Direkt zum Hauptbereich

Schlechtes-Gewissen-Bekämpfungstag

Heute war der schlimmste Tag überhaupt - für mein schlechtes Gewissen! Ha! Ich habe es dahin katapultiert, wo es hingehört: ins Nirgendwo.

Es gibt ja so Dinge, die man ewig vor sich herschiebt. Und dann kommt das schlechte Gewissen angekrochen, weil man diese Dinge nicht erledigt hat. Ich bin einsame Spitze darin, diese Dinge dann noch weiter vor mir herzuschieben und mich der Illusion hinzugeben, dass das schlechte Gewissen sich irgendwann in Luft auflöst, wenn nur genug Zeit vergeht. Tut es aber nicht. Es piekt und bohrt und macht einem das Leben zur Hölle. Genausowenig lösen sich die zu erledigenden Dinge in Luft auf. Auch die sitzen einem ständig im Nacken und pieken und bohren und machen einem das Leben zur Hölle.

Da war der Brief, den ich schon zu Weihnachten hätte schreiben wollen. Zu Ostern habe ich den auch nicht geschrieben. Und die lieben Menschen, denen ich diesen Brief schreiben wollte, hatten sich ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt. Das schlechte Gewissen, dass ich diesen Brief noch nicht geschrieben habe, hat sich auch ganz penetrant in meinem Kopf festgesetzt.
Da war auch Papierkram, um den ich mich vor drei Jahren schon hätte kümmern müssen (ja, drei Jahre!). Der Papierkram hat sich leider nicht, wie erhofft, in Luft aufgelöst. Und dann war da der längst überfällige Besuch bei unseren Seenotrettern. Die haben sich auch nicht in Luft aufgelöst. Dienstags verschwinden sie zwar immer nach Cuxhaven, aber sie kommen wieder. Und das schlechte Gewissen kommt auch wieder. Und eigentlich will ja auch keiner, dass sich unsere Seenotretter in Luft auflösen.

Jedenfalls habe ich es heute geschafft, besagten Brief zu schreiben, den steinzeitlichen Papierkram zu erledigen, mich um diverse andere Dinge zu kümmern, die mein schlechtes Gewissen immer fleißig auf Trab halten, und: meine Seenotretter zu besuchen! 

Ich hatte allerdings schon angefangen mir enrsthaft Sorgen wegen meines Aufschubtalentes zu machen. Da stand doch tatsächlich so ein Mensch in rotem Overall vor mir und ich kannte ihn nicht! Er kannte mich auch nicht! Ich dachte: Oh Gott, jetzt isses soweit! Jetzt hast du dich so lange nicht blicken lassen, dass du die Besatzung der Marwede nicht mehr erkennst. Und die dich auch nicht. Schlechtes Gewissen auf Höhenflug!!! Zum Glück wurde mir dieser Jemand dann aber als neues Besatzungsmitglied vorgestellt. Wir konnten uns also gar nicht kennen. Und ich bin vor Erleichterung beinahe zusammengebrochen.

Es war ein sehr, sehr netter Besuch auf unserem Seenotkreuzer und ich habe den festen Vorsatz, nicht wieder so lange wegzubleiben, dass mich mein schlechtes Gewissen fast umbringt. Und das nicht nur, weil Hund und Mensch so gut gefüttert wurden. 

Heute habe ich mein schlechtes Gewissen um die Ecke gebracht und da soll es auch bleiben. Ich werde mir ernsthaft Mühe geben - besonders mit Briefen, Papierkram und Seenotrettern - damit es nur ja nicht wieder hervorlugt, das schlechte Gewissen. Das sind doch gute Vorsätze für die zweite Hälfte des Jahres, oder?!


Auf dem Weg zum Seenotkreuzer (Den Brief könnt ihr nicht sehen, weil der da längst im Briefkasten war. Den "Papierkram" könnt ihr auch nicht sehen, weil ich den via Email erledigt habe. Aber die Marwede könnt ihr sehen, wenn ihr ganz genau hinguckt.)

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Krippenspiel und "Wir sind Kirche"

Ich muss da nochmal ein paar weihnachtliche Gedanken zu unserem ausgefallenen Krippenspiel loswerden. Es gibt ziemlich viele Leute, die es ziemlich schade finden, dass es in diesem Jahr auf Helgoland kein Krippenspiel für die Kinder gab. Ich gehöre dazu! Warum das so war, ist schnell erklärt: Ich kann alleine kein ganzes Krippenspiel besetzen so nach dem Motto:
Starring in alphabettical order Engel 1: Pamela Hansen Engel 2: Pamela Hansen Engel 3: Pamela Hansen Engel 4: Pamela Hansen Engel 5: Pamela Hansen Engel 6: Pamela Hansen (Wieviele Engel braucht man eigentlich für die ganzen himmlischen Heerscharen???) Esel: Pamela Hansen Hirte 1: Pamela Hansen Hirte 2: Pamela Hansen Hirte 3: Pamela Hansen Herbergswirt 1: Pamela Hansen Herbergswirt 2: Pamela Hansen Josef: Pamela Hansen König 1: Pamela Hansen König 2: Pamela Hansen König 3: Pamela Hansen Maria: Pamela Hansen Ochse: Pamela Hansen Schaf 1: Pamela Hansen Schaf 2: Pamela Hansen Schaf 3: Pamela Hansen
Mein schauspielerisches Talent kann sich zwar sehen lasse…

Du arbeitest doch nur sonntags

Der Tweet einer Kollegin hat mich sehr nachdenklich gemacht. Sie schrieb, dass sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie nach einem 10stündigen Arbeitstag schon Feierabend machte. Erst letzte Woche habe ich einen Zeitungsartikel über eine Pfarrerin mit Burnout gelesen. In den letzten Jahren häuften sich in meinem engeren wie weiteren pastoralen Umfeld die Fälle von Burnout. Ich finde, es wird Zeit, sich nicht nur Gedanken über dieses Problem zu machen, sondern auch darüber zu reden! Und vor allem etwas gegen dieses ungesunde Arbeitspensum zu tun! Denn es ist ja inzwischen medizinisch erwiesen, dass mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche krank machen.
Eigentlich wollte ich über dieses Thema gar nicht losschreiben, weil ich doch schon weiß, was wieder an Reaktionen kommt:  - Ach komm, stell dich nicht so an! - Manchmal muss man eben auch mal etwas mehr machen. - Ich arbeite auch so viel und beschwere mich nicht. - Du wirst schließlich dafür bezahlt! - Du arbeitest doch sowieso nur sonntags
Da …

Packender Unterricht geht wie?

Ich habe meine Konfis rausgeschmissen. Ich habe wirklich, wirklich, ehrlich meine Konfis rausgeschmissen! Das macht mich völlig fertig! Das kommt nämlich superselten vor! Eigentlich fast nie. Und dass es jetzt doch passiert ist, sollte euch sagen, dass Helgoland echt in Not ist!!!
Ich wollte eigentlich in das Thema "Bibel" einsteigen und bin gerade mal bis dahin kommen, dass die Bibel ein Buch ist, das im Grunde aus zwei Büchern besteht: dem Alten Testament und dem Neuen Testament. Und dann musste ich sie rauswerfen, weil nix mehr ging.
Ich gräme mich gerade furchtbar, weil ich die ganze Sache mit dem Bibelthema wohl anders hätte aufziehen sollen: Die Konfis "da abholen, wo sie gerade sind", wie es im theologisch - pädagogischen Fachjargon so schön heißt. 


Ich hätte ja die Tatsache, dass es sich bei der Bibel um ein Buch handelt, weglassen können, weil Bücher ja sowieso toootaaal langweilig sind. Stattdessen hätte ich meinen Konfis erzählen können, dass die Bibel sowa…