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Glaubensperlen und Kerzenklau

Und wieder mal bin ich mir nicht sicher, was ich tun soll. Auf die Ehrlichkeit der Menschen vertrauen oder auf Nummer Sicher gehen? In diesem Fall geht es um die "Perlen des Glaubens". Dabei handelt es sich um ein Perlenarmband, das als Gebetshilfe dienen soll, ähnlich wie ein Rosenkranz. Wer mehr dazu wissen möchte, kann hier nachschauen: http://www.perlen-des-glaubens.de/

Ich habe mir jedenfalls gedacht, dass es schön wäre, wenn Besucherinnen und Besucher unsere Kirche nicht nur als eine Art Museum betrachten, sondern sie als spirituellen Raum wahrnehmen. Dazu habe ich ein paar Perlengebete und einen meditativen Rundgang durch die Kirche verfasst und in der Kirche ausgelegt. Am schönsten ist es natürlich, wenn man zum Beten oder auf dem Rundgang eines dieser Perlenarmbänder in der Hand hat. Die müssten dann natürlich auch in der Kirche ausgelegt werden. Und bezahlt, wenn jemand so ein Armband mitnehmen möchte. 



Leider reißt es immer mehr ein, dass Dinge "einfach mitgenommen werden". Das Bezahlen wird dann gerne "vergessen". Haben wir gerade erst mit den Kerzen erlebt, die eine freundliche Spenderin uns für unsere Taizé Andachten überlassen hatte. Ursprünglich waren es acht Stumpenkerzen in schönen schlichten Kerzenhaltern aus Glas. Jetzt sind es nur noch sechs. Ich hatte sie in einer Ecke unserer Kirche hinter einem Paravent deponiert. Offen stehenlassen mochte ich sie nicht, denn wir wollen ja die Leute nicht unnötig in Versuchung führen. Trotzdem waren vor ein paar Wochen zwei der Kerzen verschwunden. Naiv wie ich bin, habe ich zunächst angenommen, dass jemand sie sich nur ausgeliehen hätte. Denn wer kommt außer uns, die mit Küstertätigkeiten, Aufräumarbeiten oder Müllentsorgung zu tun haben, schon auf die Idee, hinter besagten Paravent zu schauen? Jedenfalls sind die Kerzen bis heute nicht wieder aufgetaucht, was mich zu der Annahme verleitet, dass sie schlichtweg geklaut wurden. Selbst unsere Altarkerzen sind vor den Kerzenjunkies nicht sicher, wie mir neulich berichtet wurde. Auch die sind in der Vergangenheit schon auf wundersame Weise verschwunden. 

Es muss wohl Leute geben, die so süchtig nach Kerzen sind, dass sie es nicht aushalten können, so lange zu warten, bis eines der Geschäfte öffnet, in denen Kerzen käuflich zu erwerben sind. Oder vielleicht hat ihre Sucht sie schon in den finanziellen Ruin getrieben, so dass sie sich keine Kerzen mehr leisten können. (Wenn also jemand in unserer Kirche Kerzen klaut, fällt das dann unter Beschaffungskriminalität?)

Jedenfalls hat mich die Erfahrung mit den Kerzen dazu gebracht, mir das Hirn darüber zu zermartern, wie mit den Perlenarmbändern verfahren werden soll. In der Kirche auslegen und einfach ein Preisschild dranmachen wollte ich nicht, denn sie könnten ja geklaut werden. Andererseits wollte ich die Leute schon dazu animieren, so ein Perlenarmband auch zu benutzen. Was also tun? 

Ich dachte, ich hätte die Idee des Jahrhunderts gehabt, als mir einfiel, dass ich ja einfach ein Ansichtsexemplar in der Kirche auslegen könnte (es stand sogar "Ansichtsexemplar" drauf!) mit dem Vermerk, dass die Armbänder im Kirchenbüro käuflich zu erwerben sind. Gesagt, getan. Und am nächsten Tag war das Ansichtsexemplar weg! Ja, ich gebe zu, dass das Kirchenbüro nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit geöffnet ist, und es somit Zeiten gibt, in denen sich der Erwerb von Perlenarmbändern schwierig gestaltet. Und es könnte ja auch sein, dass das Ansichtsexemplar bezahlt wurde. Es gibt da nämlich einen kleinen Spendenkasten neben den käuflich zu erwerbenden Dingen wie Büchern oder Postkarten. Allerdings ergab selbst die ausgiebige Inspektion dieses Spendenkastens keinen endgültigen Aufschluss darüber, ob das Perlenarmband nun einem Kauf oder einem Diebstahl zum Opfer gefallen ist.

Ich könnte nun anfangen, jeden Abend eine Inventur der Kerzen, Bücher, Postkarten und Perlenarmbänder durchzuführen, um rauszufinden, wieviel tatsächlich in der Kirche geklaut wird. Aber wer hat dafür schon Zeit?! Ich nur in dem Fall, in dem die Gemeinde bereit wäre, sich sonntags mit einer Ultra-Kurzpredigt zufrieden zu geben. Vielleicht sind meine Schäfchen ja ganz froh, wenn ich die Predigt von 15-20 auf 3 Minuten reduziere ;-)

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So, und hier musste ich gerade eine Pause mit dem Blogschreiben einlegen, da meinem Vierbeiner sonst die Blase geplatzt wäre. Aber dafür habe ich großartige Neuigkeiten! Auf dem Rückweg von unserem Spaziergang habe ich nämlich in der Kirche vorbeigeschaut, um das Foto für diesen Blogeintrag zu machen. Und: Es fehlte wieder ein Perlenarmband! Ich natürlich gleich rüber ins Kirchenbüro und Schlüssel für den Spendenkasten geholt. Ich wollte doch unbedingt wissen, ob daran gedacht wurde, uns das Geld, das wir für das Armband ausgelegt haben, auch zu erstatten. In diesem Fall war das gut nachvollziehbar, da ich den Kasten gestern erst geleert hatte. Und ja: Das Geld für das Armband war drin!!! Yes, yes, yessssss!!! Es besteht noch Hoffnung für die Menschheit! 

Das bringt mich nun endgültig zu dem Schluss, dass es mir wichtiger ist, die Leute auf Gebet und Meditation lecker zu machen, als unsere Kirchengemeinde zu 150 % vor Diebstahl zu schützen.

Ich kann ja vorsichtshalber noch ein Schild aufhängen mit dem Spruch: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Perlenarmband, Buch, Kerze, Postkarte, oder alles, was sein ist!"

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