Dienstag, 10. März 2015

Fingernägel und F#m7

Meine Fingernägel sind ab! Meine wunderbaren, langgezüchteten und mit viel Liebe lackierten Fingernägel sind ab! Huäääää! 

Ich bin so besessen von meinen Fingernägeln, weil ich die als Kind immer abgekaut habe und mich ab dem Teenageralter so dem Spott meiner Klassenkameradinnen aussetzen musste. Später habe ich nicht mehr gekaut. Dafür sind sie mir ständig abgebrochen. Irgendwann ist es mir dann aber doch geglückt, sie lang zu züchten und erfolgreich in diesem Zustand zu erhalten. Trotz Feuerwehr, jawohl! Man kann auch mit langen Nägeln Schläuche rollen. Sind ja Handschuhe drüber (über den Nägeln, nicht über den Schläuchen). Nur einmal haben sie etwas gelitten, als ich nämlich mit frisch lackierten Nägeln in einen Einsatz musste. 

Und jetzt sind sie ab. Zumindest an der linken Hand. 
Herr A. hat das natürlich gleich kommentiert: "Sieht ja irgendwie komisch aus, auf der einen Seite bewaffnet und auf der anderen unbewaffnet."

Nein, ich habe nicht wieder das Nägelkauen angefangen. Ich hab' sie einfach abgeschnitten. Unter seelischen Schmerzen! Und Schuld ist unser Jugendpfleger.

Unser Jugendpfleger Herr H. (Name von der Redaktion geändert, was gar nicht viel bringt, denn hier weiß ja jeder, wie Herr H. richtig heißt) versucht schon seit geraumer Zeit, mich zum Gitarrespielen zu zwingen. Er rennt damit bei mir auch offene Türen ein, denn ich habe das Gitarrespielen ja vor langer Zeit gelernt und wollte schon immer mal wieder neu einsteigen. Aber wie das so ist: Gute Vorsätze bleiben oft gute Vorsätze. Es gibt immer irgendwas, das dazwischen kommt. Aber Herr H. lässt einfach nicht locker. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, um das Offene Singen in der Kirche gemeinsam vorzubereiten, fragt er mich, ob ich denn inzwischen angefangen habe, ein paar Akkorde zu üben. Nein, habe ich nicht. Ich hab' keine Zeit dazu.

Heute kam er mit einer ganz fiesen Masche: "Du hast doch zwei Gitarren hier. Wir können ja zusammen einen ganz leichten Kanon üben." Und ich konnte mich nicht rausreden mit dem üblichen "Ich hab' gerade keine Zeit dafür", weil ich ja die Zeit dafür hatte. Aber dann hatte ich, wie ich dachte, die rettende Idee: Meine Fingernägel sind zu lang! Da musste Herr H. dann auch einlenken, denn mit zu langen Fingernägeln kann man wirklich keine Akkorde greifen.

Aber er hatte es irgendwie trotzdem geschafft, meinen Ehrgeiz anzustacheln. Und so kam es, wie es kommen musste: Während er noch damit beschäftigt war, die Gitarren zu stimmen, war ich damit beschäftigt, die Nägel meiner linken Hand zu amputieren. Die an der rechten habe ich drangelassen. Denn: zum Akkordegreifen braucht man unbewaffnet, zum Anschlagen der Saiten braucht man bewaffnet - zumindest wenn man wie ich kein Plättchen hat. (So, jetzt weißt du Bescheid, Herr A.! Ist mir ja sowas von egal, wie das aussieht!)

Aber die Amputation der Fingernägel war nicht die einzige Grausamkeit, die ich meinen Fingern zumuten musste. Ich kann ja noch die ganz einfachen Akkorde so wie A dur oder D dur. Schwierig wird es für mich, wenn ich sogenannte Barré Akkorde greifen muss. Da wird ein einziger(!) Finger über mehrere(!) Gitarrenseiten gelegt. Mein armer Finger verfällt dann immer in eine Art Schockstarre. Das hält zwar die Saiten unten, tut aber auch höllisch weh. F dur ist so ein Akkord. F dur mag ich gar nicht! Wie gesagt: Finger in Schockstarre. 

Natürlich liefen mir beim Blättern im Gesangbuch nur Fs über den Weg. Ich habe daraufhin beschlossen, die blöden F-Akkorde einfach wegzulassen. Und die anderen Barré Akkorde auch. Dumm ist nur, wenn dann gar nichts mehr übrig ist, was ich spielen kann. Also werde ich wohl oder übel üben müssen. Ich glaube, ich werde mir auch den Antistressball wiederholen, den ich Herrn K. gegeben hatte, damit meine Finger damit Krafttraining machen können. 

Völlig mit den Nerven am Ende war ich, als ich in einem Lied diesen Akkord entdeckte: F#m7
Man lasse sich das Mal auf der Zunge zergehen: Fis-moll-sieben!!! Bei dem Ding wollte ich erst gar nicht wissen, wie der zu greifen ist. Der sah rein optisch schon so gemein aus, dass meine geplagten Finger mir einfach den Dienst verweigerten. (Na gut, die zitternden Hände hätten auch von zu viel Kaffee kommen können.)

Meiner Gitarre war dieser Mörderakkord wohl auch nicht geheuer. Ihr riss vor Schreck gleich eine Saite.
Und ich kann keine neuen Gitarrensaiten bestellen, weil ja Passionszeit ist und ich mir vorgenommen habe, bis Ostern nix zu bestellen. Aber mich vor'm Üben drücken kann ich immer noch nicht. Ich habe ja noch eine zweite Gitarre. Grumpf.

Dann werde ich also ab jetzt gegen meine Gitarrenübunlust zu Felde ziehen - linke Hand bewaffnet, rechte Hand unbewaffnet.





Kommentare:

  1. Kennst du den? Fragt ein Cellist den anderen: "Wie komme ich zur Philharmonie?" sagt der andere: "Üben, üben, üben!"

    Kaum zu glauben, wo wir überall Muskeln haben. ;-) und Barree ist einfach fies! Aber F#m7 ist nicht schwerer als Fm7, einfach einen Bund höher rutschen.
    Viel Erfolg wünscht dir Birgitta

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  2. Haha, den kannte ich noch nicht :-D Und dass "Fis-moll-sieben" nicht so schwer ist, hat man mir inzwischen auch über Facebook mitgeteilt. Ich werde ihn also üben, üben, üben!

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