Freitag, 3. April 2015

Karfreitag

Ich weiß auch nicht, warum ich gerade für den Karfreitagsgottesdienst immer alles so perfekt haben muss. Wahrscheinlich, weil es ja irgendwie was von Beerdigung hat. Bei Beerdigungen darf auch bloß nichts schiefgehen. Aber irgendwas geht ja immer schief in Gottesdiensten. Bei mir jedenfalls. 

So war es denn heute die Technik, die mir das Leben schwer machte. Ich hatte für den Predigtteil des Gottesdienstes die Bilder und Texte aus dem Ökumenischen Jugendkreuzweg 2015 vorgesehen. Leider ist meine Leinwand nicht so groß, wie ich sie gerne hätte. Und leider ist unsere Kirche viel größer, als ich sie heute gerne gehabt hätte. Jedenfalls waren die Bilder viel zu klein in der großen Kirche - fand ich. Nach langem Hin- und Herjustieren standen Beamer und Leinwand dann so, wie ich sie haben wollte. Die Bilder waren einigermaßen gut zu sehen. Und dann fiel mir doch noch ein, Herrn K. mal zu fragen, wo denn der Chor eigentlich stehen sollte. Natürlich genau hinter (!) der Leinwand. Na super! Das bedeutete: Auf- und Abbau während des Gottesdienstes. Leinwand erst aufbauen, nachdem der Chor das erste Lied gesungen hat. Leinwand abbauen, bevor der Chor das zweite Lied singt. Der Beamer konnte natürlich auch erst nach dem ersten Chorlied angeschaltet werden und musste vor dem nächsten Chorlied wieder aus sein, damit er die Sänger beim Singen nicht "anbeamt".  Aber: Der Beamer lässt das nicht leise über sich ergehen. Er macht leider beim An- und Ausschalten immer so komische Musik, die weder zum Chor noch zu Karfreitag und schon gar nicht in einen Gottesdienst passt. Ich bin bis heute nicht dahinter gestiegen, wie man die komische Musik abstellt. 

Das alles passte mir so gar nicht in den Kram. Bis eine Stunde vor Gottesdienstbeginn zermarterte ich mir noch das Hirn, wie das Problem zu lösen sei, aber mir fiel einfach nichts ein. Und ich war völlig frustriert. Irgendwo lief mir auch noch ein Text über den Weg, in dem es darum ging, dass Karfreitag eine Menge mit Scheitern zu tun hat. Ich dachte nur: Ich will aber jetzt mit meinen Kreuzwegbildern im Gottesdienst nicht scheitern!

Und dann hatte ich plötzlich den jüdischen Gebetsschal in der Hand, den ich in den USA von Freunden als Abschiedsgeschenk bekommen hatte. So ein Gebetsschal ist eigentlich wie ein kleines Zelt, in dem man sich mit Gott trifft. Und genau das habe ich dann getan: mich unter den Schal verkrümelt, zusammen mit Gott - nur er und ich. Und dann habe ich ihm erstmal alles um die Ohren gehauen, was ich über das Thema "Scheitern" denke - in Bezug auf Gottesdienstvorbereitung und überhaupt. 

Auf einmal war dann alles egal: Die Bilder, der Beamer, die Leinwand, mein Frust, mein Ärger. Alles, was zählte, war das, was uns der Karfreitag sagen will. Oder was ich denke, was Gott mir in "unserem Zelt" über Karfreitag sagen wollte: Christus trägt mit seinem Kreuz nicht nur unsere Schuld und unser Scheitern. Christus trägt uns überhaupt. Wir sind getragen und geliebt. Punkt.



So bin ich dann in den Karfreitagsgottesdienst marschiert. Der Beamer hat es sich natürlich nicht nehmen lassen, noch einen obendrauf zu setzen, und die Bilder viel größer auf die viel zu kleine Leinwand zu werfen, als die Vorabeinstellung vorsah. Aber das war egal. Der Auf- und Abbau war auch egal. Genauso wie die komische Musik, die der Beamer beim An- und Ausmachen macht. Dafür hat der Chor umso schöner gesungen. Dafür waren die gemeinsamen Gebete viel eindrucksvoller, als die gezeigten Bilder. Selbst die Bilder hatten was: Obwohl sie aufgrund falscher Einstellung über die Leinwand hinausschossen, stand immer genau der richtige Teil des Bildes im Fokus. Zuzusehen, wie die Gottesdienstbesucher Steine unter das Kreuz legten als Symbol für das, was sie beschwert und niederdrückt, hat mich tief berührt - mehr als das Ablegen meines eigenen Steines. Den hatte ich ja gewissermaßen vorher schon abgelegt, unter meinem Gebetsschal.

Und am Ende dann die Feststellung: Nächstes Jahr machen wir es wieder genauso. Weil einfach alles richtig war. 

1 Kommentar:

  1. Danke!
    Meine "Gebetsschalzeit" war in der Küche - leider erst nach dem Gottesdienst....
    Herzlich
    Birgitta

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