Sonntag, 22. März 2015

Auszeit



Ich habe heute festgestellt, dass mir ein Strandkorb reicht, um zufrieden zu sein. Eigentlich muss ich sonst immer irgendeine Art von Freizeitgestaltung haben, wenn ich mich denn mal dazu entschließe, eine Auszeit zu nehmen. Auszeit bedeutet dann entweder "Musik-an-Zeit" oder "Buch-auf-Zeit, sonst wird mir langweilig während meiner Auszeit. Weil ich mich ja sehr gut kenne (das sollte ich auch nach diversen Jahrzehnten, die ich mit mir schon zu tun habe) habe ich natürlich gleich ein Buch mit in meine heutige Strandkorb-Auszeit genommen. Aber, oh Wunder, das Buch blieb zu! Irgendwie hatte ich dann doch keine Lust, mich in noch mehr Predigtvorbereitung zu stürzen. Immerhin hatte ich heute nach dem Gottesdienst noch den Nerv, die Predigt für die Osternacht fertig zu schreiben. Das reichte offensichtlich aus, um mein latent schlechtes Gewissen mundtot zu machen. Selbst Herrn K. ist es nicht gelungen, das schlechte Gewissen wieder zum Leben zu erwecken mit dem Spruch: "Ich dachte du schreibst an deinen Predigten."

Und so saß ich da in meinem Strandkorb, völlig mit mir und der Welt zufrieden. Ich stellte überrascht fest, dass ich gar nicht das Bedürfnis hatte, irgendwas zu lesen oder irgendwelche Musik zu hören. Die warme Sonne auf meiner Nase war Freizeitgestaltung genug. Und ein Konzert gab's gratis dazu: Mir war vorher gar nicht aufgefallen, wie viele Vögel hier rumzwitschern. Aber ich habe ja für Helgoländer Verhältnisse auch einen großen Garten, in dem ganz viele Vögel ganz viel rumzwitschern können. Und dann ist da ja noch der ganz große Garten gleich nebenan. Da können noch mehr Vögel noch mehr rumzwitschern. Selbst die Spatzen, die in meiner Dachrinne wohnen, haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Verfolgungsjagt durch den Garten zu unterbrechen, um ihren Beitrag zum Konzert der Helgoländer Vogelwelt zu leisten.

Leider ist jetzt die Sonne weg (naja, eigentlich ist sie nicht weg sondern versteckt sich nur hinterm Gemeindehaus) und es wird zu kalt, um noch länger draußen zu sitzen. Aber drinnen wird mir auch nicht  langweilig. Da wartet schließlich noch die Predigtvorbereitung. 

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