Direkt zum Hauptbereich

Urlauberseelsorge

Ich hatte mir selbst neulich die Frage gestellt, ob meine Urlaube denn nun als Fortbildungsmaßnahmen zählen, weil meine Stellenbeschreibung eine 50%ige Beauftragung für Urlauberseelsorge beinhaltet. Die Frage war natürlich rein rhetorisch, denn niemand glaubt hier im Ernst, dass die Kirche mir dafür die Reisekosten erstatten würde!


Aber mir meine Urlaube mal aus Sicht einer Fortbildungsmaßnahme zu begucken, hat mir dann doch irgendwie gefallen. 

Ich habe mich gefragt: 
Was will ich eigentlich, wenn ich im Urlaub bin?

Und:
Was will ich eigentlich von Kirche, wenn ich im Urlaub bin?

Die erste Frage lässt sich schnell beantworten: Ich will aus-spannen, ent-spannen, ab-spannen. Ich will geocachen gehen, interessante Orte angucken, wandern, bergsteigen, baden, schlafen, lesen, Musik hören, die Seele baumeln lassen, spielen oder einfach nichts tun. Am allermeisten will ich aber in Ruhe gelassen werden.

Über die zweite Frage musste ich länger nachdenken. Als erstes kamen mir die Sachen in den Sinn, die man von Urlauberseelsorge erwarten würde: Ansprechbarkeit und ein bunter Blumenstrauß von Aktivitäten. Und dann fiel mir ein, dass das ja wohl eher die Perspektive der Urlauberseelsorgerin ist und nicht die der Urlauberin. Denn eigentlich will ich im Urlaub eines ganz besonders von Kirche: in Ruhe gelassen werden! Das mag natürlich damit zusammenhängen, dass die Kirche mein Arbeitgeber ist. Von dem will, soll und muss man im Urlaub in Ruhe gelassen werden!  Aber auch wenn ich versuche, meine Urlaubsbedürfnisse aus der Perspektive einer nicht-pastoralen Urlauberin zu betrachten, will ich immer noch in Ruhe gelassen werden. Eine Fülle von Angeboten stresst mich eigentlich nur. Im Grunde möchte ich ab und zu mal einen Gottesdienst oder eine Andacht besuchen, mehr nicht. Ach ja: offene Kirchen vorfinden ist auch cool. In offene Kirchen kann man sich nämlich einfach reinsetzen und, ja genau:  in Ruhe gelassen werden! 

Mir erzählen die Urlauber hier auf der Insel öfter, dass sie die Gottesdienste besuchen oder einfach nur so in die Kirche kommen, weil sie endlich einmal Zeit dafür haben. Nun, wenn ICH Urlaub habe, dann habe ich endlich einmal Zeit, NICHT in die Kirche zu gehen. 

Aber meine Perspektive ist hier wohl nicht die richtige. Denn wenn es danach geht, müsste ich 50% meiner Arbeitszeit dafür aufwenden, die Leute in Ruhe zu lassen. Ich glaube nicht, dass das im Sinne meiner dienstvorgesetzten Stellen ist 😉

Außerdem habe ich sowohl als Gemeindepastorin als auch als Urlauberseelsorgerin einen Verkündigungsauftrag zu erfüllen. Und Jesus hat schließlich nicht gesagt: Geht nun hin zu allen Völkern, aber lasst sie bloß in Ruhe! Nein, von taufen hat er was gesagt und von lehren. (Matthäus 28, 16-20) Und das ist schlichtweg nicht vereinbar mit dem In-Ruhe-lassen!

Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Hundekacke mit Fähnchen

Ja, die findet man tatsächlich auf Helgoland: Hundekacke mit Fähnchen. Hundekacke mit Zielflagge, um genau zu sein. (Das Original befindet sich hinter  dem Emoji-Haufen auf dem Bildund und war mir zu unappetitlich, um es hier zu zeigen.)

Zum ersten Mal sind mir die mit schwarz-weiß karierten Fähnchen garnierten Hundehaufen kurz vor meinem Urlaub aufgefallen. Ich war selbst gerade auf Hunderunde und mein Pelzgesicht hatte die Haufen natürlich zuerst entdeckt. Durch den Geruch. Nicht durch die Fähnchen. Ich stand eine ganze Weile davor, bewunderte das Kunstwerk und machte mir so meine Gedanken. Wollte jemand auf die Hundehaufen aufmerksam machen, damit niemand reintritt? Eigentlich eine gute Idee, denn diese Haufen lagen zwar am Wegrand und nicht mitten auf dem Weg, aber durchaus in Reichweite unachtsamer Füße.
Oder wollte jemand auf diese Weise seinen oder ihren Unmut kundtun? Jedenfalls fand ich die Markierungsaktion vor ein paar Wochen noch irgendwie witzig. Als ich vorgestern von mein…

Blogpause

Im März hat es keinen Blogartikel von mir gegeben. Im April wird es auch keinen geben. (Außer diesem hier natürlich.) Es wird vermutlich über längere Zeit keinen Blogartikel geben, da ich gerade an einem anderen Projekt arbeite, das sehr viel Zeit beansprucht, von dem ich aber auch noch nicht verraten will, was es denn wird. Wenn es fertig ist, werde ich es natürlich kundtun, aber bis dahin müsst ihr leider erstmal ohne das Pastorendasein auf Helgoland leben. 
Und kommt jetzt bloß nicht auf dumme Gedanken! Nein: Ich bin NICHT schwanger!  Krank auch nicht - bis auf die Rückenschmerzen, die mich von Zeit zu Zeit plagen, aber die zählen nicht. Ich habe nur einfach gerade keine Zeit, den Blog weiterzuschreiben. Das ist alles. 
Wer allerdings bereit ist, sich auf soziale Netzwerke einzulassen, findet immer wieder etwas über mein Dasein auf Helgoland und anderswo auf Snapchat und Instagram. Bei beiden bin ich unter dem Benutzernamen revphansen zu finden.
Und wenn ich mein Projekt fertig habe, dan…