Freitag, 6. März 2015

Südseeträume bei gefühlten 10 Grad minus



Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich bei der letzten Dienstbesprechung vergessen hatte, eine entsprechende Ansage zu machen, oder was das Problem war. Jedenfalls war die Heizung nicht programmiert und in der Kirche war es eisekalt. Und das zum Weltgebetstagsgottesdienst, in dem es um die Bahamas ging. Mir wurde auch nicht wärmer, als ich die Dias von Südseestränden, Palmen und leichtbekleideten Menschen auf den Bahamas zu sehen bekam. Nicht nur die Temperatur fühlte sich an wie im Minusbereich, meine Stimmung auch. Ich wäre doch viel lieber auf den Bahamas gewesen als in der unterkühlten Helgoländer Kirche. Die Antarktis hätte in diesem Jahr viel besser zum Weltgebetstag gepasst, finde ich. Dann hätten wir uns, dem Anlass entsprechend, in Robbenfelle wickeln können oder so. Künstliche Robbenfelle natürlich! Hier will doch keiner die armen kleinen Robbies umbringen, nur damit es sich wärmer anfühlt! Obwohl: der einen oder anderen Kegelrobbe da drüben auf der Düne würde ich schon gerne mal sagen "Vorsicht! Komm mir ja nicht zu nahe, sonst bist du dein Fell los!"

Trotz der Kälte war es ein sehr stimmungsvoller Gottesdienst. Und das hatte dann auch einen positiven Effekt auf meine unterkühlte Stimmung, die sich um gefühlte zehn Grad hob. Die Stimmung wurde noch besser, als es nach dem Gottesdienst ins Gemeindehaus zu gemütlichem Beisammensein und bahamaischer Völlerei ging. Ich weiß echt nicht mehr, wann ich das letzte Mal so viel gefuttert habe! Frau M. (Name von der Redaktion geändert) und Frau L. (Name von der Redaktion auch geändert) hatten sich schon mit einem Holzbrett bewaffnet, um eventuell von meiner Hose abplatzende Knöpfe abwehren zu können. Da ich aber nicht wollte, dass die beiden Damen sich den ganzen Abend hinter besagtem Holzbrett verstecken müssen, habe ich sie aus ihrer misslichen Lage befreit und meine Hose einfach aufgemacht. Das war auch gut so, denn entweder hätte sich mein Hosenknopf wirklich verselbständigt oder, .... Nein, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken!



Nach Auberginen in Cocossoße, Reis mit Bohnen und Paprika, bahamaischem Kartoffelsalat, Kürbissuppe, Karottenkuchen, Rumkuchen und Welfenspeise war ich am Ende meiner Essenskräfte. (Die Welfenspeise war zwar nicht bahamaisch, aber weil ich Herrn K. extra mit vier Eiern dafür ausgeholfen hatte, musste die natürlich auch ausgiebig probiert werden. Nur für's Protokoll: Ich war NICHT diejenige, die die Schüssel ausgeleckt hat! Das war Frau N.!) 

Da den ganzen Abend nicht nur viel gegessen sondern noch mehr gelacht wurde, tat mir am Ende richtig der Bauch weh. Völlig überfressen aber total happy schleppte ich mich rüber in mein Pastorat, wo ich eigentlich nur noch vor dem Fernseher zusammenbrechen wollte. Blöderweise hatte ich meine Auflaufform im Gemeindehaus vergessen. (Den Kuchen, der noch übrig war, hatte ich nicht vergessen. Den hab' ich gleich mitgenommen!) Also nochmal hochieven und Auflaufform holen. Wieder zu Hause angekommen, stellte ich fest, dass sich auch mein Untersetzer noch im Gemeindehaus befand. Aber den konnte ich nun nicht mehr holen. Ich war einfach nicht in der Lage, der Schwerkraft Herr zu werden und mich ein weiteres Mal vom Sofa zu wälzen. Da ich mich nicht mehr vom Sofa wälzen konnte, konnte ich auch nicht  ins Bett. Also bin ich einfach eingepennt, wo ich war: Vor laufendem Fernseher auf dem Sofa. Bis nachts um zwei. Da hatte ich dann offensichtlich genug von den bahamaischen und welfischen Leckereien verdaut, um den Weg runter von der Couch, rauf ins Schlafzimmer und rein ins Bett zu schaffen.

Ende eines wunderbaren Tages!

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