mein Handy zu vergessen, wenn Schafe in Not sind, und so meine Bürozeiten nicht einhalten zu können. (Immerhin habe ich es noch rechtzeitig zur Dienstbesprechung geschafft.)

Obwohl: So doof können unsere Schafe eigentlich gar nicht sein. Sie treiben sich nämlich oft genug auf dem Schulhof herum. Gärtnerisch fachkundig sind sie auch. Zumindest werden sie mit schöner Regelmäßigkeit auf dem Friedhof gesichtet, wo sie sehr akribisch den Pflanzenwuchs zurückstutzen. Besonders rote Tulpen haben es ihnen angetan. Bei so viel Bildungshunger und Fachkompetenz in der Landschaftspflege kann man doch nicht von doofen Schafen sprechen, oder?



Nachtrag
Mit freundlicher Genehmigung der Freiwilligen Feuerwehr Helgoland darf ich dieses Bild in meinen Blog stellen:


Genau da stand auch das Schaf heute Morgen.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Back to the Steinzeit?

Keine Ahnung, in was für einer Phase ich mich jetzt gerade wieder befinde, aber irgendwie bewege ich mich in der Zeit rückwärts. Ich ziehe es doch tatsächlich vor, mit der Hand zu schreiben. Stellt euch das mal vor! Im Zeitalter von Handy, Skype und Email sitze ich wirklich da und schreibe mit der Hand. Postkarten. Briefe auch.

Ich komme darauf, weil heute Mittwoch ist. Mittwochs schreibe ich immer eine Postkarte an meine Eltern. Mit einem irischen Segenswunsch drauf. Angefangen hatte das Ganze mit der Beschwerde meiner Eltern (die auf dem Festland leben, also gaaaaaaanz weit weg!), dass ich mich so selten melde. Geplagt von einem furchtbar schelchten Gewissen und überfallen von einem heftigen Kaufrausch habe ich mir schon im letzten Jahr einen Wochenkalender in Postkartenformat mit irischen Segenswünschen zugelegt. Mit der Absicht, im Neuen Jahr jede Woche eine Postkarte an meine Eltern zu schreiben. Gute Vorsätze für's Neue Jahr sind ja immer gut!
Ich fand die handgeschriebene Karte irgendwie besser, als die sporadischen Emails. Und da es Postkarten aus einem Wochenkalender sind, bin ich gezwungen, auch jede Woche zu schreiben. (Okay, ich hätte auch warten können bis Ende Dezember und dann alle 52 Karten in einem Päckchen rüberschicken. Aber das war ja nicht Sinn der Übung.) Außerdem ist es persönlicher, als darauf zu vertrauen, dass meine Eltern regelmäßig meinen Blog lesen, in dem sie ja auch ab und zu vorkommen. Und so ging es mit Beginn des neuen Jahres los: jede Woche eine handgeschriebene Postkarte nach drüben.



Das Schlimme ist: Die haben auch noch zurückgeschrieben! Per Hand! Auf echtem Briefpapier! Und ein echtes Foto beigelegt! Nicht einfach eine digitale Aufnahme mal eben durchs Netz gejagt, nein. Und ich hab' mich auch noch riesig gefreut. Das macht voll Spaß! 



Da interessiert es mich auch gerade gar nicht, dass keiner meine Sauklaue lesen kann. Ich selber eingeschlossen. Ich bin heute erst von meinen Konfirmanden darauf angesprochen worden, warum ich immer einen Strich übers U mache. Weil ich die Ns immer umdrehe. Ohne Strich über'm U könnte man die beiden nicht unterscheiden. Manchmal vergesse ich den Strich überm U auch und dann weiß ich selber nicht mehr, was ich da geschrieben habe.

Fragen konnten die Kids mich das nur, weil ich den Ablauf der Konfirmandenstunde per Hand aufgeschrieben hatte. Seht ihr: Da ist es schon wieder, dieses Handgeschriebene! Ich habe mich heute auch dabei ertappt, dass ich meine To Do Liste für den heutigen Tag per Hand auf ein Blatt Papier (OHNE Erinnerungsfunktion!geschrieben habe, anstatt sie wie sonst in mein Handy (MIT Erinnerungsfunktion!) einzutippen. So langsam wird mir mulmig. Wenn ich auch noch anfange, meine Predigten per Hand aufzuschreiben, dann bin ich echten Schwierigkeiten. Ich kann ja, wie schon erwähnt, meine eigene Schrift kaum lesen.

Aber damit nicht genug. Ich ertappe mich ebenfalls dabei, dass ich das Geschirr mal eben mit der Hand abwasche, anstatt es in den Geschirrspüler zu stecken. Omas altes Kaffeegeschirr habe ich auch wieder rausgekramt. Seit einiger Zeit bin ich schon dabei, den Keller nach altem Kram zu durchforsten, der sich noch irgendwie verwenden lässt. Wozu einen Hängetopf für den Balkon kaufen, wenn da noch der alte Badewannenhalter rumschwirrt, der sich genauso gut als Pflanzkübel eignet?! Neue Lampe kaufen? Nö! Der alte Lampenschirm vom Sperrmüll lässt sich bestimmt mit ein paar Stoffresten und einem Stück Treibholz in eine schöne Lampe verwandeln. Auch was meine Auswahl an Filmen betrifft, bin ich gerade ziemlich nostalgisch veranlagt. Immer wieder bekomme ich Anfälle von "Ich muss jetzt unbedingt einen Fred Astaire Film sehen". Ich habe mir außerdem gerade ein paar DVDs zugelegt mit Filmen und Serien, die ich vor ziemlich langer Zeit mal geguckt habe. Ich mag es kaum zugeben, aber darunter befand sich tatsächlich "Sommer in Lesmona". Mit Katja Riemann in ihrer ersten Fernsehrolle! So lange ist das schon her! Immerhin noch nicht ganz das Fred Astaire Zeitalter. Jetzt fehlt nur noch, dass ich morgens eine halbe Stunde früher aufstehe, um meinen Kaffee per Hand aufzugießen anstatt die Kaffeemaschine zu benutzen. ("Schwallbrühen"nennt man das, glaube ich.) Aber soweit ist es zum Gück noch nicht gekommen.

Ich frage mich gerade, was mich da erwischt hat: 
Der Retro-Virus?
Die Steinzeit- Infektion?
Das Back-to-the-Roots-Fieber?
Die Ich-lebe-im-21. Jahrhundert-Intolleranz?
Die Moderne-Technik-Allergie?
Keine Ahnung, was ich da gerade ausbrüte.

Aber solange es nicht damit endet, dass ich dauernd von mir gebe "Früher war alles besser" oder "Damals haben wir das aber soundso gemacht", besteht noch Hoffnung, dass ich das Ganze hier einigermaßen unbeschadet überstehe.

Dienstag, 10. Februar 2015

Nicht bibelfest und schlecht gekleidet

Wenn ich auf dem Festland unterwegs bin, fahre ich öfter mal mit dem Taxi. Das hängt zum Einen mit der nicht vorhandenen Anbindung des Flugplatzes in Österdeichstrich an die öffentlichen Verkehrsmittel in Dithmarschen zusammen. Zum Anderen ist die Nichtvereinbarkeit des Fahrplanes der Bahn mit dem Flugplan der OFD (Ostfriesischer Flugdienst) daran schuld. Aber so habe ich des Öfteren die Gelegenheit, mich ausgiebig mit Taxifahrern und Taxifahrerinnen zu unterhalten. (Manchmal will ich das gar nicht, aber das interessiert hier ja sowieso keinen - schon gar nicht die Taxifahrer.) Und oft genug genieße ich es auch.

Meistens kommt dann früher oder später raus, dass ich nicht auf Helgoland Urlaub mache, sondern da wohne. Die nächste Frage ist dann unweigerlich die nach meinem Beruf. Der Taxifahrer, der mich heute zu meinem Termin brachte, geriet daraufhin in totale Verzückung. Was mich wiederum total irritierte. Die erste Reaktion auf meinen Beruf ist fast immer der Satz: Ich bin schon längst aus der Kirche ausgetreten. (Macht ja nix. Kann ja jedem mal passieren.) Normalerweise bekomme ich dann als nächstes eine wüste Schimpferei über die Kirche ab, als ob ich persönlich für die Kreuzzüge verantwortlich wäre. (Hoffentlich sind wir bald da!

Aber nicht heute. Mein Taxifahrer war total begeistert. Er erzählte, dass er mit der Kirche auch viel zu tun hat, weil ihn die Offenbarung in der Bibel so fasziniert. Wegen der ganzem Symbole und Zeichen und so. Wie genau da der Zusammenhang aussieht, habe ich nicht erfahren. Ich wurde stattdessen darüber informiert, dass Obama ja schon in in der Bibel vorkommt. Da hat mich mein Taxifahrer doch tatsächlich ganz kalt erwischt! Ich konnte mich nämlich nicht daran erinnern, jemals etwas über Obama in der Bibel gelesen zu haben. Das muss wohl daran liegen, dass ich während meines Studiums keine so fleißige Studentin im Fach Bibelkunde war. Das kommt davon, wenn man nur soviel lernt, dass man es gerade so durch die Prüfung schafft. Also liebe Theologiestudierende: Ihr müsst ganz fleißig Bibelkunde lernen, damit euch nicht der Obama in der Johannesoffenbarung hinten runterfällt.

Mein Taxifahrer sah mich dann auch ganz erwartungsvoll an, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt, dass ich weiß, wovon er redet. Bin ja schließlich Pastorin. Er ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als ich nur verdaddert rausbrachte: Obama kommt in der Bibel vor??? (Sätze wiederholen verschafft Zeit zum Nachdenken. Hab' ich irgendwann mal gelernt.)
Er machte gleich weiter mit: Ja! die Merkel auch! 
(Ich hätte nicht gedacht, dass ich SO schlecht in Bibelkunde bin.)
Er: Angela Merkel ist die Hure Babylon und Obama ist das Tier.
(Aha ...)

Kleine Anmerkung am Rande: Damit ihr wisst, wovon ICH jetzt rede, solltet ihr es mal mit der Offenbarung, Kapitel 17, Verse 1-6 als Gutenachtlektüre versuchen. Beschwert euch aber nachher nicht, wenn ihr Albträume davon kriegt. Es geht da immerhin um Gotteslästerung und Betrunkensein vom Blut der Heiligen. (So betrunken sah Angie gar nicht aus, als ich sie das letzte Mal im Fernsehen gesehen habe.)

Ach so, ja: Und in zwei Jahren geht die Welt unter! Sagt mein Taxifahrer. Und ich hatte davon natürlich auch keine Ahnung. Als Pastorin so bibel-un-fest zu sein hat meinem Selbstwertgefühl gar nicht gut getan, das kann ich euch sagen!



Irgendwann musste ich natürlich auch wieder von meinem Termin zurück zum Flugplatz. Da hat dann Taxifahrer Nummer 2 angefangen, an meinem Ego zu kratzen. Auch hier erst wieder das übliche Geplänkel von:
"Wollen Sie nach Helgoland fliegen"
"Ja"
"Machen Sie da Urlaub?"
"Nein"
"Sie wohnen da?"
"Ja"
"Was verschlägt einen denn nach Helgoland?" 
(Jetzt geht das wieder los.)
"Sind Sie beruflich auf der Insel?"
(Hoffentlich sind wir bald da!)

Und dann guckt er mich von oben bis unten an und fragt allen Ernstes:
"Oder sind Sie'n Aussteiger oder sowas?"
(Wiebitte?!)

Ich hätte heute Morgen wohl doch etwas sogfältiger sein sollen bei der Auswahl meiner Kleidung. Schließlich repräsentiere ich hier eine wichtige Institution! Ich bin ja sozusagen Botschafterin unserer kleinen Helgoländer Gemeinde auf dem großen weiten Festland! Aber was ist das für eine Botschafterin, die weder bibelfest ist noch imstande, sich angemessen zu kleiden. Tz, tz, tz, ...

Montag, 9. Februar 2015

Pastorensonntag



So entspannend, wie ich es mir wünsche, ist mein Pastorensonntag leider nicht. Das erste Hindernis liegt schon darin, dass ich im Müll-Bezirk "Oberland 1" wohne. Montag ist einer der beiden Tage, an denen im Bezirk "Oberland 1" der Müll abgefahren wird - ab 7.00 Uhr. Ausschlafen? Denkste! Den Müll am Sonntag Abend schon rausstellen? Nix da! Wir wollen doch nicht, dass die Feriengäste sich durch den Anblick hässlicher Müllsäcke auf unserer schönen Insel gestört fühlen. Also versuchen wir natürlich alle, die Zeiten, in denen der Müll unsere hübschen Straßen verunstaltet, so kurz wie möglich zu halten. Der Zweite Grund sind die Möwen, die hier mit einer Wahnsinnsbegeisterung unsere Müllsäcke attackieren und alles zerpflücken, was sie in den Schnabel bekommen. Katzen können das auch gut -zwar ohne Schnabel, aber dafür mit Krallen. Ganz gemeine Geschütze werden da aufgefahren, ich sag's euch! Da Möwen und Katzen auch nie auszuschlafen scheinen, empfielt es sich übrigens, Gelbe Säcke und Restmüllsäcke gut abzudecken. Das olle Badetuch von Oma mit dem schrillen Blumenmuster eignet sich bestens dafür, die Müllsackangriffstrupps in die Flucht zu schlagen.

Jaja, ich weiß, da ist ja noch ein zweiter Müllabfuhrtag. Für den Bezirk "Oberland 1" wäre das der Donnerstag. Donnerstags kann ich sowieso nicht ausschlafen, weil das ja Arbeitstag ist. Also wäre das ein sehr guter Tag, um den Müll rauszustellen. Aber mein Hirn scheint die Funktion "Donnerstag Müll rausstellen" schon am Dienstag abzuschalten, so dass mir gar nicht einfällt, dass ich ja am Mittwoch schonmal alles sortieren könnte, damit es am Donnerstag vor die Tür kann. Am Donnerstagmorgen geht dann gar nichts mehr. Da ist mein Kopf vor dem ersten Kaffee noch so leer, dass die Müllraustellplanung im einem Vakuum verschwindet. Nach dem ersten Kaffee ist mein Hirn schlagartig so voll mit anstehenden Terminen und Aufgaben, dass da kein Müll mehr reinpasst. Ob sich so eine Fehlfunktion beheben lässt?

Wenn es Montags nicht an der Tür klingelt, dann klingelt das Handy. So wie heute. Ich konnte die Nummer als eine aus der Kirchenkreisverwaltung identifizieren. 
Soll ich rangehen? 
Nein, ist ja mein freier Tag. 
Oder lieber doch? 
Könnte ja wichtig sein. 
Sonst würden sie mich ja nicht auf dem Handy anrufen.
Rangehen oder nicht?
Mist, Anruf verpasst.

Schweißgebadet und mit zitternden Händen sitze ich in der Küche und starre mein Handy an.
Wenn es wichtig ist, wird die Person sicher eine Nachricht hinterlassen und um Rückruf bitten. 
Keine Nachricht. Hm ...
Soll ich die Nummer trotzdem zurückrufen?
Vielleicht hat er oder sie es ja schon über die Festnetznummer probiert und da eine Nachricht hinterlassen. 
Ich also ab ins Büro, Anrufbeantworter abhören.
Geht nicht. Alles tot. Kein Strom.
Sicherheitshalber doch nochmal die Mailbox meines Handys anrufen, um auch wirklich ganz sicher zu gehen, dass keine Nachricht hinterlassen wurde. Nein, keine Nachricht. Kann also doch nicht so wichtig gewesen sein. Außerdem: Wenn's wirklich, wirklich wichtig gewesen wäre, hätte derjenige doch bestimmt nochmal angerufen, oder?

Jedenfalls war ich Mittags um 13.00 Uhr schon ein nervliches Wrack. Ich bin mir sicher, dass viele Leute gar nicht ahnen, was sie uns Pastoren mit solch montäglichen Anrufen antun. 

Um meinen Kopf frei zu bekommen, habe ich mich erstmal auf Hunderunde begeben. Aber auch auf dem Spaziergang war es Essig mit Abschalten. Mein Hirn rotierte, denn ohne Strom war die ganze Planung für meinen freien Tag über den Haufen geworfen: 
Nähen - geht nicht. Die Nähmaschine braucht Strom.
Yoga - geht nicht. DVD Player und Fernseher brauchen Strom.
Film gucken - geht nicht. Siehe oben!
Lesen - geht nicht. Der Akku vom Kindle ist leer und zum Aufladen braucht der Strom.
Dann kam mir die zündende Idee: Mittagsschlaf! Dafür braucht man keinen Strom!!!

Zum Glück war der Strom wieder da, als ich vom Spaziergang zurückkam. Die ganze Grübelei, einen Plan B betreffend, hätte ich mir also schenken können.

Eine kleine Yoga-Einheit habe ich mir noch gegönnt. Die war auch wirklich entspannend. Aber das war's dann auch für heute. Ich konnte die Finger mal wieder nicht von den dienstlichen Emails lassen, weil ich nochmal nachsehen wollte, ob das mit dem anstehenden Festlandstermin morgen auch wirklich so stimmt. Ich bin nicht gerade eine Leuchte, wenn es darum geht, Termine im Kopf zu behalten. Und das Thema mit den Kalendern hatten wir ja schon. Jedenfalls: Wo ich sowieso schon mein Emailprogramm auf hatte, habe ich die restlichen dienstlichen Emails gleich mitgelesen. Seufz, ich bin so schlecht, wenn es darum geht meinen freien Tag auch wirklich frei zu halten.

Wenigstens habe ich für den Rest des Tages nicht mehr viel auf dem Zettel. Nur noch Sachen packen für den Festlandstripp morgen. Selbst wenn es nur als Tagestour geplant ist, kann man ja nie wissen. Wenn ich wegen Schlechtwetter nicht wieder zurückkomme brauche ich wenigstens eine frische Unterbüx und eine Zahnbürste. Naja, Duschgel, Shampoo, Bürste, Zahnpasta, Creme, Schlafanzug, Teddybär zum Einschlafen und ein frisches T-Shirt wären auch nicht schlecht. 

Ach ja, Ausgehuniform auf Vordermann bringen muss ich ja auch noch, denn heute ist Mitgliederversammlung bei der Feuerwehr. Das Hemd muss unbedingt gebügelt werden. (Ich will nicht bügeln, ich will nicht bügeln, ich will nicht bügeln, ...)

Aber bevor ich das Packen und Bügeln anfange, mache ich es mir erstmal mit einem Tee auf dem Sofa gemütlich und ...

NEIN!!! ES KLINGELT AN DER TÜR!!!

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Nachtrag

Nur für's Protokoll: Es hat tatsächlich an der Tür geklingelt, aber bis ich vorzeigbar war (schlumpfte hier ja noch im Yoga-Outfit rum), und aufmachen konnte, war keiner mehr da. Die Leute haben heutztage aber auch keine Geduld mehr.

Sonntag, 8. Februar 2015

Der Tag des Herrn

Der Sonntag ist zwar ein Feiertag, aber irgendwie ist mir heute gar nicht feierlich zumute. Das fing schon damit an, dass ich mit Schuldgefühlen aufwachte, weil ich den Gottesdienstbesuchern meine Knoblauchfahne antun musste. Ich bin da wirklich schwer traumatisiert.

Das habe ich meiner Mathelehrerin zu verdanken, die mich arme kleine Fünftklässlerin zur Schnecke machte, als ich mit Knoblauchatem in die Schule kam. Zu ihrer Verteidigung sei zu sagen, dass der Verzehr von Knoblauch und damit verbundene Körpergerüche damals nicht gerade gängig waren. Heute gibt es an jeder Ecke eine Dönerbude (nur auf Helgoland nicht), mediterrane Gerichte sind total in, und so sind wir einfach an den Knoblauchdunst gewöhnt. Fies fand ich die Reaktion meiner Mathelehrerin allerdings schon. Ich hatte schließlich keine Chance, mich gegen Knoblauch zu wehren, selbst wenn ich es gewollt hätte. Ich hatte wenig Einfluss auf die Menüauswahl zu Hause. Bei uns wurde gegessen, was auf den Tisch kam. Basta! Na gut. Ganz so war es auch nicht. Ich durfte mir schonmal was wünschen. Aber es hätte wirklich nicht jeden Tag Hähnchen mit Reis und Mais geben können (mein damaliges Lieblingsgericht), nur damit meine Lehrer keine Atembeschwerden kriegen.

Jedenfalls sitzt mir dieses Erlebnis noch ziemlich im Nacken und ich bemühe mich redlich, am Samstagabend keinen Knoblauch zu mir zu nehmen. Schon gar nicht, wenn Sonntag Abendmahl gefeiert wird, und ich meinen Schäfchen mit dem Abendmahlskelch zu Leibe rücken muss. Gestern allerdings konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, mir diese leckere Scampipfanne reinzuziehen. Das Ergebnis war, wie schon gesagt: gepflegte Schuldgefühle am Tag des Herrn.

Wenigstens ist heute Morgen niemand wegen der pastoralen Knoblauchfahne vom Stuhl gekippt. Der Wunsch, ein Fenster zu öffnen, wurde ebenfalls nicht geäußert. Also kann es nicht so schlimm gewesen sein.

Und dann soll ja eigentlich nach dem Sonntagsgottesdienst mein Wochenende anfangen. Gott hat am siebenten Tag geruht und wir sollen das auch - vorzugsweise am Sonntag. Ach ja, und sich ganz auf Gott und die Ausübung der Religion konzentrieren. Dafür ist dieser arbeitsfreie Tag in der Woche mal angeschafft worden. Echt jetzt! Kaiser Konstantin ist schuld. Dem ist das 321 nach Christus mal eingefallen. Das klappt bei mir aber irgendwie selten. Meistens steht da doch noch ein Geburtstagsbesuch an (okay, das ist Ausübung der Religion) oder ich versuche, den Berg von Emails abzuarbeiten, damit ich mich am Pastorensonntag (dem Montag) nicht damit beschäftigen muss. Und damit ich am Pastorensonntag meine ganze Aufmerksamkeit den armen Menschen widmen kann, die furchtbar schlecht sehen und deshalb das Schild an der Eingangstür nicht lesen können, auf dem steht: Montag Ruhetag!

Heute habe ich tatsächlich nur ein paar Emails auf meiner To Do Liste, stellte aber im Gespräch mit einer Gemeinderätin fest, dass ich ja mal wieder dringend die Wohnung saubermachen müsste. (Jaja, ich weiß: das fällt weder unter "Ausübung der Religion" noch unter "ruhen".) 
Sie: Vielleicht solltest du dir doch einen dieser Automaten besorgen, die von alleine staubsaugen.
Ich: Die putzen aber nicht die Klos.
Sie: Und du hast auch gleich drei davon.
Ich: Ja, und die werden auch alle benutzt.
Sie: Vielleicht solltest du nur eins auflassen und die anderen zunageln.


Wie ihr seht, werde ich von meinem Kirchengemeinderat immer gut beraten. Deshalb heißt dieses Gremium ja auch inzwischen KirchengemeindeRAT und nicht mehr KirchenVORSTAND. Ist auch gut so. Wenn ich mit vorstelle, dass die meiner nicht immer ganz sauberen kirchlichen Dienstwohnung vorstehen würden, ungeputzte Klos inklusive, ..., naja, lassen wir das.

Ich denke mir nur gerade, dass es doch auch würdigere Arten geben muss, den Tag des Herrn zu verleben, als mit Knoblauchfahne, Emailabarbeitungswut und Kloputz. Aber mal ehrlich: WANN SOLL ICH DAS SONST TUN???!!!
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P.S.: Ich habe gerade beschlossen, mit dem Stolz einer total inkompetenten Hausfrau dieses T-Shirt zu tragen und die ungeputzten Klos ungeputzte Klos sein zu lassen. Bügeln werd' ich's vorher auch nicht!

(Jesus sagt: Hausarbeit kann warten. Er will, dass wir uns über unsere Prioritäten im Klaren sind. Bibelverweis: Lukas 10, 41)

Und damit wünsche ich uns allen einen schönen Sonntag!