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Jeder hat seine Klorollen


Heute ist Freitag. Also Kindergartentag. Heute war ich aber nicht nur zum Morgenkreis da sondern auch zu einer Besprechung über den im Juni anstehenden Familiengottesdienst. Und so eine Besprechung mit der Leiterin unserer Kindertagesstätte hat irgendwie immer was Therapeutisches. Wenn nämlich der planerische und organisatorische Teil unserer Besprechung durch ist, nutzen wir die verbleibende Zeit, um uns gegenseitig unser Leid zu klagen, über die Herausforderungen, die unsere Arbeit manchmal so mit sich bringt. Heute haben wir dabei festgestellt: Jeder hat so seine Klorollen!

Unsere KiTa-Leiterin Frau I. (Name von der Redaktion geändert!) erwähnte, dass sie es immer schwierig findet, wenn der Kindergarten Klorollen und Wollreste zum Basteln angeboten bekommt. Sicher sind diese Angebote gut gemeint. Es spart ja schließlich Geld, wenn Bastelmaterial nicht immer käuflich erworben werden muss. Gut für die Umwelt ist es auch, wenn man nicht immer alles gleich wegschmeißt. Aber: der Kindergarten braucht wirklich keine Klorollen und Wollreste mehr! Sie haben so viel davon, dass sie sich damit totschmeißen könnten. Außerdem ist es ab einer gewissen Menge einfach unmöglich das Zeug noch irgendwo einzulagern. Besonders auf Helgoland, wo doch sowieso schon alles viel kleiner und enger ist. Die Rechnung ist ganz einfach: Kleinere Häuser = weniger Stauraum = geringere Einlagerungsmöglichkeiten. Dazu kommt, dass unsere Kiddies ja nicht nur mit Klorollen und Wollresten basteln. Ihre Kreativität ist so groß, dass da auch mal andere Materialien her müssen. Und die müssen auch irgendwo untergebracht werden. 

Aber nicht nur der Kindergarten wird mit gut gemeinten Geschenken überhäuft. Auch die Kirchengemeinde hat so ihre "Klorollen".  Die sehen dann so aus:


Ich weiß: Das ist ein sehr hübsches Bild unserer Vorgängerkirche. ABER: Wir haben inzwischen so viele Bilder von unserer Vorgängerkirche, dass wir gar nicht mehr wissen wohin damit! So viel Wandfläche haben wir gar nicht, um die alle aufzuhängen. Und wir haben sie inzwischen in allen Größen, Ansichten und künstlerischen Stilen. Die Bilder reichen von der Kreidezeichnung in Postkartengröße über das Aquarell in A4 bis hin zum Ölgemälde, das gut den Saal eines Schlosses schmücken könnte. (Naja, eigentlich ist es kein echtes Ölbild sondern nur ein Druck. Aber das mit der Größe stimmt schon.) Keine Ahnung, wieviele von diesen Bildern wir schon haben, aber es sind SEHR viele. ZU viele! Gefühlte 300, oder so! 

Abgesehen davon, dass wir gar nicht genug Wandfläche haben, wollen wir außerdem auch noch andere Bilder aufhängen. Oder mal eine Bastelei von den Kindern aus dem Kindergarten. 



Wir könnten natürlich einen eigenen Wandplatz für die alte Helgoländer Kirche freihalten und die Kirchenbilder im Rotationsverfahren in regelmäßigen Abständen austauschen. Aber wenn ich ehrlich bin, dann verbringe ich meine Zeit doch lieber mit "therapeutischen Sitzungen" in der KiTa bei einer Tasse Kaffee, als mich im vierzehntägigen Rythmus und mit Hammer und Nägeln bewaffnet, unserer kleinen Kunstausstellung zu widmen.

Also liebe Leute: Bitte keine Klorollen und Wollreste mehr an den Kindergarten! Auch wenn die Geschenke noch so nett gemeint sind. Der Kindergarten ist wirklich reichlich damit bestückt. Und bitte auch keine Bilder mehr von der alten Helgoländer Kirche an die Kirchengemeinde, selbst wenn das noch netter gemeint ist. Die Kirchengemeinde ist auch reichlich bestückt.

Trotzdem geht an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an all die lieben Leute, die uns immer so nett bedenken. Das zeigt doch schließlich, dass ihnen Kindergarten und Kirchengemeinde am Herzen liegen!

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