Mittwoch, 29. April 2015

Glockenwartung

Ich kann euch beruhigen: Das völlig sinnlose Glockengebimmel am gestrigen Nachmittag hier auf der Insel hatte nichts weiter zu bedeuten, als dass die Glocken gewartet wurden. Das muss in regelmäßigen Abständen sein, um zu sehen, ob mit den Glocken und der Mechanik alles in Ordnung ist. Oder um Reparaturen durchzuführen, wenn das nötig sein sollte.

Das Problem mit unseren Glocken ist, dass sie immer wieder die halbe Insel in Aufruhr versetzen, wenn sie zu ungewohnten Zeiten läuten. Sonntagsmorgens ist völlig normal. Da sagt keiner was. Um 13.00 Uhr ist auch normal. Da weiß jeder sofort, dass jemand gestorben ist, denn das "Ringeln" um 13.00 Uhr ist unser Totengeläut. Allerdings läuft schonmal mein Handy durch eingehende Textnachrichten heiß, wenn die Totenglocke um 13.00 Uhr zu hören ist, weil ganz viele Leute wissen wollen, wer gestorben ist.

Wenn aber am Donnerstagabend die Glocken läuten, dann ist immer wieder Aufregung, weil noch nicht jeder auf dem Schirm hat, dass donnerstags die Taizé Andachten stattfinden. Da Trauungen und Beerdigungen nicht zu festgelegten Zeiten stattfinden, werde ich oft mit der Frage konfrontiert: Was war denn bei euch schon wieder los? 

Ganz große Aufregung gab es mal, als abends um 22.20 Uhr die Totenglocke läutete. Da wollte jemand nach einem Konzert in der Kirche eigentlich nur die Außenbeleuchtung anschalten und hat dummerweise den falschen Knopf erwischt. 

Tja und gestern war ich selbst dann in Aufregung, als die Glocken um kurz vor drei losgingen, weil ich dachte, jemand hätte die Gelegenheit eines nicht abgeschlossenen Glockenkastens genutzt und mal ganz lustig ein paar Knöpfe gedrückt. Aber dann fiel mir wieder ein, dass ja Glockenwartungstag ist und ich mich lediglich auf aufgeregte Leute einstellen muss, die mal wieder wissen wollen: Was war denn bei euch schon wieder los?

Dabei muss die Frage doch eigentlich lauten: Was war denn bei uns schon wieder los? Denn wir haben hier auf der Insel ja alle was von unseren Glocken. Sie markieren Stationen unseres Lebens, wenn sie zu  Geburt, Taufe, Konfirmation, Trauung, Erneuerung eines Eheversprechens, Tod und Beisetzung läuten. Sie rufen zu Gottesdienst uns Gebet zusammen. Sie lassen die ganze Insel wissen, wenn gerade das Vaterunser gebetet wird. Sie erinnern an tragische Ereignisse auf dieser Insel. Sie mahnen zum Frieden. Und sie sagen uns sogar die Urzeit. (Selbst nach drei Jahren habe ich mich noch nicht an die Lautstärke unserer Glocken gewöhnt und werde immer noch viertelstündlich und ganz unsanft aus meinem Mittagsschlaf gerissen. Ausschlafen ist hier auch nicht, denn um 8.00 Uhr geht das Uhrzeitgebimmel los.)

Aber es ist schön zu sehen, dass wir alle hier aufhorchen, wenn die Glocken läuten und merken: Irgendwas ist wieder los auf unserer Insel! Gestern war ja auch was los: Die Glocken wurden gewartet, damit sie uns auch weiterhin auf wichtige Ereignisse aufmerksam machen und die Pastorin aus ihrem Mittagsschlaf reißen können.


Die Läuteordnung sagt uns, wann welche Knöpfe gedrückt werden müssen.



Und das hier sind KEINE Lichtschalter!!!


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