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Wunder der Überseetechnik




Auf so‘ner Möchtegern-Hochseeinsel zu wohnen ist ja manchmal schon krass. So mache ich mir gerade mal wieder Sorgen über meine Teilnahme an einem bevorstehenden Seminar. Das soll am Wochenede stattfinden. Am Wochende ist ein solches Sauwetter gemeldet, dass ich um die erfolgreiche Teilnahme bangen muss. Ich würde vermutlich heil aufs Festland kommen, aber die Rückkehrwahrscheinlichkeit am geplanten Termin liegt bei maximal 5%! (Weil bei Sauwetter die Fliegers nicht fliegen. Oder die Schiffe nicht fahren. Oder beides.) Wenn das so bleibt, fliege ich nicht rüber. Das wäre dann zwar sehr schade, aber irgendwie auch wieder nicht. Denn: Geschenkte Zeit! Aber bei meinem Glück tauchen aus dem Nichts garantiert irgendwelche Arbeiten auf, mit denen nie ein Mensch zuvor gerechnet hat. Oder sie erfinden bis dahin das Beamen.

Was gar nicht so unwahrscheinlich ist, wenn ich mir den Stand unserer Technik heute so begucke. Vor ein paar Tagen zum Beispiel habe ich mich ausgiebig in das Thema „Handyticket“ eingearbeitet. Wenn ich denn an dem Seminar teilnehmen würde, dann müsste ich ja von da auch wieder zurück nach Hause und müsste, wenn das so wäre, den Zug nehmen. Da ich aber noch nicht absehen kann, ob ich überhaupt aufs Festland komme, wollte ich die Zugfahrkarte erst kaufen, wenn ich völlig real das Festland erreicht habe. Dazu müsste ich nichtmal einen Schalter oder Automaten an irgendeinem Bahnhof anlaufen. Kann man ja alles schon online und mit dem Handy machen. Normalerweise kriegt man bei Online-Buchung die Fahrkarte via E-mail zugeschickt und muss sie ausdrucken. Aber das ist doch schon lange kalter Kaffee! Es geht inzwischen nämlich auch papierlos und wieder mit dem berüchtigten Handy. Da kriegt man dann einen Code aufs Handy geschickt, den die Zugbegleiterin oder der Zugbegleiter einscannt, wenn ich ihm / ihr mein Handy entgegenhalte. Glaube ich jedenfalls, denn ob ich das so komplett verstanden habe, weiß ich noch nicht. Ist auch echt ein bisschen schwer zu verdauen. Wenn mir damals in den 80ern jemand gesagt hätte: „Du kannst mit deinem Walkman Zug fahren“, dann hätte ich diesem Jemand auch kein Wort geglaubt. So ähnlich fühlt sich das jetzt auch an.

Aber es geht noch besser! Gerade sitze ich vor meinem Laptop und staune Bauklötze, weil ein anderer Jemand vom fernen Meldorf aus an meinem Computer rumfuhrwerkt. Fernwartung heißt das Zauberwort. Und ist schon ziemlich nah dran am Beamen, wie ich finde. Wie von Geisterhand gesteuert, bewegt sich mein Cursor über den Computerbildschirm und sorgt dafür, dass alle Viren vor Angst weglaufen und sich nie wieder auf meinem Laptop blicken lassen. Also wenn das auf der Skala für tolle Erfindungen nicht gleich nach dem Beamen kommt, dann weiß ich auch nicht.

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