Mittwoch, 4. Juli 2012

Urlaub

Ja: auch wir Profi-Schafe haben mal Urlaub! Ich weiss: eigentlich haetten wir den ja gar nicht noetig, wo wir doch sowieso nur Sonntags arbeiten ;-)
Aber ich will gar nicht lange ueber die Frage rumdebattieren, ob Pastorinnen Urlaub brauchen oder nicht.

Eigentlich wollte ich nur mal kurz von einer schweineg...len Bergtour berichten, die wir (Mann, Freundin, Teddybaer und ich) heute unternommen haben. Wir haben schon diverse Huettentouren unternommen, aber heute war zum ersten Mal ein Berggipfel dran. Und diese Bergbesteigung waere fast ins Wasser gefallen, oder besser in den Nebel. Jaja, ich weiss: die Hansens und das Wetter! Wenigstens handelte es sich heute morgen nicht um irgendeinen gewoehnlichen Nordsee-Nebel, sondern um den beruechtigten Tiroler Hochnebel.

Jedenfalls bin ich, wenn es ums Bergsteigen geht, eine kleine Sicherheitsfanatikerin und gehe bei unsicherem Wetter eigentlich gar nicht erst los. Der Wetterbericht verprach genau das: unsicheres Wetter. Der Nebel wuerde sich zwar aufloesen, nur wann, konnte niemand sagen. Ausserdem waren fuer den Nachmittag Gewitter angekuendigt, nur wann genau am Nachmittag, wurde nicht erwaehnt. Ich wollte also auf Nummer Sicher gehen und wertete den draussen auf der Terrasse liegenden Siedler-Spielstein (Ueberbleibsel unseres letzten Spieleabends) als kleinen Propheten, der uns mitteilte, doch lieber zu Hause zu bleiben - und den Tag mit "Siedler von Catan" zu verbringen.

Zum Glueck gibt es in diesem ganzen Szenario noch Franz. Franz ist mein professioneller Wetterfrosch und ab heute zu meinem persoenlichen Wettergott befoerdert worden. Ausserdem ist er ganz nebenbei noch unser Pensionswirt.
Als ich Franz heute morgen beim Fruehstueck nach seiner Meinung bezueglich des Wetters fragte, erwartete ich eigentlich nur eine Bestaetigung meiner eigenen trueben Prognose. Aber es kam anders.

Ich fragte: "Franz, was meinst du, wie das Wetter heute wird?"
Antwort: ""Guat!" (heisst so viel wie "gut")

Das war's? Eine ganze Batterie meteorologischer Moeglichkeiten einfach so mit einem Wort zusammengefasst? Konnte nicht sein! Ich hakte nochmal nach:
"Also, wir wollten heute auf den Hochzeiger. Meinst du, das geht in Ordnung mit dem ganzen Hochnebel und drohendem Gewitter und so?"
Antwort: "Guat!"

Trotz meiner detaillierten Beschreibung unseres Vorhabens hatte sich an der Wetterprognose von Franz nichts geaendert. Haette ich eigentlich wissen muessen. Franz macht nicht viele Worte wenn es ums Wetter geht, und trozdem trifft er den Nagel immer auf den Kopf.

Ein paar Worte machte er allerdings schon noch waehrend des Fruehstuecks. Da er wusste, dass wir auf den Hochzeiger wollten, hielt er nicht mit seinen eigenen Erlebnissen hinter dem Berg und erzaehlte uns von einer seiner Touren auf eben diesen Berg. Er war mit Freunden unterwegs und machte als waschechter Tiroler natuerlich nicht auf den Hochzeiger halt sondern wanderte (kletterte?) weiter bis zum Wildgrat. Nur zur Erlaeuterung: die Tour zum Wildgrat ist eine schwarze Tour. Die Skifahrer und Bergsteiger unter euch werden etwas damit anzufangen wissen. Fuer alle anderen sei erklaert: Bergtouren sind in Kategorien aufgeteilt: blau = leicht, rot = mittel, schwarz = sauschwer und meistens auch nicht ungefaehrlich, jawoll!
Jedenfalls berichtete Franz davon, dass er und seine Truppe sich etwas in der Zeit vertan haetten und den Berg "rundag'schprunge" sind, um die letze Gondelbahn ins Tal noch zu erwischen. Unten im Tal musste der Fluessigkeitsvorrat, der durch das viele Schwitzen am Berg dezimiert war, unbedingt wieder aufgefuellt werden - mit Bier natuerlich, wie er uns mit einem Augenzwinkern verriet.

Wie dem auch sei, wir waren ueberredet, doch unser Glueck mit dem Wetter und dem Berg zu versuchen und wurden mit allem belohnt, was die Bergwelt zu bieten hat: eine atemberaubende Aussicht, die schoensten Alpenblumen,  und unseren ersten Gipfel in diesem Urlaub. Als wir oben unter dem Gipfelkreuz sassen und uns den Wildgrat ansahen, von dessen Besteigung uns Franz erzaehlt hatte, machten wir dicke Backen. Von unserem Gipfelchen bis dahin waren das garantiert nochmal 3 Stunden Aufstieg! Eigentlich wollten wir die Tour in diesem Urlaub auch nochmal machen, vor allem weil Franz sie uns als so schoen beschrieben hatte. Aber ob wir das schaffen???

Nach dem heutigen Tag sind wir uns jedenfalls in zwei Dingen einig:
1. Wenn es ums Bergwetter geht, immer Franz fragen!
2. Franz steckt uns (trotz seines fortgeschrittenen Alters) am Berg noch locker in die Tasche!



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