Direkt zum Hauptbereich

Von der Kunst, effektiv Zeit totzuschlagen



Ich befinde mich mal wieder in der Warteschleife. Und das nervt mich gerade unsäglich! Ich bin zu einer Besprechung auf dem Festland, aber die Besprechung findet leider erst um 14.30 Uhr statt. Rüberfliegen musste ich natürlich schon vormittags um 8:50 Uhr, um pünktlich um 14.30 hier sein zu können. Das heißt: Ich habe viiiiiiiel Zeit, um ...., ja um was zu machen?

Nach über fünf Jahren Pastorendasein auf Helgoland bin ich ja schon eine echte Expertin im Zeittotschlagen. Ist ja nicht das erste Mal, dass ich irgendwo auf dem Festland auf einen Termin warten muss. Oder auf den Abflug, oder auf die Mitfahrgelegenheit, oder darauf, dass die Geschäfte aufmachen.

In der Regel nehme ich mir einfach Arbeit mit, die ich auch von Unterwegs aus erledigen kann. Predigtvorbereitung eignet sich da immer gut. Wenn WLAN vorhanden ist, dann kann ich sowohl Recherche für's Predigtthema betreiben als auch dienstliche Emails bearbeiten. Das war auch der Plan für heute. Ich hatte schon alles im Vorwege organisiert und verabredet, damit ich vor Ort einen Raum zur Verfügung habe, in dem ich in Ruhe arbeiten kann. Sogar mit WLAN, juhu!!!

Mit der Predigtvorbereitung bin ich allerdings nur mühsam vorangekommen. Das Stichwort war ja IN RUHE arbeiten! Und die gibt's hier heute irgendwie nicht. Die Leute, die hier ständig rein- und rausschneiten, sind zwar inzwischen wieder weg. Dafür kamen dann aber die Schloss-ein-und-ausbauer, die alte Türschlösser aus- und neue Türschlösser einbauen sollen. Erkenntnis des Tages: Türschlösser ein- und ausbauen kann einen mordsmäßigen Lärm verursachen. Aber sowas von!

Da ich hier ja mit WLAN und zusätzlich mit Tablet und Kopfhörern ausgestattet bin, sah es zunächst ganz gut damit aus, doch noch die Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten zu schaffen.

Es gibt da nämlich auf YouTube einen Kanal mit klassischer Musik, die extra dazu da ist, beim Konzentrieren zu helfen. Aber wenn die Musik so laut in die Ohren dröhnt, dass ich dass Kreischen des Bohrers im Türschloss nicht mehr hören kann, dann hat sich das mit der Konzentration irgendwie auch erledigt.

Eben waren die Türschloss-Yogis zum Glück für eine Weile weg um Schlüssel nachmachen zu lassen. So konnte ich wenigstens für eine Weile in Ruhe arbeiten. 
Aber inzwischen sind die Trommelfell-Folterer zurück und bohren wieder fröhlich an ihren Schlössern rum! Neiiiiiiiiin!!!

Ich glaube, ich gehe jetzt doch in die City zum Shoppen! Scheiß auf die Arbeit! Die muss ich dann eben nachholen, wenn ich wieder auf meiner Insel und in meinem ruhigen(!) Büro bin. Naja, morgens zwischen 7.00 und 9.00 Uhr ist mein Büro einigermaßen ruhig. Und nach 20.00 Uhr auch ;-)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Du arbeitest doch nur sonntags

Der Tweet einer Kollegin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie schrieb, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nach einem 10stündigen Arbeitstag schon Feierabend machte. Erst letzte Woche habe ich einen Zeitungsartikel über eine Pfarrerin mit Burnout gelesen. In den letzten Jahren häuften sich in meinem engeren wie weiteren pastoralen Umfeld die Fälle von Burnout. Ich finde, es wird Zeit, sich nicht nur Gedanken über dieses Problem zu machen, sondern auch darüber zu reden! Und vor allem etwas gegen dieses ungesunde Arbeitspensum zu tun! Denn es ist ja inzwischen medizinisch erwiesen, dass mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche krank machen.
Eigentlich wollte ich über dieses Thema gar nicht losschreiben, weil ich doch schon weiß, was wieder an Reaktionen kommt:  - Ach komm, stell dich nicht so an! - Manchmal muss man eben auch mal etwas mehr machen. - Ich arbeite auch so viel und beschwere mich nicht. - Du wirst schließlich dafür bezahlt! - Du arbeitest doch sowieso nur sonntags
Da …

Hundekacke mit Fähnchen

Ja, die findet man tatsächlich auf Helgoland: Hundekacke mit Fähnchen. Hundekacke mit Zielflagge, um genau zu sein. (Das Original befindet sich hinter  dem Emoji-Haufen auf dem Bildund und war mir zu unappetitlich, um es hier zu zeigen.)

Zum ersten Mal sind mir die mit schwarz-weiß karierten Fähnchen garnierten Hundehaufen kurz vor meinem Urlaub aufgefallen. Ich war selbst gerade auf Hunderunde und mein Pelzgesicht hatte die Haufen natürlich zuerst entdeckt. Durch den Geruch. Nicht durch die Fähnchen. Ich stand eine ganze Weile davor, bewunderte das Kunstwerk und machte mir so meine Gedanken. Wollte jemand auf die Hundehaufen aufmerksam machen, damit niemand reintritt? Eigentlich eine gute Idee, denn diese Haufen lagen zwar am Wegrand und nicht mitten auf dem Weg, aber durchaus in Reichweite unachtsamer Füße.
Oder wollte jemand auf diese Weise seinen oder ihren Unmut kundtun? Jedenfalls fand ich die Markierungsaktion vor ein paar Wochen noch irgendwie witzig. Als ich vorgestern von mein…

Neues aus der Helgoländer Gerüchteküche

Also ohne die Helgoländer Gerüchteküche wäre das Leben auf der Insel schon ziemlich fade! Ich habe lange nicht mehr so herzhaft gelacht wie nach dem Telefongespräch mit einer Schäfchen hütenden Person heute morgen. Die rief nämlich an, weil sie Interesse hatte, meine Nachfolge auf der inseleigenen Pfarrstelle anzutreten. Nicht dass ich meinen Nachfolger oder meine Nachfolgerin einfach selber bestimmen könnte. Da gibt's ja noch ein Kirchenrecht, das entweder Besetzung über den Bischof oder Stellenausschreibung vorschreibt. Aber das kirchliche Stellenbesetzungsprozedere interessiert sowieso nicht, WEIL ICH HIER JA GAR NICHT WEG WILL!
Auch wenn besagtem Amtsgeschwister neulich, bei einem Besuch unserer Insel, mitgeteilt wurde, ich würde demnächst die Insel und die dazugehörige Kirchengemeinde verlassen. Obwohl: Mein Urlaub steht an und es wäre nicht das erste Mal, dass die Leute hier glauben, ich würde nach einer dreiwöchigen Reise nicht wiederkommen. Als ich vor ein paar Jahren unser…