Direkt zum Hauptbereich

Bitte nicht stören - vielleicht



Nach drei Beerdigungsgesprächen und genauso vielen unschönen Zusammenstößen, mein Schild an der Amtszimmertür betreffend, weiß ich echt nicht mehr, was ich noch tun soll, um den Leuten folgendes beizubringen:

Wenn da steht "Bitte nicht stören", dann heißt das: Bitte nicht stören!
Und nicht: Vielleicht nicht stören
Oder: Nur donnerstags nicht stören
Oder: Bitte nicht stören - gilt nur an Sonn-und Feiertagen
Oder: Wenn es für dich okay ist, bitte nicht stören

Vielleicht hätte ich ein Ausrufezeichen setzen sollen. Oder am besten gleich drei. Ohne Ausrufezeichen kann man ja nicht genau wissen, ob die Aussage auch wirklich ernst gemeint ist. Bei drei Ausrufezeichen ist das schon deutlicher.

Manche sind ja doch noch so höflich und klopfen an, wenn sie das Schild an meiner Tür sehen. Was aber rein gar nichts bringt, wenn sie gleichzeitig schon die Tür aufreißen. Irgendwie hätte ich schon gerne die Gelegenheit, "Herein" zu sagen. Oder eben auch nicht.

Im Ernst jetzt: Ich kann doch nicht jedes Mal die Tür abschließen, nur um sicherzugehen, dass ich und meine zu beseelsorgenden Schäfchen nicht gestört werden. Und wer weiß, was dann passiert. Vielleicht rücken sie dann mit Axt und Kettensäge an, um sich Zugang zum Amtzimmer der Pastorin zu verschaffen. Die Leute können ja richtig kreativ werden, wenn sie etwas unbedingt wollen.

Ich habe mir jedenfalls überlegt, dass meine Bitte-nicht-stören-Mandala-Schildkröte nicht überzeugend genug aussieht. Ich werde es mal mit einem einfachen Text versuchen, der sagt:

Bitte nicht stören!
Nur nach Aufforderung eintreten!

Da sind immerhin schon zwei Ausrufezeichen drin. Und wenn das nicht hilft, dann gibt es als nächstes dieses hier:

NICHT STÖREN, SONST ...


Ich könnte natürlich auch gleich Security vor meinem Amtszimmer postieren 😎


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Du arbeitest doch nur sonntags

Der Tweet einer Kollegin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie schrieb, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nach einem 10stündigen Arbeitstag schon Feierabend machte. Erst letzte Woche habe ich einen Zeitungsartikel über eine Pfarrerin mit Burnout gelesen. In den letzten Jahren häuften sich in meinem engeren wie weiteren pastoralen Umfeld die Fälle von Burnout. Ich finde, es wird Zeit, sich nicht nur Gedanken über dieses Problem zu machen, sondern auch darüber zu reden! Und vor allem etwas gegen dieses ungesunde Arbeitspensum zu tun! Denn es ist ja inzwischen medizinisch erwiesen, dass mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche krank machen.
Eigentlich wollte ich über dieses Thema gar nicht losschreiben, weil ich doch schon weiß, was wieder an Reaktionen kommt:  - Ach komm, stell dich nicht so an! - Manchmal muss man eben auch mal etwas mehr machen. - Ich arbeite auch so viel und beschwere mich nicht. - Du wirst schließlich dafür bezahlt! - Du arbeitest doch sowieso nur sonntags
Da …

Hundekacke mit Fähnchen

Ja, die findet man tatsächlich auf Helgoland: Hundekacke mit Fähnchen. Hundekacke mit Zielflagge, um genau zu sein. (Das Original befindet sich hinter  dem Emoji-Haufen auf dem Bildund und war mir zu unappetitlich, um es hier zu zeigen.)

Zum ersten Mal sind mir die mit schwarz-weiß karierten Fähnchen garnierten Hundehaufen kurz vor meinem Urlaub aufgefallen. Ich war selbst gerade auf Hunderunde und mein Pelzgesicht hatte die Haufen natürlich zuerst entdeckt. Durch den Geruch. Nicht durch die Fähnchen. Ich stand eine ganze Weile davor, bewunderte das Kunstwerk und machte mir so meine Gedanken. Wollte jemand auf die Hundehaufen aufmerksam machen, damit niemand reintritt? Eigentlich eine gute Idee, denn diese Haufen lagen zwar am Wegrand und nicht mitten auf dem Weg, aber durchaus in Reichweite unachtsamer Füße.
Oder wollte jemand auf diese Weise seinen oder ihren Unmut kundtun? Jedenfalls fand ich die Markierungsaktion vor ein paar Wochen noch irgendwie witzig. Als ich vorgestern von mein…

Neues aus der Helgoländer Gerüchteküche

Also ohne die Helgoländer Gerüchteküche wäre das Leben auf der Insel schon ziemlich fade! Ich habe lange nicht mehr so herzhaft gelacht wie nach dem Telefongespräch mit einer Schäfchen hütenden Person heute morgen. Die rief nämlich an, weil sie Interesse hatte, meine Nachfolge auf der inseleigenen Pfarrstelle anzutreten. Nicht dass ich meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin einfach selber bestimmen könnte. Da gibt's ja noch ein Kirchenrecht, das entweder Besetzung über den Bischof oder Stellenausschreibung vorschreibt. Aber das kirchliche Stellenbesetzungsprozedere interessiert sowieso nicht, WEIL ICH HIER JA GAR NICHT WEG WILL!
Auch wenn besagtem Amtsgeschwister neulich, bei einem Besuch unserer Insel, mitgeteilt wurde, ich würde demnächst die Insel und die dazugehörige Kirchengemeinde verlassen. Obwohl: Mein Urlaub steht an und es wäre nicht das erste Mal, dass die Leute hier glauben, ich würde nach einer dreiwöchigen Reise nicht wiederkommen. Als ich vor ein paar Jahren unser…