Dienstag, 28. Juni 2016

Urlauberseelsorge

Ich hatte mir selbst neulich die Frage gestellt, ob meine Urlaube denn nun als Fortbildungsmaßnahmen zählen, weil meine Stellenbeschreibung eine 50%ige Beauftragung für Urlauberseelsorge beinhaltet. Die Frage war natürlich rein rhetorisch, denn niemand glaubt hier im Ernst, dass die Kirche mir dafür die Reisekosten erstatten würde!


Aber mir meine Urlaube mal aus Sicht einer Fortbildungsmaßnahme zu begucken, hat mir dann doch irgendwie gefallen. 

Ich habe mich gefragt: 
Was will ich eigentlich, wenn ich im Urlaub bin?

Und:
Was will ich eigentlich von Kirche, wenn ich im Urlaub bin?

Die erste Frage lässt sich schnell beantworten: Ich will aus-spannen, ent-spannen, ab-spannen. Ich will geocachen gehen, interessante Orte angucken, wandern, bergsteigen, baden, schlafen, lesen, Musik hören, die Seele baumeln lassen, spielen oder einfach nichts tun. Am allermeisten will ich aber in Ruhe gelassen werden.

Über die zweite Frage musste ich länger nachdenken. Als erstes kamen mir die Sachen in den Sinn, die man von Urlauberseelsorge erwarten würde: Ansprechbarkeit und ein bunter Blumenstrauß von Aktivitäten. Und dann fiel mir ein, dass das ja wohl eher die Perspektive der Urlauberseelsorgerin ist und nicht die der Urlauberin. Denn eigentlich will ich im Urlaub eines ganz besonders von Kirche: in Ruhe gelassen werden! Das mag natürlich damit zusammenhängen, dass die Kirche mein Arbeitgeber ist. Von dem will, soll und muss man im Urlaub in Ruhe gelassen werden!  Aber auch wenn ich versuche, meine Urlaubsbedürfnisse aus der Perspektive einer nicht-pastoralen Urlauberin zu betrachten, will ich immer noch in Ruhe gelassen werden. Eine Fülle von Angeboten stresst mich eigentlich nur. Im Grunde möchte ich ab und zu mal einen Gottesdienst oder eine Andacht besuchen, mehr nicht. Ach ja: offene Kirchen vorfinden ist auch cool. In offene Kirchen kann man sich nämlich einfach reinsetzen und, ja genau:  in Ruhe gelassen werden! 

Mir erzählen die Urlauber hier auf der Insel öfter, dass sie die Gottesdienste besuchen oder einfach nur so in die Kirche kommen, weil sie endlich einmal Zeit dafür haben. Nun, wenn ICH Urlaub habe, dann habe ich endlich einmal Zeit, NICHT in die Kirche zu gehen. 

Aber meine Perspektive ist hier wohl nicht die richtige. Denn wenn es danach geht, müsste ich 50% meiner Arbeitszeit dafür aufwenden, die Leute in Ruhe zu lassen. Ich glaube nicht, dass das im Sinne meiner dienstvorgesetzten Stellen ist 😉

Außerdem habe ich sowohl als Gemeindepastorin als auch als Urlauberseelsorgerin einen Verkündigungsauftrag zu erfüllen. Und Jesus hat schließlich nicht gesagt: Geht nun hin zu allen Völkern, aber lasst sie bloß in Ruhe! Nein, von taufen hat er was gesagt und von lehren. (Matthäus 28, 16-20) Und das ist schlichtweg nicht vereinbar mit dem In-Ruhe-lassen!

Kommentare:

  1. Thank God, it's spare time ... liebe Grüße.

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  2. Ja, zum Glück! We need it! Liebe Grüße zurück :-)

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