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Flötenklänge aus dem Pastoratsflur

Heute waren dezente Flötenklänge aus dem Pastoratsflur zu vernehmen. Später gesellte sich dann auch Gitarrenmusik dazu. Manchmal weht einem hier auch das Posaunengebläse entgegen. Im Pastoratsflur wird immer dann musiziert, wenn sich unsere Musiker und Musikerinnen für einen Auftritt warmspielen müssen. Im Gemeindehaus können sie das nicht, weil man sie da hören kann, obwohl man sie da ja noch gar nicht hören soll. Jedenfalls die Gäste, die schon da sind, sollen die Musiker nicht hören. Obwohl die eigentlich eh schon genau wissen, was sie zu hören bekommen. Aber egal. Jedenfalls ist hier auf der Insel alles etwas kleiner und beengter, und so stehen keine weiteren geeigneten Räume zur Verfügung. Da bleibt nur der Pastoratsflur. 

Besagte dezente Flötenklänge hätten bei mir heute fast zu einem Herzstillstand geführt. Ich konnte mich nämlich gerade noch rechtzeitig bremsen, bevor ich die Tür aufriss und, nur in Teilen bekleidet, durch den Flur (und damit am Flötenkreis vorbei) in mein Amtszimmer marschierte. Wie schon erwähnt: Die Flötenklänge waren dezent. Ich hatte sie also nicht gleich wahrgenommen. Außerdem war mein Hirn schon zu sehr auf "nur mal schnell ins Amtszimmer huschen" programmiert. Das hätte echt schiefgehen können! Ist es aber nicht, denn zum Glück fanden die dezenten Flötenklänge doch noch ihren Weg durch mein Gehör ins Hirn, wo die Information: "Stop! Flötenkreis im Flur!" gerade noch rechtzeitig weiterverabreitet wurde. So stand ich dann vor Schreck erstarrt HINTER meiner Wohnungstür und nicht DAVOR. (Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht vollständig bekleidet war?!)

Wäre der Posaunenchor da draußen im Pastoratsflur am Üben gewesen, hätte ich gleich gewusst, was Sache ist, und mich vor dem Türöffnen natürlich inselfein gemacht. Laut genug sind die Posaunen ja, um jedem zu verkünden, dass sie da sind. Bei den Flöten ist das anders. Erstens sind sie leiser als Posaunen und zweitens hatte mein Hirn ja schon Fahrt in Richtung Amtszimmer aufgenommen. (Zum Glück nur das Hirn und nicht auch der Rest von mir.) Ich war nämlich gerade dabei, mich für die Seniorenfeier zur Wiederfreigabe Helgolands umzuziehen, als mir einfiel, dass ich noch das Segensbuch für die Begrüßungsandacht brauchte. Und wenn mir einfällt, dass ich noch ein Segensbuch für eine Andacht brauche, dann muss das sofort erledigt werden, damit ich es bloß nicht vergesse! Segensbücher liegen bei mir normalerweise nicht irgendwo rum, sondern im Amtszimmer, wo sie hingehören. Deshalb war mein Hirn auf Amtszimmer programmiert und nicht auf mögliche Proben des Flötenkreises im Pastoratsflur, die mein unentdecktes Erreichen besagten Amtszimmers verhindern und mich in eine peinliche Lage bringen könnten.

Aber es ist ja, wie schon erwähnt, gerade noch gut gegangen. Als ich mich aus meiner Schockstarre hinter der Wohnungstür gelöst hatte, habe ich erstmal das Anhübschen zuende gebracht, um dann im strahlenden Glanz eines vollständigen Outfits durch besagte Wohnungstür zu schreiten, ein paar Minuten der Flötenprobe zuzuhören, mich dann an den Flötistinnen vorbei in mein Amtszimmer zu quetschen und mich zu fragen: Was wollte ich eigentlich hier???




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