Sonntag, 22. Februar 2015

Das "H"-Wort


Ich bin ja so stolz auf uns. Auf Herrn K., auf die GottesdienstbesucherInnen und auf mich selbst. Wir haben es tatsächlich alle geschaft, einen ganzen Gottesdienst durchzufeiern, ohne dass das "H"-Wort auftauchte. Na gut, zu Beginn musste ich es leider doch in den Mund nehmen. Um zu erklären, warum es im Gottesdienst nicht vorkommt, nämlich.

Das "H"-Wort kommt aus dem Hebräischen und heißt übersetzt soviel wie "Lobt Gott!" Da aber Passionszeit ist, leidet Gott und wird nicht gelobt. (Passion = Leiden; in der Passionszeit denken wir an das Leiden Christi vor seinem Tod; da will auch wirklich keiner in überschwengliche "H"-Wort-Rufe ausbrechen)

Welches Wort das ist, wollt ihr wissen?
Ich gebe euch einen Tipp: Es ist ein Wort, dass mit "H" anfängt und mit "alleluja" aufhört ;-)
Dieses Wort wird ab Aschermittwoch weggesprerrt und darf erst an Ostern wieder raus. Damit man auch wirklich merkt, dass Passionszeit ist.

Aber es ist ein ziemlich hinterlistiges kleines Wort, das kann ich euch sagen. Immer wieder schleicht es sich heimlich, still und leise in einen Gottesdienst hinein. Obwohl es das während der Passionszeit gar nicht darf. Selbst das liturgische Wachpersonal (KirchenmusikerInnen und PastorInnen) bekommt nicht immer mit, wenn das "H"-Wort irgendwo zwischenschlüpft. Mir ist es früher schon öfter passiert (eigentlich jedes Jahr), dass ich zu Beginn der Passionszeit nicht aufmerksam genug war. Wenn man zu faul ist, die ausgesuchten Lieder für den Gottesdienst Strophe für Stophe akribisch durchzugehen, dann mogelt sich da schonmal ein Vers mit dem "H"-Wort rein. Einmal musste mich sogar der Kirchenmusiker darauf aufmerksam machen, dass das "H"-Wort während der Passionszeit ja entfällt. Das hatte ich total vergessen: Mein mühselig zusammengebastelter Gottesdienstablauf war voll mit  "H"-Worten! Und das obwohl ich ja selbst zum liturgischen Wachpersonal gehöre.

Und dann sind wir ja alle auch noch Gewohnheitstiere. Es kann ganz schnell passieren, dass ein Kirchenmusiker / eine Kirchenmusikerin gar nicht groß darüber nachdenkt, was er oder sie da gerade tut, und voller Inbrunst das "H"-Wort-Stück nach der Lesung spielt. Und wenn er oder sie doch an die Passionszeit denkt, und das "H"-Wort-Stück nach der Lesung wie vorgesehen weglässt, dann haut es garantiert eine(r) von den GottesdienstbesucherInnnen raus (oder die Pastorin). 

Was euch das jetzt bringt, dass ihr wisst, dass das "H"-Wort während der Passionszeit im Gottesdienst nicht vorkommen soll? Weiß ich nicht. Aber wenigstens könnt ihr nach einem Passionsgottesdienst ganz klug und gebildet tun, wenn sich das "H"-Wort mal wieder reingemogelt hat, und dem Pastor / der Pastorin sagen: Ich dachte, das Halleluja entfällt während der Passionszeit!? (Huch! Jetzt ist es mir doch rausgerutscht. Ich sag doch: ein ganz hinterlistiges kleines Wort!)

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P.S.: Ich glaube, ich muss demnächst mal meinen Frust über politische Korrektheit, Integratives "I" und das ganze Gender-Dings beim Schreiben rauslassen!

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