Freitag, 19. Juni 2015

Schlechtes-Gewissen-Bekämpfungstag

Heute war der schlimmste Tag überhaupt - für mein schlechtes Gewissen! Ha! Ich habe es dahin katapultiert, wo es hingehört: ins Nirgendwo.

Es gibt ja so Dinge, die man ewig vor sich herschiebt. Und dann kommt das schlechte Gewissen angekrochen, weil man diese Dinge nicht erledigt hat. Ich bin einsame Spitze darin, diese Dinge dann noch weiter vor mir herzuschieben und mich der Illusion hinzugeben, dass das schlechte Gewissen sich irgendwann in Luft auflöst, wenn nur genug Zeit vergeht. Tut es aber nicht. Es piekt und bohrt und macht einem das Leben zur Hölle. Genausowenig lösen sich die zu erledigenden Dinge in Luft auf. Auch die sitzen einem ständig im Nacken und pieken und bohren und machen einem das Leben zur Hölle.

Da war der Brief, den ich schon zu Weihnachten hätte schreiben wollen. Zu Ostern habe ich den auch nicht geschrieben. Und die lieben Menschen, denen ich diesen Brief schreiben wollte, hatten sich ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt. Das schlechte Gewissen, dass ich diesen Brief noch nicht geschrieben habe, hat sich auch ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt.
Da war auch Papierkram, um den ich mich vor drei Jahren schon hätte kümmern müssen (ja, drei Jahre!). Der Papierkram hat sich leider nicht, wie erhofft, in Luft aufgelöst. Und dann war da der längst überfällige Besuch bei unseren Seenotrettern. Die haben sich auch nicht in Luft aufgelöst. Dienstags verschwinden sie zwar immer nach Cuxhaven, aber sie kommen wieder. Und das schlechte Gewissen kommt auch wieder. Und eigentlich will ja auch keiner, dass sich unsere Seenotretter in Luft auflösen.

Jedenfalls habe ich es heute geschafft, besagten Brief zu schreiben, den steinzeitlichen Papierkram zu erledigen, mich um diverse andere Dinge zu kümmern, die mein schlechtes Gewissen immer fleißig auf Trab halten, und: meine Seenotretter zu besuchen! 

Ich hatte allerdings schon angefangen mir enrsthaft Sorgen wegen meines Aufschubtalentes zu machen. Da stand doch tatsächlich so ein Mensch in rotem Overall vor mir und ich kannte ihn nicht! Er kannte mich auch nicht! Ich dachte: Oh Gott, jetzt isses soweit! Jetzt hast du dich so lange nicht blicken lassen, dass du die Besatzung der Marwede nicht mehr erkennst. Und die dich auch nicht. Schlechtes Gewissen auf Höhenflug!!! Zum Glück wurde mir dieser Jemand dann aber als neues Besatzungsmitglied vorgestellt. Wir konnten uns also gar nicht kennen. Und ich bin vor Erleichterung beinahe zusammengebrochen.

Es war ein sehr, sehr netter Besuch auf unserem Seenotkreuzer und ich habe den festen Vorsatz, nicht wieder so lange wegzubleiben, dass mich mein schlechtes Gewissen fast umbringt. Und das nicht nur, weil Hund und Mensch so gut gefüttert wurden. 

Heute habe ich mein schlechtes Gewissen um die Ecke gebracht und da soll es auch bleiben. Ich werde mir ernsthaft Mühe geben - besonders mit Briefen, Papierkram und Seenotrettern - damit es nur ja nicht wieder hervorlugt, das schlechte Gewissen. Das sind doch gute Vorsätze für die zweite Hälfte des Jahres, oder?!


Auf dem Weg zum Seenotkreuzer (Den Brief könnt ihr nicht sehen, weil der da längst im Briefkasten war. Den "Papierkram" könnt ihr auch nicht sehen, weil ich den via Email erledigt habe. Aber die Marwede könnt ihr sehen, wenn ihr ganz genau hinguckt.)

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