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Keine Sprachschwierigkeiten auf Helgoland



Heute ist zwar mein erster Urlaubstag, da ich aber erstmal abwarten muss, ob die Fliegers heute überhaupt fliegen, kann ich die Wartezeit auch gut mit einem Blogartikel totschlagen. Wir haben nämlich Nebel und wenn Nebel ist, dann fliegen die Fliegers vom und zum Festland nicht. Aber das wissen wir ja schon alle. Jedenfalls ist gestern etwas passiert, über das es sich durchaus zu berichten lohnt. Was nicht immer der Fall ist. Meine Mama weiß das aus langer leidvoller Telefoniererfahrung mit ihrer Tochter. Aber gestern war es anders.

Meine Mama rief gestern abend noch an, um mir einen schönen Urlaub zu wünschen und fragte bei der Gelegenheit, ob es irgendwas Besonderes gäbe. Fragt sie immer. Und ich sage immer: "Nööö, alles beim alten. Insel steht noch - mitten in der Nordsee, Kirche auch, alles gut." Gestern fiel mir dann aber doch noch was ein: Wir haben, seit ich hier bin, unseren ersten zweisprachigen Gottesdienst gefeiert, der nicht im Rahmen unserer Zanzibar-Partnerschaft stattfand. Unseren ersten "stinknormalen" zweisprachigen Gottensdienst also - den Großteil immer noch auf Deutsch aber einige Teile auf Englisch.

Ergeben hatte sich das Ganze eher zufällig. Auf dieser unserer Insel mitten in der Nordsee gibt es eine Biologische Anstalt des Alfred Wegener Instituts. Diese Bilogische Anstalt holt mit schöner Regelmäßigkeit internationale Studentinnen und Studenten her. Zwei dieser Studenten waren letzten Sonntag bei uns im Gottesdienst, einer aus Ghana und einer aus Madagaskar. Sie fragten mich im Anschluss an den Gottesdienst, ob es vielleicht möglich sei, im Gottesdienst die Predigt ganz kurz auf Englisch zusammenzufassen, da sie der deutschen Sprache nicht so mächtig wären. "Klar!" hab ich gesagt und mich später gewundert, worauf ich mich da schon wieder eingelassen hatte.

Jedenfalls hatte ich das ganze Szenario bei der Gottesdienstvorbereitung noch im Hinterkopf und beschloss kurzerhand, ein paar Lieder rauszusuchen, bei denen auch englische Strophen im Gesangbuch stehen. Ja, liebe Leute, sowas haben wir! Englische Strophen im Gesangbuch! Französische auch, falls es euch interessiert. Swahili haben wir auch zu bieten. Spanisch auch, wenn mich nicht alles täuscht. Damit ist der Beweis geliefert: Wir sind eine Eine-Welt-Kirche! 

So war am Ende der Gottesdienst mit diversen englischsprachigen Brocken bestückt und es gab auch eine Zusammenfassung meiner Predigt auf Englisch. Eine seeeeeehr ausführliche Zusammenfassung meiner Predigt. Okay, es war fast schon eine zweite Predigt. Aber meine Gemeinde hat das alles klaglos mitgemacht. Ist auch keiner eingeschlafen, obwohl die Predigt so lang war, Das ist schonmal ein sehr gutes Zeichen. Ich bin so stolz auf euch! 

Und ich selber habe zwischendurch immer wieder gedacht: Das fühlt sich jetzt richtig an wie Familie! 


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