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Diebstahl total sophisticated




Es ist ja faszinierend, welche Ausdrucksformen die kriminelle Energie in unserer Kirche manchmal findet. Da werden Sachen auf Weisen geklaut, auf die ich nie käme. Gut, nun käme ich sowieso nicht darauf, überhaupt irgendwas zu klauen. Aber gesetzt den Fall, ich wäre total mission-impossible-mäßig drauf, wäre ich trotzdem nicht auf die Täuschungsmanöver gekommen, die in unserer Kirche bisweilen angewendet werden, um sich unerkannt des Interieurs zu bemächtigen.

Einer der Diebe, die bei uns ein-und ausgehen, wollte an das Geld im Kollektenkasten. Dazu hat er den ganzen Kollektenkasten abgebaut und mitgenommen. Aber nicht nur das! Er (oder sie - Geschlecht ist eigentlich unbekannt) hat sich doch tatsächlich die Mühe gemacht, einen optisch ähnlichen Kasten zu beschaffen und diesen mit viel handwerklichem Geschick an der Stelle anzubringen, an der der alte, mit Geld prall gefüllte Kollektenkasten hing. Und soll ich euch was sagen: Der Plan ging auf! Lange Zeit hat niemand gemerkt, dass das da an der Kirchenwand nicht der Originalkollektenkasten war. Irgendwann ist es doch jemandem aufgefallen, weil der Schlüssel nicht passte, und die Empörung war groß. Und nein: Der Kasten wurde nicht ganz legal aufgrund von Altersschwäche ausgewechselt und es hat nur niemand das Auswechselmanöver bemerkt. Das war ganz echter, knallharter Kollektenklau! (Diese Geschichte hat sich übrigens lange vor meiner Zeit hier auf Helgoland ereignet. Nicht, dass jetzt alle loslaufen und versuchen, den Kollektenklauer dingfest zu machen. Der ist schon seit Jahren über alle Berge, beziehungsweise über alle Wellen.)

Ich muss euch sagen, dass ich schwer beeindruckt bin von der Kreativität des Kollektenzockers. Dagegen war der Kerzenklau voll langweilig. Die waren irgendwann einfach weg. Samt Kerzenständern. Was wir dann auch sehr schnell gemerkt haben. Einen Unterschied hat das schnelle Bemerken allerdings nicht gemacht. Ist ja nicht so, dass wir den Dieb / die Diebin / die Diebe geschnappt hätten. Aber wie gesagt: Kerzen samt Kerzenständern einfach weg, keine Vertuschungsaktion, kein Rätsel: langweilig!

Aber damit ich wieder was habe, worüber ich mir an den Kopf fassen kann, war jemand so nett, sich eine neue kreative Vertuschungsaktion auszudenken. Für eine Glühlampe. Ja, ihr habt richtig gelesen: Glühlampe!

Eine der Lampen in der Kirche sah so aus, als sei sie durchgebrannt und müsste ausgetauscht werden. Beim Austauschen wurde dann festgestellt, dass die Glühlampe nicht kaputt sondern ersetzt worden war: durch eine kleinere, nur noch aus dem letzten Loch glühende Lampe.

Echt jetzt?! Da braucht jemand eine Glühlampe und „besorgt“ sich eine aus der Kirche, aber nicht, ohne für billigen Ersatz zu sorgen?! Ich brüte schon den ganzen Tag darüber, wieso zum Geier diese Person nicht einfach die Glühlampe rausgedreht hat und gut. Auch mit Ersatzglühlampe sah es ja nicht so aus, als wäre alles so wie es sein soll. Da war ja der weithin sichtbare dunkle Fleck über der Kirchenbank! Ein Vertuschungsversuch scheint es also nicht gewesen zu sein. Ein schlechtes Gewissen vielleicht? Der Versuch, die Aktion aus der Rubrik „Straftat“ rauszuhalten? Oder der Versuch, nicht als unchristlich abgestempelt zubwerden? 

Wobei: Im Grunde handelt es sich ja noch nicht mal um eine Tat, die gegen christliche Grundsätze verstößt. In der Bibel steht nämlich nirgends: „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Glühlampe.“

Bei dem ersetzten Kollektenkasten ist das allerdings eine völlig andere Nummer, denn das Geld wurde ja nicht ersetzt! Was bedeutet: Wenn wir dich kriegen, dann bist du dran!!!

Kommentare

  1. Das ist ja spannend - bei uns in der Kirche fehlt seit einigen Wochen der Filter von einer Haushaltskaffeemaschine. Ich frage mich auch schon die ganze Zeit, was für ein armer Mensch das war, der einen Filter für eine Kaffeemaschine braucht. Auf der anderen Seite stand mehrere Monate eine Plastiktüte mit drei Gläsern selbstgekochter Brommbermarmelade an der Garderobe und niemand schienen sie zu gehören... Spannend - sehr sehr spannend!!!

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    1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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    2. Bei uns ist irgendwann im Sommer der Mikrofonständer aus dem Gemeindehaus geklaut worden. Seltsam ist nur, dass die Bein, die man abschrauben muss, damit der Ständer unter die Bühne passt, noch da ist. Das heißt, dass da jemand was mitgenommen hat, das völlig unbrauchbar ist, von mir allerdings sehr vermisst wird.

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