Donnerstag, 25. Mai 2017

Gott auf Wohnungssuche - Eine Geschichte



Wenn man in einen Gottesdienst geht, bekommt man immer Geschichten erzählt. Lieder erzählen Geschichten, die Bibel erzählt Geschichten, Trommeln erzählen übrigens auch Geschichten. Und Pastorinnen erzählen ab und zu Geschichten:

Gott wanderte über die Erde. Er hatte Meer und Land, Tiere und Pflanzen gemacht. Und die Menschen. Die Menschen mochte er besonders gerne. Und weil er die Menschen so gerne mochte, wollte er ihnen besonders nahe sein. Er wünschte sich eine ganz enge Verbindung zu ihnen, denn sie waren seine Kinder. Er ließ seinen Geist über die Erde wehen, aber ganz oft, spürten die Menschen kaum, dass er da war.

 

Eines Tages beschloss Gott, selber Mensch zu werden. Wenn er einer von ihnen wäre, dann könnte er viel Gutes für die Menschen tun. Er könnte sie sogar anfassen, ihnen die Hand auflegen um sie zu segnen, sie berühren, um sie zu heilen. Aber so ein menschliches Leben ist nunmal irgendwann zuende. Sein menschliches Leben ging sogar recht früh zuende und auch noch durch einen gewaltsamen Tod. Aber das musste so sein. Es war ein Opfer, das er bringen musste, weil er seine Kinder so sehr liebte. Er fuhr auf in den Himmel und wollte für eine Weile nur im Himmel bleiben. Das Problem war: Gott passte nicht hinein in den Himmel. Er überlegte sich, dass er ja vielleicht den Himmel und die Erde zusammenlegen könnte, um seine Wohnung zu vergrößern. Das ging gerade so, aber irgendwie war ihm auch das zu klein.

 

Die Menschen hatten schon immer versucht, Häuser für Gott zu bauen, damit er eine Wohnung auf der Erde bei ihnen hätte. Teilweise waren es sehr große Häuser. Tempel nannten sie sie. Gotte erinnerte sich an einen König, der Salomo hieß. Der hatte einen besonders großen und prächtigen Tempel für Gott gebaut. Gott freute sich sehr und wollte gerne dabei sein, wenn sich die Menschen seinetwegen im Tempel trafen. Ganz oft wollten sie mit ihm sprechen, wenn sie in den Tempel kamen. Aber Gott konnte den Tempel nicht betreten. Er war viel zu klein. Gerade einmal seine Hand passte durch die Tore des Tempels. Aber er selber konnte nicht eintreten.

 

König Salomo hatte wohl schon so eine Ahnung gehabt, dass das Haus, das er für Gott hatte bauen lassen, gar nicht in der Lage wäre, Gott in seiner ganzen Größe zu fassen. Er hatte mal gesagt: "Aber bist du nicht viel zu erhaben, um bei uns Menschen zu wohnen? Ist doch selbst der ganze weite Himmel zu klein für dich, wie viel mehr dann dieses Haus, das ich gebaut habe." (1. Könige 8, 27)

 

Gott hatte ja selbst schon festgestellt, dass sogar der Himmel für ihn zu klein war. Deshalb wollte er auch unbedingt Himmel UND Erde zu seiner Wohnung machen.

 

Zu späterer Zeit, nachdem er selbst als Mensch auf der Erde gelebt hatte, bauten die Menschen immer noch Häuser für Gott. Die waren nicht mehr so groß wie der Tempel Salomos. Die Menschen nannten sie Kirchen. Vielleicht dachten die Menschen, Gott würde nun problemlos in ihren Kirchen wohnen können, weil er doch menschliche Gestalt annehmen konnte. Aber auch das klappte nicht. Auch in die Kirchen passte Gott nicht hinein. Nicht einmal seine Hand passte mehr durch die Kirchentüren. Aber er konnte durch die Kirchenfenster hineinsehen zu seinen Kindern, die sich immer wieder in den Kirchen trafen um zu singen, mit ihm zu sprechen und Geschichten über ihn zu hören. Und seine Augen strahlten, wenn er das sah. Ganz oft erfüllte dann ein ganz wunderbares Licht die Kirchen. Die Menschen meinten natürlich, das sei nur die Sonne, die durch die bunten Glasfenster in ihre Kirchen schien. 

 

Gott war immer noch nicht zufrieden. Ja, er war den Menschen schon ziemlich nahe, aber irgendwie reichte ihm das noch nicht. 

Und er hatte ja immer noch keine Wohnung gefunden, in die er wirklich hineinpasste, eine Wohnung, die ihm nicht zu klein war und in der er zu Hause war.

 

Und dann hatte er plötzlich eine Idee. Er hatte nämlich einen Ort gefunden, den er sich sehr, sehr gut als Wohnung vorstellen konnte. Ein Ort, der eigentlich viel kleiner war als Salomos Tempel. Der Ort war auch viel kleiner als eine Kirche. Er war sogar noch kleiner als ein einfaches Zimmer, in dem eine Kerze neben einer aufgeschlagenen Bibel brannte. Aber irgendwie war es schon eine Art Zimmer. Gott wollte in das Herz der Menschen einziehen. Und weil es so viele davon gab, würde seine neue Wohnung genau die richtige Größe haben.

 

Und weil Gott in den Herzen ALLER Menschen wohnen wollte, machte er sich auf den Weg und wanderte durch die Zeit. Er wanderte soweit zurück bis er die Herzen der ersten Menschen fand, um dort einzuziehen. Er fand dauch das Herz Salomos und zog dort ein. Er fand die Herzen der Menschen, die Salomos Tempel aufsuchten, und zog dort ein. Nun hatte er auch einen Weg gefunden, in den prächtigen Tempel einzuziehen. Durch die Herzen der Menschen. Auf demselben Wege konnte Gott später auch in die Kirchen einziehen. Und in die Häuser, in die Hütten, in die Zelte und in die Wohnungen der Menschen. 

 

Weil Gott in die Herzen der Menschen eingezogen ist, hat er nicht nur eine Verbindung zwischen Himmel und Erde geschaffen sondern auch eine Verbindung zwischen den Menschen. Auch die Menschen waren sich jetzt näher. Sie waren zu einer Familie geworden. Weil Gott in die Herzen der Menchen eingezogen wargab es plötzlich eine Verbindung zwischen den Menschen auf Zanzibar und den Menschen auf Helgoland. Es gab eine Verbindung zwischen den Menschen in Asien und den Menschen in Amerika. Gott hatte die Verbundenheit von Menschen auf der ganzen Welt geschafft, einfach dadurch, dass er in ihre Herzen eingezogen war.

 

Und weil er nicht gestorben ist sondern auferstanden, wohnt er da noch heute.

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