Mittwoch, 23. Dezember 2015

Lucky wird noch berühmter

Erinnert sich noch jemand an Lucky? Das war der kleine Jack-Russel Terrier, der hier von der Klippe geweht wurde. Ich habe am 30.12.2013 darüber berichtet unter dem Titel "Notfallseelsorge der besonderen Art".

Jetzt gibt es die Geschichte auch als Kinderbuch. Lucky heißt darin zwar Otto, meine Jessie sieht sich nicht so wirklich ähnlich, und es gibt noch ein paar andere Dinge, die der künstlerischen Freiheit zum Opfer gefallen sind, aber ansonsten passt das schon. Jedenfalls hatte ich heute ein Exemplar des Buches in der Post und habe mich riesig gefreut. Das Buch ist, wie ich finde, richtig gut gelungen. Total süüüüüüüüüüüüüüüüß!

Tja, und die Helgoländer Feuerwehr landet mit ihren Rettungsaktionen nicht mehr nur im Fernsehen sondern jetzt auch in Kinderbüchern. Wir cool :-D

Vielen Dank an die Autorin Christine Gerlach für dieses nette Weihnachtsgeschenk!


Dienstag, 22. Dezember 2015

Engel gut, alles gut

Mein Tannenbaum hat es tatsäch noch rechtzeitig auf die Insel geschafft, ich habe genügend Engel gebastelt (25: 24 für die Tage im Advent und einen für Weihnachten) und irgendwie blieb bei dem, was Pastorin vor Weihnachten alles zu tun hat, noch Zeit, um den Baum zu schmücken. Wie ich das hingekriegt habe, weiß ich nicht, aber es hat geklappt. Super! Denn dann kann ich morgen ganz entspannt auf Strohballensuche gehen und zig Bettlaken bügeln - für's Krippenspiel natürlich, nicht für die Weihnachtsdeko im Patsorat ;-)











Samstag, 19. Dezember 2015

Ein kleiner Hinweis am Rande

Was man einer Pastorin eine Woche vor Heiligabend auf gar keinen Fall zumuten sollte, weil sonst die Gefahr einer Zwangseinweisung noch vor dem ersten Weihnachtsgottesdienst besteht:

- Das Ausfindigmachen rausgesprungener Sicherungen 
  (besonders ohne Taschenlampe im dunklen Gemeindehauskeller!)
- Den Gang zum Zoll (der sich auf dem UNTERLAND befindet!), um Sendungen abzuholen
- Das Ablesen von Zählerständen
- Das Regeln von Unklarheiten bei Nebenkostenabrechnungen
Die Klärung, ob der bestellte Tannenbaum auch wirklich bestellt wurde 
  (spätestens hier liegen die Nerven schon blank, aber einmal kommt vor Heiligabend ja noch Fracht)
- und damit verbunden: Sturm (dann kommt nämlich keine Fracht mehr)!
- Das Zurverfügungstellen von Bastelanleitungen für Engel
- Das Bezahlen von Geldern nach einem Spendenlauf
- Das Aushängen von Veranstaltungsplakaten
- Das Auftreiben von Krippenspielkostümen
- Das Erledigen von Bürokram
- und damit verbunden: den Weg zum Briefkasten
- Das Hinterhertelefonieren (in welcher Angelegenheit auch immer)
- Die Suche nach unauffindbaren Schlüsseln
- Das Auseinanderfallen von Badezimmermöbeln, das gezwungenermaßen zum Aufbau neuer Badezimmermöbel führt
- Einschreiben, besonders wenn man die auch noch von der Post (ebenfalls UNTERLAND!!!) abholen muss
- Weihnachtspäckchen für Herrn K. im Pastoratsflur (Wo sind meine???!!!)
Den Hinweis aus dem Munde geschätzter Kollegen, dass DIE ihre Weihnachtspredigten ja schon fertig haben
- Das Anbieten selbstgebackener Plätzchen, egal zu welchem Anlass

Teekochen und Aufreißen einer Zimtsterntüte für die Gottesdienstablaufbesprechung sind dagegen gerade noch vertretbar.


Samstag, 12. Dezember 2015

Gefilzte Ökumene



So, und hier ist das protestantische Schaf, das an Weihnachten die katholische Weihnachtskrippe zieren wird. Auch wenn es zwischendurch mehr nach einer Kreuzung aus Kegelrobbe und Kuh aussah,  ist es am Ende doch zu einem echten ökumenischen Botschafterschaf zurechtgefilzt worden. Ein Schild mit der Aufschrift "Ich bin dagegen!" (von wegen protestantisch und so) haben wir uns verkniffen. Außerdem: Ein Schaf mit einem Schild, auf dem steht "Ich bin dagegen!" sieht in jeder Weihnachtskrippe blöd aus, nicht nur in einer katholischen. Ich habe jedenfalls trotz zerpiekter Finger ein neues Hobby: Trockenfilzen! (Beim Trockenfilzen wird Wolle so lange mit Nadeln gepiekt, bis sie vor lauter Frust ganz filzig wird. Naja, und ich habe, dusselig wie ich nun mal bin, nicht nur die Wolle gepiekt sondern auch meine Finger.)

Hm, vielleicht bekommt der Pastoratstannenbaum im nächsten Jahr lauter Filzschafe anstatt Gesangbuchengel. Dann muss ich allerdings jetzt schon mit der Schafherstellung anfangen, sonst ist das nie zu schaffen. In diesem Sinne: euch allen einen gesegneten dritten Advent und MÄÄÄÄÄÄH!

Freitag, 11. Dezember 2015

Reif für den Therapeuten?



Ich wurde gerade gefragt, ob ich mir eigentlich selber zuhöre. Dabei hatte ich nur gesagt: "Ich habe keine Lust, einen Engel zu basteln. Aber ich muss heute noch einen Engel basteln, sonst muss ich morgen zwei Engel basteln und das kann ich nicht, weil ich morgen Schafe basteln muss." Naja, und darauf kam die Frage: "Hörst du dir eigentlich selber zu?" Eigentlich kam davor noch eine andere Frage: "Und was sagt dein Therapeut dazu?" Nix sagt mein Therapeut dazu! Hab' ja gar keinen Therapeuten. Brauch' auch keinen, denn im Moment tickt in meinem Kopf noch alles genau so, wie es soll.

Ich finde es absolut logisch, nachvollziehbar und verständlich, dass ich heute noch einen Engel basteln muss, damit es morgen nicht gleich zwei sind. Ich habe mir nämlich vorgenommen, meinen Weihnachtsbaum in diesem Jahr mit selbstgebastelten Engeln zu bestücken. Ich tue das nicht, weil mir während der Adventszeit sonst langweilig wäre. Die noch anstehenden Weihnachtspredigten und der Gottesdienstmarathon, der bald losgeht, sorgen schon dafür, dass mir nicht langweilig wird. 

Ich möchte meinen Tannenbaum voller Engel haben, weil die Engel aus alten Gesangbuchseiten gebastelt werden. Ich finde die Vorstellung einfach wunderschön, dass an meinem Tannenbaum Engel hängen, die aus Liedern und Gebeten bestehen, die schon von ganz vielen Menschen gesungen und gebetet wurden. 

Anmerkung: Ja, die Gesangbuchseiten sind aus dem Gotteslob der katholischen Kirche. Die hat nämlich ein neues Gotteslob bekommen und braucht das alte nicht mehr. Also können aus dessen Seiten Engel gebastelt werden. Unser auch nicht mehr so ganz neues Evangelisches Gesangbuch wird dagegen noch gebraucht und kann deshalb nicht zur Engelherstellung zweckentfremdet werden.

Wenn ich also einen ganzen Tannebaum mit diesen Engeln bestücken möchte, dann brauche ich eine ganze Menge Engel. Und eigentlich brauche ich noch viel mehr als nur eine ganze Menge Engel, weil ich die Engel ständig verschenke. Jedenfalls habe ich ausgerechnet, dass ich ab jetzt jeden Tag einen Engel basteln muss, damit der Weihnachtsbaum am Ende nicht zu kahl aussieht. Jeden Tag einen Engel zu fabrizieren ist auch nicht so anstrengend wie an einem Tag alle auf einmal basteln zu müssen. Zwei würde ich morgen allerdings locker schaffen, wenn, ..., ja wenn da nicht die Schafe wären. Ich bin nämlich morgen zu einem adventlichen Nachmittag in der katholischen Kirche eingeladen und im Verlauf dieses adventlichen Nachmittags sollen u.a. Schafe gebastelt werden. Da mir an einer guten ökumenischen Beziehung sehr gelegen ist, sind morgen also Schafe dran, nicht Engel.

Genau aus diesem Grund muss ich heute noch meinen Engel basteln, obwohl ich eigentlich keine Lust mehr dazu habe und lieber auf dem Sofa abpelzen würde. Vielleicht sollte ich sogar gleich zwei Engel basteln, damit ich morgen mehr Zeit für mehr Schafe habe. Bin ich deshalb gleich reif für den Therapeuten???

Fanpost





Na, das ist doch mal eine originielle Art der Adressierung! Ich habe tatsächlich herzlich gelacht, als ich diesen Brief heute zwischen der übrigen Post vorfand.

Gelacht habe ich allerdings nicht mehr, als ich die in dem Umschlag befindliche Karte las. Der Inhalt dieser Karte hat mich eher traurig gemacht, besonders weil ich mal wieder nicht in der Lage war zu helfen - wie so oft.

Jemand hatte mich und meine Quietscheenten im Fernsehen gesehen und wollte wissen, wo ich denn die Krippen-Enten erstanden habe. Dieser Jemand wollte ein Kind beschenken, das in diesem Jahr beide Elternteile verloren hat. Die Hoffnung war, mit den Krippen-Enten ein Lächeln auf ein sonst so trauriges Gesicht zu zaubern.

Meine Enten waren ja ein Geschenk und stammen aus den USA, aber ich konnte mich erinnern, dass ich mal welche bei einem Internetanbieter bestellt hatte, um sie selber zu verschenken. Leider musste ich feststellen, dass es dort diese Entchen nicht mehr gibt. Ich habe Stunden im Internet rumgesurft und "Onkel Google" bis zum Umfallen malträtiert. Aber "Onkel Google" hat gesagt: "Du kannst hier noch 5 Stunden rumsuchen, ich habe einfach keine Krippen-Enten für dich! Und wenn da doch welche sind, dann sage ich dir nicht, wo sie sich verstecken, bäääääh!"

Mist! Mist! Mist! Ganz großer Mist!!!

Wenn also jemand weiß, wo es Quietscheenten als Krippenfiguren gibt, dann meldet euch! Die Adresse lautet übrigens Schulweg 648 auf Helgoland. Die Haarfarbe und die Altersangabe könnt ihr weglassen - das kommt trotzdem an ;-)

Dienstag, 8. Dezember 2015

Barmherzigkeit



Dieses Gebet der Heiligen Schwester Faustina war heute in meinem Adventskalender:

"O Herr, ich möchte mich ganz in Deine Barmherzigkeit umwandeln und ein lebendiges Abbild von Dir sein. (...)

Hilf mir, o Herr, dass meine Augen barmherzig sind, damit ich niemals nach äußerem Anschein verdächtige und richte, sondern das wahrnehme, was in den Seelen meiner Nächsten schön ist und komme ihnen zu Hilfe. 

Hilf mir, dass mein Gehör barmherzig ist, damit ich mich zu den Bedürfnissen meiner Nächsten neige, damit meine Ohren nicht gleichgültig für Leid und Klage der Nächsten bleiben. 

Hilf mir, Herr, dass meine Zunge barmherzig ist, damit ich niemals abfällig über meine Nächsten rede, sondern für jeden ein Wort des Trostes und der Vergebung habe. 

Hilf mir, Herr, dass meine Hände barmherzig und voll guter Taten sind, damit ich meinem Nächsten nur Gutes tue und schwierigere, mühevollere Arbeit auf mich nehme. 

Hilf mir, dass meine Füße barmherzig sind, damit ich meinen Nächsten immer zu Hilfe eile und die eigene Mattheit und Müdigkeit beherrsche (...).

Hilf mir, Herr, dass mein Herz barmherzig ist, damit ich alle Leiden der Nächsten 
empfinde (...). Möge Deine Barmherzigkeit, o mein Herr, in mir ruhen..." 

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Fernsehauftritt



Der Lippenstift macht gelbe Zähne! Das Outfit ist voll daneben! Die Falten im Gesicht waren gestern noch nicht da! Die Stimme hört sich gar nicht an wie meine! Und überhaupt: Wer hat mir da bloß dieses dämliche Kissen in den Rücken geknautscht?! 

Das waren die Dinge, die mir beim nachträglichen Betrachten meines Fernsehauftritts durch den Kopf gingen. Der einzige, der von meinen Klamotten beeindruckt war, war der Moderator. Der konnte sich nämlich gar nicht darüber einkriegen, dass es GRÜNE(!) Kollarhemden gibt. Naja, schwarz durfte ich ja auch nicht tragen, weil es sonst technische Probleme gegeben hätte oder die Kamera explodiert wäre oder was weiß ich. Das stimmt tatsächlich! Man hatte mich vorab via Email instruiert, dass ich bitte weder schwarze noch weiße noch gemusterte Kleidung tragen möge. Die hatten auch echt Probleme mit meinem weißen Krageneinsatz und mussten eine Menge an der Kamera rumjustieren, damit der weiße Einsatz später im Fernsehen nicht schwarz aussieht. Tut mir echt leid, Leute! 

Jedenfalls bin ich nach all den Unbilden, die ich für zehn Minuten Fernsehauftritt auf mich nehmen musste, zu dem Ergebnis gekommen, dass ich mir das so schnell nicht wieder antun muss: Hetze nach dem Gottesdienst, um sicher zu gehen, dass ich trotz Sturm überhaupt von der Insel komme, drei Weihnachstmarktbesuche in drei Tagen (zwei davon im strömenden Regen!), abgeräumtes Bankkonto wegen Extrem-Shoppinganfall (naja, wenn man schonmal auf dem Festland ist ...), Kaffeeflash (Beruhigungstee gab's leider nicht), steifer Nacken vom stundenlangen Rumsitzen in der Maske (okay, eigentlich war's nur 'ne halbe Stunde und ich hab' mich da echt nett mit der Visagistin unterhalten, aber darüber kann man ja dann nicht rumjammern), im Studio dann eine brüllende Hitze durch die Scheinwerfer, Joggingrunde durchs NDR-Gebäude in letzter Minute, damit auch der Besenstiel-Wegweiser noch seinen Auftritt bekommt, Schweißrinnsale unter den Armen, die einen denken lassen, ich hätte die ganze Nordsee mitgebracht - und das alles dafür, dass man am Ende doch nicht das von sich gibt, was man unbedingt im Fernsehen mal loswerden wollte!

Also ehrlich! Da muss eine zwanzigminütige Predigt auf 30 Sekunden geschrumpft werden und die Welt wundert sich, warum im Fernsehen so viel Müll erzählt wird. Wenigstens war der Besenstiel dabei! Auch wenn es gar nicht der Originalbesenstiel aus meiner Predigt war, denn den wollte ich neben meinen ganzen nicht-schwarzen, nicht-weißen und nicht-gemusterten Klamotten nicht auch noch in den Flieger bugsieren. Außerdem waren da noch die Quietscheenten. Die haben mich vor die Wahl gestellt: Entweder wir oder der Besenstiel! Okay, und dann wollte ich mich auch nicht dem Spott des Flugplatzpersonals aussetzen, das sich darüber lustig macht, dass Frau Pastorin mit Besenstiel durch die Gegend fliegt. Konnte ja auch keiner ahnen, dass der Besenstiel für die Sendung so wichtig ist. Jedenfalls haben alle eine mittelschwere Krise gekriegt, als sich rausstellte, dass ich den Besenstiel nicht mitgenommen hatte. Wenigstens hatte ich den Wegweiser in Richtung Himmel dabei und mit Hilfe des Regieassistenten, der mal eben einen Besen zerlegt hat, konnten wir dann meinen Predigt-Besenstiel-Wegweiser nachbauen. Seht ihr: beim Fernsehen ist sowieso alles nur Fake.

Wenigsten habe ich es hinbekommen, mich in einigermaßen zusammenhängenden Sätzen zu äußern, niemanden in ernste Schwierigkeiten zu bringen (auch mich selbst nicht, obwohl: der Anruf vom Bischof kann ja noch kommen ...) und mich nicht als kompletten Deppen zu outen.

Und eigentlich bin ich, glaube ich, auch so ziemlich die einzige, die von diesem Fernsehauftritt nicht allzu begeistert ist. Alle, die mich bisher drauf angesprochen haben, haben sich sogar lobend geäußert. Kann also nicht so schlimm gewesen sein, wenn man mal von meinen zerrütteten Nerven absieht. Aber was tut man nicht alles für den Verkündigungsauftrag!

Und deshalb traue ich mich jetzt auch, den Link zu der Sendung hier nochmal reinzustellen, damit Besenstiel und Enten ihre verdiente Beachtung bekommen:

Samstag, 7. November 2015

Welche Jahreszeit?

Mein Garten denkt, es ist Frühling! Wir haben angenehme 15 Grad, Geranien und Rosen blühen wie doof, und überall sprießen frische grüne Triebe. Da kam ich mir fast blöd vor, als ich vorhin Tannengrün geholt habe, um meine Blumentöpfe damit zu bestücken. Ich meine, mal ehrlich: Steht da bald der erste Advent vor der Tür, oder was?!



Die Natur scheint das jedenfalls nicht zu wissen. Wenn jetzt noch die Sonne scheinen würde, könnte ich es mir nochmal im Strandkorb gemütlich machen. Aber der muss heute wirklich noch in sein Winterquartier, denn es ist Sturm angesagt. Ab Windstärke 9 haut es ihn nämlich regelmäßig um, und da ich nächstes Frühjahr kein Kleinholz als Sitzgelegenheit haben will, muss ich mich wohl oder übel für den Winter von ihm trennen. Bloß: Welcher Winter???



Die Rosen habe ich vorhin noch aus meinem eigenen Garten geklaut. Bevor die Grünkohlfahrer es tun. Ach nein, die nehmen ja nicht mit, sondern lassen da: Bierdosen und Weinflaschen - leer natürlich!
Aber eigentlich hat das durchaus seine Vorteile. Wie sollte ich sonst wissen, dass Winter ist? Die ersten Bierdosen kündigen immer die Grünkohlsaison an, und damit weiß ich: es ist Winter! Eigentlich.

Dienstag, 3. November 2015

Kirchputz

Also, ich bin ja der Meinung, wir führen den Ablasshandel wieder ein! Zumindest hier auf Helgoland! Dann kann ich allen Leuten Geld dafür abknöpfen, dass Gott ihnen ihre Sünden vergibt und mit diesem Geld kann ich dann unserer Küsterin mehr Küsterstunden bezahlen. Oder einen Hausmeister einstellen. Oder beides, denn hier wird ja immer sowas von gesündigt, dass da schon ordentlich Kohle zusammenkommen dürfte.

Woher diese total anti-lutherischen Gedanken kommen? Vom Kirchputz!

Unser Kirchengemeinderat hatte sich heute zum Kirchputz verabredet, um unsere Küsterin ein wenig zu entlasten. Wundersamerweise ist unser Kirchengemeinderat allerdings über Nacht auf zwei Leute zusammengeschrumpft. Jedenfalls waren Frau C. und ich die einzigen, die heute verabredungsgemäß zum Kirchputz angetreten sind. So eine Kirche sieht auf einmal viiiiiiiiel größer aus, wenn man nur zu zweit ist, um sie sauberzumachen, das kann ich euch sagen! Ich wollte ja schon aufgeben und einen neuen Kirchputztermin anberaumen, aber Frau C. war dafür um so motivierter, wenigstens das Staubwischen durchzuziehen. Naja, dachte ich, ich kann ja dann die Polster auf den Kirchenbänken ausklopfen, während Frau C. dem Staub zu Leibe rückt. Und so war ich, ohne dass ich es wollte, schon bei der Arbeit.



Mit Staubwedel, Putzlappen, gefühlten 100 km Verlängerungskabel und einem Staubsauger, der aussieht wie R2-D2, stürzten wir uns am Ende dann doch noch ganz ins Kirchputzvergnügen. 

Aber so vergnüglich war die Angelegenheit wohl nicht, denn als ich da so zwischen Bankreihe 9 und Bankreihe 10 staubsaugte, überschwemmten diese ketzerischen Gedanken vom Ablasshandel mein Hirn. Und das so kurz nach dem Reformationstag! 

Vielleicht war es der Frust darüber, dass ich mir einfach nicht merken konnte, unter welcher Kirchenbank ich schon gesaugt hatte, der mich darüber nachdenken ließ, was ich statt Kirchputz viel lieber tun würde: Mit Frau C. Kaffee trinken und Ideen zum weihnachtlichen Krippenspiel austauschen zum Beispiel. Völlig entnervt war ich dann, als auch noch mein Trick mit der Jacke versagte. Ich hatte irgendwann angefangen, meine Jacke, die ich aufgrund erhöhter Transpirationsgefahr abgelegt hatte, über die Kirchenbank zu hängen, unter der ich gerade saugte. Damit ich nicht vergaß, dass ich da gerade gesaugt hatte! Blöd nur, wenn man weitersaugt, ohne die Jacke mitzunehmen. Als ich feststellte, dass ich den Fußboden unter diversen Kirchenbänken schon zum dritten Mal besaugte, fand ich die Sache mit dem Ablasshandel auf einmal gar nicht mehr so schlimm. Außerdem will ich ja nicht gleich einen ganzen Dombau mit dem Geld finanzieren. Aber der kleine Playmobil-Luther, der da auf dem Staubsauger saß (Luther meets R2-D2!) und mir ganz vorwurfsvoll die Bibel entgegenhielt, machte mir ein derart schlechtes Gewissen, dass ich jeden Gedanken an die Wiederbelebung des Ablasshandels beiseite schob.





Eigentlich hatten wir Martin zur moralischen Unterstützung mitgenommen, und nicht um den moralischen Zeigefinger zu heben (wenn er denn einen hätte). Aber: einmal ein Luther, immer ein Luther! Und so konnte er mir natürlich so Sachen wie das Grübeln über Ablasshandel nicht durchgehen lassen.

Da der Ablasshandel ab Bankreihe 11 nun als verbotenes Gedankengut deklariert war, musste ich auf andere Art meine Motivation aufrecht erhalten. Frau C. war da eine große Hilfe, denn von ihr kam der Vorschlag, dass wir uns doch nach dem Kirchputz mit Waffeln, Vanilleeis und heißen Kirschen belohnen könnten. Ich glaube, unter den letzten Bankreihen in unserer Kirche ist noch nie so schnell gesaugt worden!

Ach ja, und bevor ich es vergesse: Ihr müsst jetzt natürlich alle eure Schuhe ausziehen, bevor ihr unsere Kirche betretet! Ist ja wohl klar! Nehmt am besten gleich ein paar Hausschuhe mit, dann wird's nicht so kalt an den Füßen.

Samstag, 17. Oktober 2015

Lieder stecken

Ich habe mich heute selbst zum Küsterdienst verdonnert, denn meine Küsterin hat Urlaub. Eigentlich wäre ich ja dafür, dass hier überhaupt niemand Urlaub nimmt, egal ob es sich nun um haupt- oder ehrenamtliche gute Geister handelt. Ich brauch' euch doch! Das gibt hier immer Chaos, wenn eine/r von euch im Urlaub ist!!!

Jedenfalls bin ich Samstags in der Regel mit Kirche aufschließen dran, zumindest dann, wenn Herr K. nicht vor Ort ist. Herr K. ist nämlich immer sehr fleißig und geht morgens schon Orgel üben. Oder Brötchen holen. Und dann schließt er auch gleich die Kirche auf, damit Frau Pastorin sich ein bisschen länger ihrem Schönheitsschlaf widmen kann. Das finde ich total nett von Herrn K.! Herr K. ist aber leider noch nicht auf der Insel, weil gestern kein Flieger flog. Heute morgen flog auch kein Flieger. (Ich finde, Nebel sollte wirklich abgeschafft werden!) Also kommt er heute mittag mit dem Schiff. Da muss die Kirche aber schon auf sein.

Da ich also heute morgen ohnehin in der Kirche schwer beschäftigt war (zum Aufschließen gehört nicht nur das Öffnen der Kirchentür sondern auch Licht anmachen, abgebrannte Gebetskerzen einsammeln, Korb mit frischen Gebetskerzen auffüllen, Gedenkbuch umblättern und Postkarten und Bücher nachfüllen), dachte ich mir, dass ich ja schonmal die Liednummern für den morgigen Gottesdienst stecken könnte. Ja: wir sind hier noch so vorsintflutlich und benutzen Liedtafeln anstatt einer Hightech-Ausrüstung in Form eines Beamers, der die Nummern einfach an die Wand wirft.

Nummern geworfen hätte ich heute am liebsten auch: den ganzen Zahlenkasten durch die Kirche. Aus Frust. Denn so einfach ist das mit dem Nummernstecken nicht. Das Resultat des selbstverordneten Küsterdienstes: drei abgebrochene Fingernägel, ein blauer Fleck an der linken Hand und ein paar Schrammen! Und nein: Ich habe das NICHT zum ersten Mal gemacht! Eigentlich weiß ich, wie das geht. Wirklich! Aber irgendwie wollten die Zahlen heute nicht so, wie ich das wollte. Oder das Holz der Liedtafeln war verzogen, oder was weiß ich. Ich bekam die blöden Zahlen einfach nicht in die vorgesehenen Rillen geschoben. Jedenfalls nicht, ohne mir dabei ziemlich wehzutun. 


Böse, böse, böse (!) Zahlen!

Aber ich bin ja kreativ und dachte: wenn es seitwärts nicht geht, dann vielleicht einfach von oben reinstopfen. (Muss ich diese Tätigkeit dann umbenennen, von "Lieder stecken" auf "Lieder stopfen"?) 
Mit ein bisschen Gewaltanwendung war ich dann schließlich erfolgreich: Alle Zahlen formschön plaziert und bombenfest. Ich habe zwar keinen blassen Schimmer, wie wir die da wieder rauskriegen sollen, aber darüber mache ich mir Gedanken, wenn die Lieder für den nächsten Gottesdienst gesteckt (gestopft?) werden müssen - also erst nächste Woche.


Und dabei hatte ich noch relativ wenig Arbeit mit den Nummern, da ich nicht auch noch die Versnummern stecken / stopfen musste. Das ist der Vorteil, wenn Frau Pastorin festlegt, dass bei den Liedern alle Strophen gesungen werden. Und der Psalm hat sowieso keine Strophen. Nur das Sanctus (Heilig, heilig, heilig - für die Nichtlateiner unter euch) beim Abendmahl braucht eine Strophe, damit auch das richtige Sanctus gesungen wird. Es gibt da nämlich mehr als eins unter der Nummer 672, jawoll! Wobei ich mir das Sanctus eigentlich hätte schenken können. Das singt sowieso nie jemand mit. Aber ich setze in diesem Fall darauf, dass der Mensch ein Gewohnheitstier ist und gewohnheitsmäßig einfach die Nummer im Gesangbuch aufschlägt und lossingt, ohne groß darüber nachzudenken. So nach dem Motto: "Huch, jetzt hab' ich's ja doch mitgesungen!" Vielleicht klappt's ja.

Schade nur, dass es in der Schatztruhe mit den Nummern keine Punkte gibt, mit denen man die Strophennummer sichtbar von der Liednummer abtrennen kann. Bindestriche und Pluszeichen sind vorhanden, aber keine Punkte. Da hat der Erfinder der Steck (Stopf) - Nummern mal wieder nicht  nachgedacht.

Mit den beiden Liedtafeln auf der anderen Seite der Kirche ging es zum Glück leichter, denn da werden die Nummern weder gesteckt noch gestopft, sondern ganz einfach in die vorhandenen Rillen eingehängt. Auf diesen Liedtafeln sind die Rillen nämlich oben und nicht unten. Resultat: Keine nennenswerten Verletzungen - die Südseite der Kirche ist also gefahrlos zu bestecken / bestopfen / behängen. Und Strophennummern kann man da auch gut abtrennen, denn die Liedtafeln sind dunkler und man kann einfach einen Kreidepunkt aufmalen. Cool, oder?

Und jetzt noch so eine kleine Anmerkung nebenbei: Wenn ihr mich mal nicht in meinem Amtszimmer antrefft bzw. erfolglos versucht, mich aus der Wohnung zu klingeln, dann könnte das unter anderem daran liegen, dass ich drüben in der Kirche mit widerspenstigen Zahlen und verzogenen Liedtafeln kämpfe. In dem Fall lautet euer Auftrag: Nicht meckern, dass die Pastorin mal wieder nicht da ist! Sondern rüberkommen und Amtshilfe leisten, damit sie sich nicht ernsthaft verletzt!

Freitag, 2. Oktober 2015

Weihnachtshände

"Ich hab' jetzt Weihnachtshände", sagte heute Morgen eines der Kindergartenkinder nach unserer  Generalprobe für den Erntedankgottesdienst.

Ja, am Sonntag ist Erntedank. Aber der kommende Sonntag ist auch der erste Sonntag im Monat und das bedeutet, dass es im Gottesdienst einen Heilungssegen gibt. Den lassen wir doch nicht ausfallen, bloß weil Erntedank ist! 

Für die Kinder ist der Heilungssegen im Gottesdienst total neu. Die kennen das noch nicht. Und da die Kiddies am Sonntag nicht nur zusehen sollen, sondern auch mitmachen, musste das logischerweise geübt werden, damit sie wissen, was da auf sie zukommt. Ich habe ihnen also erklärt, warum wir das überhaupt machen und wie das Ganze abläuft. Ich habe auch nicht versäumt zu erwähnen, wie toll das Salböl riecht: ein bisschen wie Weihnachten, weil da Zimt und Myrrhe mit drin ist. Irgendwie muss man Kinder ja ködern, wenn sie sich auf etwas Unbekanntes einlassen sollen. Weihnachten kommt da immer gut ;-)

Dann haben sie sich der Reihe nach aufgestellt, sind zu mir gekommen und haben sich salben und segnen lassen - mit ganz viel Neugier in den kleinen Gesichtern und ..., ja, was? Ein bisschen Ehrfurcht vielleicht?

Jedenfalls gab es das Kreuzzeichen mit Salböl in beide Handflächen und auf die Stirn, so wie wir das im Gottesdienst auch immer machen. Und ich glaube uns allen war dabei tatsächlich ein bisschen weihnachtlich zumute. Zumindest fühlte es sich so an, und das nicht nur, weil am Ende unsere Hände nach Weihnachten dufteten. Vielleicht fühlte es sich an wie Weihnachten, weil wir in gewisser Weise ja etwas geschenkt bekommen haben.


Hach, ich liebe meinen Beruf! Hatte ich das schon erwähnt?
So, und jetzt gehe ich mal das Laub zusammenharken - mit Weihnachtshänden :-)

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Pflichtbewusste Bürger



Es ist doch schön, dass es pflichtbewusste Bürger gibt, denen das Wohl der Pastorin und der Kirchengemeinde so am Herzen liegen. So machte mich denn dankenswerterweise ein unbekannter Helfer in der Not via Nachricht auf dem Anrufbeantworter darauf aufmerksam, dass es unsere Pflicht ist, das Laub um das Pastorat und um den Friedhof zu entfernen, weil wir sonst Ärger mit dem Ordnungsamt bekommen. Da habe ich ja echt nochmal Glück gehabt, dass mich da jemand so nett informiert, denn das Schreiben mit den Fristen für Laubentfernung muss ich irgendwo untergemüllt haben. Passiert schonmal bei dem Stapel Post, der sich während eines Urlaubs so ansammelt, seufz.

Leider hat mich die wohlgemeinte Nachricht zu spät erreicht. Sonst hätte ich selbstverständlich das Beerdigungsgespräch verschoben und mich sofort an die Arbeit gemacht. Ich werde das mit der Laubentfernung auch erst auf die Reihe kriegen, wenn ich die Generalprobe für Erntedank mit den Kindergartenkindern hinter mir habe. Also bitte, bitte, bitte (!!!) liebes Ordnungsamt: Seid nachsichtig mit mir. Ich möchte nur noch ein klitzekleines bisschen Aufschub! Bis morgen Mittag. Kann ich irgendwo eine Verlängerungsfrist beantragen? Ich muss doch dafür jetzt nicht ins Gefängnis, oder?

Und eigentlich finde ich das sowieso total schade, dass das Laub hier weg muss. Herbstlaub ist doch so etwas Wunderbares - raschelt so schön, wenn man durchläuft.

Was ich noch "schader" finde (kann mir hier mal jemand die Steigerungsformen von "schade" nennen???), ist die Tatsache, dass ich mich nichtmal für den hilfreichen Hinweis bedanken kann, da der Anrufer weder Namen noch Rückrufnummer hinterlassen hat. Die Welt ist so gemein!

Einsichten einer Urlauberin

Ich bin nicht nur gut erholt sondern auch um ein paar wichtige Einsichten reicher aus dem Urlaub gekommen.

Einsicht Nr. 1: 
Wenn Pastorin es schafft, ihre Nase aus dem Internet und die Finger vom Handy zu lassen, dann steigert sich die Erholungsausbeute um ein Vielfaches.
Ich habe tatsächlich vor nicht allzu langer Zeit irgendwo gelesen, dass es Reiseanbieter gibt, die ihren Kunden bei Urlaubsantritt das Handy und den Laptop abnehmen - gegen extra Bezahlung natürlich!!! Dafür bekommen die Erholungswilligen dann wenigstens eine Gartenschaufel in die Hand gedrückt und dürfen Bäume pflanzen. Gartenschaufel brauchte ich nicht. Hatte ja meinen Wanderrucksack. Und das Geld, das ich durch meine eiserne Selbstdisziplin eingespart hatte, konnte ich mit vollen Händen für Schnitzel, Spinatknödel oder Kaiserschmarren auf irgendwelchen Hütten ausgeben. Na gut, ich gebe zu: ab und zu war ich doch im Internet. Nämlich dann, wenn ich es versäumt hatte, mir eine Tageszeitung zu kaufen, und mir deshalb anderweitig Informationen übers Bergwetter beschaffen musste. Wetterfrosch Franz (mein Pensionswirt) konnte meistens Abhilfe leisten, aber manchmal reicht ein "isch guat" dann doch nicht als Wetterbericht aus. Dennoch, es hat am Ende funktioniert: Den Begrüßungstext für die Voicemail umzusprechen und das Datenroaming abzuschalten war die beste Idee des Jahrhunderts und hat mich davor bewahrt, herausfinden zu müssen, ob angebliche (dienstliche) Notfälle auch wirklich Notfälle sind.

Einsicht Nr. 2:
Der überwiegende Teil der Menschheit wird nie begreifen, wie das Reißverschlussverfahren im Straßenverkehr funktioniert! Ich finde es immer wieder faszinierend, dass die Leute sich schon in Salzburg einfädeln, wenn die Spuren sich erst in Innsbruck von zwei auf eine reduzieren. Ich bin ja der Meinung, dass zu frühes Einfädeln erst recht Stau produziert und es will mir nicht in den Kopf, was so furchtbar daran ist, die Fahrspuren bis zum Ende auszunutzen. Manchmal ist das natürlich nicht möglich, denn einige Autofahrer erleiden solch einen seelischen Stress, durch die Möglichkeit, dass jemand anderes eine Minute früher am Ziel sein könnte als sie selbst, dass sie niemanden mehr vorbeilassen. Egal auf welcher Spur.

Einsicht Nr. 3: 
Der überwiegende Teil der Menschheit wird ebenfalls nie begreifen, dass es durchaus ernst gemeint ist, wenn auf einem Schild an der Tür zum Ruheraum einer Sauna die Aufschrift prangt: "Das Reservieren der Liegen ist nicht erlaubt!" Es ist frustrierend, wenn Pastorin nach einem Saunagang gerne ein paar Minuten auf einer Liege ruhen möchte und dann einen Haufen von diesen Liegen vorfindet, die zwar verwaist aber deutlich sichtbar mit Badelaken, Bademänteln, Badelatschen und Badetaschen als "Eigentum" eines anderen markiert sind. 
Einsicht Nr. 3b: Ich werde nie begreifen, warum der Mensch an sich so fixiert darauf ist, Liegen zu besetzen (oder Sandburgen um Strandkörbe zu bauen)!

Einsicht Nr. 4: Meine Hundedame wird langsam alt und ich muss künftig damit rechnen, dass sie Bergtouren boykottiert. Bei einer der besagten Bergtouren hat sie doch tatsächlich auf den Hinterpfoten kehrt gemacht und war den Berg schon halb wieder runter, bis wir uns darauf geeinigt hatten, dass sie einfach auf mich warten könnte, bis ich beim Gipfelkreuz war und mich ins Gipfelbuch eingetragen habe. Diese schwierige Verhandlung hat mich dann auch meine Brotzeit gekostet.
Einsicht Nr. 4b: Tiroler Bergkäse und Landjäger eignen sich gut für Bestechungsversuche (zumindest bei Hunden)!



Einsicht Nr. 5: Manche Urlaubsbilder hätten nie gemacht werden sollen!



Einsicht Nr. 6: Es ist zwar klasse, Urlaub machen zu können, aber es ist genauso klasse, wieder zu Hause auf meiner Insel zu sein und die Arbeit zu tun, die ich so liebe :-)





Donnerstag, 3. September 2015

Lutherisch

Ja, ich habe euch gestern in der Kirchengemeinderatssitzung genau zugehört und beschlossen, den Anfang zu machen. 

Hier also mein Bekenntnis (ungebügelt und mit Kaffeefleck):


Dienstag, 1. September 2015

Menschen wie du und ich



"Willst du Fallschirmspringen?" Das war der Kommentar, den ich mir heute früh anhören durfte, als ich mich nach einem frühmorgendlichen Einsatz aus meiner Einsatzschutzkleidung schälte. Der Spruch bezog sich auf mein Outfit, das nicht unbedingt als "stadtfein" zu bezeichnen war. Als der Pieper ging, bin ich nur aus dem Bett und in meinen Jumpsiut gesprungen, der genau für solche Situationen bereit liegt. Deshalb heißt er ja auch Jumpsuit: nicht, weil man damit Fallschirmspringen geht, sondern weil man einfach reinspringen kann. Ich finde ja, so ein Jumpsiut ist ein absolutes "Musthave", wenn es um die sinnvolle Bestückung des Alarmstuhls geht. 

Anmerkung für alle Nicht-Feuerwehrleute: der Alarmstuhl ist der Stuhl, auf dem die Klamotten bereitliegen, die einen bei nächtlicher Alarmierung ohne Erfrierungen oder entsetzte Blicke noch aktiver Nachteulen das Gerätehaus erreichen lassen. Denn wenn man nach einer Alarmierung erst im Kleiderschrank oder Wäschepuff rumwühlen muss, dann erreicht man das Gerätehaus unter Umständen gar nicht.

Jedenfalls sehen die lieben Kameradinnen und Kameraden auch nicht viel besser aus, wenn sie zu noch nachtschlafender Zeit zu einem Einsatz anrücken müssen. Da kommen sie in Puschen und Pantoffeln angelaufen, manche sogar sockfuß. Statt der Diensthemden bekommt man karrierte Schlafanzughosen zu sehen oder geringelte Nachthemden. Das hastig im Dunkeln übergestülpte T-Shirt ist auf links gedreht und es kommt eher selten vor, dass man vor dem Einsatz noch in aller Seelenruhe das passende Feuerwehr T-Shirt raussucht. Die Jogginghose ist beim Sprint zum Gerätehaus über den Hintern gerutscht und Haare stehen zu Berge oder in alle Himmelsrichtungen. Müde Gesichter lächeln einen verschlafen an und wünschen trotz der Eile noch schnell einen guten Morgen. Und aus den harten Jungs und toughen Mädels werden plötzlich Menschen wie du und ich.

Jungs und Mädels: Es ist schön, nicht immer den Überflieger in Sachen Lebensführung raushängen lassen zu müssen - allzeit korrekt gekleidet und allzeit mit gutem Benehmen. Es ist schön, bei euch einfach nur Mensch sein zu dürfen und auch mal auszusehen, als würde man gleich Fallschirmspringen gehen! Und nein: auf das Rülpsen beim Kartenspielen gehe ich jetzt nicht näher ein ;-)

In diesem Sinne wünsche ich allen Kameradinnen und Kameraden (nicht nur denen auf Helgoland!) einen schönen 4. Advent, frohe Weihnachten und einsatzarme Feiertage.

Mittwoch, 26. August 2015

Bürgermeister und Pastorin beklauen sich gegenseitig

Nachdem ich mir heute die Erlaubnis vom Bürgermeister dafür geholt habe, uns beide öffentlich bloßzustellen, darf die folgende Begebenheit nun auch in meinem Blog breitgetreten werden (auf der Insel ist es sowieso schon rum):

Es war einmal ein sonniger Samstag auf Helgoland. An diesem wunderbaren Tag hatten zwei ältere Damen Geburtstag. Nennen wir sie der Einfachheit halber Frau A und Frau B. Zum Bürgermeisterdasein wie zum Pastorendasein gehört die schöne Aufgabe, solche Leute an ihrem Geburtstag zu besuchen und natürlich auch ein kleines Geschenk mitzubringen.

So machte ich mich denn an diesem sonnigen Samstagvormittag, mit einer Geschenktüte bewaffnet, auf den Weg zu Frau A. (Für den Besuch bei Frau B hatte sich netterweise ein Mitglied unseres Kirchengemeinderates angeboten.) Vor der Haustür von Frau A angekommen, setzte ich mein fröhlichstes Glückwunschlächeln auf und klingelte. Nichts passierte. Also wurde nach ein paar Minuten nochmal geklingelt und ein bisschen gewartet. Immer noch nichts. Aller guten Dinge sind drei, sagte ich mir, und klingelte ein weiteres Mal.

Ich muss an dieser Stelle zu meiner Verteidigung sagen, dass ich erst gute dreieinhalb Jahre auf der Insel bin und immer noch Hemmungen habe, einfach durch die Tür in eine Wohnung zu marschieren, die nicht meine eigene ist - egal zu welchem Anlass. (Auch wenn das hier, gerade bei Geburtstagen oder Ehejubiläen, so üblich ist.) Wer weiß denn schon, was da auf einen wartet? Vielleicht der Familienhund, der noch nicht gefrühstückt hat! Oder die Familienkatze, die die seidenbestrumpften Beine der Pastorin mit einem Kratzbaum verwechselt! Da klingel' ich doch lieber vorher und warte artig, bis man mir, nach Unterbindung jeglicher Gefahr für Leib und Leben, die Tür aufmacht.

Leider klingelte ich diesem Fall vergeblich. Naja, dachte ich, vielleicht ist das Geburtstagskind bei dem schönen Wetter zu einem Spaziergang aufgebrochen. Was mache ich nun mit meiner Geschenktüte? Wenn ich nicht abschätzen kann, ob das Geburtstagskind auf der Insel oder vielleicht doch auf dem Festland ist, nehme ich solch eine Geschenktüte wieder mit, um sie der Person dann zu einem späteren Zeitpunkt zukommen zu lassen. Da ich aber ein auf Kipp gestelltes Fenster sah, war ich mir sicher: So weit kann das Geburtstagskind nicht sein und die Chancen stehen gut, dass das Geschenk noch vor dem nächsten Sturm gefunden wird. Also Tüte dalassen. Bei der Suche nach einem geeigneten Plätzchen stach mir eine andere Geschenktüte ins Auge. 

Aha, der Bürgermeister war wohl auch schon da und hat ebenfalls niemanden angetroffen. Dann stelle ich meine Tüte doch einfach dazu. 

Um sicherzugehen, dass es sich auch wirklich um die Geschenktüte vom Bürgermeister handelte, warf ich einen Blick hinein. Solche Geschenktüten beinhalten ja neben dem Geschenk auch immer eine Glückwunschkarte. Ein Blick auf den Umschlag: Tatsächlich, vom Bürgermeister. Und dann stellte ich erschrocken fest, dass der Absender zwar stimmte, aber die Adresse nicht! Was da neben dem Blumenkübel stand, war nicht die Geschenktüte für Frau A sondern die für Frau B! Frau B hatte ja auch an diesem Tag Geburtstag. Au weia! Da war offensichtlich was schiefgegangen. 

Eigentlich hätte mir klar sein müssen, dass unserem Bürgermeister ein solcher Fauxpas nIcht unterläuft. Das passiert nur wuschigen Pastorinnen, die mit ihren Gedanken nicht beim Geburtstagsbesuch sondern schon bei der nächsten Predigt sind. Solch eine wuschige Pastorin war dann auch der Meinung, hier unbedingt den barmherzigen Samariter spielen zu müssen und dem Bürgermeister aus der Patsche zu helfen. 

Ich zückte also mein Handy und rief den Bürgermeister an. Nur die Mailbox. Mist! Aber eine Nachricht hinterlassen konnte ich ja. Die Sprachnachricht hatte in etwa folgenden Inhalt: Ich stehe gerade vor der Tür von Frau A und habe gesehen, dass du auch schon hier warst und eine Geschenktüte dagelassen hast. Aber das ist die falsche Tüte, die ist nämlich an Frau B adressiert. Ich nehme sie mal mit und liefere sie im Rathaus ab.



So hängte ich denn meine eigene (blaue) Geschenktüte an die Türklinke, schnappte mir die bürgermeisterliche (rote) Geschenktüte und machte mich nach einem kurzen Abstecher in den DGzRS Schuppen auf den Weg zum Rathaus. Allerdings war dort nur die Touristeninformation geöffnet, denn es war ja Samstag. Egal. Die Tüte wurde also bei der Touristeninformation abgegeben mit der Bitte, sie dem Bürgermeister auszuhändigen. Dann noch eine kurze SMS an den Bürgermeister, die ihn über den Verbleib seiner Geschenktüte informierte und auf gings zu den weiteren Terminen, die an dem Tag noch auf mich warteten.

Den Gedanken, dass unser Bürgermeister möglicherweise auch schon mit der für Frau A vorgesehenen Tüte zu Frau B gelaufen sein könnte, habe ich schlichtweg verdrängt. Aber da hätte ich sowieso nicht mehr helfen können.

Abends saß ich jedenfalls gemütlich bei einem Feierabendbier im Garten und war sehr zufrieden mit mir und der Welt und besonders mit meinem Einsatz als barmherziger Samariterin. Und dann kam die SMS vom Bürgermeister ...

In meiner SMS an ihn hatte ich geschrieben: " Habe die Geschenktüte bei der Tour.inform. abgegeben, weil heute ja oben keiner ist."
Antwort vom Bürgermeister: "Die hast du mir geklaut!!! Saß bei Frau A  und wollte nicht mit 2 Taschen rein, dafür hab ich dann deine blaue mit zu Frau B genommen :)))"

Erst wurde mir eiskalt, dann siedendheiß. Dann dachte ich: Ogottogottogott!!! Was hab ich da nur angestellt???!!! Und: Hat Frau B jetzt etwa zwei Gläser mit selbstgemachter Marmelade?* Und was ist mit Frau A? Hat sie jetzt gar kein Geschenk oder auch zweimal das Gleiche? Oder hat eine nur ein Geschenk und die andere drei? Oder wie, oder was?

Es hat ein bisschen gedauert, die Schockphase zu überwinden, aber eine dreiviertel Stunde später war ich dann doch in der Lage, dem Bürgermeister zu antworten: "Oh nein!!! Das tut mir so leid! Bin gar nicht auf die Idee gekommen, dass du bei Frau A sein könntest, weil niemand aufgemacht hat :-("

Entweder war die Klingel kaputt, oder sie hatten sie einfach nicht gehört. Diese Möglichkeiten hatte ich in meinem Eifer natürlich nicht in Betracht gezogen. 

Was bleibt, ist die Moral von der Geschicht': Fürchte Katzen und Hunde nicht (sondern geh' einfach rein und liefer' das Geschenk ab)!
Oder die andere Moral von der Geschicht': Stibitze fremde Tüten nicht (auch wenn es noch so sehr nach einem Notfall aussieht)!
Und: Ich sollte wirklich mal was gegen mein übersteigertes Helfersyndrom tun! 

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* Anmerkung: Die zu verschenkende Marmelade wird von unserer Küsterin selbst gemacht, nicht von mir. Und diese Marmelade ist total lecker! Ich kann so leckere Marmelade nicht produzieren, weshalb ich lieber die von unserer Küsterin verschenke.

Samstag, 15. August 2015

Gelassenheit

Gelassenheit ist: Wenn Freunde gemeinsam auf der Bank vor dem Pastorat in der Sonne sitzen und sich gegenseitig von der Arbeit abhalten.


Zu dumm, dass es jetzt regnet ...

Montag, 27. Juli 2015

Like a Minion

Jemand hat kürzlich behauptet, ich würde meiner Mutter immer ähnlicher werden. Wenn ich mir die Bilder vom heutigen Übungsdienst so begucke, dann macht mir das Angst! Mutti: Gibt es da irgendwas, das ich wissen sollte???








Mittwoch, 22. Juli 2015

(Fast) immer noch seekrank



So schön es da draußen auch ist, wenn wir nicht unter Segel fahren, wird mir immer noch schlecht. Trotz toller Aussicht, trotz Schokolade, trotz Antiseekrankheitsenten, trotz ausgedehnter Trainingseinheiten. Sogar diese Akkupressur-Armbänder habe ich ausprobiert. Die sollen verhindern, dass einem schlecht wird. Haben sie aber nicht. Könnte natürlich sein, dass ich mit den Akkupressurnüpsies nicht die Antiübelkeit-Akkupressurpunkte erwischt habe. Da muss man ja ganz genau zielen. Bin irgendwie schon daran gescheitert, dass ich nicht wusste, welche von meinen vielen Falten denn die zweite Handgelenksfalte ist. Jedenfalls hat mir keiner gesagt, dass man zum Anlegen eines Akkupressurarmbandes ein nautisches Patent braucht, seufz.

Also Papi, nur dass du's weißt: Dass ich deine braunen Augen habe, finde ich ja klasse, aber das Seekrankheitsgen hättest du mir wirklich nicht vererben müssen! 

Allerdings habe ich inzwischen festgestellt, dass es mir jedes Mal gut ging, wenn ich vor dem Törn Lakritz gegessen hatte. Ob das meine neue Wunderwaffe werden könnte? Frei nach dem Salzige-Heringe-Motto "Es war vollbracht: Ihr wurde NICHT speiübel" und " Es hat sich gelohnt: Sie hat NICHT ins Boot gereiert" 



Ich werde mal ausgiebige Forschung betreiben. Wäre doch gelacht, wenn wir aus mir nicht noch einen seefesten Skipper machen, ha!




Dienstag, 7. Juli 2015

Gremlins im Pastorat?

Ich habe die Vermutung ja schon länger, dass mit dem Helgoländer Pastorat was faul ist. Ständig verschwinden hier Dinge. Oder funktionieren nicht richtig.

Da ist zum Beispiel der Receiver, der mir neuerdings ständig erzählt, dass die Aufnahme nicht durchgeführt werden konnte wegen Unterbrechung der Stromzufuhr. Wir hatten aber gar keinen Stromausfall und die Stecker sind auch alle drin. Seltsam. 

Dass die Scheidungsrate unter meinen Socken ziemlich hoch ist, daran habe ich mich ja bereits gewöhnt. Offensichtlich scheint es für so eine Sockenpartnerschaft ziemlich belastend zu sein, wenn beide zusammen in die Waschmaschine müssen. Ein Socken verschwindet dann gerne auf Nimmerwiedersehen. 

Seit Wochen vermisse ich meinen kleinen Segensengel, den ich sonst ständig in der Hosentasche mit mir rumschleppe. Ich habe schon sämtliche Hosentaschen gefilzt und sogar das ganze Pastorat auf den Kopf gestellt, kann ihn aber einfach nicht finden. Selbst das Durchwühlen des Wäschepuffs (ich dachte, er könnte da reingefallen sein) hat den Engel nicht zutage gefördert. Da waren nur Stinkesocken drin - einzelne natürlich, keine Paare! Vielleicht ist der Segensengel mit einem Socken durchgebrannt. Man weiß ja nie.

Den Messbecher für's Hundefutter, der auch schon seit einer ganzen Weile verschwunden war, habe ich gerade wiedergefunden. Im Tannenbaumständer! 



So langsam kommt mir der Verdacht, dass ich im Pastorat Mitbewohner habe, von denen man mir nichts gesagt hat: Gremlins! Kleine Monster, die allerlei Schabernack treiben. Wenn ihr ein Kind der 80er seid, so wie ich, dann erinnert ihr euch noch an den Kinofilm. Aber ich schwöre hoch und heilig, dass ich keine kleinen "Gizmos" nach Mitternacht gefüttert habe. Ich habe auch keinen kleinen Gizmo nass werden lassen!  Trotzdem bin ich überzeugt, dass hier Gremlins am Werk sind. Sonst würden doch nicht lauter so seltsame Sachen passieren. 

Vielleicht ist ja einer meiner Vorgänger schuld? Vielleicht wurden schon beim Bau des Pastorates Gremlins mit eingeschleppt? Ob ich wohl eine Mietminderung erwirken kann wegen der Gremlins?  

Freitag, 3. Juli 2015

Reiseenten gegen Seekrankheit



Heute wurden mir Reiseenten gegen Seekrankheit verordnet, nebst einer Tafel Schokolade!

Ich habe noch ein bisschen mehr von meinem latent schlechten Gewissen abgebaut, indem ich mich bei der "Seekranken-Auffangstation" des DRK an der Landungsbrücke habe blicken lassen. Ich wollte doch endlich den Becher Kaffee schnorren, der mir schon im letzten Jahr zugedacht war. Denn wie das immer so ist: zu viel zu tun, um die zwischenmenschlichen Beziehungen auf der Insel zu pflegen.

Zwei ganz liebe Rotkreuzler sind nämlich gerade wieder auf der Insel, um ihren ehrenamtlichen Dienst zu leisten. Sie kümmern sich übrigens nicht nur um von Seekrankheit geplagte Helgoland-Reisende sondern vergeben auch Besichtigungstipps und versorgen halb verdurstete Hunde mit frischem(!) Wasser. Schon spannend, dass es Hunde gibt, die lieber Durstqualen erleiden als un-frisches Wasser zu trinken. Meinem Vierbeiner würde das nicht  passieren. Die trinkt sogar Wasser mit Kohlensäure wenn sie richtig Durst hat, obwohl sie das Kribbeln ziiiiiiiemlich unangenehm findet.

Jedenfalls waren den beiden Rotkreuzlern meine Probleme mit der Seekrankheit bekannt und so bekam ich denn die bereits erwähnte Schokolade und zwei Enten: eine Rotkreuzente für leichtere Anfälle von Seekrankheit und eine Krankenschwesterente für die schweren Attacken. Wie gut, dass solche Enten leicht zu reinigen sind ;-)

Inzwischen habe ich die Enten auch schon aufs Boot verfrachtet, wo sie der "Duck-dich-Ente" Gesellschaft leisten. Die ist nach dem letzten Gewitter bestimmt froh, dass sie nun nicht mehr alleine an Bord ist. Die Gitarrenente, die mir auch zwei ganz liebe Besucher mitgebracht haben, konnte ich leider nicht dazu bewegen, mit aufs Boot zu kommen, um beim Segeln ein paar Shanties zu spielen. Die wollte lieber in der Kirche mitmachen, wenn es mal wieder die Kombination aus E-Gitarre und Orgel zu hören gibt.

Ist vielleicht auch ganz gut so, denn wenn der Entenbestand auf dem Boot weiter so zunimmt, dann befürchte ich, dass wir irgendwann absaufen. Angedacht war nämlich auch die Anschaffung von Positionsenten und Fenderenten. Aber ich glaube, das lasse ich lieber. Ich will mich ja hier nicht zum Affen machen! (Oder zur Ente)


Donnerstag, 25. Juni 2015

Nachtrag Spatzen-Rettungsaktion

Nest leer, Spatz weg!  Ich sagte ja: Ein bisschen fliegen kann er schon. Aber eigentlich will ich jetzt gar nicht so genau wissen, was da passiert ist. Vielleicht haben Mami und Papi ihm eine Portion Red Bull eingeflößt und er konnte nach Hause fliegen. Könnte doch sein??? Sagt, dass das so sein könnte!!!


Spatzen-Rettungsaktion


Der kleine Kerl hier war wohl aus dem Nest gefallen. Entdeckt haben wir ihn, weil er unter der Gartenschaukel saß und lauthals schimpfte. Was tun? Erstmal oben aus dem Dachfenster gucken, ob irgendwo in der Dachrinne das Nest ist. Hm, kein Nest. Plan B: Vogelhäuschen in den Baum hängen, den kleinen Spatz reinsetzen und hoffen, dass die Eltern ihn finden. 

Doch dann entdeckten wir das Nest - dachten wir zumindest. Aber: falsches Nest. Die Jungen da drin sahen ganz anders aus. (Inzwischen weiß ich, dass das Amseln sind und keine Spatzen.)


Dann noch ein Nest entdeckt. Unbewohnt. Das ist also auch nicht das richtige, aber egal. Irgendwo muss der kleine Kerl ja hin, damit ihn keine Katze holt. Also wurde das leerstehende Nest einer Renovierung unterzogen. Allerdings hatten wir es zu gut ausgepolstert und als wir "Sparrow the Kid" reinverfrachtet hatten, sprang er gleich wieder raus und landete im Baum. Ein bisschen fliegen kann er nämlich schon. Aber nur ein bisschen. 


Gemütliche Innenausstattung also wieder raus aus dem Nest, damit das Spatzenkind nicht rüberklettern kann. "Sparrow the Kid" wieder einfangen (natürlich mit Handschuhen!) und rein ins Nest und jetzt hoffen, dass ihn die Eltern finden. Aber das sollte kein Problem sein. Laut genug ist er schließlich.


Sieht ein bisschen ungemütlich aus, ich weiß. Aber es ist zu seinem Besten. Vielleicht rücken die Eltern noch ein paar Federn raus für's Ambiente.





Mittwoch, 24. Juni 2015

Wo bleibt der Sommer???

Jetzt geht das schlechte Wetter nicht mehr nur mir auf die Nerven. Jessie war bei dem Schietwetter kaum vor die Tür zu kriegen. Und die ist eigentlich hart im Nehmen. Nur ganz kurz in den Garten, mit angelegten Ohren und gaaaaanz schnell wieder rein in die warme(!) Bude. Ja, ich gestehe: Ich habe die Heizung angemacht. Schuldig im Sinne der Anklage. Wärmflasche und dicke Pullies reichen einfach nicht. Jedenfalls hat sich Jessie nach dem Frühstück gleich wieder in ihr Bett verkrümelt. Ich wünschte, ich könnte das auch. Ich mag bei dem Wetter nämlich überhaupt nicht vor die Tür. Auch nicht mit angelegten Ohren.


Sonntag, 21. Juni 2015

Duck dich!


Nachdem ich mir nun schon mehrfach den Kopf am Baum gestoßen habe, fiel mir etwas ein, was ich in Michigan bei einer Segeltour auf dem Eriesee gesehen habe: eine Ente. Die Ente am Baum soll verhindern, dass man sich den Kopf stößt. Das muss ich euch natürlich erklären, denn das dazugehörige Wortspiel funktioniert nur im Englischen. 

Ente heißt auf Englisch "duck". "Duck" kann  im Deutschen aber nicht nur "Ente" heißen sondern auch "duck dich!" Auf meine Frage damals, was denn die Ente am Baum zu suchen hätte, wurde mir gesagt: The duck reminds you to duck - die Ente erinnert dich daran, dich zu ducken. 

Da ich mir, wie gesagt, schon mehrfach den Kopf gestoßen hatte, musste unbedingt eine Ente an den Baum. Gesagt, getan, Ente wurde an den Baum getütelt. Und es hat funktioniert! Auf unserer kleinen Tour gestern habe ich mir nicht einmal den Kopf gestoßen. Juhu!

Jetzt kann ich nur hoffen, dass kein selbsterklärter Tierschützer auf die Idee kommt, die Ente zu "retten", damit sie nicht seekrank wird.

Und wo wir gerade bei Seekrankheit sind: Wenn eine Ente gegen das Kopfstoßen hilft, dann gibt es doch bestimmt auch eine Ente, die gegen Seekrankheit hilft ...

So, und hier noch ein paar Eindrücke von unserer gestrigen Tour:


Die "Duck-dich-Ente" und ich: ein tolles Team ;-)




Auch wenn wir nur zwei Windstärken hatten, haben wir trotzdem Segel gesetzt. Und sind gesegelt! Zwar nicht schnell, aber wir sind gesegelt!



Man hat schon einen tollen Blick auf unsere Insel von da draußen. Auch bei Schietwetter.



Und irgendwann ist uns auch eingefallen, dass wir ja doch besser die Schwimmwesten überziehen sollten! Besser spät als nie. Ob es auch eine Ente gibt, die einen daran erinnert, SOFORT die Schwimmweste anzuziehen?






Freitag, 19. Juni 2015

Schlechtes-Gewissen-Bekämpfungstag

Heute war der schlimmste Tag überhaupt - für mein schlechtes Gewissen! Ha! Ich habe es dahin katapultiert, wo es hingehört: ins Nirgendwo.

Es gibt ja so Dinge, die man ewig vor sich herschiebt. Und dann kommt das schlechte Gewissen angekrochen, weil man diese Dinge nicht erledigt hat. Ich bin einsame Spitze darin, diese Dinge dann noch weiter vor mir herzuschieben und mich der Illusion hinzugeben, dass das schlechte Gewissen sich irgendwann in Luft auflöst, wenn nur genug Zeit vergeht. Tut es aber nicht. Es piekt und bohrt und macht einem das Leben zur Hölle. Genausowenig lösen sich die zu erledigenden Dinge in Luft auf. Auch die sitzen einem ständig im Nacken und pieken und bohren und machen einem das Leben zur Hölle.

Da war der Brief, den ich schon zu Weihnachten hätte schreiben wollen. Zu Ostern habe ich den auch nicht geschrieben. Und die lieben Menschen, denen ich diesen Brief schreiben wollte, hatten sich ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt. Das schlechte Gewissen, dass ich diesen Brief noch nicht geschrieben habe, hat sich auch ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt.
Da war auch Papierkram, um den ich mich vor drei Jahren schon hätte kümmern müssen (ja, drei Jahre!). Der Papierkram hat sich leider nicht, wie erhofft, in Luft aufgelöst. Und dann war da der längst überfällige Besuch bei unseren Seenotrettern. Die haben sich auch nicht in Luft aufgelöst. Dienstags verschwinden sie zwar immer nach Cuxhaven, aber sie kommen wieder. Und das schlechte Gewissen kommt auch wieder. Und eigentlich will ja auch keiner, dass sich unsere Seenotretter in Luft auflösen.

Jedenfalls habe ich es heute geschafft, besagten Brief zu schreiben, den steinzeitlichen Papierkram zu erledigen, mich um diverse andere Dinge zu kümmern, die mein schlechtes Gewissen immer fleißig auf Trab halten, und: meine Seenotretter zu besuchen! 

Ich hatte allerdings schon angefangen mir enrsthaft Sorgen wegen meines Aufschubtalentes zu machen. Da stand doch tatsächlich so ein Mensch in rotem Overall vor mir und ich kannte ihn nicht! Er kannte mich auch nicht! Ich dachte: Oh Gott, jetzt isses soweit! Jetzt hast du dich so lange nicht blicken lassen, dass du die Besatzung der Marwede nicht mehr erkennst. Und die dich auch nicht. Schlechtes Gewissen auf Höhenflug!!! Zum Glück wurde mir dieser Jemand dann aber als neues Besatzungsmitglied vorgestellt. Wir konnten uns also gar nicht kennen. Und ich bin vor Erleichterung beinahe zusammengebrochen.

Es war ein sehr, sehr netter Besuch auf unserem Seenotkreuzer und ich habe den festen Vorsatz, nicht wieder so lange wegzubleiben, dass mich mein schlechtes Gewissen fast umbringt. Und das nicht nur, weil Hund und Mensch so gut gefüttert wurden. 

Heute habe ich mein schlechtes Gewissen um die Ecke gebracht und da soll es auch bleiben. Ich werde mir ernsthaft Mühe geben - besonders mit Briefen, Papierkram und Seenotrettern - damit es nur ja nicht wieder hervorlugt, das schlechte Gewissen. Das sind doch gute Vorsätze für die zweite Hälfte des Jahres, oder?!


Auf dem Weg zum Seenotkreuzer (Den Brief könnt ihr nicht sehen, weil der da längst im Briefkasten war. Den "Papierkram" könnt ihr auch nicht sehen, weil ich den via Email erledigt habe. Aber die Marwede könnt ihr sehen, wenn ihr ganz genau hinguckt.)

Freitag, 12. Juni 2015

Mein neues Hobby

Irgendwann musste es ja so kommen. Dreieinhalb Jahre habe ich mich erfolgreich gewehrt und nun zieht es mich doch auf die Nordsee. Und jaaaaaaa, ich bin trotz bestem Wetter heute seekrank geworden. Mein Magen hat sich zwar noch nicht ganz wieder beruhigt, aber das war es sowas von wert!!!


Jessie war übrigens noch nicht mit draußen. Aber beim nächsten Mal kommt sie mit. Mit eigener Schwimmweste natürlich.